Jesko Matthes / 25.09.2021 / 16:00 / Foto: Frank Vincentz / 7 / Seite ausdrucken

Lehrergewerkschaft fängt an quer zu denken

Bei den Wahlen zum Deutschen Bundestag am morgigen Sonntag geht es auch um Hygiene. Wie sehr, das ermisst man aktuell in einer Pressemitteilung der niedersächsischen Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Hier wendet sich die – nicht gerade für Rechtslastigkeit und „Querdenken“ berüchtigte – GEW vehement gegen eine in Niedersachsen gesetzlich vorgesehene Möglichkeit zur Regelabfrage des Covid-19-Impfstatus an Schulen und nennt eine entsprechende Debatte, zunächst wegen der unter Lehrern sehr hohen Impfquote, „überflüssig“. Doch dann fährt die Lehrergewerkschaft in geradezu erstaunlicher Weise fort:

"Besonders problematisch stellt es sich nach Auffassung der GEW zudem dar, dass nun die Verantwortung auf die Schulleitungen abgewälzt werden soll. „Damit werden Diskussionen von Impfbefürwortern und -gegnern ohne Not befeuert und weiter in die Schulen getragen (…)“, betonte die Landesvorsitzende. Hervorhebung vom Verfasser. Denn das Wort „Verantwortung“ kann an dieser Stelle eins zu eins durch „Schuld“ ersetzt werden.

Mit einem Wörtchen nennt die GEW Ross und Reiter

Dagegen – man kann es auf den Punkt bringen mit dem in der GEW traditionell bekannten, „linken“ Begriff der strukturellen Gewalt – wehrt nun auch die GEW sich deutlich. Benennt sie doch durch das harmlos wirkende Wörtchen „damit“, von wem sozialer Druck, Beschneidung der Bürgerrechte, Aushöhlung des Datenschutzes und damit die Spaltung der Gesellschaft, nun bis hinein in die Schulen, tatsächlich und schuldhaft angeheizt wird: Es sind Exekutive und Legislative der Länder, auf Grundlage der Ermächtigungen im Infektionsschutzgesetz des Bundes, und so im konkreten Falle auf Landesebene mittels des „Niedersächsischen Rahmenhygieneplans 8.0“.

Hören wir dazu, was das Galtung-Institut zur strukturellen Gewalt in Hierarchien schreibt:

"Eine Hierarchie zeichnet sich durch die Überdeterminierung der dominanten Instanzen (“top-dogs”) gegenüber den Subalternen (“under-dogs”) Akteuren im sozialen Interaktionssystem aus. Durchgesetzt wird diese mit als invariabel konstruierten Maßnahmen, wie zum Beispiel Regelungen, Regimen, Institutionen, Gesetzen oder direkter Gewalt. Ein archetypisches, hierarchisches Interaktionssystem ist ein typisches Top-down-System und reagiert nicht auf Veränderungsimpulse von unten. In hierarchischen Systemen lässt sich strukturelle Gewalt immer dann feststellen, wenn ein Veränderungswille an die Gemeinschaft von den “under-dogs” artikuliert wird, dieser aber nicht umsetzbar ist, da die “top-dogs” soziale Veränderung durch “harte”, “unveränderbare” Regelbestimmungen und Maßnahmen verhindern. Die Herrschaft ist dadurch exklusiv und die Gesellschaft, die nach diesem Muster aufgebaut ist, ist folglich keine freiheitliche Gesellschaft, in der die Grundbedürfnisentfaltung gesichert ist."

Und nun kommt der Clou: Eine derartige Möglichkeit zur Regelabfrage des Covid-19-Impfstatus ist (übrigens genauso wie für die Parlamentarier und Regierungsinstitutionen der USA und Frankreichs) für den Deutschen Bundestag und die Länderparlamente nicht vorgesehen. Da herrschen wohl andere Regeln für die „Hygiene“, vor allem die geistige.

Die GEW Niedersachsen gibt eine indirekte Wahlempfehlung ab

Auf diese Weise spricht die GEW gleichzeitig eine indirekte Wahlempfehlung gegen alle „top-dog“-Parteien aus, die bereit sind, diese Schuld an der Spaltung der Gesellschaft und der Aushöhlung der grundgesetzlich garantierten Freiheitsrechte auch weiterhin eben nicht in erster Linie auf sich zu laden, sondern vielmehr schlicht abzuwälzen auf uns alle, die „under-dogs“. Ich danke der GEW Niedersachsen für diese Erkenntnis und das subversive Wörtchen „damit“. Denn damit ist das Verhältnis von Wählern und Gewählten reziprok: Wer solche Politik durch seine Stimmabgabe unterstützt, gefährdet die freiheitliche Gesellschaft und fügt sich und seinem Land Schaden zu.

Foto: Frank Vincentz CC BY-SA 3.0 via Wikimedia

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Leserpost

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Franz Klar / 25.09.2021

Bei 95prozentigen Impfbefürwortern fällt mir die Assoziation Selbstdenker , geschweige denn Querdenker denkbar schwer !

Tina Kaps / 25.09.2021

Sehr geehrter Herr Dr. Matthes, Ihrem 149. Artikel auf der Achse ist nichts hinzuzufügen außer Dank. Danke dafür, dass Sie hier schreiben, wie und worüber. Danke für Ihren Mut, als praktizierender Arzt mit Ihrem Klarnamen zu schreiben. Danke für all Ihre Fundstücke und Leserbriefe. Und Danke im Voraus für Ihren 150zigsten. Hoffentlich.

Jan-Hendrik Schmidt / 25.09.2021

“Eine derartige Möglichkeit zur Regelabfrage des Covid-19-Impfstatus ist (...) für den Deutschen Bundestag und die Länderparlamente nicht vorgesehen”. Damit nicht heraus kommt, wieviele “Top-Dogs” umgeimpft sind. Es ist schwer vorstellbar, dass sich die Spitzenpolitiker alle durch die Bank weg einen Stoff injizieren lassen, dessen langfristige Nebenwirkungen unbekannt sind. Allein schon an solchen Bestimmungen kann man sehen, dass etwas faul ist an der sogenannten Pandemie. Es geht vorwiegend um politische Macht, Kontrolle und Geschäfte.

Emmanuel Precht / 25.09.2021

Ich bin der Herr der Welt und jeder der widerspricht ist ein Querdenker! Ich hab ein Buch! Da steht die unumstößliche Wahrheit drin. Die eben, die Jeder kennen muss. Doch nur ich kann das Buch lesen und verstehen. Ich gebe mein Wissen gerne weiter. Aber ich will dafür auch ein anständiges, sorgenfreies Leben finanziert bekommen. Das steht gleich im ersten Absatz drin und ist natürlich zu befolgen. Wohlan…

Karla Kuhn / 25.09.2021

„Damit werden Diskussionen von Impfbefürwortern und -gegnern ohne Not befeuert und weiter in die Schulen getragen (…)“  Natürlich, die WAHRHEIT ist eben nicht erwünscht, sie könnte ganze HEERSCHAREN der “RÄÄÄCHTSEXTREMEN ” auf den Plan rufen, die ja offenbar bereits in den Startlöchern in Niedersachsen darauf warten . Ohne diese “Möglichkeit zur Regelabfrage….” würde diese Gewerkschaft sich auch so NUR für die Kinder einsetzen ? Wenn es um die eigene Haut geht…..! Diese Abfragen sind gesetzeswidrig!! Werden eigentlich ALLE Flüchtlinge, die seit 2015 auch teilweise illegal nach D. gekommen sind nach ihrem GESUNDHEITSZUSTAND generell befragt ? z. B. nach TUBERKULOSE ?? DARAN sollten Leistungen gekoppelt sein.

H. Krautner / 25.09.2021

Zitat aus dm Artikel oben:„Eine Regelabfrage des Covid-19-Impfstatus für den Deutschen Bundestag und die Länderparlamente nicht vorgesehen.“.              •              Eine Regelabfrage des Covid-19-Impfstatus Ist in der Wirtschaft auch nicht für Arbeitgeber, Chefs, Firmenleiter, Unternehmer vorgesehen, sondern nur für Arbeitnehmer, also nur fürs gemeine Fußvolk.

Sirius Bellt / 25.09.2021

Beruhigend, dass es in diesem Land noch Menschen gibt, die das Grundgesetz weiterhin ernst nehmen.

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