Marisa Kurz (Archiv) / 15.07.2017 / 12:24 / Foto: Tim Maxeiner / 42 / Seite ausdrucken

Leute, outet euch! Tut weh, aber hilft

Vor einem Jahr habe ich auf der Achse darüber geschrieben, wie es sich für mich als junge Frau anfühlt, eine politische Einstellung zu vertreten, die sozial unerwünscht ist. Sie haben mich wie Gaffer auf der Autobahn beobachtet. Jetzt bin ich dran.

Für meine inhaltlich begründete Kritik an unkontrollierter Masseneinwanderung und am Islam wurde ich in eine rechte Ecke gedrängt. Damals habe ich geschrieben:

„Viele meiner Facebook-Freunde haben mich schon gelöscht. Viele sind still, aber ich weiß, dass sie meine Meinung verachten…Sie beobachten mich im Stillen. Sie sind wie Gaffer bei einem Unfall: sie finden meine Beiträge schrecklich, aber sie können nicht wegschauen. Ich bin der Unfall.

Seitdem ich auch öffentlich ausspreche, was schon im Privaten unerwünscht war, habe ich einige Rückschläge erlebt. Zwei enge Freunde haben den Kontakt zu mir abgebrochen, ein Informationsportal zum Thema Homöopathie wollte selbst einen unpolitischen Artikel von mir nicht mehr verlinken, beim Presserat wurde Beschwerde über mich eingereicht und ein Mitarbeiter meiner Uni verweigerte mir wegen meiner Texte eine Zusammenarbeit.

Womit ich allerdings nicht gerechnet hatte, war die gewaltige Zustimmung, die ich erfahren habe. In den Tagen nach der Veröffentlichung des Artikels haben mich unzählige Nachrichten von Menschen erreicht, die mir sehr persönlich schilderten, warum sie sich nicht trauen, ihre politischen Ansichten im Kreis von Freunden und Familie auszusprechen, und schon gar nicht im Job. All diese Nachrichten stammten von wortgewandten, offensichtlich reflektierten und sensiblen Menschen.

Keine Lust mehr auf die Defensive

Die Menschen, die mir geschrieben haben, waren keine Asozialen abseits der Gesellschaft: sie waren ganz normale Leute. Auch alte Bekannte schrieben mich an - wie sich herausstellte, waren sie schon lange heimliche Leser der Achse und von meiner Direktheit begeistert. Ich habe dadurch, dass ich den Mund aufgemacht habe, festgestellt, wie viele Menschen um mich herum eigentlich so denken wie ich. Ich habe Personen aus den verschiedensten Schichten, Berufen und Altersgruppen kennengelernt, die alle eines gemeinsam haben: sie sind mit der aktuellen politischen Lage in Deutschland unzufrieden.

Auch in den Medien konnte ich erleben, wie immer mehr Menschen, von denen ich es niemals erwartet hätte, ihre Stimme erheben. So etwa zwei Prominente aus meiner Heimatstadt München. Philosophieprofessor Julian Nida Rümelin, dessen Vorlesungen ich während meines Studiums besucht habe, sprach sich aus humanitären Erwägungen gegen eine Politik der offenen Grenzen zur Bekämpfung des Weltelends aus . Der beliebte Münchener Ex-Oberbürgermeister Christian Ude hat vor kurzem sogar einen Ausschnitt seines neuen kritischen Buchs auf der Achse veröffentlicht.

Für mich hat es sich gelohnt, den Mund aufzumachen. Ich habe keine Lust mehr, mit dem Finger auf mich zeigen und mich in die Defensive drängen zu lassen. Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Ich bin der Meinung, dass Menschen wie ich den Spieß umdrehen sollten.

Dieses Vorhaben scheitert nicht an mangelnder Zustimmung, sondern ausgerechnet daran, dass zu Wenige mitmachen. Zwar sieht eine Mehrheit der Bevölkerung die aktuelle politische Lage kritisch, doch kaum einer traut sich, den Mund aufzumachen. Solange Kritiker schweigen, entscheiden ein paar „Autoritäten“ in Politik und Medien, was in Deutschland ausgesprochen werden darf. Und solange wird sich nichts ändern.

Ich verstehe jeden, der Angst davor hat, seine Unzufriedenheit über die politische Lage offen auszusprechen. Aber jeder, der schweigt, ist dafür mitverantwortlich, dass die Merkels und Maasis, die Stegners und Augsteins am lautesten schreien dürfen und damit durchkommen. Einer auf Gerechtigkeit und den Werten der Aufklärung basierenden Kritik an der deutschen Politik fehlt es weder an sachlichen Argumenten, noch an Zustimmung. Es fehlt an Menschen, die sie aussprechen.

Deutschland braucht keine homogenisierten Medien, keine weiteren Meinungs- und Sprechverbote, keine weitere Relativierung von Angriffen auf unseren Rechtsstaat, wie wir sie nach G20 wieder einmal in den irrationalsten Dimensionen erlebt haben. Deutschland braucht eine kritische Diskussionskultur. Ohne Diskutanten wird es die nicht geben. Der erste Schritt dorthin ist deshalb, dass stumme Kritiker ihre Stimme erheben. Bitte machen Sie den Mund auf.

Foto: Tim Maxeiner

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Esteban Tertulia / 15.07.2017

Sehr geehrte Frau Kurz, das Phänomen, das Sie schildern ist mir nur allzu gut bekannt. Auf die Frage, warum viele Menschen so handeln, hab ich für mich persönlich eine einfache Erklärung gefunden. Diese geht über die banale Ignoranz hinaus, die allerdings ebenfalls ein großer Einflussfaktor zu sein scheint. Timur Kuran beschreibt dieses Phänomen als “preference falsification”. Also das Unterordnen bzw. Anpassen der eigenen Präferenzen oder Meinungen an die aktuell herrschenden. Selbstverständlich geht es dabei um sozialen Druck und die Angst, nicht auf der moralisch richtigen Seite zu sein. Die gute Nachricht ist hingegen, dass sich die Haltung der Menschen, die dieser Präferenz-Falsifikation unterliegen andern kann. Und zwar dann, wenn die öffentliche Meinung zu kippen scheint. Daher ist es wichtig, den Mund aufzumachen und seine Meinung zu vertreten. ” Freunde”, die man aufgrund der eigenen Meinung verliert, sind so oder so ersetzbar.

M. Cavada / 15.07.2017

Respekt!

Engelbert Gartner / 15.07.2017

Ich tue dies seit einigen Wochen auch. Was mich erstaunt hat ist die Tatsache, dass besonders gebildete Menschen ( u.a. Verantwortliche in verschiedensten Unternehmen ) die gleiche Meinung vertreten. Menschen, die sich weniger für Politik interessieren, vertreten eher den Mainstream.

Winfried Jäger / 15.07.2017

Sie haben absolut recht und wir sollten demonstrieren, genauso wie es eine Minderheit damals geschafft hat im Bonner Hofgarten eine riesige Menschenmenge zu versammeln. Das wird uns aber nicht gelingen, weil die meisten Leute sich um Arbeit, Haus und Kinder kümmern müssen. Mein Traum ist, daß an einem Tag in allen deutschen Großstädten eine Demonstration der Gegener dieses Wahnsinns stattfinden würde. Keine Reden und keine Schlußkundgebung, die Argumente sind ausgetauscht. Demonstrieren mit Plakaten reicht, wenn die Masse stimmt. Danach gehen wir nac.h hause und gucken, ob und wie Tagesschau und heute darüber berichten. Der Aufwand ist gering, aber der Effekt könnte gewaltig sein.

Dr. Gunter Zimmermann / 15.07.2017

Das ist genau der richtige Aufruf. Ich hoffe, dass nicht nur viele Menschen diesen Beitrag lesen, sondern auch danach handeln. Diese linke - wie man soll man es nennen - Clique (vielleicht zu schwach) hat nach Hamburg endgültige ihre Deutungshoheit verloren. Leute, macht den Mund auf, gründet Bürgerinitiativen, stellt Infostände auf, schreibt Leserbriefe. Ihr habt recht, diese linken Meinungsmacher verkünden nur Unsinn und Unwahrheiten!

Heidi Splitt / 15.07.2017

Ich bin schon länger nicht mehr stumm. Meine kritischen Anmerkungen zu Flüchtlingen, Islam , Hochfinanz und Merkelregierung haben mich schon einige Freundschaften gekostet…ich habe keiner nachgeweint…aber mittlerweile bin ich auch etwas müde, den ganzen Dummbatzen die Welt jenseits von Gummibärchen und Mausespeck erklären zu müssen….oft ist die Erfahrung der beste Lehrmeister…schade nur, dass es dann für uns alle zu spät ist!

J. Lohmann / 15.07.2017

Liebe Frau Kurz, ich glaube, wir sind ziemlich viele, die so denken wie Sie. Ich persönlich sehe nur noch ein politisches Wachkoma. Es gibt schon lange keine “Regierenden” mehr, die das Volk vertreten, sondern nur noch Abnicker unter einer allmächtigen Kanzlerin. Es muss sich in diesem Land ganz schnell Grundlegendes ändern, sonst geht hier alles den Bach runter. Ich wünsche den länger hier Lebenden mehr Verstand und Mut. Jeder hat das Recht, seine Meinung zu sagen!

Dr. Bredereck, Hartmut / 15.07.2017

Sehr geehrte Frau Kurz, Sie haben vollkommen Recht. Die Öffentlichkeit und die Zivilgesellschaft müssen ihre Stimme gegen Staatsversagen und Demokratieverlust erheben. Leider tun dies mehr die Älteren, die scheinbar nichts mehr zu verlieren haben. Allerdings ist die junge Generation, der Sie noch angehören, “linksgrün” gestrickt und erkennt nicht wirklich die Gefahren der verfehlten Politik unserer Regierung. Ich frage mich immer wieder woher das kommt ? Schaut man sich die Lebenswege einer Monika Maron oder Cora Stephan an, so waren diese jetzigen Streiterinnen für Demokratie in jungen Jahren ebenfalls linksgrün orientiert. Offensichtlich muss man erst einen Teil des Lebensweges gehen, um Recht und Unrecht bzw. Meinungsmanipulation der Herrschenden zu erkennen. Sie haben noch ein Stück Ihres Berufsweges vor sich und sind trotzdem unerschrocken. Bravissimo für diese Haltung.

Doris Kubica / 15.07.2017

“Die Menschen sind mit der aktuellen politischen Lage Deutschland unzufrieden”, heißt es in diesem Beitrag. Wenn es das nur wäre! Es geht um mehr! Es geht um die Islamisierung des Landes, den Untergang der Meinungsfreiheit, die Duldung des Linksterrorismus, die Verunglimpfung einer demokratisch gewählten Partei wie der AfD, um nur einiges zu nennen, was im Argen liegt. Ich bin nicht unzufrieden, sondern in höchstem Maße beunruhigt über das, was in Deutschland passiert, geduldet bzw. nicht erkannt wird.

Andreas Kollmann / 15.07.2017

Oh, wie wahr!

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