Henryk M. Broder / 28.05.2017 / 10:27 / Foto: Markus Hagenlocher / 14 / Seite ausdrucken

Margot Käßmann holt die Nürnberger Gesetze aus der Versenkung

Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Hannovers berichtet vom Evangelischen Kirchentag in Berlin. Dort habe "die Reformationsbotschafterin Margot Käßmann... die AfD angegriffen", und das im Rahmen einer "Bibelarbeit" in einer Messehalle. Dabei habe sie unter "tosendem Beifall" der 5.000 Besucher auch gesagt: "Zwei deutsche Eltern, vier deutsche Großeltern: 'Da weiß man, woher der braune Wind wirklich weht'", so steht es, noch einmal, auf der Homepage der Evangelisch-Lutherische Landeskirche Hannovers

Was will uns Frau Käßmann damit sagen? Vermutlich das: Man wird als Nazi geboren. Alles, was dazu nötig ist, sind zwei deutsche Eltern und vier deutsche Großeltern. Das ist Rassismus pur, die Fortsetzung der Nürnberger Gesetze, diesmal nur andersrum. Brauchte man früher zwei jüdische Eltern und vier jüdische Großeltern, um als "Volljude" eingestuft zu werden, wird jeder, der zwei deutsche Eltern und vier deutsche Großeltern hat, automatisch zum Vollnazi. 

Das ist noch tollkühner als besoffen eine rote Ampel zu überfahren. Aber erstaunlicherweise regt sich keine Sau darüber auf, obwohl, wie wir alle wissen, sogar das Geschlecht einer Person nicht angeboren, sondern ein "soziales Konstrukt" ist. Das müsste, genau genommen, auch für die politische Haltung gelten. Tut es aber nicht.

Es kann damit zu tun haben, dass Frau Käßmann eine Art Heilige im Vorruhestand ist, obwohl sie nur Vollstuss redet und schreibt. Ich erinnere nur an ihre Feststellung, auch Terroristen seien "Gottes Ebenbild, wenn auch in einer verzerrten Version", man müsse ihnen "mit Beten und Liebe begegnen".

Das gilt natürlich nicht für Menschen, die "zwei deutsche Eltern und vier deutsche Großeltern" hatten. Bleibt nur die Hoffnung, dass Gott keine deutschen Vorfahren hat und kein Ebenbild von Frau Käßmann ist.  

PS. Wie die Morgenpost berichtet, erwägt Margot Käßmann "rechtliche Schritte" gegen Netzwerke, die ihre Rede auf dem Evangelischen Kirchentag falsch wiedergegeben haben. Das ist eine prima Idee. Sie sollte mit der Homepage der Evangelisch-Lutherische Landeskirche Hannovers anfangen.

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Christoph Kappes / 28.05.2017

Meinen Sie nicht, Sie könnten etwas zum Kontext geschrieben haben, auf den Frau Käßmann sich bezieht? Das wöre vielleicht noch ein Postscriptum wert.

annen nerede / 28.05.2017

Zeus? Die Frau spinnt.

Dirk Jungnickel / 28.05.2017

Der Kirchentag ist im Laufe der Jahre zu einem Jahrmarkt der Beliebigkeiten mutiert, zu einem Anschauungsunterricht für ein politisiertes sowie infantilisiertes Christentum.  Frau Käßmanns Aussage über deutsche Vorfahren ist nicht die fragwürdigste. Neulich verlangte sie gar eine zu dolmetschende Bibel. Möglicherweise ist ihr entfallen, dass der Dr. Martin Luther in dieser Hinsicht schon Großes geleistet hat.  Aber wir sollten schon sehr gespannt sein,  was mit der von Käßmann verdolmetschten Bibel auf uns zu kommt.  Begegnen wir ihr mit “Beten und Liebe”  ....

Klaus Wenzel / 28.05.2017

Frau Käßmann ist sicher keine intellektuelle Leuchte, sondern eine Repräsentantin jener Amtskirche, die atemlos dem Zeitgeist hinterher hechelt, Zu ihrer “Bibelarbeit” möchte ich mir kein Urteil erlauben, fünftausend und mehr Zuhörer waren anscheinend hochzufrieden damit. Was natürlich nichts heissen muss. Käßmann ist demnach eher als Phänotypus interessant. Offenbar ist es heute so, dass man in Deutschland als Deutscher unbeschadet vor einem großen Publikum alles, was irgendwie “deutsch” ist oder erscheint mit negativen Konnotationen versehen kann, ja beinahe muss. Das scheint im Sinne der Massenpsychologie interessant, denn es geht ja weit über die Ablehnung der AFD hinaus. Der politische Kampf gegen die AFD ist dabei durchaus legitim, aber hierbei bleibt es eben nicht. Ähnliche Erscheinungen einer Selbstentwertung oder -verleugnung zeigen sich ja in den Medien, in der Politik etc. pp. Diesem Teil der Bevölkerung (also nicht allen, die gerade hier sind, sondern jenen, die hier geboren wurden) kann es mit der Abschaffung des als Makel empfundenen Daseins als Deutsche offenbar nicht schnell genug gehen. Nun denn. Bislang bleibt die Vision jener, nämlich die friedfertige eine Welt,in der alle Hautfarben, Religionen und Menschen friedlich zusammen leben, nichts als ein einfältiger Traum. Wenig spricht dafür, dass dieser jemals Wirklichkeit werden könnte, denn er blendet aus, dass unterschiedliche Menschen einander widerstreitende Interessen haben können. Viel spricht eher dafür, dass dieses selbst erzeugte Vakuum des Nicht-Deutsch-Sein-Wollens in Deutschland von Kräften gefüllt werden wird, die ebenso entschlossen wie ideologisch fest zielstrebig ihre partikularen Interessen durchsetzen werden. Kässmann und Co. werden in dieser neuen Gesellschaft sicher einen wohlverdienten Ruheplatz als Schaufensterfiguren für Toleranz konzediert bekommen (zumindest fürs erste). Ob dabei allerdings die ersehnte bonbonfarbene multikurelle Vielfalt und Freiheit entsteht, erscheint mir mehr als zweifelhaft.

Karl Kaiser / 28.05.2017

Schöner Gartenzaun. Ich hatte schon Angst, Sie veröffentlichen ein Bild von Frau Kässmann.

Bernd Zarneckow / 28.05.2017

Ist denn bekannt, warum sich die Theologin Käßmann im Rahmen einer Bibelarbeit an die Exegese des AFD-Wahlprogramms wagte? Nach meiner Erinnerung war früher nach der „Offenbahrung des Johannes“ Schluss mit Bibel.

Karl Renz / 28.05.2017

Der Spruch von Käßmann soll je etwas zu tun haben mit familienpolitischen Vorschlägen der AfD. Womit konkret wäre schon interessant. Es ist nämlich kaum vorstellbar dass die AfD explizit erklärt nur biodeutsche Geburten fördern zu wollen. Wie auch immer, Käßmann ist nur eine der besonders Verrückten in dem Tollhaus dass sich “Elite” nennt. Die sind völlig fixiert auf die Vorstellung dass die Ablehnung des Islam, und somit unvermeidlich auch seiner Vertreter, eigentlich nur Ausdruck von Rassismus sei. Das ist aber völlig falsch. Es geht nur um Ablehnung der offensichtlich allzu großen Probleme mit dieser Gruppe. Aber sie hören nicht auf “Vielfalt” als notwendige und wünschenswerte Zukunft zu preisen, obwohl, wie gesagt kaum jemand andere Ethnien hier grundsätzlich nicht sehen will. Aber eben nur solche die verträglich, sind und vielleicht sogar eine echte Bereicherung, was meines Erachtens auf Buddhisten zutrifft. Diese Irren sind derart irre dass sie einfach nicht mehr hören und wahrnehmen was ihre Rolle als heilige(r) KriegerIn gegen Rechts nicht bestätigt. Und so verworren dass sie ständig hetzen und verurteilen, aber gleichzeitig das Monopol auf Mitgefühl beanspruchen.

Dr. Bredereck, Hartmut / 28.05.2017

Wie immer in solchen Fällen, beklagt sich Frau Käßmann, dass sie falsch zitiert bzw. aus dem Zusammenhang gerissen, zitiert wurde. Sie hat noch nicht begriffen, dass Nazi-Vergleiche unweigerlich ins Abseits führen.  Führende Vertreter der Evangelischen Kirche offenbaren sich erneut als Helfeshelfer der Regierung und diffamieren andere Parteien und Personen. Das kennen wir ja schon aus vergangenen Zeiten. Es wird wirklich Zeit, dass sich Margot Käßmann ins Privatleben zurückzieht und wir von ihren Einlassungen verschont bleiben.  Auf Usedom kann sie reden und schreiben, was sie will - der Wind bläst es ungehört übers Meer…

Ralf Pöhling / 28.05.2017

Einen herzlichen Dank, Herr Broder! Besser kann man es nicht ausdrücken. Käßmann offenbart hier in nahezu unfassbarer Naivität und Selbstgefälligkeit, dass sie genau zu dem Lager gehört, das sie angeblich verdammt. Offenbar ist die Methodik des III. Reiches in weiten Teilen der deutschen Bevölkerung nicht kritikwürdig, so lang die Opfer denn andere sind. Woran liegt das? Das links-religiöse Spektrum in unserem Land leidet unter massiver Distanzeritis und verdrängt so die eigene Mitverantwortung am immer wieder durchbrechenden Totalitarismus. Es gibt Menschen, die stellen sich ihrer Verantwortung und es gibt Menschen, die einfach davonlaufen. Letzteren bleibt der Lernprozess natürlich verwehrt.

bernd sellhorn / 28.05.2017

Wenn ich nicht schon vor Jahren aus der Kirche ausgetreten währe, würde ich es heute wegen Käßmann und Bedford-Strohm tun.

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