Besonders erfreulich sind Leserkommentare, die eigentlich selbst eigene kleine Texte sind. Und damit sie nicht alle in der Menge untergehen, veröffentlichen wir an dieser Stelle regelmäßig den „Leserkommentar der Woche“.
Leserkommentare dienen nicht nur dem Gedankenaustausch, sondern ergänzen mitunter die dazugehörigen Texte um neue Aspekte und geben ein Bild der Stimmungslage. Leserkommentare sind dabei nicht repräsentativ für die Leserschaft, viele Achgut-Leser stehen beispielsweise im Berufsleben und haben gar keine Zeit oder haben Scheu, sich öffentlich zu äußern. Umso mehr freuen uns sachliche und im Ton konziliante Zuschriften, die entsprechend unserer Netiquette ruhig kritisch sein können, aber nicht verletzend sind. Die Redaktion freut sich dabei ganz besonders über Kommentare, die eigentlich selbst eigene, kleine Texte sind.
Und damit diese entsprechend gewürdigt werden, veröffentlichen wir an dieser Stelle regelmäßig „Leserkommentare der Woche“. Diesmal ist es ein Kommentar von Ralf Pöhling zu Ahmet Refii Deners Beitrag „Mein Sohn soll studieren!“:
Alles richtig gemacht, Herr Dener. Ich habe auch nicht studiert, sondern eine Fachinformatiker Ausbildung mit Schwerpunkt Anwendungsentwicklung. Die hat gerade zwei Jahre gedauert, war sehr praxisorientiert und wurde durchgehend entlohnt. Also alles das, was in einem Studium üblicherweise fehlt: Da hängt man jahrelang fest, lernt meist theoretisches Zeug ohne praktische Anwendung und muss noch nebenbei arbeiten, wenn man keine reichen Eltern hat. Warum alle studieren wollen, war mir immer ein Rätsel. Nur wegen des Scheins? Den bekomme ich in der Ausbildung auch. Und das viel schneller und auch noch bezahlt. Gerade in der Informatik wird derzeit jeder mit Handkuss genommen, der sein Fach so einigermaßen beherrscht. Da geht Tempo klar vor. Zumal die praktische Ausbildung meist auch dazu befähigt, im Betrieb sofort loszulegen, weil man eben auch das ganze betriebswirtschaftliche Zeugs mit beigebogen bekommt, was in einem reinen Informatikstudium meist ja gar nicht der Fall ist. Vor allem hat man als praktisch Ausgebildeter unter den ganzen Studenten noch ein Alleinstellungsmerkmal. Man gehört nicht zur Akademikerschwemme, die sich gegenseitig bei den Bewerbungen auf die Füße tritt. Um darin als Praktiker nicht unterzugehen empfiehlt sich eine selbst programmierte Software, die man mit der Bewerbung zusammen als Beweis seiner Fähigkeiten einschickt. Damit schlägt man jeden Studenten mit seinen Scheinen aus dem Rennen. Die Wirtschaft braucht händeringend Fachkräfte, die sofort loslegen können. Theoretiker können das nicht. Praktiker schon.
„Die Wirtschaft braucht händeringend Fachkräfte“. Die Politiker brauchen händeringend Steuer-zahlende Idioten. Dumm ist, wer vollzeit arbeitet und 70-80% an den Staat übergibt um die eigene Ersetzungsmigration zu finanzieren. Als Arbeitnehmer wird von allen Seiten nur noch ausgenommen.
Als studentischer Praktikant habe ich mir einiges von (neidischen?) Nichtakademikern dazu anhören müssen, wie dumm und praxisfern die „Theoretiker“ seien und dass es ja allein auf die Praxis ankäme. Damals habe ich diese Angriffe auf meine Person weggelächelt. Heute sage ich: Praktikern geht es dann gut, wenn andere die theoretischen Hintergründe und die das weitere Umfeld im Auge behalten und dadurch den Praktikern den Rücken freihalten.
@Elias Hallmoser Theorie haben Sie auch in einer Ausbildung. Nur wird die dort dann zügig praktisch angewendet. So ähnlich wie in der Schule. In einer Ausbildung ist Lernen und praktische Anwendung, Unterricht und praktische Tätigkeit im Betrieb wechseln sich ja durchgehend ab, stramm durchgetacktet. Da gibt es kaum Leerlauf. Da sind Sie nach spätestens 3 Jahren fertig. Im Studium ist das anders. Da hat man offenkundig dermaßen viel Zeit und freie Zeiteinteilung, dass man sich nebenher noch in irgendwelchen Interessengruppen politisch engagieren kann. Was natürlich vom eigentlichen Stoff, den man da lernen soll, massiv ablenkt und das Studium auf Jahrzehnte verlängern kann. Und ob das dann wirklich alles Experten ihres Faches sind, wenn die ihr Studium verklüngelt haben, wage ich zu bezweifeln. Potentiell bringt ein Studium höherwertige und umfangreichere Kenntnisse mit sich. Theoretisch. Praktisch ist das aber sehr häufig nicht der Fall. Weil da zu viel geklüngelt werden kann und zu viel Luft für Dinge ist, die mit dem eigentlichen Stoff nichts zu tun haben. Und all diese Klüngler, die mit ihrem Studium nicht zu Potte kommen, werden dann Politiker. Und dann muss man sich nicht mehr wundern, wenn man in einer Republik lebt, wo nur noch gelabert und niemals etwas geliefert wird.
Wen das ‚theoretische Zeug‘ im Studium nicht interessiert u./o. überfordert, für den ist ein Studium eben auch nichts.
Fachinformatiker Ausbildung mit Schwerpunkt Anwendungsentwicklung, Informatikstudium? Ich wünsche Ihrem Sohn alles Gute! Um Neudeutsch zu sprechen,
„The Point of no return“ ist doch längst überschritten, nicht nur in der Türkei?
Aus diesem Leserkommentar spricht die pure praktische Vernunft.