Botschaft an alle Männer, die heimlich daran zweifeln, dass es 99 Geschlechter gibt, ein Mann per Selbstermächtigung zur Frau wird und Frauen die besseren Menschen sind, sich aber nicht trauen, das auszusprechen:
Widerstand ist machbar, Herr Nachbar!
Das geht sogar im Fußballstadion. Ach was: Es gibt keinen besseren Ort für einen wirkungsvollen Protest gegen die woke Behauptung von den 99 Luftballons! Angefangen haben die Fans von Bayer Leverkusen beim Spiel gegen Werder Bremen. Sie hielten im Fanblock ein Banner hoch mit der Aufschrift: „Es gibt viele Musikrichtungen, aber nur zwei Geschlechter“. Der DFB ahndete die nichts als wahrheitsgetreue Aussage mit 16.000 Euro Strafe, die der Verein „wegen diskriminierenden unsportlichen Verhaltens seiner Anhänger“ berappen muss.
Solcher Unsinn mobilisierte die Fans auch anderswo. Die Anhänger von Dynamo Dresden provozierten den DFB mit der Bannerbotschaft „Es gibt nur einen lächerlichen DFB ... und zwei Geschlechter!“ Ähnliches in Braunschweig und Chemnitz, in Cottbus bannerten die Fans: „Es gibt nur 2 Geschlechter – Beide verachten den DFB“. „Menschenverachtung‘“? Nein. Widerstand gegen die Sprachpolizei des DFB und das Rumgezicke queerer Aktivisten, die viel zu sensibel für ein Fußballstadion sind.
Widerstand vielleicht auch gegen die Mode, jeden genderfluiden Lauch mit gefärbten Haaren zum neuen Mann hochzujubeln. Und gegen das säuerliche feministische Geschwafel vom toxischen weißen Mann, den man enteiern oder sonstwie abschaffen müsse. Unter diesen Attacken sind die stinknormalen mitteleuropäischen Männer beinahe aus dem Blickfeld geraten. Ändert sich das soeben?
„Ohne Bauern kein Sex im Kornfeld“ – genau.
Die Männerbewegung, die sich derzeit auf unseren Straßen abspielt, ist jedenfalls von gänzlich anderer Natur als der buntdiverse Woke. Die Kerle sind großartig organisiert, gut gelaunt, kreativ, wissen, wovon sie reden, fahren auf sündhaft teuren Maschinen und werden bejubelt, wenn sie hupend vorbeifahren.
Die Bauernbewegung holt eine Sorte Mann aus der Versenkung, die man in der Stadt kaum noch kennt. Sie widerlegt die These vom beschränkten Landvolk, die in der Blase der in Geschwätzwissenschaften geschulten städtischen Schickeria gepflegt wird. Landwirte sind Fachleute, bestens ausgebildet, ihre Vertreter sind eloquent und haben Humor. „Ohne Bauern kein Sex im Kornfeld“ – genau.
Das Landvolk Diepholz hat eine Schlepperreihe extra für Landwirte entwickelt, die in den Hanfanbau einsteigen wollen, ein Gefährt in psychodelischem Look: „Angeblich ist der Dieselverbrauch extrem gering, da man sich einfach reinsetzen kann und dann das Gefühl hat, es fährt und bewegt sich.“
Die Traktoren, mit denen die Bauern gen Berlin dieseln, sind allerdings Wunderwerke der Technik – man denke an die Spitzenklasse eines Fendt, Monster in strahlendem Grün. In der Masse ist das beeindruckender als jede städtische Latschdemo. Und, ja, ich gebe Gänsehaut zu, wenn ich sehe, wie leuchtende Traktoren sich nächtens auf grüner Wiese mit hoher Präzision zu einem Kreis zusammenfinden, in dem ein „SOS“ zu lesen ist.
Es geht gegen eine willkürliche Politik
Im übrigen: Bauern können fast alles, wenn Not am Mann ist. Bestens zu empfehlen, sofern man einen Cowboy als Mann möchte. Der Haken: Sie arbeiten zu viel. Bauernproteste finden mittlerweile EU-weit statt. Körperlich arbeitende Männer wie die Bauern gehören zu denen, die Hillary Clinton einst als „basket of deplorables“ verunglimpft hat. Und das hat sich bekanntlich gerächt. Sie gehören zu den Somewheres, den Verwurzelten, nicht zu den Anywheres, den bindungslosen, die sich als Kosmopoliten sehen und die das Bodenständige als „rechts“ verdächtigen. Es geht bei den Protesten längst nicht mehr um Subventionen, über deren Sinn man streiten kann. Es geht gegen eine willkürliche Politik, die jede Planungssicherheit vermissen lässt, das Bild vom den Boden und das Grundwasser vergiftenden Tierquäler pflegt und den Fleischkonsum ächtet.
Doch bäuerliche Arbeit ist auch Kulturlandschaftspflege, die im allgemeinen Interesse liegen sollte, also auch bezahlt werden muss. Klimaschützer möchten die Viehhaltung stutzen, weil das Rindvieh „Klimagift“ Methan rülpst und furzt. Die „Naturfreunde“ der Grünen stört es hingegen nicht, wenn Ackerfläche unter Solarplatten verschwindet und Wald für Windmühlen geopfert wird. Das ist die Zerstörung einer Kulturlandschaft.
Es ist im Übrigen nicht sonderlich weise, sich, was die Ernährung betrifft, vom Weltmarkt völlig abhängig zu machen. Die Seeblockade durch die Briten hat im ersten Weltkrieg zu hunderttausenden von zivilen Toten in Deutschland und Österreich geführt. Souverän ist, wer (nicht nur) im Krisenfall über Energiequellen und Nahrungssicherheit verfügt. Die Sache mit der Energie hat diese Regierung ja bereits erledigt. Den nächsten Schritt sollte man ihr besonders schwer machen.
Cora Stephan ist Publizistin und Schriftstellerin. Viele ihrer Romane und Sachbücher wurden Bestseller. Ihr aktueller Roman heißt „Über alle Gräben hinweg. Roman einer Freundschaft"
Beitragsbild: Frantisek Dostal CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

Sie spinnen, die Gouvernanten!
Wenn ein Mann zur Frau „wird“ oder umgekehrt, ist das dann nicht „geschlechtliche Aneignung“? – Ach nee, das war ja was anderes …
Niemand ist den Frauen gegenüber aggressiver oder herablassender als ein Mann, der seiner Männlichkeit nicht ganz sicher ist. Simone de Beauvoir
Also mir hat der Beitrag – wie meistens wenn Cora Stephan schreibt – sehr gefallen. Und natürlich haben die ‚robusten‘ Fußball-Fans Recht: ‚Es gibt nur zwei Geschlechter – und nur EINEN lächerlichen DFB!‘ In diesem Sinne: Alles Liebe zum Frauentag – besonders denen, die unter dem ‚sozialen Konstrukt‘ so leiden.
Einen jeder Hinsicht sehr zutreffender Beitrag, dem ich als Landei Satz für Satz nur zustimmen kann. Den Städtern hingegen fehlt doch einiges an Erkenntnis, sie können einem leid tun.
@ Stephan Das Bild ist diskriminierend. Das ist sicher kein „echter Mann“. Ich kann Ihnen ein Bild von mir schicken. ;). Letztens sprach ich mit meiner Cousine, die schon als Kind auf mich aufgepasst hat. Ich war ein eher zartes, ruhiges Kind, später ein ausgefallener Jugendlicher mit blonden Locken, der auch mal geschminkt in die Disco ging. Wir wollte halt alle ein bißchen Ziggy Stardust aka David Bowie sein. Da wusste ich allerdings schon wie man sich wehrt, trotz Babyface. „Wenn mir einer damals erzählt hätte, das ich mal als Prototyp Mann dastehen würde.“ Meine Cousine: „Ja, das kam überraschend. Genau so wie das der Feminismus frauenfeindlich ist.“ Meine Cousine, selbständige Geschäftsfrau, vier Kinder, drei Enkel (natürlich auch noch einen Ehemann) gehört zu den denkenden Frauen mit Realitätsbezug. Krasse Minderheit. Meine Cousine hat nie einen „Frauenpreis“ bekommen, obwohl sie wirklich einen verdient hätte. Zum Thema „unbezahlte Care Arbeit“. Wenn Mann sich einschaltet, wenn eine Frau belästigt wird, ist das auch unbezahlte Care Arbeit und sicher gefährlicher, als auf Kinder aufzupassen. Was sicher so unmännlich ist, wie noch was: Feige daneben zu stehen, während das eigene Volk Männer, Frauen und Kinder offen abgeschlachtet werden und es dafür häufig nur Bewährungsstrafen gibt. Und das hier an alle, die zumindest als Mann gelesen werden: Wegen dieser Feigheit verachten uns Männer die „Zuwanderer“ in der Regel. Denn da guckt niemand zu, wenn aus dem inneren Kreis jemand angegriffen wird. Was die Verachtung der deutschen „Da muss ich erst meine Frau fragen“ Männer angeht, bin ich mit den „Zuwanderern“ vollkommen d’accord. Erbärmliche Lutscher. (Ist männerfeindlich, das geht doch, oder soll ich es trotzdem gendern: ;) )
In meiner Firma bekommen die Weiblichen Mitarbeiter zu jedem Frauentag ihr Blümchen, macht der Chef selber und das finde ich auch gut so. Selbst unser Malte ( der heisst wirklich so und sieht auch so aus) wollte eins haben.
Ich belasse es ganzjährig dabei, stets höflich, gelassen, zuvorkommend und freundlich zu unseren weiblichen Mitarbeitern zu sein, selbst zu den Zicken der Herde. Hat mir bisher nie Ärger eingebracht. Ab und zu verweise ich allerdings humorvoll darauf, daß Gendefekte, wie Gendersprache, Veganismus und Humorfeindlichkeit bei uns im Heizungskeller behandelt werden.