Im September 2018 fiel Passanten ein Ford Kombi mit Münchener Kennzeichen auf, der in der prallen Sonne im Augsburger Textilviertel parkte. Die herbeigerufene Feuerwehr brach den Wagen auf und fand darin zwanzig Hunde, die so aussahen, als hätten sie eine lange und anstrengende Reise hinter sich. Die Feuerwehrmänner brachten die Tiere in ein Augsburger Tierheim, wo sie medizinisch versorgt, aufgepäppelt und später zur Adoption freigegeben wurden.
Und so kam Lola an Nikolaus 2018 zu uns, ein zierliches Weibchen mit einem lockigen Fell, langen Beinen, Ohren wie eine Fledermaus und Augen, die schon viel Elend gesehen hatten. „Die ist höchstens zwei Jahre alt", sagte die Tierärztin, „eher weniger". Da wir nicht wussten, wo und wann sie zur Welt gekommen war, feierten wir Lolas Geburtstag fortan an dem Tag, an dem sie bei uns eingezogen war.
Auch wenn es albern klingt und jeder Hundefreund davon überzeugt ist, dass sein Hund anders ist als alle anderen Hunde, besonders intelligent, besonders kommunikativ und besonders loyal – Lola war es wirklich. Mehr noch: Sie konnte Gedanken lesen. Wir lagen uns auf zwei Sofas gegenüber, sie schaute mir beim Schreiben zu, und wenn ich mal nicht weiter wusste, stand sie auf, reckte sich kurz, kam rüber und legte sich zu mir, als wollte sie sagen: Ich bin auch noch da, mach mal Pause, Alter. Außerdem konnte sie auf den Hinterläufen vorwärts und rückwärts laufen, wie ein Zirkus-Hund in einer RTL-Casting-Show.
Ich bin mit Hunden groß und alt geworden. Ich weiß, dass die Beziehung zwischen Mensch und Hund uralt und einmalig ist. Dass sie auf Gegenseitigkeit beruht und manchmal ins Alberne entgleiten kann. Trotzdem – ein Leben ohne Hund ist wie ein Buchregal ohne Bücher. Möglich, aber trostlos.
Lola war nur drei Jahre bei uns. Sie hat unser Leben schöner gemacht, für Unterhaltung und gute Laune gesorgt. Wir hätten sie gerne noch lange behalten. Ein mieses Bakterium kam dazwischen. Lola starb letzten Dienstag, nachdem wir uns von ihr verabschiedet hatten. Lebewohl, Lola, wir werden dich nicht vergessen.

Mich haben auch viele Hunde begleitet, lieber Herr Broder. Sie haben auch das Leben von ihrer Lola bereichert. Mein letzter Hund namens „Bono“ war ein wunderschöner Mix aus Hovawart und Border-Collie, wurde 15 Jahre alt. Vielleicht findet zu ihnen wieder ein treuer Hund?
Einem Hund zusehen, wie er einfach nur Hund ist, ist wie am Strand sitzen und die Ewigkeit der Wellen betrachten.
Traurig. Ich hatte schon nach der Hälfte Tränen in den Augen. Fühlen Sie sich umarmt @ H. Broder. Ohne meine Hunde wäre ich „in diesen Zeiten“ schon verrückt geworden. Hunden kann man vertrauen, wenn man sie gut behandelt. Bedingungslos. Wem sonst? „Die Beziehung zwischen Mensch und Hund ist uralt und einmalig.“ Die Schwaller, die nun gegen den Klimakiller Hund hetzen, werden nie begreifen, dass der Mensch ohne Hund (und das Pferd) heute nicht da stände, wo er steht. Um es für die Generation „Saublöd und Stolz darauf“ zu übersetzen: Der Hund ist das Lastenfahrrad von gestern und heute arbeiten viele Hunde als Therapeuten. Auch in meiner „Truppe“ ist im Sommer einer gegangen. Im ersten Moment fühlt es sich immer so an, als würde man nie drüber weg kommen. Doch es bleibt die schöne gemeinsame Zeit. Und jetzt kommt Mittwoch ein anderer Hund, der unbedingt ein neues Zuhause braucht. PS.: Ich konnte als Kind nicht gut mit Hunden, wenig Erfahrung und auch Angst. Bis ich mit Ende Zwanzig ein Frau mit einem Border Collie kennenlernte. Er reichte mir die Pfote, ich ihm die Hand. Das hat mein Leben verändert und dafür bin ich dieser Ex wirklich dankbar. PS. 2: Hunde können nicht direkt Gedanken lesen, aber uns Menschen können sie lesen. Manchmal bin ich mit 3en unterwegs. Die Leithündin und ich kommunizieren auf Blickebene. Ich habe mich während des Studiums der Kommunikationswissenschaft sehr für die Kommunikation mit Tieren interessiert und fand es sogar in meiner „Vor Hunde Zeit“ etwas unverständlich, dass man im wesentlichen versucht mit Delfinen zu kommunizieren anstatt naheliegend mit den Tieren, die uns sehr tausenden von Jahren am nächsten sind. Hund und Katze. PS.: Hier in der Nähe wurde eine zehn Wochen alle Bulldogge gefunden, angebunden an einen Baum. An der Stelle denke ich mehr als radikal. Die kleine Bulldogge konnte gut vermittelt werden. PS.: Man glaubt nicht wie lieb sogenannte Kampfhunde sein können. Wenn kein „Kampfmensch“ die Leine hält.
Danke, Henryk. Ein Leben ohne tierische Gesellschaft – es können auch Katzen, Kragenbären oder Kamele sein – ist wirklich traurig. Ihr cooles Herumliegen auf Sofas und Konsolen wirkt unheimlich beruhigend. Und manche wortlose Inspiration würde uns entgehen.
Ein schöner aber trauriger Text, danke , Herr Broder! Als Hundebesitzer kann ich mitfühlen, den Hund zu verlieren ist ein extremes Ereignis, ich wünsche viel Kraft!
Genau so ging’s mir mit etlichen Katzen…. Auch hier gilt: Ohne Katze möglich, aber fad. Heilmittel: Schnellstens Ersatz und auf ein Neues.
Das der Schmerz und die Trauer über den Verlust des geliebten Tieres schnell vorübergehen möge. Und der nächste Nicolaus ist ja auch nicht mehr weit.