Walter Schmidt / 23.09.2010 / 22:21 / 0 / Seite ausdrucken

Lieber Sigi!

Sigmar Gabriel und ich, wir haben die gleichen Gene. Wir stammen beide aus dem Harz. Wir sind gemeinsam zur Schule gegangen. Wir haben beide auf Lehramt studiert. Und wir sind bzw. waren beide SPD-Genossen.

Doch dann trennten sich unsere Wege.

Sigi, dem seine Pauker schon im zarten Alter von 17 Jahren eine große politische Karriere prophezeihten, gab nur ein kurzes Gastspiel in der “Volksbildung” und wurde schnell “Berufspolitiker”, während ich das Lehrersein zum Beruf machte und mich nur noch gelegentlich in die Politik einmischte. Mein größter Erfolg war eine mehr oder weniger erfolglose Kandidatur bei der Stadtratswahl einer kleinen Gemeinde in Südniedersachsen, während Sigi nur kurze Zeit später schon höhere politische Ämter auf kommunaler und schließlich sogar auf Landesebene bekleidete. Als Sigi schon Ministerpräsident war, lehrte ich immer noch an einer freien Schule in Sachsen.

Doch jetzt scheinen wir auf durchaus verschlungenen Wegen zumindest ideologisch wieder zusammenzukommen, und das ausgerechnet dank Thilo Sarrazin und seinem Buch “Deutschland schafft sich ab”, das eigentlich so etwas wie das neue “Godesberger Programm” der SPD verkörpert, mit ganz viel Gesamtschule, Aufstieg durch Bildung und klaren Anforderungen an zuwanderungswillige Migranten in unserer Gesellschaft.

Das scheint mittlerweile auch der neue Vorsitzende der “alten Tante” SPD begriffen zu haben, denn während er in seinem öffentlichen Diskurs bisweilen “rechtspopulistische” Töne anschlägt und integrationsunwilligen Migranten und deren z.T. schwer beschulbaren Kindern mit hohen Geldstrafen und der Polizei droht, versucht er auf der anderen Seite, sich hinter einem wohlfeilen Diskurs der “politischen Korrektheit zu verschanzen und Thilo Sarrazin sozusagen als eine Art neuen “Josef Mengele” erscheinen zu lassen, der angeblich Menschen nach ihrem Erbgut selektiert und ihnen jeglichen Willen zum Aufstieg durch Bildung abspricht bzw. einen solchen aufgrund unzulänglichen “Erbmaterials” von vornherein ausschließt.

Ich selbst würde selbstverständlich nie so weit gehen wie der Genosse Sigmar Gabriel und bildungsunwillige Schüler mit und ohne Migrationshintergrund womöglich morgens in aller Herrgottsfrühe von zu Hause abzuholen und mit der Polizei zur Schule bringen zu lassen. Außerdem würde ich keine Geldstrafen gegen Schulunwillige und deren Eltern verhängen, die sie dann womöglich noch zwecks Erhöhung der Hartz-IV-Regelsätze geltend machen könnten. Schließlich gibt es durchaus auch ein Recht auf Dummheit.

Allerdings würde ich stattdessen vielleicht lieber den Genossen Thilo Sarrazin zum neuen Migrationsbeauftragten der SPD ernennen, da dieser mit Sicherheit dafür sorgen würde, daß zuwanderungs- aber dennoch integrationsunwillige Migranten zunächst einen Arbeitsplatz vorweisen müßten, bevor ihrem Antrag auf Einbürgerung entsprochen wird.
Also, lieber Sigi, denk´ doch bitte nochmal darüber nach. Und wenn du schon den Genossen Thilo Sarrazin aufgrund seiner Berufung auf erbliche Intelligenz für untragbar im Rahmen der deutschen Sozialdemokratie hältst, denk´ daran: Du bist selbst das beste Beispiel für die ursozialdemokratische Idee eines “Aufstiegs durch Bildung”, der dich vom Sohn einer einfachen Krankenschwester zum Vorsitzenden der ältesten demokratischen Partei dieses Landes hat werden lassen.

Nichts anderes propagiert auch Thilo Sarrazin, doch eine solche Idee verträgt sich nicht mit einer heutzutage weit verbreiteten naiven “Multi-Kulti-Ideologie”, welche die Augen vor einer äußerst problematischen Zuwanderung von oft nicht nur ungebildeten sondern auch inländerfeindlichen Migranten in die hiesigen sozialsysteme verschließt.

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