Von Tamara Wernli.
"Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift. Allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist", wusste schon Paracelsus im 15. Jahrhundert. Dass auch ein bestimmtes menschliches Verhalten weitestgehend von der Dosis gewisser Charakterzüge abhängt, scheint für die Spezies Genderexperten nicht gegeben: Sie setzen asoziales Benehmen generell mit Männlichkeit gleich, statt es mit der Frage des Maßes zu verbinden. Letzte Woche habe ich den Gender-Begriff "toxische Männlichkeit" erläutert - typisch männliche Eigenschaften kreieren angeblich ein Umfeld, das zu Gewalt gegenüber Frauen ermuntert. Frauen würden sich darum von Männlichkeit bedroht und abgestossen fühlen.
Das Problem an Thesen, die statt belegten Inhalten nur moralische Überlegenheit transportieren, ist, dass ihre Widerlegung meist schneller erfolgt, als dass der Gender-Profi seinen Gedanken zu Ende spinnen kann. Nämlich dann, wenn die Wissenschaft ins Spiel kommt. Ich bin gerade auf eine aktuelle Studie gestossen, veröffentlicht von der American Psychological Association (APA), die zeigt: Frauen stehen auf Männlichkeit.
"Frauen mit männlichen Ehemännern weisen eine grössere Zufriedenheit auf während ihres Fruchtbarkeits-Höhepunktes", so der Titel der Studie, deren Ziel es war, die Korrelation zwischen der Fruchtbarkeit der Frau und der Männlichkeit ihres Partners zu untersuchen, im Kontext einer langjährigen Beziehung. Dazu wurden die täglichen Daten von 70 neuverheirateten Paaren analysiert. Das von Studienleiterin Andrea L. Meltzer auf zwölf Seiten dargelegte Resultat, offenbart, dass Frauen mit Ehemännern, die sich selbst anhand ihres Verhaltens als männlich einstufen, um den Eisprung herum zufriedener mit ihren Partnern sind, als Frauen mit weniger maskulinen Ehemännern. Bei ihnen wurde während der Zeit überhaupt kein Anstieg der Zufriedenheit festgestellt.
Natürlich muss man jede Studie relativieren, und 70 Paare sind nicht gerade viel. Auch steht außer Frage: Ein zu hohes Grad an gewissen männlichen Eigenschaften wie Dominanz oder kompetitives Verhalten ist selbstverständlich sozial nicht mehr verträglich – nur hat das nichts mit Männlichkeit per se zu tun, sondern mit dem Charakter der betroffenen Person. Ob männlich oder weiblich spielt dabei keine Rolle. Jeder Charakterzug, der ins Extreme driftet, stellt ein gesellschaftliches Zusammenleben auf die Probe. Das kann man übrigens auch auf positive Eigenschaften beziehen: Ist jemand exzessiv humorvoll und grölt die ganze Zeit über, geht er uns bald mal auf den Sack.
Die Lehre vom Gorillaweibchen
Eine Überraschung ist das Studienresultat trotzdem nicht. Auch Säugetiere wie etwa das Gorillaweibchen suchen in ihrer fruchtbaren Phase instinktiv die Nähe des stärksten, grössten, zähesten, dominantesten Männchens (also exakt jene Tiere mit den von Genderisten so verteufelten Eigenschaften) und signalisieren ihm dann ihre Paarungsbereitschaft. "Im Endeffekt kommen meistens hochrangige Männchen zum Zug", erklärt der Primatenforscher Peter Kappeler in der "Berliner Zeitung".
Die Tatsache, dass wir Frauen ausgerechnet während unserer biologisch wertvollsten Zeit – also dann, wenn wir nichts weniger tun, als den Fortbestand der Menschheit zu sichern – mit maskulinen Partnern zufriedener sind als mit verweichlichten, lammfrommen Stubentigern, dürfte sich für "Gender Studies"-Professoren anfühlen wie eine zu eng gebundene Fliege.
Aber wahrscheinlich halten sie auch hierfür eine abstruse Erklärung bereit, etwa die: Es hat nix mit Natur zu tun! Es ist die Gesellschaft, die uns unsere Präferenz anerzogen hat. (Das wäre dann dieselbe Gesellschaft, die Mädchen einredet, dass sie dunkelblau mögen und später sehnlichst Ingenieurinnen werden wollen). Oder, noch besser: Frauen sind während ihres Eisprungs gar nicht zurechnungsfähig.
Für jene Frauen unter uns, die bestimmte feminine Charaktervorlieben als "soziales Konstrukt" anzweifeln, und die ihre Neigung zu männlichen Partnern mit dem Urinstinkt erklären, gibt es ab heute bestimmt einen neuen Gender-Begriff: toxische Weiblichkeit.
Der Beitrag erschien zuerst in der Basler Zeitung. Tamara Wernlis Kolumne gibt es jetzt hier auch als Videobotschaft, man kann sie auf ihrem YouTube-Kanal auch abonnieren.
Tamara Wernli arbeitet als freischaffende News-Moderatorin und Kolumnistin bei der Basler Zeitung. Dort erschien dieser Beitrag zuerst. In ihrer Rubrik „Tamaras Welt“ schreibt sie wöchentlich über Gender- und Gesellschaftsthemen.

Zutreffend analysiert. Danke!
"Ein zu hohes Grad an gewissen männlichen Eigenschaften wie Dominanz oder kompetitives Verhalten ist selbstverständlich sozial nicht mehr verträglich – nur hat das nichts mit Männlichkeit per se zu tun, sondern mit dem Charakter der betroffenen Person. Ob männlich oder weiblich spielt dabei keine Rolle. Jeder Charakterzug, der ins Extreme driftet, stellt ein gesellschaftliches Zusammenleben auf die Probe. Das kann man übrigens auch auf positive Eigenschaften beziehen: Ist jemand exzessiv humorvoll und grölt die ganze Zeit über, geht er uns bald mal auf den Sack." So ähnlich wollte ich es auch schreiben. Wenn ich mir so manche Frau anschaue, dann bestätigt das 1:1 diese These. Wunderbar.
Die 70er erlebte ich als Mitglied in einer Männergruppe: Selbsterfahrung, Schwäche zeigen können, sich als Mann neu verstehen etc. Ich finde das auch heute noch gut. Aber bei Frauen kommt das nicht unbedingt gut an ... weder damals noch heute. Machos können dagegen nach wie vor punkten. Wenn die Medien suggerieren wollen, dass der Genderwahn glücklichere Partnerschaften produziert, Dann stößt das bei mir auf ein gerüttelt maß an Skepsis. Wenn man seinen Kindern etwas gutes tun will, sollte man ihnen die Möglichkeit geben, eine Identität zu finden, die auch zu ihrer Biologie passt.
Ich danke Frau Wernli für ihren Beitrag. Die "Genderismus-Akademiker" liegen falsch. Nicht weniger, sondern mehr Männlichkeit wäre der westlichen Gesellschaft zu wünschen. Nicht weniger, sondern mehr Tatkraft, Opferbereitschaft, Weitsicht, Verantwortungsgefühl, Wahrheitssuche, Fürsorge und Durchsetzungsvermögen sind gefordert. Oder sind das keine männlichen Eigenschaften? Es ist etwas verloren gegangen in unserer Gesellschaft. Und die Menschen spüren es, ohne genau beschreiben zu können, was es ist. Trumps Wahlsieg hatte mit diesem Phänomen zu tun. Es ist ein positives Männlichkeitsbild abhanden gekommen und die Menschen spüren, dass das nicht gut sein kann. Nun wollen die "Genderismus-Akademiker" diesen Trend noch vorantreiben und wissenschaftlich untermauern. Nein, eine Wiederentdeckung positiver Männlichkeit wäre die bessere Option.
Guten Tag. Paracelsus wirkte im 16. Jahrhundert und nicht im 15. - vielleicht sollte man das rasch ausbessern. MfG Gernot
Vielen Dank für das Auftun dieser Studie! Frau Wernlis Ausführungen entsprechen im übrigen der Lebenserfahrung. Die Genderprofessor*innenX werden aber bestimmt auch bald das Verhalten von Gorillas*innen als "soziales Konstrukt" entlarven. Innerhalb des Wissenschaftsbegriffs der Genderforscher*innenX ist das absolut kein Problem!