Boris T. Kaiser, Gastautor / 25.10.2014 / 06:26 / 14 / Seite ausdrucken

Life of Mohammed

Boris T. Kaiser

„Was darf Satire?“, fragte einst Kurt Tucholsky und beantwortete die Frage gleich selbst: „Alles.“

Inwieweit das in Deutschland auch für Satire über den Islam gilt oder ob hier schon bei relativ harmlosen Späßchen Schluss mit lustig ist, muss jetzt die Staatsanwaltschaft entscheiden. Der Kabarettist Dieter Nuhr wurde nämlich wegen seiner satirischen Betrachtung der „Religion des Friedens“ und des Korans von einem Moslem angezeigt.

Der Anzeigeerstatter der sich im Internet mit Plakaten wie „Nuhr Lügen“ oder „Stoppt den Hassprediger (Dieter Nuhr)“ zeigt und selbst ein bisschen so aussieht wie jemand, der sich im Kölner Karneval als Islamist verkleidet hat, als man sich im Kölner Karneval noch als Islamist verkleiden durfte, sagt: Er glaube, das Programm von Dieter Nuhr wirke sich negativ auf das Zusammenleben mit den Muslimen aus.

Nun gibt es eine Menge Programme, denen man vorwerfen könnte, dass sie sich negativ auf das Zusammenleben der Gesellschaft insgesamt auswirken, allen voran das gesamte Nachmittagsprogram von RTL. Dass sich ein Programm negativ auf das Zusammenleben mit einer Religionsgemeinschaft auswirkt, ist dagegen neu. Wenn man mal von dem für viele schwer zu ertragene Wort zum Sonntag absieht oder den Talkshows, in denen Margot Käßmann zu Gast ist.

Dabei hat es in der Vergangenheit immer Satire auch und gerade über Religion gegeben. Einzige Ausnahme war lange und ist häufig noch bis heute der Islam. Oder könnten sie sich einen Film wie „Life of Brian“ in Anlehnung an das Leben von Mohammed vorstellen? Kabarettisten und Comedians, die es niemals wagen würden, einen auch noch so braven Witz über den Islam zu machen, fühlen sich dagegen immer noch wahnsinnig mutig und rebellisch, wenn sie im deutschen Fernsehen oder Radio flache Sprüche über die Kirche und das Christentum bringen.

Ich weiß es, durch meine berufliche Tätigkeit als Satiriker und Comedy-Autor, der früher ab und an eigene Stand-up-Auftritte absolviert hat, aus eigener Erfahrung. Ein Witz über kinderfickende Priester kommt immer an und bringt meisten Zwischenapplaus. Genau wie simple und platte Wortspiele über Jesus und das Nageln.

Ich finde das als Christ nicht immer lustig, kann aber über vieles lachen. Dieses Selbstbewusstsein scheint den meisten Moslems nicht gegeben zu sein. Ganz zu schweigen von der grandiosen jüdischen Selbstironie. Vielleicht kann man den Moslems nicht vorwerfen, dass sie mit all dem nicht gesegnet sind. Was man aber von deutschen Muslimen erwarten sollte, ist, dass sie die Spielregeln der Demokratie und der Meinungs- und Kunstfreiheit kennen, zu der auch das Recht auf Verhohnepiepelung von Religionen gehört.

Von einem deutschen Staatsanwalt kann man dies erst recht erwarten.

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Leserpost

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Marita Schneider / 25.10.2014

Selbstverständlich darf Satire alles. Und ebenso darf eben jeder Depp daran Anstoß nehmen. Und die Staatsanwaltschaft hat zu prüfen, ob es zu einer Anklage kommt. So ist der Ablauf. Ich finde es nicht gut, dass solchen Deppen ein Forum geboten wird, denn dann sehen sie sich in ihrer Annahme bestätigt, dass sie von Islamophoben umgeben sind.

Thilo Schneider / 25.10.2014

Nicht die Anzeige ist ein Skandal - Herr Toka darf seine Meinung rechtlich überprüfen lassen, unsere Gesetze sehen das vor - eine Verurteilung wäre ein Skandal.

Lara Berger / 25.10.2014

Würde Nuhr jetzt deswegen bestraft werden, würde dies eine neue Zensur in der gesamten Kunst, Literatur, Film, Fernsehen, eben der gesamten deutschen Kultur nach sich ziehen. Jeder würde aus Angst vor öffentlicher Schmähung und strafrechtlicher Verfolgung auf eine künsterlisch-kritische Auseinandersetzung mit dem Islam verzichten. Das hatten wir doch schon einmal! Im dritten Reich und in der DDR gab das Gebot sich nicht negativ über das zu äußern, was den Mächtigen wichtig war. Wer im 3.Reich offiziell gefragt hätte: wo bringt ihr die Juden hin? Oder das Abtransportieren von Menschen scharf kritisiert hätte, wurde sehr hart bestraft. Es gibt Menschen, die ihre Kritik nicht überlebt haben. Ähnliches galt für die DDR. Systemkritik war hier unmöglich. Und nun gibt es viele Menschen bei uns, die dasselbe auch für ihre Religion durchsetzen möchten. Das dürfen wir niemals zulassen! Jeder Widerstand gegen die Zensur der Kunst oder der Medien ist zulässig und wichtig. Wo sind die Künstler, die ihre Stimme erheben, gegen die seltsamen Fehlentwicklungen, die Moslems ins Land brachten? Wer kritisiert, dass es in Kindergärten kein Schweinefleisch mehr gibt, aus Angst, ein wütender Moslemvater könnte sich beleidigt fühlen? Wer hinterfragt das Verhalten von Schuljungen, die sich plötzlich weigern der Lehrerin die Hand zu geben, weil sie ein “unreine” Frau sei? Hierzulande wurde die Offenheit in der Kunst und ihre Unabhängikeit stets sehr laut als großer Fortschritt hin zur Entwicklung einer modernen Gesellschaft bejubelt. Wohin ist dieser freie Geist verschwunden? Malt der “moderne, weltoffene” Künstler heute nur noch Bilder vom ‘friedlichen Islam’, die so aussehen, wie die ‘heile Welt Fantasien’ der Zeugen Jehovas in ihrem “Paradiesbuch”? Ein Fall wie die Absage einer Mozart-Aufführung in Berlin, weil Mohammed darin vorkommt, darf nie wieder geschehen. Wir dürfen uns die Islamkritik nicht verbieten lassen und wir dürfen es nicht unbeantwortet lassen, wenn die Feinde der freiheitlichen Grundordnung jede Kritik am Islam als “Phobie” (also krank) diffamieren. Zur Not müssen wir Bürger eben selbst zur Tat schreiten. Kreativ können nicht nur Künstler sein. Besonders heutzutage ist Kritik an einer Relgion, in deren Namen Menschen bestialisch abgeschlachtet werden, eine Lebensnotwendigkeit! Also: ran an die Zeichenbretter! Widerstand ist NICHT zwecklos!

Martina Maier / 25.10.2014

Na, hoffen wir mal, dass der Deutsche Staatsanwalt das auch so sieht. Bei Bushido sind ja immerhin Diskriminierungen von Homosexuellen und Schüsse, mit denen man jemanden durchlöchert auch als Kunst angesehen worden. Mal sehen, wie sich der Islambonus hier auswirkt ;-)

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