Paul Nellen / 22.04.2017 / 17:40 / 1 / Seite ausdrucken

Linke Islamkritik – gibts das? Und wie.

Ein Fund mit Seltenheitswert: Eine links-autonome Webseite namens – so schlicht wie ergreifend – "Linke Zeitung", in der Religionskritik auch noch als Islamkritik geäußert wird (oder werden darf). Und sogar als radikale, also an die Wurzel gehende, wie es linker, der Aufklärung verpflichteter Geistestradition entsprechen sollte. Hierzulande wäre das nur noch zu toppen, wenn am IFO-Wirtschaftsforschungs-Institut von Ex-Chef Hans-Werner Sinn ("Deutschlands bekanntester Ökonom") Kurse zu Marxens "Das Kapital" angeboten werden würden...

"Vom Islam, den es nicht gibt", heißt der Beitrag von Jaques Auvergne, in dem der Autor eine anderthalbstündige SWR-"Nachtcafé"-Talkrunde auseinandernimmt, die auf der Webseite des öffentlich-rechtlichen Senders so angetextet wird: "Was ... macht am gelebten Islam im Alltag solche Angst? Was ist Bereicherung, was Beeinträchtigung und was Bedrohung? Wie viel Religion darf in einem säkularen Staat wie unserem überhaupt sein?"

Jaques Auvergne – ein Name, der auch schon sein eigenes Pseudonym ist – ist erkennbar kein Hausautor von "Linke Zeitung". Sein Artikel erschien zur gleichen Zeit auf Auvergnes eigenem Blog, der auch noch – horribile dictu! – "schariagegner.wordpress.com" heißt. Jemand, der weiß, wie man das macht, hat Auvergnes Text gezielt in die "Linke Zeitung" gebracht. Obwohl der Autor streckenweise das linke harmonistische Biedermeier provoziert, etwa wenn er ultimativ fordert:

"Freiheitlich-demokratische Bürgerrechtler haben zu sagen: Schluss mit dem interreligiösen Dialog, sobald dieser die Rechte und Freiheiten des Einzelnen einschränken will, beispielsweise die mit der Scharia nun einmal nicht kompatiblen gleichen Rechte von Mann und Frau."

Auf einer linken Webseite solche Sätze zu lesen kommt einem Sakrileg durchaus nahe. Dabei geht es doch nur um eine ziemlich ausführliche Talkshow-Kritik. Die aber hat es in sich, was die Genauigkeit beim Hinhören und die analytische Intensität seiner kritischen Bemerkungen angeht. Die Sendung selbst gibt es hier in der Mediathek. Das angedrohte verregnete Wochenende könnte damit noch eine kleine Sinnauszahlung erfahren. Give'm a try.

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Leserpost (1)
Klaus Lepinat / 22.04.2017

Hallo Herr Nellen, danke für den Artikel und was Herrn Sinn betrifft, so googeln Sie doch bitte einmal “Was uns Marx heute noch zu sagen hat”. Sie werden einen Beitrag von H.W. Sinn im Deutschlandfunk finden in der Reihe “Essay und Diskurs” vom 19.03.2017. In der Einführung heißt es: “Der Ökonom Hans-Werner Sinn hält Karl Marx für einen der bedeutendsten Makroökonomen der Geschichte. In unserer Sendereihe über “Das Kapital” würdigt der ehemalige Chef des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung Marx’ Beiträge zur Wachstums- und Krisentheorie und analysiert, inwieweit man die anhaltende wirtschaftliche Stagnation unserer Tage damit erklären kann.” Einen schönen Sonntag noch Klaus Lepinat

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