Ab und zu erscheinen in den Nachrichten Hypothesen, die einem gewöhnlichen kritischen Leser gleich absurd erscheinen. Eines der letzten Beispiele ist der Artikel der taz „Anschlag auf Berliner CSD: ‚Je mehr ökologischer Kollaps, desto mehr Gewalt‘“. Darin behauptet ein Aktivist, dass Klimawandel und Hitze zum Kollaps führen, der sich in gesellschaftlichen Konflikten niederschlage, die zur Suche nach „Sündenböcken“ und letztlich zu Gewalt gegen Minderheiten führten. Als vor ein paar Jahren Gewalt und Randale in deutschen Freibädern noch viel mehr mediale Präsenz hatten, erschien auch der eine oder der andere Artikel mit der These, dass Freibad-Gewalt hitzebedingt war.
Nun stellt sich heraus, dass es sich nicht um scheinbar vergebliche Versuche der Medien handelt, eine Eule auf den Globus zu spannen – wie man schön auf Russisch sagt –, also etwas künstlich passend zu machen. Sondern dass dies bereits großflächig in der Forschung geschieht.
So fördert aktuell der Europäische Forschungsrat (ERC) das Projekt „HOTHEAD: Wie hängen Hitze und aggressives Verhalten zusammen?“ Darin wird untersucht, welche Mechanismen im Gehirn eines Menschen bei Hitze zu aggressivem Verhalten und Gewalt führen. Der Projektleiter und Direktor des Deutschen Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim, Andreas Meyer-Lindenberg, behauptet sogar in einem Interview mit der NZZ, dass „Pro Grad steigender Temperatur ein Prozent mehr Menschen umgebracht“ wird. In einer Pressemitteilung des Institutes zum Projekt HOTHEAD heißt es:
„'Hitzkopf', ‚hitzige Debatte‘, ‚brodelnde Stimmung‘ – die Alltagssprache ahnt schon lange, was Zahlen inzwischen belegen: Hohe Temperaturen gehen mit mehr Gewaltverbrechen, mehr Suiziden und einer erhöhten Kriegsgefahr einher. Die gesellschaftlichen Kosten von Gewalt belaufen sich weltweit auf mehr als zwölf Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Mit dem fortschreitenden Klimawandel droht dieses Problem zu wachsen. Doch bislang ist kaum verstanden, was im Gehirn geschieht, wenn die Hitze Aggressionen schürt.“
Widersprüche und Nullergebnisse
Meyer-Lindenberg erhält für dieses Projekt 2,5 Millionen Euro für fünf Jahre. Im Rahmen von HOTHEAD wird mit Hirnscans untersucht, welche Hirnregionen für Aggressionen bei Hitze zuständig sind. Zudem werden Daten von 400 Menschen erhoben und ausgewertet, „wie Hitzebelastung Stress, zwischenmenschliche Nähe und aggressives Verhalten beeinflusst“. Interessant ist, was am Ende dabei herauskommen soll: nämlich ein digitales Werkzeug, das Kommunen weltweit bei der Planung „hitzeresilienter Städte und Infrastrukturen“ unterstützen wird.
Was aber sofort an dem Projekt auffällt, ist, dass hier die Tatsache zugrunde gelegt wird, es gebe bereits einen wissenschaftlichen Nachweis für einen Zusammenhang zwischen Hitze und Aggressionen. Und eine kurze Recherche ergibt tatsächlich Studien, die den Zusammenhang festgestellt haben, was aber nicht automatisch eine Ursache bedeutet. So hat die Studie „The Association of Ambient Temperature and Violent Crime“ – zu Deutsch „Korrelation zwischen der Umgebungstemperatur und Gewaltkriminalität“ – festgestellt, dass höhere Temperaturen zur Zunahme von Gewalt beitragen könnten. Ein Anstieg der Durchschnittstemperatur um 2 °C könnte demnach die Gewaltkriminalität in gemäßigten Regionen um mehr als drei Prozent erhöhen.
Doch es gibt eben auch wissenschaftliche Nachweise für das Gegenteil. So hat eine Metaanalyse von der British Psychological Society 67 Studien ausgewertet, die sich mit dem Thema „Auswirkungen von Temperaturen auf pro- oder antisoziales Verhalten der Menschen“ beschäftigten“. Die Autoren fanden zahlreiche Studien, die einen Zusammenhang zwischen höheren Temperaturen und aggressivem oder asozialem Verhalten nahelegen. Doch sie haben auch geschaut, was da eigentlich untersucht wurde, und dabei Widersprüche und Nullergebnisse festgestellt.
Unklare Definitionen von „Hitze“, „Konflikt“ und „Gewalt“
Zum Beispiel hupten in einer Studie Autofahrer bei Hitze häufiger, in einer anderen hing das Hupen vom Verhalten eines Fußgängers ab und nicht von der Temperatur. In einer weiteren Studie ging es um Stromschläge: „Im Gegensatz zu Baron und Bell (1975) stellte Baron (1972) fest, dass Teilnehmer unter kühlen Bedingungen eher dazu neigten, Stromstöße zu verabreichen als Teilnehmer unter heißen Bedingungen, unabhängig vom experimentellen Kontext.“ (Aus dem Englischen.) Auch ergaben einige Untersuchungen, dass es mehr Konflikte in kälteren Perioden gab. Die Autoren der Metaanalyse verweisen zudem auf zu kleine Stichproben und unklare Definitionen von „Hitze“, „Konflikt“ und „Gewalt“. Ergebnis: Die Metaanalyse fand keinen zuverlässigen Einfluss der Temperatur auf menschliches Verhalten („no effect of temperature on prosocial or antisocial outcomes“).
Dies bedeutet mit anderen Worten eigentlich nur, dass bis jetzt nicht nachgewiesen werden konnte, dass Hitze und höhere Temperaturen zu mehr Gewalt führten. Aber es ist zumindest aus dem aktuellen flächendeckenden Apokalypsen-Paradigma nachvollziehbar, warum Millionen in solche Projekte investiert werden. Man kann damit theoretisch Gewalt stärker mit klimatischen Bedingungen in Verbindung bringen. Man kann daraus Präventionsprogramme und digitale Überwachungssysteme ableiten. Neue Anforderungen an den Städtebau können entwickelt und damit begründet werden etc.
Einem Nichtwissenschaftler liegen dabei aber mindestens zwei Fragen auf der Zunge: Warum können sich Gewalttäter, die aus Syrien, Iran, Afghanistan und anderen warmen Regionen kommen, eigentlich nicht an die Hitze in Deutschland gewöhnen, obwohl es in ihren Ländern doch viel wärmer ist? Und – wie haben die Menschen eigentlich tausende von Jahren überlebt? Schließlich gab es auch in der Vergangenheit deutlich wärmere Klimaphasen – ganz ohne Hitzeschutzpläne oder „hitzeresiliente“ Stadtplanung.
Ekaterina Quehl, geboren in St. Petersburg und seit mehr als 20 Jahren in Deutschland, ist Journalistin, Redakteurin und Grafikdesignerin. Sie leitete jahrelang die Redaktion eines großen kritischen journalistischen Portals und schreibt heute auf ihrem eigenen Blog, wo dieser Beitrag zuerst erschien.
Beitragsbild: Montage Achgut.com/ D.A. Swanson, United States Geological Survey - Archived source link, Public Domain, via Wikimedia Commons
Oh, Gott. So viel Schwachsinn kann sich eigentlich keiner ausdenken. Nur wer damit in D Geld verdienen will.
Solchen hochgradigen Schwachsinn zu akzeptieren, muss man : 1. Kerngesund sein 2. Schuhe mit Draht zugebunden haben 3. eigener IQ unterhalbder eigenen Schuhgrösse liegen ! Wie heisst es so schön ? „ Selig sind Jene, die schwach im Geiste sind, und Ihrer ist das Himmel ääh Klima-Reich “ .
Also gut: Man soll nicht von sich auf andere ableiten. Mich jedenfalls machen Temperaturen oberhalb von 30 Grad C im Schatten passiv. Aber: Bei solchen Temperaturen betreibe ich Alkoholabstinenz. Ich denke, dass hohe Temperaturen und Alkoholkonsum, besonders exzessiver, zusammen in der Tat die Aggressionschwelle herabsetzen. Man hat aber den falschen Verursacher im Visier, sowohl was den Aggressor betrifft („die zur Suche nach “Sündenböcken„ und letztlich zu Gewalt gegen Minderheiten führten“), als auch den Grund des aggressiveren Verhaltens. Nichts Neues unter der Sonne. Mich wundert, dass diese „Forscher“ (voreingenommene Clientele) sich nicht bescheuert vorkommen. Vielleicht ist ja die Hitze der Grund.
>>Hitze soll aggressiv machen, Gewaltverbrechen fördern und sogar Kriege wahrscheinlicher machen.<<
Das ist statistisch gut belegt. Kriege werden im Sommer begonnen und im Winter verloren. Wann war eigentlich die Strafe von Gormutz das letzte mal komplett zugefroren?
Jessas, Hitze macht schlapp. Was denkt denn der Herr Professor Doppeldingsbums, warum es in heißen Ländern die mittäglich/nachmittägliche Siesta gibt? Weil die Leute sonst wegen Hyperaktivität andere umbringen würden oder weil sie durch die Hitze erschlafft sind? Und genau, der hierzulande mordende Nordafrikaner oder Afghane müsste eigentlich bei unserem Klima „ruhiger“ werden, ist ja im Durchschnitt kühler als daheim. Ist Kälte der Kriminalitätstrigger?
>> Beitragsbild: Montage Achgut.com/ D.A. Swanson, United States Geological Survey – Archived source link, Public Domain, via Wikimedia Commons
BücherMesse Seitenwechsel<<
Bitte haben Sie Verständnis. Kinder können Kleinteile enthalten, die beim Verschucken Irritationen des Nervensystems nicht sicher ausschließen.
Früher hätte ich solche erklärenden Bildinterschriften als Morbus Bahlsen einfach an den Rändern angebissen. Aber seitdem das als unsolidarisch gilt …
Hoffentlich Allianzversichert. Und gottlob nicht antisemitisch. Hoffentlich! Aber gegen das Nichts kann man nicht. Es kommt. Es kommt näher. Jetzt haben sie CERN abgeschaltet. ZU SPÄÄT…
LEUTE! Ich wüsste gern, was das Bild bedeuten soll! Das ist wie beim Text. Ich bin da unbelehrbar.
@ Herwig Mankovsky / 11.08.2026
Soziologie ist auch so ein ,,Studium„, das seine Absolventen dümmer entlässt, als sie ohnehin vor Eintritt waren….
Aber zum Fördergeld abgreifen reicht der Restverstand allemal.
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Das gilt wohl heute weit über die klassischen Geschwätzwissenschaften hinaus. Gender Studies hat man wohl extra noch schaffen müssen, weil die unendliche Dummheit eben immer noch weitere unendliche Dummheit obendruff braucht, um sich als unendlich zu erweisen. Ja, selbst in den Naturwissenschaften kommen viele dümmer raus aus den Unis als sie reingegangen sind. Zum Glück tangiert es weniger die naturwissebschaftlichen Lehrinhalte, sondern nur das was sie dort beiläufig, quasi sublimal, so aufschnappen respektive inkorporiert bekommen. Schon dass es keine Studenten mehr gibt und dass es nur Studierende heiße: “Der Allgemeine Studierenden-Ausschuss„ . Tja, Ausschuss blleibt eben Ausschuss. Selbst mit einer ordentlichen Fachausbildung mit noch echtem Wissenschaftsbezug verlassen ganze Heere von auf Dauer sozio-mental Kolateral-Geschädigter jahrlich diese angeblichen Bildungseinrichtungen. Und man kann grad noch froh sein, heutzutage von den Unis für teures Geld Massen von bildungsgeschädigten Fachidiotenheere wenigsten ausgespuckt zu bekommen, soweit es nicht gänzlich um jene extreme Überproduktion von schon primär-parasitär geplanten Geschwätzwissensschaftslerarmeen zu tun ist.