Besonders erfreulich sind Leserkommentare, die eigentlich selbst eigene kleine Texte sind. Und damit sie nicht alle in der Menge untergehen, veröffentlichen wir an dieser Stelle unregelmäßig den „Leserkommentar der Woche“.
Diesmal ist es ein Kommentar zum Beitrag „Toxische Weis(s)heit: Benin-Bronzen, die Story geht weiter“ von Cora Stephan.
Leser Volker Seitz schreibt:
Zu dem Blut, das an den 4.000 Bronzen klebt, anlässlich der dreitägigen Plünderung 1897 durch die Briten, gehört auch das der Sklaven, die vom Kriegerstaat Benin gegen das aus Europa stammende Material zur Herstellung der Kunstwerke eingetauscht wurden. Das Kupfer der Beninbronzen stammte aus Tiroler Bergwerken der Fugger. Der Bronze-Rohstoff wurde meist durch das Einschmelzen von Bronze-Manillen gewonnen. Das sind Armreifen im Gewicht von je etwa 750 Gramm. Sie dienten Händlern als Zahlungsmittel, um Sklaven von afrikanischen Sklavenhändlern zu erwerben. Aus dem Metall schufen Beniner Bronzegießer ihre Kunstwerke. Von den etwa 11 Millionen Schwarzafrikanern, die zwischen 1519 und 1867 nach Amerika versklavt wurden, sollen etwa 18 Prozent aus dem Königreich Benin oder anderen Teilen Nigerias stammen. Der Philosoph Kwame Anthony Appiah (New York University), Sohn einer Britin und eines Ghanaers, hatte einen – in Deutschland und anderswo nicht beachteten – bedenkenswerten Vorschlag gemacht, sämtliche kolonialen Kulturgegenstände sollten in die Treuhänderschaft der Orte gegeben werden, an denen sie sich gegenwärtig befinden. Statt über Besitzfragen zu streiten, solle man sich um „Interpretation und Zugang“ kümmern und das Modell des Universalmuseums auch nach Mali oder Ghana exportieren. Mit dem Konzept des nationalen Kulturerbes komme man in Afrika nicht weiter, weil Besucher, etwa des nigerianischen Nationalmuseums, die Objekte nicht dem Staat Nigeria, sondern der Volksgruppe der Yoruba, Igbo, Haussa „oder einer von hundert anderen Identitäten“ zurechneten....
Die Schweizer Wissenschaftlerin Brigitta Hauser-Schäublin, emeritierte Professorin für Ethnologie an der Georg-August-Universität Göttingen, in der FAZ am 12. Januar 2022, Seite 12: „Niemand hat je nach dem Verbleib der Schätze jenseits der berühmten Bronzeköpfe und -platten gefragt, die der König von Benin ebenfalls in seiner Schatzkammer aufbewahrte. Reginald Bacon, der Kommandant der britischen Strafexpedition von 1897, stieß dort auf Gehstöcke aus Glas, alte Uniformen, auffällige Schirme und verschiedenen Putz. Bacon bezeichnete diese Dinge als Krimskrams. Aber für die Benin-Herrscher müssen sie einen besonderen Wert besessen haben. Wert konstituiert sich nicht zwangsläufig über Marktwert und Geld, auch wenn die Restitutionsdebatte implizit davon ausgeht. Ist „Identität“ an Geldwert gebunden – selbst dann, wenn die zurückgeforderten Objekte Symbole der Unterdrückung des Volkes durch eine gewaltbereite aristokratische Elite und Ausdruck menschenverachtender Praktiken waren, wie dies bei den Benin-Bronzen der Fall ist. An anderer Stelle schreibt sie: „Es steht außer Frage, dass es grauenhafte koloniale Verbrechen gab, wie der Genozid in Namibia, aber diese waren Ausnahmen, kein systematisches Ziel… Das Prinzip der Schuldvermutung dient als Schablone, um komplexe koloniale Vergangenheiten nach weißen Tätern und kolonialen Opfern zu durchforsten – und alles wegzulassen, was nicht ins Raster passt.“ [Z.B. auch die grausamen Menschenopfer an den Altären der Ahnen, auf denen manche Bronzen aufgestellt waren. Die Ahnen und die Könige sollten durch die Trophäenköpfe der Rivalen, die die Könige besiegt und enthaupteten ließen, magisch gestärkt werden.]
Zum Hintergrund: Leserkommentare dienen nicht nur dem Gedankenaustausch, sondern ergänzen mitunter die dazugehörigen Texte um neue Aspekte und geben ein Bild der Stimmungslage. Leserkommentare sind dabei nicht repräsentativ für die Leserschaft, viele Achgut-Leser stehen beispielsweise im Berufsleben und haben gar keine Zeit oder haben Scheu, sich öffentlich zu äußern. Umso mehr freuen uns sachliche und im Ton konziliante Zuschriften, die entsprechend unserer Netiquette ruhig kritisch sein können, aber nicht verletzend sind. Die Redaktion freut sich dabei ganz besonders über Kommentare, die eigentlich selbst eigene, kleine Texte sind.
Das war mir nicht bekannt. Die Benin Bronzen sind also nicht etwa Kulturschatz afrikanischer Stämme, sondern im wahrsten Sinne des Wortes in ihrem physischen Kern ein Schandmal des Erbes der europäischen Sklaverei und des Kolonialismus. Was für ein schräger Witz der Geschichte, denen dieses „Kunstwerk“ auch noch zurückzugeben. Aber ich habe schon länger das Gefühl, dass unser Engagement in Afrika immer noch nicht der selbstlosen und freundschaftlichen Hilfe dient, sondern immer noch dem Eigeninteresse. Ich frage mich schon lange, wo die ganzen Hilfsgelder wirklich hingehen und ob sie nicht still und heimlich wieder durch dubiose korrupte Kanäle wieder zu uns zurückfließen. Es gibt Hinweise darauf, denen man nachgehen muss…
@Walter Weimar, „Man könnte den Damen mal ein Bronze- bzw Messingbergwerk erklären. Sodas dann diese es weitertragen in die allgemeine Öffentlichkeit…“ – Das bleibt Koboldgeheimwissen.
Ja, die Sache mit den Benin-Bronzen war schon ein Meisterstück. Nicht nur, dass diese Artefakte genau so aussehen, wie es in Deutschland nicht gestattet ist (dicke Lippen, platte Nasen, krauses Haar, Beinringe), auch die Übergabe war peinlich genug. Ich habe noch das Bild vor Augen: zwei deutsche Politikerinnen, verkleidet als Kasperle und Gretel, applaudieren dazu, wie die Benin-Bronzen unter ihren Augen schon wieder geklaut werden.
Da gibt es, herausgegeben von Frau Stephan, ein gutes Buch „ deutsche Legenden“, in denen unter anderem auch die Beninbronzen von Herrn Brenner behandelt werden. Auch der „ Völkermord “ an den Herero von Herrn Klonovsky. Für den, der es genauer oder besser richtig wissen will. Die Überraschung hält sich in Grenzen, aber die eigentliche Frage bleibt : Was macht man mit den aktuellen Taetern ? Die machen ja weiter.
Gehstöcke, Brillen, Monokel, Zylinderhüte, Regenschirme und selbst Aktendeckel hatten in Afrika ihren zugeschriebenen Wert, da sie Zeichen westlicher Herrschaft waren. Und so wie ich es verstanden habe, erfolgte die sog.Rückgabe der Beninbronzen tatsächlich an die Nachkommen der Sklavenhändler und keineswegs an deren Opfer. Das passt sehr gut zur Ideologie der Grünen, die feudalistisch ist und Menschen ohnehin als (zu erziehende) Untertanen begreift. Sich aus dem Museum zu holen, was gefällt, und an Freunde zu verschenken, ist dabei Selbstverständlichkeit.
Man könnte den Damen mal ein Bronze- bzw Messingbergwerk erklären. Sodas dann diese es weitertragen in die allgemeine Öffentlichkeit. Zur Erheiterung.
IMHO der beste Leserkommentar der Woche seit schon mehreren Wochen, vielleicht seit Beginn 2025