Die EU droht, die „juristische Atombombe“ nach Artikel 7 des EU-Vertrages gegen Polen und Ungarn zu zünden. Beiden Ländern soll dadurch das Stimmrecht in den EU-Gremien entzogen werden, denn sie würden in „schwerwiegender Weise die Grundwerte der Europäischen Union verletzen“. Der zuständige Ausschuss des Europaparlaments beklagt, dass in Ungarn „Rechtsstaatlichkeit, Meinungsfreiheit und die Freiheit akademischer Organisationen“ so gravierend eingeschränkt seien, dass dies die Anwendung von Artikel 7 als letztes Mittel rechtfertige. Heute und morgen könnte das Europaparlament mit einer Entscheidung die Eskalation des Konflikts weiter vorantreiben.
Die von den EU-Eliten vorgetragenen Vorwürfe berühren, wie der aus Ungarn stammende britische Soziologe Furedi in seinem brillanten Buch „Populism and the European Culture Wars“ darlegt, nur die Oberfläche des Konflikts zwischen der EU und der ungarischen Regierung. In der Sache laufen die Anschuldigungen der sich als liberal begreifenden politischen Eliten vollkommen ins Leere, denn die Praxis in den anderen EU-Staaten weicht in der Substanz nicht von den kritikwürdigen Praktiken der ungarischen Regierung ab, wie Furedi unter anderem am Thema Presse- und Meinungsfreiheit zeigt.
Auch ignorieren viele links-liberale Kritiker gerne, dass das ungarische Grundgesetz in einem parlamentarischen System entwickelt wurde, das aus freien Wahlen hervorgegangen ist und von einer Regierung mit einem überwältigenden demokratischen Mandat beschlossen wurde. Zwar bekräftige Ungarns Verfassung traditionelle sowie konservative Werte und sei in Teilen explizit illiberal, so Furedi. Entgegen der Ansicht vieler Kritiker ist sie jedoch keineswegs antidemokratisch, sondern begründet eine parlamentarische Republik mit einer Kammer, die auf Gewaltenteilung und der Wahrung demokratischer Grundrechte beruht.
„Implizite Zustimmung“ der Bürger
Wie also erklären sich die heftigen Attacken der EU gegen Ungarn und speziell Viktor Orbán, den Ministerpräsidenten und Parteivorsitzenden der nationalkonservativen Fidesz? Furedi zeigt, dass die europäischen Eliten einen Kulturkampf führen, der die Form eines antipopulistischen Kreuzzugs angenommen hat. Im Zentrum dieses Kulturkampfs steht die Frage nach nationalstaatlicher Souveränität. Fidesz stellt einen positiven Bezug zur ungarischen Nation her und baut damit einen direkten Gegenpol zum Kosmopolitismus der EU auf. Hinzu kommt die Besetzung konservativer Werte, von denen sich die westlichen christdemokratischen Parteien seit Jahrzehnten sukzessive entfernt haben.
Das Problem für die EU besteht dabei nicht nur darin, dass die Ungarn explizit auf traditionelle Werte setzen. Allein durch die Tatsache, dass sie die EU in eine Wertediskussion hineinziehen, haben die Ungarn in ein Wespennest gestochen. Um dies zu verdeutlichen, analysiert Furedi die extrem schwache Legitimationsbasis der europäischen Institutionen.
Die EU und deren institutionelle Vorläufer nach dem 2. Weltkrieg waren nicht in der Lage, ihre Rolle normativ zu legitimieren. Es fehlt an einer expliziten, auf überzeugenden Werten basierenden moralischen Fundierung ihres Projekts. Stattdessen beruht die Zustimmung der Europäer zur EU im Wesentlichen auf der Gewährleistung von wirtschaftlichem Wohlstand und der Autorität einer sachverständigen Technokratie. Typisch hierfür ist die Formulierung des ehemaligen Präsidenten der EU-Kommission, José Manuel Barroso, der von einer „impliziten Zustimmung“ der Bürger gegenüber der EU sprach. In Furedis Augen reicht das nicht aus, um eine politische Ordnung dauerhaft zu sichern.
Postnationales und posttraditionelles Politikverständnis.
Die schwache Legitimationsbasis der EU wird bereits seit langem als Problem erkannt und thematisiert, ohne jedoch einer Lösung näher zu kommen. Bis in die 1990er Jahre resultierte daraus kein akutes Autoritätsproblem, da die Systemkonfrontation im Kalten Krieg – vor allem das Negativbeispiel Sowjetunion – dieses Legitimationsdefizit überdeckte. Trotz vieler Anläufe gelang es der EU nicht, dieses Legitimitätsproblem durch die Anknüpfung an positiv empfundene europäische Traditionen und Werte zu lösen. Im Gegenteil war das Projekt der europäischen Einigung von dem Wunsch geprägt, das geschichtliche Erbe zu verwerfen.
Diese Herangehensweise wird von Verteidigern der EU wie dem Philosophen Jürgen Habermas ideologisch untermauert. Er betont die Wichtigkeit eines post-nationalen und post-traditionellen Politikverständnisses als Lektion aus Erfahrung zweier Weltkriege, von Faschismus und Holocaust. Dieser Ansatz – so Furedi – habe in verhängnisvoller Weise dazu beigetragen, mögliche positive Anknüpfungspunkte zur europäischen Geschichte vor 1945 in Frage zu stellen.
Die EU ist gegenüber vielen Werten, die von der europäischen Renaissance oder der Aufklärung hochgehalten wurden, regelrecht feindlich eingestellt, was sich etwa in ihrer Skepsis gegenüber dem demokratischen Ideal der Volkssouveränität oder ihrer Unterstützung der anti-individualistischen Identitätspolitik ausdrückt. Aber auch Tradition und Nation werden per se als problematisch betrachtet, so dass über diese Werte keine fruchtbare oder konstruktive Auseinandersetzung möglich scheint.
Die aggressive Reaktion der EU gegenüber Ungarn erklärt sich demnach nicht aus kontroversen politischen Auffassungen etwa zur Meinungsfreiheit oder zu verfassungsrechtlichen Fragen. Sie resultiert vielmehr aus der kaum vorhandenen moralisch-historischen Fundierung der EU-Eliten, die Orbans selbstbewusst artikulierten christlich-konservativen und „illiberalen“ Nationalismus als Bedrohung ihrer schwachen Position fürchten.
„Des Kaisers neue Kleider“
Hinsichtlich ihrer moralischen Legitimation erinnern die EU-Eliten an den nackten Kaiser in Hans Christan Andersens Märchen „Des Kaisers neue Kleider“. Da der moralische Bezugsrahmen der EU-Protagonisten brüchig und auch in den eigenen Reihen kontrovers diskutiert wird, gilt es, die Diskussion alternativer Wertvorstellungen möglichst im Keim zu ersticken. Bewegungen, die Werte-Fragen aufwerfen oder gar die demokratische Volksherrschaft als Wert betonen, sind daher eine unmittelbare Bedrohung für die Legitimität der EU und werden typischerweise als populistisch stigmatisiert. Der Soziologe Furedi nennt dieses Vorgehen einen „anti-populistischen Skript“.
Einen wesentlichen Einfluss auf das post-nationale Selbstverständnis der EU-Eliten hatte der in den 1990er Jahren aufkommende Kosmopolitismus. Die Theoretiker des Kosmopolitismus, zu denen neben dem bereits erwähnten Jürgen Habermas auch der einflussreiche deutsche Soziologe Ulrich Beck gehörte, betonten die Minderwertigkeit des nationalen gegenüber dem transnationalen Bewusstsein. Der Kosmopolitismus betont die kulturelle Diversität als einen Wert, der gegen die veraltete und vermeintlich monolithische nationale Identität in Stellung gebracht wurde. Wie Furedi erklärt, wurde Diversität zu einem zentralen europäischen Wert, der später zur Schwächung nationaler Kulturen diente. Nationalbewusstsein wird aus dieser Warte als Bedrohung für Minderheitengruppen interpretiert und gilt seitdem als potenzielle Vorstufe für nationale Rivalitäten, Krieg oder Faschismus.
Für das Selbstverständnis und das Wertegefüge der EU ist daher die von Fidesz vorangetriebene Revitalisierung nationaler Identität und nationaler Souveränität eine extreme Herausforderung. Die EU-Eliten, wie auch die EU-freundliche ungarische Opposition, haben lange versucht, die Rückbesinnung auf die ungarische Geschichte zu vereiteln. Wie Furedi ausführt, war es nach dem Zusammenbruch des Stalinismus in Osteuropa ein wesentliches und durchaus angstgetriebenes Anliegen des kulturellen und politischen Establishments, die Rückkehr zum Nationalismus zu verhindern und die Entwicklung der Demokratie voranzutreiben. In der Zeit nach dem Regimewechsel versuchten linke und liberale Politikzirkel Ungarns, ihre Autorität durch ein enges Verhältnis mit dem Westen zu stärken, was auch für lange Zeit gelang.
Die antinationalistische Kultur einer informellen Allianz zwischen der EU-Führung und den links-liberalen ungarischen Kreisen, entfernte diese aber zunehmend von den gesellschaftlichen Realitäten und provozierte eine Reaktion konservativer Nationalisten. Die Feindschaft der ungarischen Linksliberalen gegenüber nationalen Empfindungen passte gut zur Neigung der EU, Diversität und die Rechte von Minoritäten voranzubringen, um so ein Gegengewicht zur Autorität der Nation zu bilden. Die Bekräftigung der Identitätspolitik, gepaart mit der Abwertung der nationalen Gefühle, konstituierte den Dreh- und Angelpunkt eines zunächst „nicht erklärten Kulturkrieges“ (S. 109) in dem sich nun die EU-Eliten gemeinsam mit der links-liberalen ungarische Opposition der Fidesz feindlich gegenüberstehen
Aggressiver Antipopulismus der etablierten Eliten
Furedi spürt in den abschließenden Abschnitten des Buches den tieferen Wurzeln des aggressiven Antipopulismus der etablierten Eliten nach. Bereits während des Zweiten Weltkriegs wies der österreich-ungarischen Philosoph und Soziologe Karl Mannheim auf eine Wertkrise und die Schwierigkeiten hin, die das liberale Denken mit Bezug auf Werte hatte. Mannheim glaubte, dass die Gesellschaften an etwas Greifbares glauben müssten und dass die Demokratie mit überzeugenden Argumenten aufwarten müsse, welche Werte für das Leben der Menschen relevant wären.
Bis heute, so Furedi, sei kaum der Versuch gemacht worden, die von Mannheim aufgeworfenen Fragen zu beantworten. Im Gegenteil wurde ihnen ausgewichen, so dass wir heute an einem Punkt angekommen seien, wo die von Mannheim noch als selbstverständlich verankert angenommenen „Traditionen westlicher Zivilisation“, heute nicht mehr als gegeben vorausgesetzt werden können. Wie die politische Philosophin Hannah Arendt erkannte, hatte sich daraus bereits in den 1950er Jahren eine Krise der Autorität entwickelt. Diese manifestierte sich dann in den 1960er Jahren, als die westlichen Gesellschaften nicht über die moralischen Ressourcen zur Verteidigung ihres Lebensstils verfügten und es zu einer weitreichenden, alle Lebensbereiche erfassenden antiautoritären Revolte kam. Bereits der Begriff der Autorität als solcher galt nunmehr als problematisch.
Aus der fehlenden Fundierung von Autorität erklärt sich, wie Furedi analysiert, die antipopulistische Gesinnung. Das antipopulistische Ethos besteht in dem Versuch, das Problem der Autorität abzuschwächen, indem der moralische Status der Masse in Frage gestellt wird, also derer, die die Autorität akzeptieren sollen. Typisch hierfür war die nach dem 2. Weltkrieg ausgetragene Auseinandersetzung um den „autoritären Charakter“. Der Philosoph Theodor Adorno, einer der Gründer der Kritischen Theorie, argumentierte, dass Menschen unvermeidlich Autoritäten folgen, selbst wenn diese gegen deren eigene Interessen agieren.
Dieses Denken klingt bei vielen heutigen antipopulistischen Kommentatoren nach, die davon überzeugt sind, dass das Volk kaum in der Lage ist, die eigenen Interessen zu verstehen, und dass dessen irrationale Emotionen mit Leichtigkeit von populistischen Demagogen manipuliert werden.
Den Bürgern wird die moralische Reife abgesprochen
Furedi weist darauf hin, dass antipopulistisches Denken so alt ist wie die Demokratie selbst. Die antipopulistische Theorie entwickelte sich ursprünglich in der Athener Polis. Bereits Denker wie Aristoteles oder Platon warnten vor „zu viel“ Demokratie. Die „Herrschaft der Wenigen“ (Oligarchie) sei der „Herrschaft der Vielen“ vorzuziehen, weil letztgenannte zu leicht von Demagogen zu manipulieren seien.
Die heutige EU-Oligarchie wird ebenfalls von diesem antipopulistischen Ethos getrieben, der den Bürgern, insbesondere, wenn sie nationale Souveränität einfordern oder auf einer nationalen Kultur beharren, die moralische Reife abspricht. Typisch für diese Abwertung ist die Gleichsetzung der Ablehnung der EU mit folgenschwerem Nationalismus, der vermeintlich notwendigerweise zum Krieg führt, wie der damaligen EU-Ratspräsident, Herman Van Rompuy 2010 in einer Rede in Berlin mutmaßte. Er sagte, der größte Feind im heutigen Europa sei die Angst. Diese wiederum führe zu Egoismus, „Egoismus führt zum Nationalismus und Nationalismus führt zum Krieg.“
Furedi setzt dem entgegen, dass nationale Souveränität trotz ihrer Beschränkungen einen wesentlich demokratischeren und sinnstiftenderen Rahmen bietet, als dies durch die transnationalen Institutionen möglich ist, die von den Kosmopoliten der EU favorisiert werden. Die größte Gefahr für die Demokratie geht heute daher nicht von denjenigen aus, die auf nationaler Souveränität beharren, sondern von denjenigen, die sie unterminieren.
Frank Furedi, Populism and the European Culture Wars – The Conflict of Values between Hungary and the EU, 2018, 144 Seiten.
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Beitragsbild: Maxim Massalitin Flickr CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

Diese durchs Wahlvolk nie und durch nichts legitimierten weinerlichen Totalversager wollen einen mit großer Mehrheit gewählten Ministerpräsidenten das Wasser abgraben? Was glauben die wohl was da in Ungarn passieren wird? Die treten ebenfalls aus diesem Verein aus und wenden sich den Russen zu. Das aber wird andere Ost EU Länder ebenfalls dazu bewegen, ihre Lage neu zu bewerten. Die Freiheit akademischer Organisationen? Die von Soros finanzierten und damit auf EU und multi kulti getrimmten Akademixer vermisst in Ungarn Niemand, denn eines steht fest, die Bevölkerung steht bei multi kulti absolut hinter Orbán und wenn es sein muss, auch vor ihm. Die Ungarn schauen auch TV viele können, die in Grenznähe zu Österreich leben, deutsch, somit können die sich ein Bild machen von der Welt da draußen, und es ist kein Gutes. Orbàn mag ein Abgreifer sein, doch das waren in Ungarn vor ihm, die Liberalen und die für die EU so guten "Sozialisten" die das Land, Grund und Boden an Ausländer verhöckern wollten. Einen Berg Schulden haben diese Burschen hinterlassen, koruppt genau wie alle Anderen von der Haarwurzel bis zur Fußzehe. Das hat die EU nie gestört, nicht bei Denen und auch nicht bei Orban. Doch nun schießt der Kerl an der Donau quer und schon werden die Superdemokraten zu keifenden, nervösen Jammerlappen! Keine Ahnung was in mich gefahren war, dass ich dieses Monstrum EU einmal geliebt und in Ungarn 2002 dafür geworben habe, weil schon damals viele skeptisch waren, besonders auf dem Lande. All die Skeptiker hatten Recht, das weiß ich heute!
@A.Kehrwald Man mag die Eingriffe in Justiz und Pressefreiheit in Polen und Ungarn kritisieren, sollte dabei aber nicht vergessen, dass die angedachten oder bereits umgesetzten Beschränkungen m.E. noch hinter dem zurück bleiben, was in Deutschland schon seit Jahren Gang und Gäbe ist, bzw. sukzessive umgesetzt wird. So lehnt sich die polnische Justizreform an das deutsche Recht an in dem parteigesteuerte Richterwahlausschüsse völlig intransparent über die Berufung und damit auch die Beförderung von Richtern entscheiden. Die Richter des BVG werden schon immer ausschließlich politisch besetzt, was in Polen nun auch umgesetzt werden soll. Alles kritikwürdig keine Frage aber eben nicht nur in Polen. Auch mit der Presse- und Meinungsfreiheit ist es in Deutschland keinesfalls besser bestellt als in Polen oder Ungarn, die beide das NetzDG nicht kennen. Die Kontrolle der etablierten Parteien über den ÖR (direkt und indirekt) ist unbestritten und private Medien sind mit der Regierung informell verbunden (Freundschaften, Aufsichtsratsposten, ...). Davon abgesehen kennt Deutschland auch keine Gewaltenteilung. Dies zeigt sich, nicht nur durch die politische Besetzung der Richter des BVG, sondern u.a. in der Funktion des parlamentarischen Staatssekretärs, der bereits in der Bezeichnung Legislative und Exekutive vereinigt. Wie gesagt man kann und darf Polen und Ungarn kritisieren, aber nur dann, wenn man sich zuvor an Deutschland abgearbeitet hat.
Nun wenn die EU der Meinung ist, man müsse Polen und Ungarn vor die Wahl stellen, ob Sie nun Mitglied ohne Stimmrecht in der Bürokraten-Demokratur EU sind oder souveräne, demokratische Nationalstaaten die sich bereits einmal vom Sozialismus befreit haben, bin ich sicher, das der Brexit nicht die letzte böse Überraschung für den Elfenbeinturm zu Brüssel gewesen sein wird. Es steht natürlich außer Frage, das die EU einen solchen, möglichen "Gebietsverlust" ganz schnell mit zwei beliebigen Dritte-Welt-Land aufzufüllen wüste . Aber ob das sinnvoll ist wird sich zeigen.
Dass man viele verschiedene Länder nicht mit Gewalt zu einem einzelnen Land verbinden kann, sollte eigentlich spätestens seit der untergegangenen UdSSR bekannt sein. Man kann nicht jahrhundertealte Traditionen, Jahrtausende an Geschichte, religiöse Unterschiede und kultureller Entwicklung - die eben jedes einzelne europäische Land für sich so spannend machen! - einfach übergehen. Wir sind in Europa alle geprägt durch unsere jeweiligen Kulturen - und das ist auch das Schöne daran. - Im Übrigen war auch Charles de Gaulle für ein "Europa der Vaterländer" - Ein technokratischer EU-Moloch, eine Selbsbedienungsmaschienerie und Prakplatz für Polit-Bonzen, Heerscharen von Lobbyisten jeglicher Couleur, die politische Einflußnahme zum Nachteil der Bevölkerungen betreiben und ein Unterjochen und Entmündigen der einzelnen Bevölkerungen war mit Sicherheit nicht beabsichtigt. Aber genau das ist daraus geworden. Nur, dass "dieses" Europa ganz bestimmt nicht halten wird, ebenso, wie die zugehörige Kunst-Währung! Bis auf Deutschland wird wohl keine Nation sich selbst aufgeben wollen. Die Visegrád-Staaten werden sich abspalten und ihren eigenen Wirtschaftsraum kreieren, vielleicht schließt sich dem auch Italien an. Und die Franzosen bauen eher auf dem Place de la Concorde die Guillotine wieder auf und entsorgen Herrn Macron, bevor die ihre Grand Nation aufgeben!
Selten muss ich auf der Achse des Guten Artikel lesen, denen ich vehement widersprechen muss. Dieser Artikel von Herrn Horn gehört leider zu jenen Artikeln, v.a. der erste Absatz. Ich bin kein Freund der EU in ihrer aktuellen Form. Allerdings rechtfertigt in meinen Augen nichts die Etablierung illiberaler Staaten in Europa. Herr Orbán macht aus diesem Ziel ja nicht einmal ein Hehl. Das Argument von Herrn Horn, die aktuelle ungarische Verfassung sei «in einem parlamentarischen System entwickelt» worden, «das aus freien Wahlen hervorgegangen ist», empfinde ich als gruselig. Soll das heißen, demokratische Wahlen rechtfertigen alles? Das ist genau das Argument, das Putin- und Erdoğan-Fans auch immer aufführen, wenn es um eine Rechtfertigung des Handelns ihrer Präsidenten geht. Abgesehen davon war die Erstellung einer neuen Verfassung im ungarischen Wahlkampf 2010 kein Thema gewesen. 10 Monate nach der Wahl äußerte Orbán erstmals die Absicht, er wolle eine neue ungarische Verfassung haben – da hatte die Erstellung dieser neuen Verfassung schon längst begonnen. Demokratisch legitimiert war diese Aktion ganz und gar nicht. Als das ungarische Verfassungsgericht gegen einige Punkte der neuen Verfassung intervenierte, setzte sich die Fidesz-Regierung über das Verfassungsgericht hinweg und setzte somit kurzerhand die Gewaltenteilung außer Kraft. Übrigens dürfen ungarische Bürger seit 2012 nicht mehr vor dem Verfassungsgericht gegen die Einführung neuer Gesetze klagen. Eines noch: Die Achse des Guten ist in meinen Augen (nach dem Linksdrall der FAZ) das einzige verbliebene rechtsliberale Medium in Deutschland - die Betonung liegt auf «liberal». Ich möchte, dass das so bleibt und dass illiberal-rechte Parteien wie der Fidesz in seiner jetzigen Form hier nicht zum Vorbild stilisiert werden.
Zu Aristoteles: Aristoteles unterschied zwischen sechs Regierungsformen, drei guten, weil am Gemeinwohl orientierten, und drei schlechten, weil auf Eigennutz gründend. Die bestmögliche Regierungsform ist laut Aristoteles die Monarchie (=Einzelherrschaft), eigentlich Basileia (= Königtum) , die Herrschaft eines guten Regenten. Fast ebensogut ist die Aristokratie, die Herrschaft der Besten (die gute Herrschaft einiger Weniger). Schon deutlich weniger gut, aber immer noch gut ist die gute Herrschaft des Volkes, die Aristoteles als "Politeia" (etwa "Bürgerstaat") bezeichnete. Sie ist deswegen nicht so gut wie Monarchie und Aristokratie, weil nicht alle Menschen eines Volkes gut sind. Die am wenigsten schlechte der schlechten Regierungsformen nannte Aristoteles "Demokratie", die schlechte Volksregierung. Deutlich schlechter ist die Oligarchie, die schlechte Herrschaft einiger Weniger. Am schlimmsten aber ist die Tyrannis, die schlechte Herrschaft eines Einzelnen.
"...dass in Ungarn „Rechtsstaatlichkeit, Meinungsfreiheit und die Freiheit akademischer Organisationen“..." meint in erster, plump durchschaubarer Weise, das die unerträglich Soros-Universität weiter den Ungeist dieses obszönen Milliardärs in die Welt hinausposaunen darf. ABGELEHNT!!! Wer so höchst fragwürdig demokratisch legitimiert ist, wie die Institutionen der EU, sollte sich nicht wundern, demnächst selbst auf einem rigiden Prüfstand zu landen. Herr Gauland nennt das "friedliche Revolution". Tatsächlich braucht es keine Revolution sondern nur Wahlergebnisse, aber ob das linksgrüne Milieu den folgenden Wandel friedlich hinnimmt wage ich doch sehr zu bezweifeln.