Gunter Weißgerber / 05.12.2016 / 06:29 / Foto: Bundesarchiv / 7 / Seite ausdrucken

Make Antiamerica great again!

Endlich, endlich nach aufgezwungenen Schamjahren der sogenannten SED/MfS-Aufarbeitung ist es vollbracht. Endgültig vollbracht mit der Niederlage von Hillary Clinton. Endlich, endlich stimmen die Koordinaten wieder. Trump ist wie Reagan und der Feind ist dort, wo Reagan/Trump präsidieren: Auf unserem Wohlfühlkontinent Antiamerica.



Diese blöde CIA-initiierte Konterrevolution in der früheren DDR, die unserem Sozialismus so eklig und brutal den friedens- und fortschrittsbejahenden Mantel wegriss und auch unsere schöne westdeutsche Friedens- und Sowjetkooperationsbewegung für ein Vierteljahrhundert ans hässliche Tageslicht zerrte, ist jetzt vergraben. Vergraben unter SudelRotGrün und unserer rosigen Zukunft. 

Wir sind wieder voll da. Auch weil wir nicht aufgegeben haben. Wir geben niemals auf!

Amerika ist der kapitalistische Hauptfeind, Amerika stürzt die Welt ins Unglück und wir retten sie mit Anti-TTIP-, Anti-CETA, AntiTrump-Demos – natürlich auch mit Putin: Denn dieser Kapitalist ist ein guter Kapitalist. Er verzichtet zwar auf die ideologische Tarnung „Marxismus-Leninismus“, dafür beherrscht er das tschekistische Einmaleins der Zersetzung, der Informationsumkehr, und seine Feinde sind Freiheit, Demokratie und Selbstbestimmung in freien Wahlen in der Perfektion. Vor allem aber ist sein Feind unser Feind: Die USA. 



Öffentliche Galgen sind Teil unseres Biotops

Was sind schon die Taten von Putin, Erdogan, Assad im Vergleich zu den Wahlkampfworten eines Trump? Nichts. Gar nichts. Überhaupt nichts! Über die Taten wächst Gras, da düngen wir fleißig mit. Trump aber kommt ab 20. Januar 2017: „Ami go home“ – und wenn dieses demokratische Europa darüber zusammenkracht. 

Endlich passt die Straße wieder richtig zu uns, so wie früher in den glorreichen 68ern und 80ern. Wir müssen nur unsere Reagan- und Uncle-Sam-Galgen wieder aufpolieren und jetzt Trump dran hängen. Denn wir dürfen das. Öffentliche Galgen sind Teil unseres Biotops. Jedenfalls solange die Richtigen dran baumeln.

Was interessiert uns die Ukraine, was Aleppo (schon Väterchen Stalin wartete seinerseits genüsslich die Niederschlagung des Warschauer Aufstandes ab – welches Interesse sollte er an einem selbstbefreiten Polen gehabt haben?), was Georgien, was der homo sovieticus? 

Trump hat uns unser Feindbild wieder gegeben. Dagegen verblasst Putin zu menschlicher Wärme. Wer kann sich schon um alles kümmern? Wir nicht! Wir kümmern uns um Trump.

Ich habe einen anderen nicht krawalligen Tipp für die die immerwährend friedensbewegten Amerikahasser und Putinfreunde: Haltet es mit dem Historiker  Timothy Snyder. Der versucht gerade, das Wahlergebnis in den Vereinigten Staaten zu akzeptieren – was wären Wahlen, wenn die Ergebnisse nicht akzeptiert würden?

 Aber ich weiß schon: Ihr braucht den Krawall und sogar  die Vermummung um euer selbst willen. 

Den Mut, in einer Diktatur unvermummt und anständig für die Freiheit auf die Straße zu gehen, den würdet ihr niemals aufbringen. Weil ihr in dem Fall nämlich euer eigenes Leben und nicht das Unschuldiger riskieren würdet. Deshalb habt Ihr uns auch den Sozialismus gegönnt, ohne diesen selbst zu genießen. 



Ihr seid ja nicht rübergemacht in die Zone, in das Paradies. Habt uns lieber allein sozialistisch leben lassen. Und jetzt reißt ihr wieder den Mund auf, wie bis 1989.

Gunter Weißgerber ist ehemaliger Bundestagsabgeordneter der SPD (1990 - 2009) und gehörte in der DDR zu den Leipziger Gründungsmitgliedern der Partei

Foto: Bundesarchiv CC BY-SA 3.0 de via Wikimedia

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Leserpost

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Heiner Lustig / 05.12.2016

Mh, ich möchte aber schon daß die Fremdtruppen mit ihren Atombomben und ihren Dronenlenkzentralen und ihren Massenüberwachungseinrichtungen unser Deutschland verlassen.

Mona Rieboldt / 05.12.2016

Die Propaganda seit vielen Wochen gegen Trump vor allem im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ist absurd. Dann gibt es Überschriften wie “Trump hat mit Taiwan telefoniert und China ‘gekränkt’” Dabei hat Trump nicht angerufen, sondern er wurde angerufen. Nur Ihr Schreiben vom “bösen Putin” ist nicht weniger absurd, wenn sie Aleppo noch dazu nehmen. USA haben nicht weniger geopolitische Interessen als Russland. Und was Aleppo angeht, wurden die Rebellen von USA unterstützt. Und diese Rebellen sind genauso Kopfabschneider und Folterer wie der IS. Bomben auf Aleppo sind böse, Bomben auf Mosul aber gut? Auch in Mosul gibt es Zivilbevölkerung. Bei Ihnen gibt es nur weiß und gut = USA, dann böse und schlecht = Russland, genannt Putin. Auch die USA haben ihnen nicht genehme Regierungen z.B. Südamerika mit Geheimdienstaktivitäten entfernen lassen. Es gibt nicht nur schwarz oder weiß, dazwischen sind viele Grautöne.

Volker Greve / 05.12.2016

Vielen Dank Herr Weißgerber aber was wollen Sie machen gegen 40 Jahre Sozialdemokratisierung in Westdeutschland ? Wer die Entwicklung der Politik nach der Wahl von Helmut Kohl 1983 genau verfolgte wunderte sich das dieser die sozialdemokratischen ” Errungenschaften” nicht auf ein normales Maß zurücknahm , sondern noch ausbaute . Insofern haben wir es mit einer typisch deutschen Kontinuität zu tun . Hierzu gehört auch der “Erbhof” Amerikahaß und der Judenhaß, oh pardon die Israelkritik .

A.Engel / 05.12.2016

In New York, Sept. 22, 2016 hat Israels Ministerpräsident Netanjahu das folgende gesagt: “But in this revolution, we never forget that our most cherished alliance, our deepest friendship is with the United States of America, the most powerful and the most generous nation on earth.” Das ist der Kern, warum die Deutschen 33er, 68er und 80er Amerika hassen. Nichts hat sich geändert.

Matthias Böhnki / 05.12.2016

Du lieber Himmel….................................!

Robert Krischik / 05.12.2016

Typisch SPD-Denke. Wenn ich früher über die Grenze wollte, um Freunde zu besuchen, hatte ich mit meinen langen Haaren und meiner verwaschenen Jeans viel größere Probleme bei den Kontrolleuren als die ganzen Schlipse, die nicht links waren und mit der DDR gute Geschäfte gemacht haben. Aber ja, wir haben gegen die Nachrüstung demonstriert hatten und übersehen, dass ein militärisch starker Westen die einzige Chance für einen Wandel darstellte. Aber jetzt so zu tun, als wären alle für den Zusammenbruch des Sowjetsystems und des Ostblocks gewesen, die nicht im Hofgarten demonstriert haben, greift wohl ein wenig zu kurz. Ich sage nur Strauss.

Bärbel Schneider / 05.12.2016

Es ist durchaus nicht sicher, ob sich die alte Feindschaft zwischen Putin und den USA unter Trump fortsetzen wird. Aus einem Focus-Artikel (01.12.16): “Wladimir Putin hatte den republikanischen Präsidentschaftsbewerber in seiner Jahrespressekonferenz als schillernden und äußerst talentierten Menschen bezeichnet. ... Donald Trump sagte: ,Ich habe immer das Gefühl gehabt, dass Russland und die Vereinigten Staaten im Kampf gegen Terrorismus und für den Weltfrieden gut zusammenarbeiten können – ganz zu schweigen von wirtschaftlichen und anderen Vorteilen, die aus gegenseitigem Respekt resultieren.´ Putin sei ein großer Staatsmann und es wäre ein Ehre gewesen von ihm gelobt zu werden, so Trump weiter.”

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