Hier ein Geständnis: Ich bin ein Mann. Ich weiß, es gehört Mut dazu, das so offen zu sagen. Es ist fast so hart wie das Eingeständnis: Ich bin ein Bankmanager. (Was ich zum Glück nicht bin. Einige arme Kerle müssen ja beide Kreuze tragen, das des Mannes und das des Bankmanagers.) Aber mein coming out als Mann allein fällt mir schwer genug. Seit der Kachelmann-Strauss-Kahn-Berlusconi-Hamburg-Mannheimer-Ergo-Skandalserie haben wir Männer ein massives Image-Problem. Und jeder Werbefachmann weiß, wie schwierig es ist, einen einmal eingetretenen Image-Schaden wieder gut zu machen. Da braucht man einen langen Atem und teure Berater. Oder besser noch: ein neues Produkt. Aber wohin mit dem alten Adam? Man kann ihn ja nicht einfach zum Wertstoffhof bringen. Und vielleicht wird er eines Tages ja doch wieder gebraucht. Wer weiß das schon. Was lange genug aus der Mode war, kommt plötzlich, leicht umgeschneidert, wieder zurück.
Im Moment sieht es allerdings nicht gut aus. Unser Image ist ja nicht erst seit den Kachelmann-Strauss-Kahn-Berlusconi-Ergo-Schlagzeilen angeschlagen. Wir sitzen schon länger auf der Strafbank.
Ich spüre das jedes Mal, wenn ich in ein Parkhaus fahre und die Schilder mit der Aufschrift „Nur für Frauen“ lese. Nicht dass ich neidisch wäre, weil die Damen die bequemeren, dem Ausgang am nächsten gelegenen Plätze kriegen. Die gönne ich ihnen von Herzen. Nein, mich berührt unangenehm, was die Schilder aussagen: Euch Männern kann man als Frau im Dunkeln eines Parkhauses nicht über den Weg trauen. Und das Schlimme ist: Es stimmt sogar. Das Misstrauen haben wir Männer zweifellos selbst verschuldet. Aber mir als Mitmann ist das furchtbar peinlich.
Früher konnte der Mann wenigstens auch noch als Beschützer auftreten. Also als der tolle Hecht, der die Frau verteidigt, wenn sie im Parkhaus von einem miesen Kerl angegriffen wird. In der Rolle des Beschützers hätte man die Schilder „Nur für Frauen“ leichter ertragen können, wenn es sie damals schon gegeben hätte. Man war ja nicht nur auf den üblichen Verdächtigen abonniert, man hatte auch die Chance, den Retter zu spielen. Aber die Beschützerrolle ist aus dem Repertoir verschwunden. Wozu braucht die moderne Karate-Frau noch einen Beschützer? Ganz zu schweigen davon, dass es gegen ihr emanzipatorisches Selbstverständnis verstößt, sich bebend in die Arme eines tollen Hechts zu werfen. Und zugegebenermaßen gibt es unter den sonst ganz anständigen Männern nicht nur tolle Hechte sondern auch olle Karpfen. Mit Bierbauch gibt man nun mal keine überzeugende Heldengestalt ab.
Was bleibt? Vom Mann als Ernährer, den es ja auch mal gab, will ich gar nicht groß reden. Das 242-Dollar-Steak, an dem sich Dominique Strauss-Kahn erfreut hat, hat ihm, wie ich den Laden kenne, seine Frau spendiert. Er ist ja im Moment etwas unbeweglich. Ich als Mann kann da mit dem 24-Dollar-Steak, das ich meiner Frau neulich in einem Restaurant bestellt habe, natürlich nicht mithalten. Ich weiß zwar nicht, ob ein 242-Dollar-Steak wirklich zehnmal besser schmeckt als ein 24-Dollar-Steak, aber das ist ein anderes Thema.
Vom Steak zurück zur Rolle des Mannes. Ganz früher gab’s auch noch den Mann als klugen Kopf, als Erklärer der Welt, als kundigen Reiseführer durch die Unbilden des Lebens. Den können wir nun wirklich vergessen. Nicht nur, weil die Frauen uns mit ihrem Köpfchen längst die Schau stehlen. In der Schule können wir, hormongeschwächt, intellektuell nur noch hinter den Mädchen her hecheln. Vor allem aber: Wir Männer haben inzwischen in der Fernseh-Werbung, die ja unsere Leitkultur ist, eine ganz andere tragende Rolle übernommen: nämlich die des Deppen vom Dienst.
Schussel, Tölpel, Kindskopf – das ist die schöne neue Werbewelt des Mannes. Und diese Neubesetzung ist alternativlos. Die Frau muss in unserer politisch korrekten Zeit auch in der Werbung stets als stark und tüchtig, kurz: als Überfrau erscheinen. Das strahlende Dummerl an der Waschmaschine ist schon lange vom Bildschirm verbannt. Abgelöst vom Doldi mit den zwei linken Händen, den die umsichtige Frau lächelnd vor Schlimmerem bewahrt.
Dass wir Männer inzwischen gekonnt und nahezu exklusiv das Dummerl spielen, empfinde ich als einen letzten Kavaliersdienst für die Frau, in einer Zeit, da der klassische Kavalier aus den Drehbüchern gestrichen ist. Und, so komisch es klingt: Ich freue mich richtig über die Rolle als Doldi. Das ist wenigstens mal etwas Nettes, Sympathisches. Ich bin tausendmal lieber der Pausenclown als der Widerling, der hinter Parkhauswänden lauert.