Die Süddeutsche interviewt Charlotte Roche, Furunkelphilosophin und neuerdings Atomkraftgegnerin. Das zugehörige Foto (mit der krassesten Gesichtsausdrucks-Bildhintergrundsschere der jüngeren Pressegeschichte) soll vielleicht auf die vielen an Leukämie erkrankten Polizisten aufmerksam machen, die die Dame alpträumt. Die existieren freilich nicht, doch falls Frau Roche sich selbst glauben sollte, trüge sie durch ihre Teilnahme am Protest selbstverständlich Mitschuld an diesen Krankheitsfällen. Sei’s drum, sie versteht auch sonst nichts vom Thema, was niemanden davon abhalten muss, sich lautstark dazu zu äußern. Und so lesen wir:
“Am Freitagabend bei meiner Ankunft wirkte das Wendland auf mich wie ein Kriegsgebiet - überall war Polizei. Alle paar hundert Meter gab es Kontrollen und es hieß: ‘Aussteigen, Ausweis zeigen, Kofferraum auf!’ Das Auto wurde durchsucht und sie haben einem mit der Taschenlampe ins Gesicht geleuchtet. Gerade deswegen habe ich für mich beschlossen, immer sehr freundlich zu Polizisten zu sein, egal wie diese mich schikanieren.”
Ein Ratschlag einer wahrhaft übel schikanierten Jeanne d’Arc, den wir gerne weitergeben an die Jugend Teherans, der ja auch gelegentlich im Evin-Knast mit der Taschenlampe ins Gesicht geleuchtet wird.
” sueddeutsche.de: Sie selbst haben im Vorfeld zum “Schottern” aufgerufen, also dazu, die Steine aus dem Gleisbett zu entfernen ...
Roche: Absolut. Ich habe allerdings nicht zum Schottern aufgerufen, sondern nur gesagt, dass ich selbst schottern werde. Aufgerufen habe ich hingegen zu jeder Art von friedlichem Protest”
Statt also dazu aufzurufen, Frau Roche die Einfahrt umzupflügen, kündige ich an, es selbst zu tun. Andererseits - simma ma ehrlich - bin ich dazu zu faul und will außerdem nicht nach Köln. Geht ihr ähnlich:
”sueddeutsche.de: Haben Sie auch selbst geschottert?
Roche: Nein, ich war gar nicht zu Fuß am Gleis, das habe ich mich nicht getraut. Um dieses Gleis ist so ein Hype. Ich bin aber solidarisch mit allen, die sich getraut haben. Als ich am Freitag in Köln losgefahren bin, habe ich das gar nicht verstanden und mir gedacht: Das ist doch total einfach - wir gehen einfach alle zusammen ans Gleis und machen es kaputt. Doch wenn man vor Ort ist und diese unglaubliche Polizeipräsenz sieht, merkt man erst, wie schwierig der Widerstand ist. So leicht kommt man gar nicht hin, an das Gleis.”
Alles nicht so einfach. Nachdem die stoisch alle Schikanen ertragende Märtyrerin also an einer denkbar simplen Art der Sachbeschädigung scheiterte, legt sie nach:
“Ich werde mich nächstes Jahr an die Gleise ketten.”
Und ich lasse mich in der Zwischenzeit zum Lokführer ausbilden.