Besonders erfreulich sind Leserkommentare, die eigentlich selbst eigene kleine Texte sind. Und damit sie nicht alle in der Menge untergehen, veröffentlichen wir an dieser Stelle regelmäßig den „Leserkommentar der Woche“.
Diesmal ist es ein Kommentar zu "Der nächste Heizungs-Schlag" von Klaus-Dieter Humpich.
Leserin Christiane Neidhardt schreibt:
Die USA steigen zum Ende des Jahres aus dem Pariser Klimaabkommen komplett aus. Anfang des Jahres hat US Finanzminister Bessent erklärt, daß Weltwirtschaftssysthem ändern zu wollen. Selbst Verbündete könnten nicht mit Schonung rechnen, so Bessent. Vor kurzem hat Bessent nachgelegt und im Interview bei Vox erklärt, daß die USA die Volkswirtschaften ihrer Verbündeten als Staatsfonds der USA betrachten und sie entsprechend ausschlachten. Es steht ohnehin alles auf der Kippe. In Berlin hatte Vattenfall die Fernwärme international ausgeschrieben. Interessierte “internationale Investoren” haben sich nach sehr kurzer Zeit aus dem Bieterverfahren zurückgezogen. Als einziger Interssent ist das Land Berlin übrig geblieben, die die Fernwärme in Berlin jetzt wieder übernommen haben, nachdem Berlin die Fernwärme vor mehr als 20 Jahren privatisiert hatte. Warum wohl wollte Vattenfall die Fernwärme in Berlin unbedingt los werden und warum haben sich “internationale Investoren” an dem “lukrativen” Geschäft mit Fernwärme desinteressiert gezeigt? Nun, die politisch Verantwortlichen in Berlin haben nach dem Kauf erklärt, daß hohe Beträge an Investitionen erforderlich sind. Man kann wohl davon ausgehen, daß es da allein in Berlin einen “Instandsetzungsrückstau” gibt, was das vorhandene Fernwärmenetz betrifft, ist in anderen Städten wahrscheinlich nicht anders. Wobei “Instandsetzungsrückstau” vermutlich euphemistisch ist. Tatsächlich handelt es sich bei vorhandenen Fernwärmenetzen möglicherweise schon um Ruinen. Den Kram Last Minute noch an das Land Berlin zu verscherbeln, bevor unwägbar hohe Investitionen nötig sind, ist schon clever. Berlin finanziert den Kauf übrigens auch über Kredite. Das, und die damit verbundenen Zinszahlungen und Zinseszinszahlungen, ist allerdings alles andere, als clever. In Hamburg lief es ähnlich.
Zum Hintergrund: Leserkommentare dienen nicht nur dem Gedankenaustausch, sondern ergänzen mitunter die dazugehörigen Texte um neue Aspekte und geben ein Bild der Stimmungslage. Leserkommentare sind dabei nicht repräsentativ für die Leserschaft, viele Achgut-Leser stehen beispielsweise im Berufsleben und haben gar keine Zeit oder haben Scheu, sich öffentlich zu äußern. Umso mehr freuen uns sachliche und im Ton konziliante Zuschriften, die entsprechend unserer Netiquette ruhig kritisch sein können, aber nicht verletzend sind. Die Redaktion freut sich dabei ganz besonders über Kommentare, die eigentlich selbst eigene, kleine Texte sind.