Besonders erfreulich sind Leserkommentare, die eigentlich selbst eigene kleine Texte sind. Und damit sie nicht alle in der Menge untergehen, veröffentlichen wir an dieser Stelle regelmäßig den „Leserkommentar der Woche“.
Diesmal ist es ein Kommentar zu Stephan Kloss' Beitrag: „Phrasen-Armageddon zur Verblödung“.
Roland Magiera schreibt:
Zur Zeit meines Fachabiturs lag auf dem Weg zur Bildungseinrichtung eine Bibliothek, die ab und zu Bücher in einer großen Wühlkiste verramschte. Dabei fiel mir ein Prüfungsbuch für Schüler aus den 1930er Jahren in die Hände, in dem Abschlussprüfungsfragen (Deutsch + Naturwissenschaften) für Schüler auf dem heutigen Realschulniveau aufgeführt waren, Dinge die die Schüler wissen mussten, aus allen naturwissenschaftlichen Fachgebieten und sogar gänzlich ohne Propaganda. Ich war schwer beeindruckt, mit dem abverlangten Wissen würde man heutzutage mit Leichtigkeit das Vollabitur bestehen. Mit der Oberschule und dem halben Fachabi im Rücken hätte ich das bestanden, aber keineswegs mühelos und nicht alles. Heute würden auch reichlich Studenten mit Vollabi daran scheitern. Das Bildungs-Niveau von damals, zumindest in diesem mittleren Bereich, war erheblich höher als heute, diese Schulabsolventen würden die Unternehmen und Behörden heute sofort als Lehrling einstellen und sich glücklich preisen. Es war bedrückend, erkennen zu müssen, wie massiv der Niedergang des deutschen Bildungswesens schon vor mehr als zwei Jahrzehnten war und gebessert hat sich daran nach meinem Ermessen nichts, sondern vielmehr scheint das Gegenteil der Fall zu sein. Und man arbeitet intensiv scheinbar ausschließlich daran, dass es noch schlimmer wird! Die Erfahrungen aus tausenden Jahren Bildungsgeschichte zu ignorieren, erweist sich am Ende wohl doch nicht als sonderlich schlau. Aber man wäre wohl nicht deutsch, würde man einen eingeschlagenen falschen Weg nicht bis zum bitteren Ende beibehalten.
Zum Hintergrund: Leserkommentare dienen nicht nur dem Gedankenaustausch, sondern ergänzen mitunter die dazugehörigen Texte um neue Aspekte und geben ein Bild der Stimmungslage. Leserkommentare sind dabei nicht repräsentativ für die Leserschaft, viele Achgut-Leser stehen beispielsweise im Berufsleben und haben gar keine Zeit oder haben Scheu, sich öffentlich zu äußern. Umso mehr freuen uns sachliche und im Ton konziliante Zuschriften, die entsprechend unserer Netiquette ruhig kritisch sein können, aber nicht verletzend sind. Die Redaktion freut sich dabei ganz besonders über Kommentare, die eigentlich selbst eigene, kleine Texte sind.
@ H. Heinz – auch „achgut“ wandelt unter Dauerbeobachtung auf einem schmalen Grat
Ein Blick in ein Oberstufengeschichtsbuch meines Sohnes vor etwa 8 Jahren ließ mich in die Tischkante beißen. Das Zeitalter der Kreuzzüge wurde mit einem fünfzeiligen Textkästchen abgehandelt, das die christlichen Aggressionen gegen die Anhänger des Friedens kommentarlos chronologisch benannte, anschließend folgten über 5 Seiten zwei schwülstige Artikel zum Dschihad als Ausdruck der Arbeit an eigenen Fähigkeiten und Hinauswachsen über sich selbst. Ist so bestimmt wortgleich in Gaza und Mordrhein-Vandalien erschienen und eine schöne Inspiration für zukünftige Virtuosen geschliffener Metallwaren.
Es gab noch nie so viele Einser Abis wie heute. Merkwürdig ist, dass jeder zweite Fahrschüler bei der theoretischen Prüfung durchfällt.
Teile der Physik sind aus dem Abitur verschwunden.
Die wurden meinem Neffen nicht mehr beigebracht.
Gleiche Schule, gleicher Lehrer, bloß zwanzig Jahre später.
Was hindert den Mann bitteschön, es den jungen Menschen beizubringen?
Relativitätstheorie mit Licht und Euklid.
Einfach weg.
Leserkommentare sollten dann aber auch erscheinen dürfen und nicht, teils aus unerfindlichen Gründen, eben nicht erscheinen, insbesondere wenn es sich um Texte handelt, die auch noch entsprechende Recherche beinhalten. Ist mir bei achgut schon einige Male passiert. Meine Konsequenz daraus war, dass ich das Lesen achguts zunehmend einstellte.
Das wäre doch mal eine Sache: Lehrbücher von heute und damals in größerem Umfang vergleichen und die Vergleiche öffentlich zugänglich machen.
Das Ziel der linken Bildungsvermurkser von heute ist das Abi für alle. Sowas geht, selbst in der Annäherung an dieses Ziel, nur mit extremer Absenkung des Niveaus. Dass das dann nichts mehr wert ist, auf die Idee sind die nicht gekommen. Wenn man dann die eigentliche Unterrichtszeit noch mit Indoktrination, Klimaschwänzen, linkem Gesellschaftsfirlefanz und dem Anlegen von Ökotümpeln verschwendet wirds halt nix.