Konservative gelten traditionell als die braven Bewahrer des Ist-Zustandes. Der Duden umschreibt den Begriff „konservativ“ unter anderem mit „am Hergebrachten festhaltend“, „vorsichtig, zurückhaltend“ und „politisch dem Konservatismus zugehörend“. Landläufig wird „konservativ“ außerdem mit den Begriffen „traditionell“, „bewahrend“, „vom alten Schlag“, „altmodisch“ oder auch „religiös“ gleichgesetzt. Im modernen Diskurs haftet diesem Wort allerdings auch schnell eine negative Konnotation an: „altbacken sein“, „gestrig“ oder „ewig gestrig“; „rückwärtsgewandt“, „reaktionär“ oder gar „spießig“ sind nur einige der Schmähungen, die oft fallen, wenn von Konservatismus die Rede ist.
Die politische Ausrichtung des Konservatismus in der heutigen Zeit, zumindest in westlichen Ländern, lässt sich stichwortartig wohl folgendermaßen charakterisieren: Der zeitgenössische westliche Konservatismus lehnt die unkontrollierte Migration ab, positioniert sich für den Erhalt der Nationalstaaten (und gegen die vermehrte Vereinheitlichung/Globalisierung, von der vor allem die Industriestaaten betroffen sind), für die Förderung der Familie, die Bewahrung der eigenen Tradition beziehungsweise Kultur und Religion sowie die Wahrung des privaten Eigentums als Bürgerrecht und vertritt demzufolge eine grundsätzlich dem Kapitalismus zugewandte Einstellung. Bei einem derartigen Profil sind heute die Fremdbezeichnungen „rechtspopulistisch“, „rechtsextrem“ oder „rechtsradikal“ meist nicht weit.
Der zeitgenössische Konservatismus sieht sich jedoch mit einigen speziellen Umständen konfrontiert, die ihn etwas unübersichtlich machen. So wird die heutige westliche Kultur links-grün dominiert, wodurch sich die Konservativen in der Minderheit befinden. Damit können sie sich nicht mehr darauf beschränken, nur bewahren zu wollen. Sie müssen vielmehr wieder „zurückerobern“. Denn das „Normal“ ist eben nicht mehr „normal“ und somit auch nicht mehr selbstverständlich (sonst käme es wohl kaum zu einer Publikation wie „Lob des Normalen“ von Cora Stephan, die bei Veröffentlichung im Jahr 2021 in die Kategorie „Protestbücher“ fiel).
Viele meinen, der eigentlich erhaltende, „brave“ Konservatismus kann sich somit nicht mehr auf eine passive Rolle beschränken, sondern müsste aktiv werden, wenn er bestehen will. Aber das würde eigentlich das Gegenteil von klassischem Konservatismus bedeuten. Er würde somit gezwungen, aus der Rolle zu fallen. Denn die meisten Konservativen fühlen sich klassischen bürgerlichen Tugenden verpflichtet, die in Zurückhaltung, Understatement, Bescheidenheit, Sachlichkeit, Höflichkeit, „stilvollem Auftreten“ und so weiter bestehen.
Die blaue Partei scheint für schwule Wähler attraktiv zu sein
Im lauten (Soziale)-Medien-Zirkus des 21. Jahrhunderts führt aber dieses defensive Verhalten nicht zum Erfolg. Konservative müssen daher ihr leicht bieder und hölzern wirkendes Auftreten ändern, wenn sie wahrgenommen werden wollen. Viele „Stars“ der konservativen Szene entsprechen daher nicht dem Bild des „klassischen Konservativen“.
Zentrale konservative Figuren der internationalen Politik heißen aktuell Donald Trump, Elon Musk oder Javier Milei. Vor allem die beiden Letzteren haben sich auch noch „Entbürokratisierung“ auf die Fahnen geschrieben. Alle drei eint eine eher unkonventionelle, lockere, nicht bürgerliche, fast „punkige“ Attitüde, sich zu präsentieren. Das landläufige Framing des staubtrockenen Konservativen greift hier nicht, was viele Medien freilich nicht daran hindert, diese Protagonisten als im besten Fall „rechtspopulistisch“ oder „ultrakonservativ“ und im schlimmsten Fall „(rechts)extrem“ oder „auf dem Weg in den Faschismus“ zu framen.
Aber auch ein Blick nach Deutschland offenbart ein „diverseres“ konservatives Antlitz, als der Mainstream gerne glauben machen möchte. So tritt Alice Weidel als AfD-Vorsitzende zwar bürgerlich auf, ist allerdings mit einer aus Sri Lanka stammenden Frau verheiratet, mit der sie zwei Kinder großzieht. Auch Kay Gottschalk, unter anderem finanzpolitischer Sprecher der AfD, lebt offen homosexuell. Generell scheint die blaue Partei für schwule Wähler attraktiv zu sein. So ergab eine Umfrage des schwulen Datingportals „Planetromeo“ vor rund einem Jahr, dass die AfD bei homosexuellen Männern die beliebteste Partei ist. Die Gründe hierfür lassen sich leicht erraten, sind aber auch immer wieder Bestandteil von Medienberichten: Die AfD positioniert sich als einzige Partei im Bundestag eindeutig gegen die Massenmigration aus dem muslimischen Kulturkreis.
Denn die seit 2015 eingewanderten, berüchtigten „Männergruppen aus dem Orient“ gelten bekanntlich als homophob. Schon vor Jahren war von regelrechten „Hetzjagden junger Männer muslimischen Glaubens“ auf Schwule in den Straßen Berlins zu lesen. Und auch ein Blick in die Statistik bestätigt dieses Bild: „Die Zahl der Straftaten im Bereich ‚Sexuelle Orientierung‘ und ‚Geschlechtsbezogene Diversität‘ hat sich seit 2010 nahezu verzehnfacht“, schrieb das Bundeskriminalamt zur Veröffentlichung des „Lageberichts zur Sicherheit von LSBTIQ*“ für das Jahr 2023.
Sind Linke noch „locker“ und „progressiv“?
Dieser kleine Exkurs steht zudem exemplarisch dafür, dass sich einige Paradigmen verschoben haben und sich die politische Debatte nicht mehr ohne Weiteres nach dem „Links-Rechts-Schema“ führen lässt. So schreiben sich zwar vor allem die etablierten Parteien „Minderheitenschutz“ auf die Fahnen. Doch jenseits symbolpolitischer Regenbogenflaggen ist es ausgerechnet die als rechtspopulistisch, ja als homophob abgestempelte AfD, die die realen Bedrohungen der „LGBTQ-Community“ klar benennt.
Das linke Kernthema der „Rechte für Schwule und Lesben“ wird also heute ironischerweise von der konservativen Opposition bespielt. Die Regierungspartei CDU/CSU als konservativ zu bezeichnen, halte ich nicht mehr für zutreffend, da die Union sich bekanntlich unter Angela Merkel sukzessive von ihrem Markenkern verabschiedet hat und aktuell unter Friedrich Merz keines der oben angegebenen „konservativen Markenzeichen“ jenseits von Sonntagsreden verfolgt. Ein konservativer Kurs wird von der Union höchstens vollmundig angekündigt, doch in seiner Paraderolle als Umfaller hat unser Kanzler die Von-sich-selbst-Distanzierung zu seinem Lieblingssport gemacht.
Auch in anderen Bereichen haben Linke ursprüngliche Kernthemen aufgegeben. Die Identitätspolitik, die Menschen in unterschiedliche Töpfe einteilt – „Mann oder Frau“, „mit oder ohne Migrationshintergrund“, „behindert oder nicht behindert“, „schwul oder hetero“ etc. – und je nach Gruppenzugehörigkeit Benachteiligungspunkte verteilt, hat den Blick für echte Bedürftigkeit längst verloren. Nicht zuletzt hat der in die Genderideologie mündende moderne Feminismus zu einer neuen Prüderie geführt – und das ausgerechnet ausgehend von den angeblich „lockeren“ und „progressiven“ Linken.
Die Störung des Verhältnisses von Mann und Frau konnte man bereits im Zuge der „MeToo“-Debatte beobachten, als Sexualstraftaten sowie sexuelle Belästigung auf eine Stufe mit unerwünschten Komplimenten, „dummen Anmachen“ und erfolglosem männlichen Flirten gebracht wurden. Dass heutzutage selbst das Türenaufhalten von feministischen Frauen auf den Prüfstand gestellt wurde, ist zum geflügelten Wort geworden.
In der Geschlechterfrage immer verkniffener
Ein verkrampftes Mann-Frau-Verhältnis wurde auch kürzlich im Zuge des Ulmen-Fernandes-Skandals deutlich, der sich schon bald als lancierte Medien-Kampagne entlarvt hatte: Der Veröffentlichungszeitraum der Aufsehen erregende Spiegel-Story (mit Collien Fernandes' Vorwurf „Du hast mich virtuell vergewaltigt“ an ihren Ex-Mann Christian Ulmen) hing auch mit dem von Justizministerin Stefanie Hubig geplanten Gesetz „gegen digitale Gewalt“ zusammen. Diese hatte sich bereits Ende 2025 mit der Organisation HateAid getroffen, mit der Collien Fernandes wiederum bereits seit 2023 zusammenarbeitet. Von den Vorwürfen, die Fernandes gegen Ulmen erhob, wurde ein Teil bereits kassiert, etwa die im Spiegel insinuierte Beschuldigung, Ulmen habe Deepfake-Pornos seiner damaligen Frau erstellt beziehungsweise unter ihrem Namen verschickt.
Im Zuge der Kampagne kam es zu ähnlich hysterischen und in ihren Anklagepunkten undifferenzierten Auslassungen prominenter Frauen wie schon bei MeToo: Die Influencerin und Moderatorin Cathy Hummels thematisierte Stalking-Erfahrungen mit den Worten: „Ich wurde psychisch vergewaltigt.“ Die Komikerin Carolin Kebekus forderte: „Und deswegen sind jetzt alle Männer gezwungen, sich damit auseinanderzusetzen. Und meine Haltung dazu ist: Ja, das war überfällig. Nehmt doch diese Wut der Frauen mal ernst!“ Den peinlichen Höhepunkt lieferte sie in ihrer „Carolin Kebekus Show“, wo sie in einem „Wut“-Song rappte: „Wir sind proud, Brüste raus. Vater Staat kann Scheide lecken.“ Die sich als Männerfeindin inszenierende Skandal-Rapperin Ikkimel verstieg sich kürzlich gar zu der Aussage: „Es wird Zeit, dass Männer Angst bekommen.“
Im Vergleich dazu sprechen sich viele Konservative heute für eine Rückbesinnung auf ein entspannteres Verhältnis zwischen den Geschlechtern aus. Die oben aufgeführten exemplarischen Aussagen von sich als progressiv und feministisch verstehenden Frauen zeigen hingegen, dass Linke in der Geschlechterfrage immer verkniffener und verkrampfter werden. Linke scheinen die neuen Prüden zu sein, während Konservative es in dieser Hinsicht eher locker angehen.
Letzteres stellt immer wieder Birgit Kelle – Publizistin, Chefredakteurin von STATEMENT DAILY und Achgut-Autorin – unter Beweis. Obwohl die beruflich sehr erfolgreiche Mutter von vier Kindern notorisch als „erzkonservativ“ geframt wird, wirkt sie mit ihren bürgerlichen Standpunkten in der Geschlechterdebatte viel gelassener als heutige Feministinnen. Bezeichnenderweise wurde Kelle mit dem Bestseller „Dann mach doch die Bluse zu“ bekannt, der 2013 als Kritik an der „Aufschrei“-Debatte erschien und in dem sie bissig und humorvoll weiblicher Doppelmoral auf den Grund geht.
„Die Linke ist einfach ein Haufen von korrupten Strebern geworden“
Einer der größten Treppenwitze bei der Frage nach „links“ und „rechts“ besteht bekanntlich darin, dass ausgerechnet die alles heimische Konservative verurteilenden Progressiven westliche Kritik gegenüber dem Islam beziehungsweise anderen Kulturen konsequent ablehnen. Mit ihrem bedingungslosen Kampf für offene Grenzen und Multikulti scheinen viele Linke ihre Liebe für die Konservativen fremder Länder zu beweisen, die jedoch bedeutend traditioneller eingestellt sind als ihre konservativen Landsleute. An dieser Stelle vertreten Konservative also einen deutlich moderneren Standpunkt, während Linke fremde archaische Gruppierungen als folkloristische Buntheit framen. Die blinde Öffnung gegenüber anderen Kulturen führt zur linken Selbstaufgabe. Und in der Konsequenz zur Relativierung von weiblicher Verschleierung, Kinderehe und sogar sexueller Gewalt.
Ein besonders makaberes Beispiel für Letzteres ist der Fall der damaligen Linken Nachwuchspolitikerin Selin Gören, die 2016 nach eigenen Angaben von mutmaßlichen Flüchtlingen vergewaltigt worden war – zunächst jedoch lediglich einen Diebstahl anzeigte und angab, unter den Tätern seien auch Deutsche gewesen. 12 Stunden später korrigierte sie gegenüber der Polizei ihre Angaben. Gören sagte damals: „Ich habe gelogen, weil ich Angst hatte, dass die Vergewaltigung von Rechts missbraucht wird, um die Hetze gegen Flüchtlinge weiter anzuheizen, die gerade nach den Vorfällen in Köln in der Silvesternacht dramatisch angestiegen ist.“
Ebenso erstaunt stellt man fest, dass die noch bis in die 2010er typisch linke Globalisierungs- und Konzernkritik als progressiver Markenkern verloren gegangen ist. Dies zeigte sich spätestens in der Coronazeit, als Linke als entschiedene Maßnahmenbefürworter auftraten, die fest an der Seite von Impfstoff- und PCR-Test-Produzenten sowie selbsternannten Philanthropen und Coronapolitik-Profiteuren wie Bill Gates standen. Kritiker dieses Konglomerates aus staatlichen Akteuren, Superreichen und Industrie stammten aus dem „rechten“ Spektrum oder wurden zumindest so geframt.
Diese Grenzverschiebungen scheinen also für eine große Unschärfe bei der Definition der Begriffe „links“ und „rechts“ sowie „konservativ“ und „progressiv“ zu sorgen. Nicht wenige politische Kommentatoren halten das Links-Rechts-Schema daher für überholt, wie zum Beispiel der Autor und Historiker Klaus-Rüdiger Mai, der im Interview von einer „vollkommen überkommenen Einordnung“ spricht, die „die Gesäßbiografie des ausgehenden 18. Jahrhunderts“ widerspiegele – im 19. Jahrhundert noch einigermaßen brauchbar, im 20. Jahrhundert schon schwieriger zu handhaben. Laut Mai seien politische Lager unterteilbar in jene, welche an eine perfekte, vollkommen gerechte Welt glauben, die mit dem passenden Menschen am Reißbrett entworfen werden müsste – und jene, die dies nicht glauben.
Auch andere Pole wie „freiheitlich“ und „autoritär“ oder „anti-etatistisch“ und „obrigkeitsstaatlich“, „woke“ und „anti-woke“ werden immer wieder für eine passendere Differenzierung der unterschiedlichen politischen Lager ins Spiel gebracht.
Dass die Parameter für dergleichen Schemata einem grundsätzlichen Wandel unterliegen, zeigt sich darin, dass mitunter auch Alt-Linke in den Verdacht geraten, plötzlich „rechts“ zu sein. Nicht weil sie zwangsläufig ihre Ansichten gewechselt haben, sondern weil sich der Zeitgeist geändert hat. Achgut-Herausgeber Henryk M. Broder sagte mir im Interview vor rund einem Jahr: „Ich bin ein alter Linker. Ich war immer links. Ich bin immer noch links. Aber die Linke ist anders geworden. Die Linke ist einfach ein Haufen von korrupten Strebern geworden.“

Die Linken waren schon immer ein Haufen korrupter Streber!
Relativ neu ist, dass sie auch das Sammelbecken für Antisemitismus sind – aber nicht ganz neu.
Das ist heute nur offensichtlicher als früher.
„Konservativ“ ist eine positive Einstellung ggü. einer Evolution auf Basis von Erfahrungen. „Konservativ“ lehnt den Bruch mit der Geschichte zu Gunsten eines ungewissen Experiments ab.
„Konservativ“ hat die wichtigsten Fortschritte bei der Bekämpfung des Hungers auf Erden hervorgebracht.
„Konservativ“ war immer die beste Wahl für die nächsten Generationen.
Gegenbeispiele sind die UDSSR, Cuba, Venezuela, Vietnam, das 3. Reich, Mussolini, Mao, Peron, …..
Die SPD ist auch konservativ – auf ihre Art. Uns kommt das vielleicht gespenstisch vor, daß zu den vorhanden Baustellen immer neue Baustellen entstehen, ohne daß eine fertig wird. Aber die bleibt in ihrer Tradition, auch wenn sie damit zum x-ten Male scheitert.
Wer in einer Partei ist, hat keine eigene Meinung. Im römischen Senat galt nur der als frei, der keiner Partei angehört hat.
Trump mit seinem Mar-a-Lago-Pseudo-Protz ist ganz sicher kein Punk. Für mich ist der der Inbegriff der Spießigkeit. Und konservativ ist er aktuell auch nur, weil er sich bei den Republikanern bessere Chancen auf das Präsidentenamt erhofft hatte. Vorher war er jahrelang als Demokrat registriert und hat mit Bill Clinton Golf gespielt. Er macht halt das, was seine (Groß-)Spender wollen. Ein Minimum an Anstand und Benehmen, was Voraussetzung für „konservativ“ wäre, hat er auch nicht: Er ist stolz darauf, dass er als Veranstalter in die Umkleideräume seiner Schönheitswettbewerbe reinmarschiert ist, wo sich zum Teil minderjährige Mädchen im halbnackten Zustand befanden. Von seinen Freundschaften mit Pädokriminellen wie Epstein und John Casablancas (dem er noch, nachdem dieser in Verruf geraten war, geholfen hat) ganz zu schweigen.
Textzitat: „Das linke Kernthema der “Rechte für Schwule und Lesben„ wird also heute ironischerweise von der konservativen Opposition bespielt.“ Nur weil die AfD sich gegen weitere muslimische Immigration positioniert ist sie nicht automatisch schwulen-, lesben- und bifreundlich. Im aktuellen Wahlprogramm für Sachsen-Anhalt zum Beispiel, das ich mir kürzlich interessehalber angeschaut habe, ist jedenfalls von einer „perversen Regenbogenideologie“ die Rede. So kann man vielleicht die Fetischexzesse auf den CSD-Veranstaltungen charakterisieren (nackte und halbnackte Männer mit Hundemasken z.B.), mir scheint jedoch, dass man hier bewusst offen gelassen hat, was mit „perverser Regenbogenideologie“ gemeint ist, und damit auch bewusst auf Wähler abzielt, die ein vorgestriges Verständnis von gleichgeschlechtlicher Liebe haben. Da hilft auch eine Lesbe mit Perlenkette als Parteivorsitzende nicht als Ausgleich.
Die politische Definition von links und rechts stammt im Moment noch aus der Zeit der bolschewistischen Revolution und dem zweiten sowie dem Kalten Krieg. Da ging es um alte Herrschaftsstrukturen gegen das Proletariat. Das zeigte sich dann auf der Weltkarte in Form von Kapitalismus im Westen gegen Kommunismus im Osten. Diese Situation haben wir heute so gar nicht mehr. Wir haben heute die moderne Welt am Rande der Degeneration gegen die gefestigte theokratische Welt von gestern. Zumindest sieht das aus Sicht der modernen Welt so aus, weil sie selbst mal theokratisch war. Dabei ist es eigentlich umgekehrt, denn die theokratische Welt von heute ist jünger als die moderne Welt. Aber genau zwischen individualisierter moderner Welt und islamischer Theokratie verläuft heute die „Mauer“, nicht mehr zwischen Kapitalismus und Kommunismus. Die Hardliner von gestern wollen das bloß nicht wahrhaben, weil sie in diesem Konflikt mit ihrem gestrigen Weltbild und ihrer Erfahrung von gestern nicht mehr gebraucht werden. Das alte Weltbild passt nicht auf die neue Situation. Das braucht es dann neues Personal. Und wenn man einmal wirklich verstanden hat wo heute die Schnittkante verläuft, also zwischen Islam und allen anderen, weiß man auch sofort warum Schwule, Lesben und so weiter plötzlich rechts-konservativ wählen. Die haben mehr Angst vor dem Islam als vor ihren eigenen Konservativen.
Sehr geehrten Frau Stockmann, so ein schöner Text. Ich brauche es simpler. Die Linken sind in jeder Beziehung unzurechnungsfähig. Man kann nur hoffen, sie pflanzen sich in ihrer Dummheit nicht fort. Dann ist schon viel erreicht. Wie man immer besser sieht. Die Linken sind durch die Bank gekauft.
Für Links und Rechts braucht es einen Zankapfel. Die Dreyfuss-Affäre in Frankreich war so einer. Es war schier unmöglich, sich keine Meinung zum jüdischen Hauptmann Dreyfuss zu bilden, der des Verrates und der Spionage bezichtigt wurde. Der Fall polarisierte das Volk, obwohl Dreyfuss sich nichts hat zu Schulden kommen lassen. Für die Fürsprecher erfand man das Wort Intellektuelle, um klarzustellen, daß dieselben völlig abgehoben und nicht das Geringste mit dem Volk zu tun hätten. Ein Journalist namens Theodor Herzl zog aus diesem Fall den Schluß, das es für seinesgleichen in Europa keine wirkliche Zukunft gäbe, wenn selbst bei vollständiger Assimilation das jüdische Volk von Anfeindungen umbrandet bleibt und legte so den Grundstein für den Zionismus. Statt ein Leben auf Abruf zu fristen, in dem man hin- und hergetrieben wird, existiert dieser als Selbstbestimmungsrecht und als Revolte gegen einen Lebenstil, den einen das Exil auferlegte. Alle Vorgänge bis zur Staatsgründung begleiten Kontroversen und seit Begin und Sharon ist Israel ein Land, welches vom mehr vom Revisionismus geprägt ist, bei dessen Begründer der Vater Netanjahus Sekretär war. Der von einer Arbeiterklasse gegründete Staat hat eine Metamorphose durchlebt, welche die Einteilung zwischen links und rechts abstreift. Betont wird immer, das er die einzige Demokratie darstellt, wozu seit Athen auch die klassische Tragödie gehört. Die Linke akzeptiert keine Erwählten und der Rechte beargwöhnt den Pöbel. Erstere fürchten Eliten, letztere die Masse. Der Reaktionär akzeptiert die gesamte Geschichte nicht. Um realistisch zu bleiben, muß man nach Ben-Gurion weiterhin an Wunder glauben, denn der Bundismus wurde wie ein Messer ohne Klinge, bei dem der Griff fehlt, wodurch die Begriffe hinfällig werden.