Typische deutsche Mittelschichtskinder der „Letzten Generation“ wähnen sich in einem Katastrophenfilm, gestern besudelten sie das Brandenburger Tor, gerade blockieren sie die Hauptstadt. Ihre depressiv-zynische Gleichgültigkeit ist Folge der allgegenwärtigen Angstmacherei. Statt ihren beruflichen Weg zu gehen und ihre Fähigkeiten zu entwickeln, werden sie gesellschaftsunfähige „Vollzeitaktivisten“.
Gestern Mittag haben Aktivisten der „Letzten Generation“ das Brandenburger Tor in Berlin mit oranger Farbe beschmiert. Das aus Sandstein bestehende Denkmal aus dem Jahr 1789 soll nach der Wende von 1989 nun für eine „Klimawende“ stehen, die die Mittelschichtskinder von der Regierung erpressen wollen. Dreizehn Festnahmen wurden gemeldet, es wird wegen gemeinschädlicher Sachbeschädigung ermittelt. Die Bevölkerung reagiert wütend, und man darf sich fragen, ob die Zustimmungswerte für Klimapolitik generell durch solche Aktionen nicht eher sinken, die Aktivisten sich ins eigene Fleisch schneiden. Dafür spricht, dass die Unterstützungsbereitschaft gegenüber „Klimaschützern“ sich laut Umfrage seit 2021 halbiert hat, von 68 auf 34 Prozent zurückging (s. a. taz).
Wenige Tage zuvor eine überraschende Nachricht: Drei Aktivisten des Bündnisses sind zu mehrmonatigen Haftstrafen ohne Bewährung verurteilt worden. Der Grund für die vergleichsweise harte Strafe: In einem ersten Urteil wurden ihnen bereits Geld- und kurze Haftstrafen auferlegt, dies hinderte sie jedoch nicht daran, sofort wieder eine Straßenblockade durchzuführen. „Eine schnellere Rückfallgeschwindigkeit kann es nicht geben“, sagte die zuständige Staatsanwältin. Die Angeklagten seien „völlig unbelehrbar“. Beim letzten Wort eines der Angeklagten kam es schließlich zum Eklat:
„Die Angeklagten begannen zu singen, Teile des Publikums applaudierten. Die Richterin ließ den Saal kurzzeitig räumen und schloss Teile der Zuschauer von der Verhandlung aus. Schon zuvor hatte es immer wieder Applaus aus dem Zuschauerraum und Ermahnungen von der Richterin gegeben, das Verfahren nicht zu stören.“ (Merkur.de)
Überall nur Vorboten des Todes
Solch ein Verhalten bockiger Kinder, denen alles egal ist, zeigt, was man davon hat, jungen Menschen permanent eine menschheitsbedrohende „Klimakatastrophe“ einzureden. Alles muss vor ihr verblassen, auch die Würde bürgerlicher Institutionen und der Wert angemessenen Benehmens. Eine depressiv-zynische Gleichgültigkeit und infantile Gesellschaftsunfähigkeit sind die Folge.
Die Klimakleber sind die Geister, die die Politik rief. Ihre konformistische Rebellion weiß sich im Einklang mit den herrschenden klimapolitischen Vorstellungen: Man könne durch Maßnahmen und Gesetze kühlenden Einfluss auf die globale „Durchschnittstemperatur“ nehmen, zudem Industrieländer mit wetterabhängigen Energiequellen betreiben, obwohl das Speicherproblem weiterhin ungelöst bleibt. Gegen den herrschenden Konsens verstoßen sie hauptsächlich mit ihren Gesetzesbrüchen. Während die Berichte öffentlich-rechtlicher Medien von Sympathie zeugen, obwohl Menschen aufgrund von Straßenblockaden sogar schon gestorben sind, finden sich auch gut betuchte Unterstützer. Der Freiburger Fahrrad-Unternehmer Peter Denk finde die Klebeaktionen zwar „schlecht“, unterstützt sie aber mit über 300.000 Euro, weil ihm auch nichts Besseres einfalle. Bescheuerter geht es nicht mehr.
Es ist ein Elend: Die Gedanken der Klimakleber kreisen von früh bis spät um den Tod, dessen Vorboten sie überall zu erkennen glauben, jedes halbwegs dramatische Wetterereignis ist eine Hiobsbotschaft. Carla Hinrichs, Sprecherin und Mitbegründerin der „Letzten Generation“, glaubt ernsthaft, dass „der Tod von Milliarden Menschen“ auf dem Spiel steht, wähnt sich im „Widerstand gegen den todbringenden Kurs der Regierung“ und ist gewillt, ihr „verfassungsmäßiges Recht auf Leben von der Regierung einzufordern.“ Ihr zufolge würde man sich in Deutschland künftig um Wasser und Nahrung streiten, letzten Sommer hätten „unsere Wälder gebrannt“, wären unsere „Felder vertrocknet“ – ein verstörender Wirklichkeitsverlust.
Jungen Leuten, die glauben, von der eigenen Regierung wie Hänsel und Gretel in den Hexen-Ofen geführt zu werden, mangelt es an Weltvertrauen, aber auch an Urteilskraft. Davon zeugt auch die Abwesenheit von wissenschaftlicher Literatur auf der Website der „Letzten Generation“, der offizielle Twitter-Account postete einen einzigen Taz-Artikel zu einer Klima-Studie. Denken, argumentieren, überzeugen? Fehlanzeige. Dafür gibt das offizielle Gruppenbild zu erkennen, dass das Bündnis zwar im Namen der Menschheit auftritt, aber eine ethnisch ziemlich homogene, ziemlich deutsche Angelegenheit ist. Jenseits der weißen Mittelschicht scheint es schwierig zu sein, Menschen für die Asphalt-Kleberei zu rekrutieren. Es ist ja auch albern und sieht auch so aus.
Demokratie schmilzt wie Schokoriegel
Carla Hinrichs ist 1997 geboren, wuchs in einer Kleinstadt bei Bremen auf, studierte Jura und lebt nun in einem Katastrophenfilm. In diesem spielt sie die Rolle der idealistischen jungen Frau, die selbstlos gegen eine herzlose Welt kämpft, mit Hollywood-inspirierten Slogans auf X/Twitter, die wohl Gänsehaut auslösen sollen: „In einer Welt, in der Schweigen und Gleichgültigkeit tödlich sind, bleib niemals leise.“ Alles stehe auf dem Spiel: „Nach meinem heutigen Protest traf ich plötzlich auf Olaf #Scholz. Ich habe ihn mit der Angst von uns jungen Menschen konfrontiert. Seine Antwort: Deutschland tue schon so viel – nur für mich – Herr Scholz es geht hier nicht um mich, sondern den Zusammenbruch unserer Demokratie.“ Ohne Heizungsgesetz, Tempolimit und noch mehr Windkraft würde die Demokratie sicher schmelzen wie ein Schokoriegel im Freibad.
Die sich als Rebellen gerierenden Klimastreber erfüllen die Erwartungen ihrer Eltern, mit denen diese ihnen ständig in den Ohren lagen: Sie engagieren sich. Zwei der drei Frontfrauen haben ihr Studium abgebrochen, die dritte ihren Job gekündigt. Statt an geistigen Autoritäten zu wachsen und ihre Fähigkeiten zu entwickeln, betreiben sie nun „Vollzeitaktivismus“ – der schlechte dritte Weg zwischen Bummelei und Ernst des Lebens: Nicht willens, Angefangenes pflichtgemäß zu beenden, aber zu wichtigtuerisch, sich nur Freizeit und Neigungen hinzugeben. Hinrichs hofft, dass ihr „Widerstand bald nicht mehr notwendig sei, sie „wieder Träume und Ziele haben kann“, das Schlimmste war für sie, „wie die Träume meiner Eltern zerplatzen“. Die unterstützen sie aber weiterhin finanziell und sind nun auch in existenzieller Klima-Angst. Hinrichs:
„Nach vier Jahren Jurastudium kamen mir jedoch Zweifel und ich habe mich gefragt: „Sorgt das jetzt dafür, dass die Welt gerechter wird?“ Eigentlich nicht. Ganz im Gegenteil: Es wird von Tag zu Tag schlimmer. Als mir dann kurz vor der Bundestagswahl 2021 klar wurde, dass es keine Partei gibt, die auch nur ansatzweise meine Interessen vertritt, wusste ich: Okay, jetzt alles oder nichts. Jetzt studiere ich nicht mehr Recht, jetzt wende ich Recht an!“
Justiziabler Aktivismus verstanden als Anwendung von Recht – das ist nichts anderes als Selbstjustiz im Namen höherer Gerechtigkeit. In der „gebildeten“ Mittelschicht bröselt die bürgerliche Subjektform. „Wir werden Berlin nicht verlassen, bis die Wende da ist“. Erpressung ist die Methode von Banden und organisiertem Verbrechen, mag sie auch aus „gutem Hause“ stammen. Während Straftaten rechtsstaatlich zu verfolgen sind, ist auch die inhaltliche Konfrontation des panischen Klimadiskurses zu suchen. Nicht die Kritiker tragen die Beweislast, sondern die Endzeitfanatiker, die nicht zuletzt auch in den öffentlich-rechtlichen Redaktionen wirken.
Felix Perrefort ist Redakteur und Autor der Achse des Guten.

@Carsten Fischer:
„Angesichts dieser Mischung aus Wiedertäufern und Hitlerjugend frage ich mich, ob es nicht ein Fehler sein könnte, zu schnell Vorurteile gegen das Konzept von Arbeitslagern zu haben.“ ------ Sie sprechen meine Gedanken und Wünsche aus! Nur, hier im Lande wird der Platz ja nun immer knapper. Es war keine gute Idee, es sich mit Wladimir P. zu verscherzen. In der Taiga wäre wohl noch Platz, man müsste halt verhandeln…
Die Klimakleber brauchen einen Exorzismus einer neuen Dimension. Wenn es nicht ganz zu spät ist für die Lieben.
Man sieht schon bei dem Thumbnail an der schlaganfall-artigen Mimik, dass eine KI das Bild erstellt hat.
Herr Wilfried Cremer, nett zu lesen. Man kann auch sagen, diejenigen sind nur das Produkt einer unterlassenen Abtreibung …
Alle, die an das „Menschenklima“ GLAUBEN, können ihn verhindern. Verzichtet ihr zuerst auf alles Klimaschädliche. Fahrt kein Auto mehr, heizt eure Unterkünfte nicht mehr, kein Feuer, keine Fleisch, kein Smartphone, kein Computer, Nahrung nur aus lokalem Anbau, keine Kaffee, keine Bananen, kein Eis, keine Tiefkühlpizza, kein Gore tech, keine Wollkleidung (Baumwolle ist nicht lokal und auch Schafe produzieren CO2 und Methan), keine Schuhe, weniger CO2 selbst produzieren (Atmung und Darmgase), usw. Ich WEISS, hilft zwar nix aber beruhigt eure Nerven und auf lange Sicht auch meine „Klimaleugnernerven“.
@Johannes Schuster Von Johanna Haarer habe ich noch nie etwas gelesen oder gehört. Vom Lebensborn (Ziel Züchtung des „Adels der Zukunft“) schon. Gruselig damals und heute, einmal in Wiki nachlesen. Von NAPOLA habe ich ebenso etwas gelesen. Gibt es irgendwo eine knappe Zusammenfassung von der Haarer? Die Gedanken schweifen lassen und mir fällt der Film „Die Welle“ von Dennis Gansel auf. Die Welle der Klimaterroristen? Manchmal wird es unheimlich.
Herzlichen Dank an die Klimakleber, ihr habt mich mit euren kindischen Kleintrotzkindaktionen davon überzeugt, dass der Klimawandel nicht vom Menschen beeinflusst werden kann. Wer den wissenschaftlichen Diskurs vermeiden will und mangels Argumente auch muss, kann nur zu solchen Aktionen greifen. Die einzige Gefahr, die vom Klimawandel ausgeht seid ihr!