Johannes Eisleben / 24.09.2018 / 06:20 / Foto: Pixabay / 45 / Seite ausdrucken

Liebe Linke, das müsst ihr lesen – ehrlich.

Von Johannes Eisleben.

Die herausragende historische Leistung des Abendlandes ist die Entwicklung von Demokratie, Rechtsstaat, Humanismus und Christentum sowie der rationalen Wissenschaft. Darauf beruht unsere heutige Gesellschaftsform, die rechtstaatlich-demokratische Industriegesellschaft, die nach den schrecklichen Erfahrungen des abendländischen Totalitarismus von der Mitte bis zum Ende des 20. Jahrhunderts das Paradoxon der Gewaltbegrenzung so gut, wie es Menschen seit der Urbanisierung ab 4000 v. Chr. jemals möglich gewesen ist, gelöst hat.

Dieses unauflösbare Paradoxon besagt, dass Macht konzentriert werden muss, um den chaotischen Gebrauch von Gewalt zu beschränken, diese Machtkonzentration aber wiederum zu Machtmissbrauch und Gewaltanwendung staatliche Akteure verleitet, die selbst privilegierte Minderheiten sind oder von solchen kontrolliert werden. Das Paradoxon wird im Rechtsstaat angegangen (aber nicht gelöst), indem die Herrschaft des Rechts, die Gleichheit aller vor dem Gesetz, Grundrechte zur Begrenzung der Normsetzung, Kompetenznormen (Gewaltenteilung), Verfahrensnormen (wie etwa die ZPO), Besetzungsnormen (turnusmäßige Wahl) und Öffentlichkeitsnormen angestrebt werden (siehe H. Popitz, „Phänomene der Macht“, 1992, p. 65). 

Doch seit etwa 20 Jahren funktioniert die Bewältigung des Paradoxons der Gewaltbegrenzung immer schlechter. Materiell hat dies mit der immer drastischer werdenden Ungleichheit in den OECD-Staaten zu tun, die eine oligarchische Klasse von Ultrareichen geschaffen hat. Diese halten immer größere Anteile an Realwerten, insbesondere Produktionsmitteln (Land, Maschinen, Anlagen und neuerdings auch Kundendaten, die zu einem zentralen Produktionsmittel geworden sind) – die Gründe dafür können in diesem Zusammenhang nicht behandelt werden.

Ideel hat sich parallel zu dieser krassen Konzentration von Reichtum noch während der Blütezeit des modernen demokratischen Rechtsstaats mit dem links-liberalen post-humanistischen Globalismus eine Strömung entwickelt, die kulturell den Weg zu neuem Machtmissbrauch durch die ultrareichen Minderheiten bahnt. Diese Haltung pervertiert das humanistische Primat des Individuums, indem von biologischen und kulturellen Voraussetzungen des Menschseins abstrahiert und die Fiktion eines voraussetzungsfreien Universalmenschen postuliert wird.

Konsumenten ohne nennenswertes Realeigentum

Ausgehend von dieser Position fordert der post-humanistische Globalismus die Abschaffung von Herkunft, Nation, Geschlecht und Rassen sowie der für das menschliche Überleben zentralen Unterscheidung von Eigen und Fremd. Er ist post-humanistisch, weil er sich des zentralen Ideals des klassischen Humanismus, der philanthrōpía (und, was noch schwerer wiegt, des gesamten Inhalts des Christentums) entledigt hat. Arme, Benachteiligte und Schwache spielen für diese Ideologie keine Rolle mehr. Vielmehr dient die Globalisierungsideologie der möglichst reibungsarmen weiteren Konzentration von Eigentum auf ganz wenige: Die Welt soll zu einem einheitlichen Markt, einem globalen Ort der perfekten Verwertung des Verhaltens von Arbeitnehmern und Konsumenten ohne nennenswertes Realeigentum gestaltet werden.

Die liberale Linke in Deutschland (große Teile der Eliten) hat sich diese Ideologie zu eigen gemacht, wobei die allermeisten nicht merken, dass es sich um eine Herrschaftsideologie handelt, weil sie nicht begreifen, dass die Forderung nach absoluter Gleichheit ohne philanthrōpía und ohne wirksame Mechanismen zur Adressierung des Paradoxons der Gewaltbegrenzung in eine stark dysfunktionale, von offener Gewalt geprägte Gesellschaft führt.

Vielmehr bekämpfen die Protagonisten des post-humanistischen Globalismus diese Mechanismen, beispielsweise durch Verlagerung der Gesetzgebung in ein demokratisch nicht legitimiertes Machtzentrum (Brüssel), durch Missachtung der Verfassung und der Grundrechte (Euro-Rettung, NetzDG, Grenzöffnung), Unterminierung von Verfahrensnormen (zum Beispiel BAMF, Asylrecht) und Angriff auf die demokratische Öffentlichkeit – etwa durch ideologisierte Staatsmedien, wobei die großen Privatmedien mitmachen, weil deren Eigentümer die Nutznießer der Ideologie sind.

Irgendwann werden diese Akteure merken, dass dies alles keine gute Idee war und sie das, was einmal den demokratischen Rechtsstaat ausgemacht hat, verspielt haben werden. Dann sind wir wieder beim Willkürstaat, der ja – das weiß jeder Historiker – leider die dominierende Form menschlichen Zusammenlebens darstellt. So weit, so schlecht. Um den post-humanistischen Globalismus besser zu verstehen, schauen wir uns nun seine extremste Form an, den sogenannten Transhumanismus , welcher gewissermaßen im Brennglas dessen Probleme verdeutlicht.

Transhumanismus – scheinwissenschaftlicher Unfug

Der Transhumanismus ist eine post-humanistische Ideologie, die in Kalifornien entstanden ist. Sie postuliert, dass der Mensch sich durch Einbau technischer Implantate zum einem normalen Menschen überlegenen „Cyborg“ aufrüsten könne und dass er sich durch Genmanipulation zum „transgenen Übermenschen“ emporschwingen kann. Gehen wir zunächst darauf ein, warum dies beides technisch kaum möglich ist, bevor wir den Transhumanismus geistesgeschichtlich einordnen.

Technische Erweiterungen des menschlichen Organismus könnten theoretisch an afferente oder efferente Nervenbahnen des zentralen Nervensystems (ZNS = Gehirn samt Augen + Rückenmark) angeschlossen werden, um dem Menschen neue sensorische und motorische Fähigkeiten zu verleihen. Bei den Afferenzen ist dies de facto nicht sinnvoll machbar, weil alle zum Gehirn führenden elektrischen Sinnesreize mit der gesamten Struktur des Gehirns fest verdrahtet sind: Die visuellen Eindrücke werden vom okzipitalen Kortex verarbeitet, die Audiodaten vom Wernicke-Areal, die Propriozeptoren (Eigenwahrnehmung des Körpers) von diversen Strukturen des Kortex. Würde man afferente Bahnen hinzufügen, gäbe es für diese keinen Verarbeitungsort.

Sicherlich ist es möglich, physikalische Energie, die der Mensch von Natur aus nicht wahrnehmen kann (wie Ultraschall, UV-Strahlung oder radioaktive Strahlung), mit Hilfe von technischen Hilfsmitteln in einen existierenden sensorischen Kanal zu leiten (nichts anderes macht ein Geiger-Zähler), doch das meinen Transhumanisten nicht, wenn sie vom Cyborg sprechen. Wie sieht es bei den Efferenzen aus? Sie steuern von außen gesehen im Wesentlichen die Motorik des Körpers (und auch zahlreiche andere biologischen Funktionen, die aber von außen schlechter beobachtbar sind). Dies ist durch Sprache und Feinmotorik (Körper und Hände) so gut möglich, dass Florettfechter extrem elegant gegeneinander kämpfen, Pianisten höllisch schwierige Liszt-Etüden spielen und Menschen riesige Maschinen steuern können. Wiederum könnte das noch durch externe Apparate verbessert werden, die beispielsweise Augenbewegungen interpretieren, um noch schnellere Steuerung möglich zu machen als durch die Finger.

Doch ist auch dies nicht das, was sich Transhumanisten vorstellen. Was sicherlich aus ihrem Repertoire denkbar ist, sind Exoskelette, künstliche Gliedmaßen, die wie eine Rüstung angelegt werden und Bewegungen des Menschen verstärken. Die Frage ist nur, ob das noch gebraucht wird, wenn die Synsekten kommen: Der Cyborg ist eine hoffnungslos anthropozentrische Idee. Wie sieht es mit der Genetik aus? Seltene monogenetische Krankheiten mit Mendel’scher Vererbung wird man bald in der Keimbahn mit CRISPR-Cas behandeln – die momentane Ächtung in der EU, Ausdruck einer gefährlichen Technologiefeindlichkeit, wird sich nicht durchhalten lassen.

Es ist unseriös von transgenen Übermenschen zu sprechen

Doch sind die höheren Eigenschaften des Menschen so komplex, genetisch polygen und nicht-Mendel’sch, beispielsweise epigenetisch (d.h. mit Hilfe von Moleküleigenschaften, die nicht direkt auf der DNS abgebildet sind) kodiert, dass wir die Art der Kodierung gar nicht verstehen. Dies gilt für die natürlichen Varianten von Gesichtszügen und Körperbau, aber auch für alle geistigen Merkmale des Menschen wie Intelligenz, Charakterzüge, Emotionalität oder Empathiefähigkeit.

Wir verstehen nicht, wie diese Eigenschaften entstehen und können keine Modelle erstellen, die beschreiben, wie wir ihre (epi-)genetische Grundlage verändern müssten, um sie zu manipulieren. Wir haben dafür noch nicht einmal die mathematischen Möglichkeiten, weil sich derartige Zusammenhänge weder mit partiellen Differentialgleichungen noch mit stochastischen Modellen oder anderen Verfahren befriedigend beschreiben lassen. Mit anderen Worten: Wissenschaftlich ist es derzeit unseriös, von transgenen Übermenschen zu sprechen.

Was aber können wir aus dem Transhumanismus lernen? Tun wir dafür kurz einmal so, als seien seine Ziele verwirklichbar. Nun sehen wir, dass der Transhumanismus eine extreme Form des post-humanistischen Globalismus darstellt. Denn erstens abstrahiert der Transhumanismus von der Biologie des Menschen. Er begreift gar nicht die Tierhaftigkeit des Menschen in ihrer Schönheit, Begrenztheit und Grausamkeit, sondern sieht das Lebewesen Menschen als mangelhafte und verbesserungsbedürftige Maschine an – ähnlich dem kruden Materialismus der französischen Aufklärung („L’homme machine“ von La Mettrie).

Grundlage dieser Haltung ist eine extreme Hybris der technischen Machbarkeit – ein Christ würde sagen: eine tiefe Gottesvergessenheit. In dieser Hinsicht ist der Transhumanismus eine Teilmenge des Globalismus, der Biologie, Herkunft und Kultur des Menschen ignoriert, um die Bahn frei für unbegrenzte Verwertung der Menschen zu machen. 

Keine Hinwendung mehr zu den Schwachen

Zweitens wäre der Transhumanismus extrem teuer – eine Technologie für eine winzige Elite, für die extrem reiche Minderheit und allenfalls noch für deren private Sicherheitsorgane. Auch hier zeigt sich der Transhumanismus als eine Spielart des Globalismus, einer Ideologie, die nur den extrem Reichen und deren Handlangern (gut bezahlten Managern und Dienstleistern ohne wesentliches Eigentum) dient. 

Drittens fehlt dem Transhumanismus jeglicher Blick auf die Mühseligen und Beladenen, die Christus in Matthäus 11, 28 zu sich ruft. Egal, ob man Christ ist oder nicht: In diesem Jesuswort zeigt sich ein wesentliches Element abendländischer Zivilisation, die Hinwendung zu den Schwachen. Dieser Gedanke ermöglicht es überhaupt erst, das Paradox der Gewaltbegrenzung angehen zu wollen. Wem die Schwachen egal sind, der kann gegen sie auch mühelos Gewalt anwenden und das sogar genießen. Dieses Muster wiederholt sich in der Geschichte immer wieder, ob in der Antike wie bei den Vernichtungszügen Alexander des Großen, im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert in Belgisch Kongo oder dem „Dritten Reich“ in Deutschland.

Der Transhumanismus als Spielart des Globalismus ist ein menschenfeindliches Denksystem, das Gott sei Dank nicht implementierbar ist. Aber er verdeutlicht uns das Denkmuster des pseudoliberalen Globalismus. Der ist leider realisierbar und wird gerade vor unseren Augen umgesetzt, insbesondere von den sogenannten „Linken“. Bis die endlich erwachen und wir diese Fehlentwicklung korrigieren. Je später dies geschieht, desto unangenehmer wird es, wie bei einer Epidemie, deren Ausbreitung man nicht verhindert.

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Anders Dairie / 24.09.2018

Warum in die Ferne schweifen?  Die DDR war eine Königreich ( zuletzt König Honni I. mit Königin Margot )  mit einem Hofstaat ( Politbüro d. SED ).  Die lebten abgeschwieden. In einer Burg Wandlitz.  Sowie dem Volk unbekannten Landhäusern.  Die Prätorianer-Garde hieß Wachregiment (der Stasi).  Die Kultur, von Geburt bis zum Grab war kon-struiert., geplant.  Alle Institionen, genauer deren Chefs. waren überberwacht und handverlesen.  Genug der Vorrede:  In diesem System, das sich sogar eine Scheindemokratie (Volkskammer) leisten konnte, genügen nur ein paar Befehle….und Europa brennt !  Noch kürzer:  Für den Einmarsch in Afghanista genügten 3 Politbüro-Mitglieder der KP der UdSSR.  Es gab keine kollektive Entscheidung!  So sind Gorbi’s Leitlinien besser verständlich.  Diese Systeme neigen sets zur Gewalt.  Weil sie wirtschaftlich-kulturell unterlegen sind und den Forderungen nicht genügen. Ihr Zusammenbruch hatte diese eine Haupt-Ursache !  China ist kein Sondermodell. Es steht vor der gewaltigsten Finanzkrise neuerer Geschichte—-und die Amis müssen zur Auslösung nur den Zins für geliehenes Geld steigern.  China hat riesen Schulden.  Ergo:  Es braucht die Transformierten nicht,  um unterzugehen.  Sind sie gar der Tod selbst?  Es ist nie die Denke gewesen, sondern stets ein Unvermögen ... der wenig gebildeten Führer. Sie ließen keine Filosofen-Kaiser zu.  Die Bücher stammen von Ghostwrigtern.  Ihr Untertanen-System, ohne Gegenkräfte erzeugt alle Gefahren.  Linke und Rechte sind Blinde.  Das beklagte Unheil kann eine universale Richtlinie abwenden, die BILL of RIGHTs.

Andreas Rochow / 24.09.2018

@ Andreas Rühl - Sie meinen, ein “Projekt” gibt es nicht? Dann sollten Sie den weithin beschwiegenen UN-Migrationspakt bitte anschauen. Und alles Gefasel von EU-ropäischen Lösungen liegt auf dieser Strecke. Eislebens einziger Irrtum ist, dass er glaubt, mit z.T. komplizierten wissenschaftlichen Wahrheiten den globalistischen Wahnsinn noch stoppen zu können. Mit einfachen populistischen und moralistischen Lügen ist das Kontingent des kritischen Verstandes längst eingeschläfert, sogar die “Zivilcourage” zu hündischer Staatsloyalität umdefiniert. Der gewaltige Aufwand bei diesem Zerstörungswerk und die vertrackte Ideologie- und Propagandamaschine sind Ausdruck dieses Projektes. Diskussionen, in denen diese Fragen aus verschiedenen Blickwinkeln erörtert werden, sind verpönt, weil sie Bürger verunsichern könnten, hier bspw. weil Erxleben es zu recht für nötigt hält, vernachlässigte wissenschaftliche Themenfelder einzubringen. Ich bin vorsichtig mit dem Begriff des Linksliberalismus, da mir liberale Linke niemals begegnet sind. Das Projekt, dessen Existenz Sie bestreiten, ist die sozialistische Weltrevolution und wird demokratische Strukturen und Institutionen vernichten müssen, weil demokratische Mehrheiten für dieses Projekt nicht zu gewinnen sind. Der Anfang ist bereits gemacht, das Projekt läuft. Die fortschreitende Entwertung nationaler Rechts- und Verfassungssysteme durch übernationale Gerichte und die UNO sind die Vorbereitungen dazu. Wird der irre UN-Migrationspakt noch dieses Jahr ratifiziert, könnte alles ganz schnell gehen.

Rolf Martens / 24.09.2018

Fortsetzung: Zudem möchte ich anführen, dass technische Entwicklung nicht unbedingt gegen die westliche Ethik gerichtet sein muss, diese Ethik jedoch, mit ihrer Unfähigkeit das Leid anderer Menschen zu ertragen, selbst große Schäden anrichtet. Ich verweise zum Beispiel auf das nachweisbare Absinken des generellen IQs der westlichen Populationen (man informiere sich über Dysgenik), sowie auf das weitere Absinken, das durch eine Vermischung mit gebärfreudigen Low-IQ-Einwanderern hervorgerufen wird. Beides geht auf die mangelnde Bereitschaft zurück, Matthäus “mühseligen und Beladenen” ihrem Schicksal zu überlassen, und vernichtet Errungenschaften, die durch unbeschreibliches Leid der ausselektierten Individuen erkauft wurde. Man bedenke, wie viele Menschen auf grausame Weise sterben mussten, um die durch Pest und die Religionskriege hervorgerufenen, genetischen Anpassungen möglich zu machen, die uns die Voraussetzungen für die Renaissance beschert haben, oder, wie viele Menschen im Winter langsam erfroren oder verhungert sind, bis wir die Langzeitpräferenz hatten, die uns das Überleben im Winter ermöglicht, und die uns von den Menschen aus wärmeren Erdteilen unterscheidet. Im Vergleich zu diesen Opferzahlen - wir sprechen hier von vielen hundert Millionen bis Milliarden Menschen - erscheint der Holocaust als leichtes Nasenbluten. Wir verspielen diese Anpassungen durch unsere Unfähigkeit, fremdes Leid zu ertragen, so dass all diese Menschen umsonst gestorben sind. Ich finde daher, dass die Ethik, die den “Mühseligen und Beladenen” ein evolutionäres Mitspracherecht einräumt”, selbst höchst problematisch ist, und einer dringenden Überarbeitung bedarf. BTW, die Anarchokapitalisten haben durchaus plausible Konzepte für eine Gewaltbegrenzung ohne Gewaltmonopol - David Friedman ist ziemlich gut darin, diese zu erklären - und ich halte das “Nichtaggressionsprinzip” zu diesem Zweck für hilfreicher, als eine Obszession mit den Elenden und Niedergeschlagenen.

Rolf Martens / 24.09.2018

Ich will jetzt nicht den Inhalt des Artikels in Gänze kritisieren, aber ich würde schon behaupten, dass uns technische Veränderungen bevorstehen, die in Richtung des “Transhumanismus” gehen, und diese nicht den Eliten vorbehalten bleiben werden. Bald gibt es Designerbabies. Die Chinesen forschen gerade daran, und sagen, dass sie einige Jahre vor der Marktreife eines Verfahrens stehen, mit dem eine befruchtete Eizelle zahlreiche genetische Eigenschaften von Hochbegabten und erfolgreichen Athleten verpasst bekommen, die in der Gruppe ebendieser statistisch gehäuft auftauchen. Intelligenz und Maximalleistung sind ja, wie Sie selbst sagen, erbliche Eigenschaften, und es klingt nach einem Ansatz, Gene, die überproportional häufig in besonders erfolgreichen Individuen vorkommen, ins Genom eines Designerbabies zu transponieren. So weit ich es verstanden habe, geht es den Chinesen darum, diese Anpassung möglichst billig und massenweise vorzunehmen, sie werden also einen Virus entwickeln, der die gewünschten Stellen im Genom der befruchteten Eistellen überschreibt, ohne, dass daran irgendetwas individualisiert wurde. Das Verfahren, ein Designerbaby zu erzeugen, wäre mit so einem Wirkstoff so leicht durchführbar, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass langfristig genetische Anpassung, die in dieser Art vorgenommen werden, für den Endverbraucher teuer sind. Im Gegenteil, je billiger und massentauglicher, desto besser. Sobald Designerbabies erstmal bei der Masse angekommen sind, die die Veränderungen an ihre biologischen Nachkommen weitergeben werden, ist es nur eine Frage der Zeit, bis wir auch weiterführende genetische Anpassungen an uns vornehmen, und unsere Spezies selbst coden. Ebenfalls würde ich davon ausgehen, dass Mensch-Maschine-Schnittstellen noch einiges Verbesserungspotenzial haben, ohne, dass man sie direkt an Nerven anschließen, oder den Designerbabies neue Gehirnareale wachsen lassen muss.

Daniel Sunnus / 24.09.2018

@ Alexander Seiffert: Teile Ihren Standpunkt vollumfänglich und habe daher “neoliberal” in Anführungszeichen gesetzt - um das Attribut in seiner linken Verwendung zu zitieren. Der Begriff des Neoliberalismus wurde von Linken sinnentleert und pervertiert. Im Grunde verwenden ihn Linke nur, weil das Lafontaine-Attribut “neoliberal” salonfähiger ist (und gebildeter klingt) als das 68er-Attribut “sch… liberal”.

HaJo Wolf / 24.09.2018

Was will uns der Autor eigentlich sagen? Dass die Linken immer noch Tagträumer und politische Dummköpfe sind, dabei aber auch immer noch machtbesessen und im Glauben, die alleinige Wahrheit zu besitzen (darin ähneln sie den Grünen und dem Islam)? Dazu hätte es nicht eines Aufsatzes voller merkwürdiger Begrifflichkeiten und dreimal verknoteter Thesen bedurft, da hätte ein Satz gereicht. Allerdings, der Satz “Bis die endlich erwachen und wir diese Fehlentwicklung korrigieren.” Das allerdings ist keine These, sondern schlicht Nonsens. Erstens werden “die Linken” nie erwachen, denn der Blick auf/für die Realität und das Machbare wird durch Ideologie vernebelt. Und “wir” werden gar nichts korrigieren, denn “wir”, wer soll das sein? Wir, die Achse-Leser? Wir, das deutsche Volk? Wir, die schon lange hier leben und trotz der katastrophalen Entscheidungen (Atomausstieg, “erneuerbare” Energie, Grenzöffnung/Migranten) weiter Merkel wählen? Wir werden gar nichts ändern, und die (Merkel und Co.) erst recht nicht. Im Übrigen schmerzt es, wenn jemand die Begriffe “links” und “liberal” in positiven Zusammenhang bringt. Und auch Altkanzler Schmidt war nicht “linksliberal”. Er war ein Sozialdemokrat, der sozial nicht mit wirtschaftsfeindlich verwechselte und keine Umverteilung von Vermögen anstrebte.

Gerhard Mader / 24.09.2018

Wer die Existenz von Unterschieden zwischen den Menschen und Völkern als Antirassist glattweg bestreitet, tut dies ganz gewiß nicht, weil er diese Unterschiede nicht sieht. Dann müßte er blind oder zumindest farbenblind sein. Auch in diesem Punkt sind die scheinheiligen, falschen “Gutmenschen” nicht nur Wahrheitsallergiker, sondern vorsätzliche Wahrheitsverleugner in ganz bestimmter Absicht.

Alexander Seiffert / 24.09.2018

@Daniel Sunnus: Das Wort “Neoliberalismus” bitte googeln bevor man es besudelt, so wie es die Linke Intelligentsia seit Jahrzehnten macht und dank deren Deutungshoheit in den Medien auch erfolgreich: Es ist zum allgegenwärtigen Bashing-Schläger geworden, anwendbar auf alles und jeden, vor allem aber auf alles, das rechts von einem steht. Je linker desto besser. Jedesmal wenn „Neoliberalismus“ als Schimpfwort fällt, stirbt ein Stück Zivilisation.

Werner Bartels / 24.09.2018

Linksliberal ist wie süßer Salzhering. Wer “links” ist kann nicht liberal sein und umgekehrt. Liberal geht mit konservativ. Frisch- oder jungliberal was ist das denn? Neoliberal wird aber ganz anders von “Linken” interpretiert. FDP als Liberale zu sehen ist falsch. Denn diese Partei möchte gern liberal scheinen, aber auch sich dem linken Mainstream anschließen. Beides geht nicht. Unter Lucke war die Alternative für Deutschland eine liberal konservative Partei. Jetzt haben sich viele “Nationale” angehängt, die Partei muß aufpassen, dass es ihr nicht so geht wie den Grünen, die von den Maoisten und KPD Mitgliedern gekapert wurden und heute linker als Die “Linke” ist und Umwelt nur wenn es passt aufs Schild nimmt.

Andreas Rühl / 24.09.2018

Lieber Herr Eisleben, so sehr ich Ihre Beiträge im Großen und Ganzen schätze, aber eine derartige Ansammlung von kruden Schlußfolgerungen ist mir selten untergekommen. Sie bleiben die Antwort schuldig, was all die “Phänomene”, die Sie beschreiben, eigentlich miteinander zu tun haben sollen. Sicherlich ist es nicht schön, wenn sich das Kapital (in seiner weitesten Bedeutung) in bestimmten Händen akkumuliert. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass der Rechtstaat ausgehebelt wird. Man kann natürlich die Globalisierung als ein Projekt von “Links-Liberalen” hinstellen. Nur, es gibt kein “Projekt”. Sie scheinen mir Verschwörungstheorien aufzusitzen. Die Globalisierung ist ohnehin nur ein Schlagwort, dass - mal so, mal so - verwendet wird, um Ängste vor Veränderung zu schüren und mit diesen Ängsten Politik zu machen (links wie rechts: die einen warnen vor den global agierenden Konzernen, die angeblich zu viel “Macht” haben, die anderen sorgen sich um die Steuereinnahmen ihres vergöttlichten Staates, wieder andere sehen ihre “nationale Idendität” oder kulturelle Souveränität oder Eigenständigkeit bedroht). Tatsächlich sorgt die “Globalisierung”, d.h. der sich entwickelnde Weltmarkt, lediglich dafür, dass Waren und Dienstleistungen für Menschen erschwinglich werden, die bislang nicht mal im Traum daran denken durften. Dahinter steckt keine Menschheitbeglückungsidee. Das ist doch das eigentliche Problem der Liberalen: Der Liberalismus ist kein ismus. An die Segnungen des Kapitlismus muss ich nicht “glauben”, die kann ich greifen, sehen, beweisen. Der “Fortschritt” beruht nicht auf Altruismus, sondern auf Gewinnstreben. Und das ist gut so. Wenn irgendwelche Spinner in Kalifornien an dem “neuen Menschen” basteln, ist das weder beängstigend noch erfreulich. Wenn er sich “rechnet”, diese neue Mensch, wird er sich durchsetzen und nichts wird ihn aufhalten. Wenn nicht, nicht.

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