Henryk M. Broder / 19.10.2014 / 20:56 / 14 / Seite ausdrucken

Lesen!

Wer immer es war, der unter dem Namen Maxim Biller den Text “Antisemiten sind mir egal” geschrieben hat, er hat ein Meisterstück verfasst. Ich habe seit Februar 1981 zu diesem Thema nichts Besseres gelesen. Argumentativ grandios und in einem Deutsch, das nur ein Prager Jude schreiben kann.

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

via Paypal via Direktüberweisung
Leserpost

netiquette:

Alma Ruth / 22.10.2014

Lieber Herr Broder, ich habe Ihren Artikel von ‘81 von neuem gelesen. Einfach großartig! Eine Frage: Hat sich seitdem etwas geändert? Ich meine, zum Besseren? Ich merke nämlich nichts oder kaum etwas davon. Aber ich bin eine alte Person, und merke es vielleicht nicht. Darum meine Frage. Über eine noch so kurze Antwort würde ich mich sehr freuen. lg Alma Ruth

Thomas Bonin / 21.10.2014

@ M. Krenn: Der, wie Sie zu formulieren pflegen, “gute Herr Biller” wird wohl selbst entscheiden, ob und wann er Ihrer Empfehlung folgt, für den Rest seines Lebens am Strand von Tel Aviv abzuhängen. Etwaige Gründe dafür hat er ja durchblicken lassen: spätestens dann, wenn Juden sich hierzulande nicht mehr nur für jeden Fliegenschiss rechtfertigen müssen, sondern wenn es ans Eingemachte, sprich deren Leib und Leben, geht. Vielleicht aber auch schon während einer der (allgegenwärtigen!) Vorstufen: Ungefragtes Austeilen von Ratschlägen seitens solcher Zeitgenossen, die sich dank ihres sterilen Stammbaumes keinerlei “Unbill” ausgesetzt fühlen müssen. Ach ja, auch über Herrn Billers Sparstrumpf sollten Sie sich nicht übermäßig Gedanken machen müssen: werfen Sie einfach einen Blick auf die Liste seiner Veröffentlichungen und Preise. @ B. Berthold: Falls Sie diesbezüglich das Korrigieren von Schüleraufsätzen zum vergleichenden Maßstab erhoben haben, dann könnten Sie mit Ihrer Stilistik-Nörgelei richtig liegen. Könnte es sein, dass sich hier ein weiterer Makel offenbart, an deren Beseitigung (insbesondere) Juden noch fleißig zu arbeiten haben?    Zu guter Letzt: Billers Rundumschlag lässt sich m.E. im Kern auf seine (wahrlich tiefblickende) Nebenbemerkung vom “Gegensatz zwischen ... Humor und heute-show” konzentrieren: hirnlosestes Verblödungs-TV im neo-deutschen Brot-und-Spiele-Format. Heines “Deutschland. Ein Wintermärchen” lässt grüßen.

Eliyah Havemann / 21.10.2014

@ Albert Schubert 5 Milliarden für den Wiederaufbau und ein Marshallplan sind zwei sehr verschiedene Dinge. Ich habe mal einen Polizisten gefragt, der Wache vor einer Synagoge schieben musste und mit mir dort auf den Beginn des G’ttesdienstes gewartet hat, worüber er sich mehr ärgern würde. Wenn er 100 Euro verliert, die er verdient hat oder 100 Euro, die er geschenkt bekommen hat. Beide Scheine hat er gleichzeitig in den Händen, einer wird verlustig. Er sagte ohne zu überlegen: Über den, den ich verdient habe. Irrational, denn beide haben den exakt selben objektiven Wert. Aber menschlich. Der Biller-Plan funktioniert nur, wenn die Bewohner Gazas das Gefühl haben, das Geld in ihren Händen erarbeitet zu haben und nicht geschenkt zu bekommen. Ein Marshallplan ist eine Investition, die genau das schaffen soll. 5 Milliarden für den Wiederaufbau aber ist ein Geschenk, das nicht nur Häuser, sondern auch die Situation zementiert.

Michael Krenn / 20.10.2014

Maxim Biller schafft es in seinem Text, kluge Gedanken kunstvoll und nahtlos mit absurdem Stuss zu verweben. Es ist beruhigend zu sehen, dass trotz all erlittener Unbill in doitschen Landen der gute Herr Biller seinen Lebensmittelpunkt weiterhin in der Kapitale Germaniens hat. So unbequem kann es dort folglich gar nicht sein. Und als Rentner kann er ja immer noch ins sonnenverwöhnte Tel Aviv umsiedeln. Dafür wäre es jedoch hiflreich, vorher einen Bestseller in Deutschland zu landen. Die Mieten zwischen Yarkon und Yafo sind nicht so preiswert wie in Berlin.

Jutta Faerber / 20.10.2014

Leider glaube ich auch nicht, dass ein gigantischer Marshallplan das Judenhassergen der Palästinenser rezidieren lassen würde. Schade, dass es nicht mehr Khaled Abu Toamehs gibt. Schade, dass es zu diesem Thema so gar keine Debatte im ÖRF gibt.

Jan Hof / 20.10.2014

Naja. Jeder Brite, Franzose, Deutsche, Amerikaner, der soetwas schrieb, würde des stumpfen Nationalismus bezichtigt.

Stephan Happ / 20.10.2014

Ich habe sowohl den Artikel von Biller gelesen als auch alle Kommentare hierzu und komme zu einem sehr einfachen Schluss: Solange das Judentum in seiner Selbstkonzeption als Volk/ Nation UND Religion, welches sich wiederum aus den rabbinischen (religiösen) Überlieferungen ergibt festhält, wird auch der Antisemitismus als Blaupause zum völkischen Germanentum weiter die Gemüter bewegen. Die Schicksalsgemeinschaft der Juden ist untrennbar verbunden mit seiner Herkunft und seiner Religion, über 3500 Jahre… Man kann auch so argumentieren: Solange es den Antisemitismus gibt, gibt es Juden (vice versa). Es sind zwei Seiten der selben Medaille, mit der sich das Volk der Juden als Schicksals- und Traditionsgemeinschaft auch weiterhin “herumschlagen” muss und wird. Denn eine Trennung des oben angeführten Zusammenhangs von Volk und Religion würde das Judentum als “Licht unter den Völkern” letztendlich auflösen. So gesehen geschehen die Dinge so, wie es die hebräische Bibel verheißen hat… S.H.

Isabel Kocsis / 20.10.2014

Sehr geehrter Herr Broder, ich finde beide, Ihren Artikel von 1981 und den Maxime Billers großartig und richtig. Nur in einem möchte ich Ihnen beiden widersprechen. Sie weniger, Maxim Biller mehr konzedieren den Lesern, man könne oder müsse Israel durchaus kritisieren. Maxim Biller entwickelt dabei sogar eine alternative Friedenslösung, u.a.  den “Marshallplan” für Gaza. Sicher ist es richtig, dass Israel kritisiert werden darf, was aber niemand in Frage stellen kann. Diesbezügliche Formeln sind meistens Vorlauf zu antisemitischen Aussagen. Meiner Meinung nach gibt es aber keinen Grund Israel zu kritisieren, es sei denn im innenpolitischen Bereich, der aber nur Israelis etwas angeht. Was die Außenpolitik einschließlich von Kriegen und Verwaltung umstrittener Gebiete betrifft, so glaube ich nicht, dass Israel anders verfahren kann als es das tut. Nach vielen vergeblichen Friedensverhandlungen und Teilungsangeboten muss Israel die Konsequenzen ziehen. Im Gegensatz zu Maxim Biller sehe ich nicht die geringste Alternative, keine Aussicht auf eine Beruhigung der arabischen Feindschaft durch Wohlstand. Die “Palästinenser” bekommen gerade wieder Milliarden zugeschustert, von der EU wie von Katar - es ist nicht anzunehmen, dass daraus insbesondere in Gaza ein Umdenken erfolgt. Was die Siedlungen betrifft, so sehe ich nicht ein, warum Israelis, bzw. Juden nicht dort leben können, wo sie wollen. Jeder andere kann sich weitgehend seinen Wohnort frei wählen. In Israel leben 20% Araber - warum denn nicht Juden in “Palästina”? Mit freundlichen Grüßen Isabel Kocsis

Weitere anzeigen Leserbrief schreiben:

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen
Henryk M. Broder / 21.05.2024 / 12:00 / 30

Ab nach Kassel!

Neues aus Kassel. Eine israelische Kunsthistorikerin bekommt eine Gastprofessur und erklärt ihren Gastgebern als erstes den Unterschied zwischen Antisemitismus und Antizionismus. Es gibt tatsächlich einen,…/ mehr

Henryk M. Broder / 07.03.2024 / 16:00 / 19

Aserbaidschanische Kampagne verhindert Armenien-Debatte

Eine in Berlin geplante Buchpräsentation und Diskussion über bedrohtes armenisches Kulturgut konnte aus Sicherheitsgründen nur online stattfinden. Die Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik e.V. (DGAP)…/ mehr

Henryk M. Broder / 04.03.2024 / 14:00 / 23

Michael Blume: Vom Zupfgeigenhansl zum Ersten Geiger?

In der Dienstzeit des Antisemitismus-Beauftragten Michael Blume hat die Zahl antisemitischer Straftaten in Baden-Württemberg erfolgreich zugenommen. Aber der Mann hat andere Sorgen. Ende Dezember letzten…/ mehr

Henryk M. Broder / 26.01.2024 / 12:00 / 70

Frau Assmann denkt über 1945 hinaus

Eine „Expertin für Erinnerungskultur“ möchte die Erinnerung an die Shoa mit der an die Nakba verbinden. Den Palästinensern wäre mehr geholfen, wenn Deutschland ihnen ein…/ mehr

Henryk M. Broder / 17.01.2024 / 06:15 / 91

Der Unsinn, aus dem Antisemitismus-Beauftragte gebacken werden

Gleich nach dem Influencer, dem Eventmanager und dem Insolvenzberater ist „Antisemitismusbeauftragter“ ein Beruf mit Zukunft. Der Antisemitismus hat Hoch-konjunktur, und da braucht man ausgewiesene Experten…/ mehr

Henryk M. Broder / 02.01.2024 / 14:00 / 50

Bedeutende Denkerinnen und Denker des 21. Jahrhunderts: Chr. Str.

Christian Streich, seit 2012 Cheftrainer des FC Freiburg, ist vor allem dafür bekannt, dass er sich gerne „einmischt“ und „Stellung bezieht“. Denn: Sich einmischen und…/ mehr

Henryk M. Broder / 21.12.2023 / 16:00 / 6

Efraim Habermann: 19.6.1933 – 19.12.2023

Der Fotograf Efraim Habermann ist mit 90 gestorben. Ein kultivierter Herr, der noch auf Aussehen und Umgangsformen achtete, das Haus nie ohne Krawatte und Einstecktuch verließ. Statt eines…/ mehr

Henryk M. Broder / 05.12.2023 / 13:00 / 38

Bedeutende Denkerinnen und Denker des 21. Jahrhunderts: D.F.

Es muss nicht immer einer oder eine aus der Beletage des Feuilletons sein. Auch im Souterrain des Kulturbetriebs flackert manchmal ein Licht auf. Derzeit ist es…/ mehr

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com