Der Song, der von dem erst kürzlich verstorbenen Beach-Boys-Mastermind Brian Wilson geschrieben wurde, darf zu den schönsten wie auch bemerkenswertesten Kompositionen in der Geschichte der Popmusik gezählt werden. Warum, erfahren Sie hier.
Kein Geringerer als Paul McCartney bezeichnet ihn als den besten Song, der jemals geschrieben wurde: „God Only Knows“ von den Beach Boys ist zweifelsohne ein Meisterwerk, das nicht nur als eine der schönsten, sondern auch der bemerkenswertesten Kompositionen in die Geschichte der Popmusik eingegangen ist. Das hat insbesondere mit seiner außergewöhnlichen harmonischen Struktur zu tun, die selbst im OEuvre von Mastermind Brian Wilson ihresgleichen sucht.
Brian Wilson, der als letzter der drei Wilson-Brüder jüngst am 11. Juni verstorben ist, hatte sich Mitte der 60er Jahre in den Kopf gesetzt, die Beatles herauszufordern und ein Popalbum zu erschaffen, das alles Bisherige übertreffen sollte. Hierzu klinkte er sich bei den Beach Boys aus und blieb zuhause im Tonstudio, während seine Bandmates ohne ihn auf eine Tournee nach Japan flogen.
Um seine Vision umzusetzen, verpflichtete Wilson ein ganzes Orchester an Studiomusikern, mit denen er die Backingtracks für die neuen Songs aufnahm. Als seine Bandkollegen wieder zurück waren, durften sie zumindest noch ihren einzigartigen Chorgesang obendrauf setzen. Das daraus resultierende Album mit dem unspektakulären Namen „Pet Sounds“ (dt. „Haustiergeräusche“) erschien im Frühjahr 1966 und genießt heute den Status eines Meilensteins der modernen Musik.
Sogar die Beatles inspiriert
„Pet Sounds“ war das erste Album in der Geschichte der Popmusik, bei dem Instrumente zum Einsatz kamen, die bis dahin nur in Klassik oder Jazz verwendet wurden. Darüber hinaus experimentierte Wilson auch mit dem Aufnahmeequipment selbst und ließ so das Tonstudio zum Instrument werden. Damit ebnete er neuen Spielarten der Pop- und Rockmusik den Weg, wie etwa Chamber- und Orchestral-Pop oder dem Progressive-Rock.
Und nicht zuletzt inspirierte er sogar die Beatles zu ihren Meisterwerken „Revolver“ und „Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band“, die ohne Wilsons Vorarbeit so wohl nicht denkbar gewesen wären. Nicht nur dem eingangs erwähnten Beatle Paul, sondern auch vielen Fans und Kritikern gilt „God Only Knows“ als absolutes Highlight von „Pet Sounds“. Wie kein anderer Song des Albums strahlt er etwas Geheimnisvolles und Magisches aus.
Woher kommt das? Bei genauerer Betrachtung stellt man erstaunt fest, dass sich der Komposition gar keine konkrete Tonart zuordnen lässt. Vielmehr scheint sie zwischen verschiedenen Tonarten zu schweben. Verstärkt wird dieser Effekt, indem der Bass, der den Akkorden eigentlich ein tragendes Fundament unterlegen sollte, es vermeidet, eindeutige Grundtöne zu spielen. Und durch die Verwendung verminderter Akkorde verlieh Wilson der harmonischen Progression eine zusätzliche Dramatik.
Rettungsboot im Ozean des Ungewissen
Wilson, dem das Meer nicht sonderlich geheuer war, hat sich für diesen Ozean des Ungewissen eine erhabene Melodie ausgedacht, die wie ein Rettungsboot durch die dunklen Fluten navigiert und ihnen einen Funken Hoffnung entgegensetzt. Das spiegelt sich auch im Songtext wider, den man analytisch sicher nicht überstrapazieren muss, und der sich in aller Unbedarftheit um die Frage dreht, ob sich zwei Menschen überhaupt ein ganzes Leben lang lieben können.
Den Leadgesang hat Wilson seinem Bruder Carl übertragen, dessen himmlische Falsettstimme den unschuldigen und sanftmütigen Charakter des Songs perfekt repräsentiert. Und wenn es im Chorus heißt „God only knows what I'd be without you“ („Nur Gott weiß, was ich ohne dich wäre“), dann kommt das einer aufrichtigen Liebeserklärung gleich – vielleicht sogar der einzig wahren, die man unumwunden und ohne zu flunkern abgeben kann.
Der letzte Chorus mündet schließlich in einen Kanon, der durch seine mantraartige Wiederholung die Hoffnung auf eine bleibende und erlösende Liebe zu beschwören scheint. Einfach nur herrlich! Weil sich ihre amerikanische Plattenfirma weigerte, „God Only Knows“ als Single zu veröffentlichen, schlossen die Beach Boys einen Vertrag mit EMI ab und brachten es in Großbritannien heraus, wo der Song ein Hit wurde und bis auf den zweiten Platz der Charts kletterte.
Inzwischen wurde „God Only Knows“ mit den höchsten Würdigungen bedacht und unzählige Male nachgesungen (wobei ich noch keine einzige Coverversion gehört habe, die auch nur annähernd ans Original heranreicht). Zudem belegt es bis heute regelmäßig vordere Plätze in allen Rankings, bei denen es um die größten Songs aller Zeiten geht. Ich weiß nicht, ob es stimmt, aber angeblich soll es auch der erste Popsong gewesen sein, in dessen Titel das Wort „God“ vorkommt. God Only Knows!
YouTube-Link zu „God Only Knows“ vom Beach-Boys-Album „Pet Sounds“ (1966)
Hans Scheuerlein verarbeitet auf der Achse des Guten seit 2021 sein Erschrecken über die Tatsache, dass viele der Schallplatten, die den Soundtrack seines Lebens prägten, inzwischen ein halbes Jahrhundert alt geworden sind.
Beitragsbild: The Beach Boys/Capitol - http://www.45cat.com/record/5706, Fair use, via Wikimedia Commons

Ich vermute mal, god only knows, dass dies der beste Song aller Zeiten gewesen sein soll. Aber die Geschmäcker sind verschieden.
Ein Juwel der Musikgeschichte. Allein das Intro mit dem Akkordeon und dem Horn geht direkt ins Herz. Wenn man den Videomitschnitt von den Aufnahmesessions mit den verschiedensten Studiomusikern gesehen hat, kann man nur noch staunen, was Brian Wilson mit seinen damals knapp 24 Jahren geschaffen hat. Die Vokale in den meistens hohen Stimmlagen und oft im Chor/Kanon gesungen, erschließen sich nicht nur bei diesem Stück auch erst jetzt so richtig. Obwohl die Songs der Beach Boys, neben den Beatles, den Stones, den Bee Gees usw. usf. damals bei meinen älteren Brüdern ständig auf dem Plattenteller lagen. Es ist auch eine Erinnerung an eine längst vergangene, schöne Zeit, die im wahrsten Sinn des Wortes ihren Nachhall findet. Ich bin dankbar dafür, dass ich dabei sein durfte.
Wer ist Paul McCartney? Wissen Sie es? Die Anti-Apo? Ich habe Freunde von mir fallen sehen. Glauben Sie mir, wir zwei sind keine Freunde.
ich bin kein beach boys fan, aber diese komposition und ihre umsetzung ist genial. ich habe die tage ein video gesehen, in dem einzelspuren zu hören sind, atemberaubend! das geniale ist wie bei „yesterday“, dass es sich trotz der komplexität einfach anhört. ein absolut zeitloses meisterwerk, über das noch in 100 jahren gesprochen wird. danke für die würdigung und schön, dass die achse auch platz für sowas bietet.
Vielen Dank für die Würdigung des Brian Wilson! Mir sind allerdings Barbara Ann (auch wenn’s gecovert war), Little Honda, Sloop John B. oder, wenn’s schon schräg sein muss beim Pop,, Good Vibrations lieber. Für das, was gute Popmusik können muss, gibt für mich Nik Cohn Auskunft: sie darf beim Tanzen & Schmusen nicht stören. Dafür ist God only knows musikalisch zu komplex und artifiziell, ein bisserl gekünstelt halt. Und leider nach meinem Dafürhalten das, was ein Musikerfreund sagt: Lulu – Musik. Und wenn ich bei der richtigen Kunst sein möchte, dann geh‚ ich zur schönen Müllerin…