Trump hat Europa an seiner schwächsten Stelle gepackt: Ursula von der Leyen und dem Wahn, sich auf Teufel komm raus gleichzuschalten und berechtigte nationale Interessen der fixen Idee vom freischwebenden, rechenschaftsbefreiten Superstaat zu opfern.
Auch wenn ich noch nicht ganz von seiner Idee überzeugt bin, die Schuldenprobleme der USA mit dem Zollhammer zu beheben, scheint er damit bislang erfolgreicher zu sein, als alle Auguren in ihren Agenturen es für denkbar gehalten haben. Die Zolleinnahmen der Vereinigten Staaten sind um 135 Prozent gestiegen und dürften bis zum Ende des Jahres bei 300 Milliarden Dollar liegen, und auch sonst läuft es ganz gut auf der anderen Seite des Atlantiks. Die Inflation ist fast verschwunden, der Konsum steigt, die Arbeitsmarktzahlen sind gut, Investitionen kommen in dicken Wolken herein, die Grenzen sind sicher und mehr als drei Prozent Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal sind wohl auch nicht schlecht, besonders wenn man Schrumpfgermanistan als Maßstab nimmt.
Trump hat zudem das unbezahlbare Talent, seine Verhandlungspartner an ihrer schwächsten Stelle zu packen, seien es besondere Handelsinteressen, persönliche Eitelkeiten oder politische Probleme. Die größten politischen Schwächen der EU sind ihre politischen Institutionen, und deren schwächstes Element, welches fatalerweise gleichzeitig mit dem umfassendsten Verhandlungsmandat ausgestattet ist, saß kürzlich Trump in Gestalt von Ursula von der Leyen gegenüber, die Chefin des Brüsseler Politbüros fernab des europäischen Elektorats, an das die EU-Staaten vor langer Zeit die Wahrung aller Wirtschaftskompetenzen und -interessen abgetreten haben. Und sie machte gute Miene zum schlechten Spiel.
Unter dem Motto „Was ich nicht entscheiden oder verändern kann, bekümmert mich auch nicht“, ist gerade Deutschland gegenüber der EU-Kommission im Blindflug unterwegs. Zölle? Sind doch sowieso nicht unser Ding, ist Sache der EU! Außerdem haben wir doch die Uschi in Brüssel, die macht das schon! Schau doch, sie reichen sich die Hände, sprechen vom größten Deal der Geschichte, was soll schon schiefgehen!
Zwischen Baum und Borke
Friedrich Merz lobte den Handelsdeal zwischen EU und den USA am 28.7.2025 über den grünen Klee, denn ganz offensichtlich hatte er nicht die leiseste Ahnung, was genau da vereinbart wurde. Einen Tag später – Merz hat sich inzwischen erkundigt, was so drin stand im besten Deal aller Zeiten – erwartete er schon „erheblichen Schaden“ für die deutsche Wirtschaft. Aber die deutsche Wirtschaft saß in Schottland ja nicht mit am Tisch, sondern nur eine transnationale Superbehörde politischer Beamter, welche nur einen einzigen Kamm in der Tasche hat, mit dem sie über dänische Butter, italienisches Olivenöl, französische Chemie und deutsche Autos drüber geht. Ergebnis: 15 Prozent auf alles für alle. Und um das als positiv zu verkaufen, spielt man ausgerechnet Trumps Verhandlungskarte: Es hätten ja auch 30 Prozent sein können! Es ist das Tankstellenspiel, bei dem man morgens empört an einer 10 Cent Preiserhöhung vorbei fährt, nur um dann abends erleichtert zu tanken, weil Benzin jetzt wieder 5 Cent billiger ist.
Nicht nur hat es von der Leyen nicht geschafft, sich auf Trumps Spiel einzustellen – wir erinnern uns an die hektisch eingeführten Rachezölle auf Whiskey und Motorräder nach Trumps Zoll-Spektakel im Rosengarten des Weißen Hauses – sie steckt auch zwischen Baum und Borke in den Handelsbeziehungen zu China fest, wo die Regierung Xi Ursulas letzten Besuch mal eben spontan um einen Tag verkürzte. Die Botschaft: Wir müssen nicht mit euch reden, wir haben euch in der Tasche!
Die Stärke der EU sei ihre Einigkeit, die gemeinsame Stimme in der Welt, so wird es uns seit den Jahren der immer tiefer gehenden Integration und den aus Brüssel herabgereichten Beschlüsse erzählt. Zentralisierung und widerspruchsloses Durchregieren ausgerechnet in Zeiten, in denen alles Gute divers und vielfältig zu sein hat. Von außen betrachtet, hat die EU jedoch nur noch eine Schnittstelle, nicht 27. Was es offenbar sehr viel einfacher macht, sie entweder zu überwinden oder zu blockieren.
Die ganze Wehrlosigkeit
Europa, das war einst ein Geflecht aus Beziehungen und kulturellen Eigenheiten, die zu verstehen für den Rest der Welt nicht einfach war. Das war unser Trumpf, nicht unsere Schwäche! Ein Knäuel aus Chancen und verletzbaren Befindlichkeiten, denen man sich mit Vorsicht näherte. Nicht weil es so gefährlich war, sondern so schwer zu berechnen. Gerade für so monolithische Giganten wie China, Russland oder die Vereinigten Staaten. Seit in Umwelt-, Wirtschafts- und Außenpolitik Brüsseler Bürokraten das alleinige Wort führen, sind wir berechenbarer geworden als andere zentralistische Staatsgebilde, ohne dass wir unserem addierten Gewicht auch politische Bedeutung in Form von Einfluss oder klar artikulierten Interessen hinzugefügt hätten.
27 Fliegen, gleichgeschaltet und angeordnet für den einen Streich. Fair game. The biggest game, wie Trump es ausdrücken würde. Und er musste sich dazu nicht mit vielen abwechselnd schmeichelnden und fordernden Europäern auseinandersetzen, die versuchen, die Interessen ihrer vergleichsweise kleinen heimischen Wirtschaft zu vertreten, sondern nur ein einziges Bürokratenbrett bohren. Europa, das waren einst viele, echte Diversität in einem dicht geknüpften Teppich, ein Gleichgewicht aus Interessen und Allergien, man brauchte Europäer, um Europa zu verstehen. Nicht mehr. Dieser Teppich lässt sich heute leicht aufrollen, weil man nur an Bürokratie und Selbstgefälligkeit in Brüssel vorbei muss, um die ganze Wehrlosigkeit so manches enteierten und orientierungslosen Nationalstaats dahinter zu erblicken.
Trump hat Europa an seiner schwächsten Stelle gepackt, dem Wahn, sich auf Teufel komm raus gleichzuschalten und berechtigte nationale Interessen der fixen Idee vom freischwebenden, rechenschaftsbefreiten Superstaat zu opfern, und man kann ihm das schwerlich vorwerfen, denn uns hat er im Gegensatz zu seinen Wählern ja nichts versprochen, außer Amerika wieder groß zu machen. Und von Max Mustermann bis Meloni und Merz konnte jeder dabei zuschauen, wie er sein Versprechen am Exempel der EU umsetzt.
Roger Letsch, Jahrgang 1967, aufgewachsen in Sachsen-Anhalt, als dieses noch in der DDR lag und nicht so hieß. Lebt in der Nähe von und arbeitet in Hannover, ist Redakteur bei "Kontrafunk" und sortiert seine Gedanken in der Öffentlichkeit auf seinem Blog unbesorgt.de wo dieser Beitrag zuerst erschien.

Immerhin durfte die Strickliesel mal mit am großen (na ja) Tisch sitzen. Nicht wie seinerzeit beim Sultan, als sie bereitwillig abseits am Katzentisch Platz nahm.
Zölle sind nicht anderes als Einfuhrsteuern. Also Steuern, die die lokalen Käufer zusätzlich zahlen. Und da da die EU vor Trump auf alles und jeden Zölle und CO2-Abgaben, was ja nicht anders als Einfuhrsteuern sind, war und ist die EU ein Hochzollgebilde. Trump fordert ja nur gleich hohe Zölle. USA rauf und EU runter, so dass beide das gleiche Niveau haben. Das ist eigentlich gerecht !
„Putin und Lukaschenko (…) will ich nichts hinzufügen.“
Logisch.
Wann sind sie denn schonmal von der Linie abgewichen?
Na na, Herr Letsch, die Uschi hat sich doch vollumfänglich durchgesetzt! Denn der Digital Service Act bleibt bestehen, und damit bleibt auch die Macht der Eurokraten gesichert. Zwar kostet das die europäischen Unternehmen 15% einseitige Zölle und 1,35 Billionen $ Käufe und Investitionen in den USA, aber das ist schließlich nicht der Uschi ihr Geld. Und die Unternehmen werden sowieso jede Möglichkeit nutzen wollen, ihr Kapital aus der EU heraus zu retten, gerne auch in die USA. Ach ja, der Uschi werden ja auch beste Kontakte zu amerikanischen Pharma-Konzernen nachgesagt. Dieser Deal sollte denen eigentlich eine Sonderprovision wert sein.
Ich vermisse in dem Artikel den Hinweis darauf, dass die Uschi einen Blankoscheck im Wert von 1350 Milliarden für eine unbestimmte Menge an Öl und Waffen aus den USA versprochen hat. Wer jetzt noch so blöd ist und in der EU bleibt, darf seinen Anteil an den 1350 Milliarden zahlen. Wer schlau ist, lässt die Uschi zahlen.
Putin und Lukaschenko haben sich gerade getroffen und in einem Interview zur Situation EU und USA befragt, ihre Einschätzung zur Lage und Antwort gefunden. Dem will ich nichts hinzufügen.