Besonders erfreulich sind Leserkommentare, die eigentlich selbst eigene kleine Texte sind. Und damit sie nicht alle in der Menge untergehen, veröffentlichen wir an dieser Stelle regelmäßig den „Leserkommentar der Woche“.
Leserkommentare dienen nicht nur dem Gedankenaustausch, sondern ergänzen mitunter die dazugehörigen Texte um neue Aspekte und geben ein Bild der Stimmungslage. Leserkommentare sind dabei nicht repräsentativ für die Leserschaft, viele Achgut-Leser stehen beispielsweise im Berufsleben und haben gar keine Zeit oder haben Scheu, sich öffentlich zu äußern. Umso mehr freuen uns sachliche und im Ton konziliante Zuschriften, die entsprechend unserer Netiquette ruhig kritisch sein können, aber nicht verletzend sind. Die Redaktion freut sich dabei ganz besonders über Kommentare, die eigentlich selbst eigene, kleine Texte sind.
Und damit diese entsprechend gewürdigt werden, veröffentlichen wir an dieser Stelle regelmäßig „Leserkommentare der Woche“. Diesmal ist es ein Kommentar zu Christoph Lövenichs Beitrag „Ausgestoßene der Woche: Jeremy Fragrance und Grüne Tränen“:
Gudrun Meyer schreibt:
Marie-Luise Vollbrecht vertritt keine „Meinungen“, obwohl die Ausführungen über ihre Meinungsfreiheit natürlich auch dann berechtigt und richtig wären, wenn sie es täte. Aber sie ist Biologin, und wenn sie davon spricht, dass es beim Menschen ganze 2 und nicht mehr Geschlechter gibt (die wenigen echten Zwitter vereinen beide Geschlechter in einem Körper, nicht aber ein 3. Geschlecht), dann äußert sie sich zu einem Faktum, nicht zu einer Meinung. Dass es je nach Augenblickslaune und sexueller Gelegenheit beliebig viele Geschlechter gebe, ist bestenfalls eine Meinung. Frau Vollbrecht muss das Recht haben, Tatsachen nicht nur als Meinungen, sondern auch als naturwissenschaftlich erwiesene Fakten zu vertreten. Noch vor 10 Jahren wäre ihr Vortrag unnötig oder jedenfalls nicht skandalös gewesen. Heute ist er nicht deshalb skandalös, weil sie etwas Unzutreffendes gesagt hätte, sondern im Gegenteil, weil sie die Wahrheit gesagt hat.
Niemand möchte doch die grundsätzliche biologische Dichotomie der Geschlechter in Frage stellen. Aber geht es denn nicht bei der ganzen Diskussion um Vielfalt eigentlich darum, dass das eigene Verhältnis zu dieser biologischen Faktizität grundsätzlich eine Angelegenheit individueller Selbstbestimmung ist? Das ist zumindest 1978 die Argumentation des BVG gewesen.
Trans„identische“ Menschen (ich finde den Begriff nicht sinnvoll, weil er in sich widersprüchlich ist) empfinden sich aber im Widerspruch zu dieser Dichotomie als dem anderen Geschlecht zugehörig, oder zumindest können sie keine positive Identifizierung mit der eigenen Biologie aufbauen.
Diese Fremdheit gegenüber den biologischen Gegebenheiten war schon immer Anlass für Rationalisierungen, die letztlich auf mangelnder Empathie und mangelndem Respekt beruhen. Aus Sicht der Gesellschaft bot das Unverständliche stets zu Spott und Entwertungen Anlass, aber auch die betroffenen Individuen selbst haben größte Schwierigkeiten, diesen „inneren Kritiker“ in sich zu überwinden, der Depressionen, Ängste, Suizidalität, Suchtverhalten und andere teils erhebliche Probleme verursachen kann.
Ich vermute, dass ein Teil dieser Missverständnisse durch den Begriff „Selbstbestimmung“, der ja ein Synonym ist für „Würde“, verursacht wird: Transidentische Menschen (sofern sie es denn wirklich sind und nicht vor sich selbst Theater spielen) empfinden ihre von der biologischen „Zuordnung“ (diese Begrifflichkeiten wurden ja erst in diesem therapeutischen Kontext wirklich notwendig) abweichende Geschlechtlichkeit auf keinen Fall als „selbstbestimmt“, sondern als inneren Zwang. Aber Transidentität so zu benennen, gilt heute als „pathologisierend“, und bedingt damit gerade die „Entmedikalisierung“, die doch die Probleme verursacht:. Auch „Transidentität“ muss den gesellschaftlichen Erwartungen und Anforderungen an das Zielgeschlecht standhalten können, auch die Zurechenbarkeit gehört zur Identität.
Die moderne Biologie kennt zwar nur zwei Geschlechter, lässt aber die Tür offen für mehr, da allein die Biologie nicht entscheidet. Die Chromosomen bestimmen eigentlich das Geschlecht (in der weiteren Natur aber nicht in Stein gemeißelt), definieren tun sie es nicht, z.B. Person mit weiblichen Brüsten und Penis oder Person mit weiblichen und männlichen Geschlechtsmerkmale (Gebärmutter und Hoden). Grundsätzlich bleibt die Frage, wieso Universitäten und Hochschulen nur noch Dogmen zulassen. Vermutlich transformieren Hochschulen und Universitäten zu Kirchen der neuen Religion (noch ohne Namen). Denn „Hört auf die Wissenschaft!“ wurde 2020 bis 2022 schon erfolgreich weltweit zweckentfremdet (Coronakrise).
@Marcel Seiler, die Anfänge der Darstellung von LBTQ-Charakteren liegen bereits in den 80er Jahren in verschiedenen Videospielen. Transgenderthemen gab es auch in japanischen Mangas bereits seit den 70er Jahren. Die Trends der vergangenen Jahrzehnte, wo Manga, Anime und Computerspielen mit beliebig gestaltbaren, individuellen Avataren verbreitet waren haben meiner Meinung nach den Grundstein für die, heute relativ stark verbreitete Identifikation mit Phantasiegestalten gelegt und zu einer Diversität der persönlichen Wahrnehmung bei jüngeren Menschen geführt. Mit den sozialen Medien fand diese Einstellung eine hohe Verbreitung. Der Mensch identifiziert sich mit dem, womit er aufwächst. Die Kinder und jungen Leute von heute wachsen mit zunehmender Sexualisierung und Gewaltdarstellungen auf, die sie schon im frühen Schulalter auf ihren Handys teilen. Wir dürfen gespannt sein, was sich daraus noch entwickelt. Zunehmende Gewaltenthemmung unter Kindern und Jugendlichen ist bereits heute sichtbar.
Wenn ich in ein Biobuch schaue, dann find ich nur zwei Geschlechter. Über Zwitter schreiben sie normalerweise nichts. Aber das war’s dann. Fertig aus. Alles andere gehört in einen anderen Bereich, Queer usw. Das hat in der Biologie nichts zu suchen.
Erst wird die Meinungsfreiheit kassiert und dann die Tatsachenfreiheit. Ich bin mir doch sicher, daß man sich auf den Etagen, wo man sich die 96 Geschlechter ausdenkt, über die Irrationalität der Vielgeschlechtertheorie bewußt ist. Das geht da wohl zu wie bei den Zigarettenkonzernen, die jahrelang bestritten haben, Rauchen verursache Krebs, Wissenschaftler und Journalisten gekauft haben und Studien, die anderes behaupten, finanzierten. Der Spuk flog auf, als ein „Informant“ Gesprächsprotokolle aus dem Vorstand kopiert und an eine Uni verschickt hat. „Bewußt unwahre oder erwiesen unwahre Tatsachen“ fallen nicht unter die Meinungsfreiheit, was eigentlich ein Verbot der Genderei nach sich ziehen sollte? Meinungen sind nach allgemeiner Rechtsnorm „Werturteile“, die darauf gerichtet sind, im Rahmen einer geistigen Auseinandersetzung eine Überzeugung zu bilden, Tatsachen sind „beweisbare Lebensvorgänge“.
Genau auf den Punkt gebracht. Skandalös ist, dass man im Jahr 2023 erwachsenen Leuten überhaupt Vorträge darüber halten muss, wieviele biologische Geschlechter es gibt.
Ideologie schlägt Fakten … zumindest in den Hirnen von haltungsfesten Ideologen!