Einerseits gefällt es mir, dass Alexander Gutzmer zur Gelassenheit aufruft. In einem Kommentar zu einem WamS-Artikel, in dem Redakteure größtenteils wohlwollend über ihre linken Lehrer erzählen, fragt er: „Wie wär’s, wenn wir die armen linken Lehrer in Ruhe lassen?“ Publizistisch und kabarettistisch ist das Thema sicherlich tot geritten. Doch im Alltag heutiger Schüler und Eltern sieht es ganz anders aus. Da ist es leider höchst lebendig. Es geht nicht um ausgebeulte Cordjacketts (die trage ich selber). Es geht darum, dass bereits Fünftklässler eingetrichtert bekommen, der Weltuntergang stünde unmittelbar bevor und die Amis sind an allem Schuld. Das ist nicht journalistisch zugespitzt, sondern alltägliche Realität, und zwar in Bayern (fragt sich, wie es woanders aussehen mag). Ich denke schon, dass es nach wie vor ein Problem ist, wenn eine Gesellschaft ihren Nachwuchs von anti-westlichen Apokalyptikern unterrichten lässt. Was ich aus Schulen meines Münchner Stadtviertels erzählt bekomme, ist jedenfalls zum Grausen. Neben den Amerikahassern und grünen Misanthropen ist in den Lehrerzimmern auch die Eso-Fraktion gut vertreten. So kriegen die Schüler im Unterricht beigebracht, dass man auf Homöopathie vertrauen soll, wenn man krank wird. Dass es zu Anti-Amerika-Demonstrationen schulfrei gibt, ist sowieso klar. Die Cicero-Umfrage, die die Diskussion angestoßen hat, wurde 2009 gemacht und nicht in den Achtziger Jahren. 16 Prozent der deutschen Lehrer, kam dabei heraus, wählen die Partei „Die Linke“. 23 Prozent der Pädagogen wählen die Grünen (SPD 26, CDU 24, FDP 8).
Ich trage übrigens keinen alten Groll auf linke Lehrer in mir. Ganz im Gegenteil. In den Fünfziger Jahren geboren, gehöre ich zu denen, die als Schüler den protestierenden Studenten hinterhergelaufen sind diese bewundert haben. Meine Lehrer waren zum Teil alte Kriegsteilnehmer, darunter wirklich schlimme Gestalten. Die Jüngeren kamen aus der sogenannten skeptischen Generation. Da gab es nette und weniger nette. Einer der Liberalsten wurde später CDU-Abgeordneter (er schrieb mir den unvergesslichen Satz unter eine Deutscharbeit: „Herr Miersch, wenn Sie die Weltrevolution wollen, fangen Sie doch bitte nicht bei der deutschen Rechtschreibung an.“). Die letzten drei Jahre verbrachte ich auf einer Reformschule, die an den Ideen Ludwig von Friedeburgs ausgerichtet war. Die meisten Lehrer dort waren jung und links. Ich habe ihnen viel zu verdanken. Endlich bekam ich keine schlechten Noten mehr für selbstständiges Denken. In dieser Zeit lernte ich jedoch auch einen neuen Typ Schüler kennen: den linken Streber. Mitschüler, die nicht aus jugendlicher Rebellion links geworden waren, sondern aus Anpassung, weil es mit der entsprechenden Meinung bessere Noten bei manchen Lehrern gab. Viele davon sind heute Lehrer.
PS: Ein netter Leser machte mich darauf aufmerksam, dass auch konservative Lehrer oftmals Pseudo-öko-Phrasen, Eso-Unsinn und Ressentiments gegen Amerika verbreiten. Der Leser hat völlig recht.
