Der Diplom-Landwirt Dirk Andresen betreibt zwei Bauernhöfe in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Er war Sprecher des Vereins „Land schafft Verbindung“, der die Traktorenproteste Ende 2019 organisierte. Aus diesen Demonstrationen enstand auf Betreiben von Angela Merkel und in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Bauernverband sowie „Land schafft Verbindung“ die Zukunftskommission Landwirtschaft, dessen Mitglied Dirk Andresen ist. Er trifft regelmäßig Politiker wie Friedrich Merz oder Cem Özdemir, um landwirtschaftliche Anliegen zu vertreten. Im Interview schildert er den Einfluss des Ukrainekriegs auf die Lebensmittelversorgung. Das Gespräch führte Ulrike Stockmann.
Welche Folgen wird der Ukrainekrieg auf die Versorgung mit Lebensmitteln in Deutschland haben? Werden uns bestimmte Lebensmittel ausgehen und wenn ja, welche?
Dirk Andresen: Ich erwarte in diesem Jahr keine Ausfälle, aber wir werden sicherlich Einschränkungen im Bereich Sonnenblumenöl oder Senf haben – da diese vor allem auch aus der Ukraine kommen.
Eine schlussendliche Prognose zu machen, ist schwierig, da wir die aktuelle Ernte nicht eingefahren haben und wir das grundsätzliche Problem haben, dass zur Zeit auch wieder kein Regen fällt. Klar ist aber, dass zum Beispiel der fehlende Weizen aus der Ukraine und Russland circa 30 Prozent der weltweiten Weizenmenge ausmachen.
Dies wird auch der deutsche Verbraucher nachhaltig merken, und wir erwarten Preissteigerung von mindestens 30 Prozent bei einigen Produkten. Dramatischer ist die Lage im Jahr 2023, da hier die Folgen der jetzigen Krise massiv präsent werden.
Schon durch die Coronakrise ist es zu Lieferengpässen bei Lebensmitteln und anderen Produkten des täglichen Bedarfs gekommen. Wie sind aktuelle Versorgungsengpässe zu bewerten? Welche Krise ist für die Versorgung mit Lebensmitteln bedrohlicher – Corona oder der Ukrainekrieg?
Dirk Andresen: Lieferengpässe werden vor allem auch durch gestiegene Energiekosten und Betriebskosten entstehen. In diesem Bereich zum Beispiel durch die Logistik – LKWs, Traktoren oder auch die Gewächshausproduktion brauchen einfach Diesel, Gas oder Heizöl.
Ein weiteres wesentliches Problem ist der hohe Gaspreis, der dazu führt, dass der Düngerpreis sich vervierfacht hat. Mineralischer Dünger ist zumindest zu 45 Prozent am Ertrag beteiligt – und wird über das Haber-Bosch-Verfahren mit Gas erzeugt.
Darüber hinaus fehlt die absolute Menge Dünger – der zu einem sehr großen Teil aus Weißrussland (Kali), Russland und der Ukraine kommt.
Die Coronakrise hat im Ansatz keinen so hohen Einfluss auf die Versorgung gehabt – der aktuelle Ukrainekrieg ist deutlich schwerwiegender, da hier eine effektive verfügbare Mengenveränderungen stattfinden wird.
Wie bewerten Sie als Landwirt die deutsche Politik in Hinblick auf die Gewährleistung einer ausreichenden Versorgung der Bevölkerung?
Wir haben deutlich das Gefühl, dass die deutsche Regierungskoalition noch nicht begriffen hat, in welcher schwerwiegenden Lage wir uns befinden.
Speziell unsere Energie- und Ernährungsversorgung befinden sich in der sogenannten Zeitenwende. Jedoch hat unser Landwirtschaftsministerium dieses im Gegensatz zu beispielsweise Robert Habeck noch nicht erkannt.
Wir müssen uns die Frage stellen, ob wir es uns zu diesem Zeitpunkt leisten können – und zwar sowohl ethisch als auch moralisch – auf Ertragsmenge durch eine politisch befohlene Extensivierung zu verzichten.
Viele Länder in Afrika benötigen Lebensmittel beziehungsweise Getreide, um die Versorgung aufrechtzuerhalten. Aktuell hat sich der Getreidepreis verdreifacht und ist für viele Staaten wie zum Beispiel den Libanon oder Kenia unerschwinglich. Es fehlt auch hier der Dünger und sogar das Saatgut, um die nächste Ernte zu organisieren.
Die Transformation der Landwirtschaft ist aber das oberste Ziel des deutschen Landwirtschaftsministers, und die damit verbundene Extensivierung reduziert die Menge. Verstehen Sie mich nicht falsch, wir Landwirte können Veränderungen leisten, jedoch nicht mehr auf Kosten der eigenen Existenz. Viele meiner Berufskollegen haben aufgehört, und unsere Produkte kommen zunehmend alternativ aus dem klimaschädlich abgeholzten Regenwald.
Der deutsche Landwirtschaftsminister Cem Özdemir scheut sich, aktuell dazu Stellung zu nehmen. Ich würde mir wünschen, wenn wir uns im europäischen Rahmen bewegen würden und nicht einen deutschen Alleingang zu diesem Zeitpunkt organisieren.
Inwiefern sind wir für unsere Grundversorgung vom Weltmarkt abhängig?
Unser Ernährungsverhalten kann sich anpassen, insofern können wir einen großen Teil unserer eigenen Versorgung selbst darstellen. Jedoch haben wir zum Beispiel durch die Energiekrise, die wir jetzt erleben, das Problem, dass sich die Produktion in Deutschland nicht mehr lohnt.
Hinzu kommt, dass etwa der Mindestlohn, der im Herbst zum Tragen kommen soll, unsere Konkurrenzfähigkeit zum Beispiel bei der Apfelernte aushebelt. Denn die italienischen Äpfel werden ungefähr zum halben Preis gepflückt. Der Verbraucher schaut auf den Preis und honoriert die regionale Herkunft nicht ausreichend.
Welchen Rat geben Sie Verbrauchern anlässlich steigender Lebensmittelpreise? Gibt es Möglichkeiten, weniger hart von den Preissteigerungen getroffen zu werden?
Eine künstliche Verknappung durch Hamsterkäufe erhöht die Preise und muss aktuell nicht sein. Ich glaube, wir können es alle verkraften, dass wir eine Zeit lang auf Sonnenblumenöl verzichten, da es genug Alternativen gibt. Eine Nachhaltigkeit im Verbrauch und ein sorgsamer Umgang mit Lebensmitteln kann viel dazu beitragen – aktuell werden 40 Prozent der Lebensmittel weggeschmissen.
@Ilona Grimm.„… Vaterlandsverräter. Oder sagt man Volksschädling.. ? Beides trifft zu – und lässt sich dem “Berufsverbrechertum„ zuordnen! Frau Grimm, ihr Kommentar liefert eine sehr passende Beschreibung des “Regierungs- Deliriums„, welches sich mit der Machtergreifung Merkels manifestierte und seitdem auch symptomatisch in den hohlen Köpfen ihrer politischen Zöglinge weiter wirkt . Bestes Beispiel dafür ist dieser Dr. Mabuse der Neuzeit – der jetzige Krankheitsminister! MfG
Ich höre immer wieder die Klagen, es würden zu viele Lebensmittel weggeschmissen. Da lohnt es sich einmal etwas genauer hinzuschauen. Reinheitsgebote, Normen, Verbraucheransprüche und Nahrungskontrollen, die alle immer strenger werden, führen dazu, dass entweder die Züchtungen immer normierter werden oder immer mehr von der Ernte durch ein Raster fällt. Ein Beispiel: früher wurde zur Saftproduktion das Obst verwendet, was nicht in den Verkauf gehen konnte. Heute nehmen die Saftproduzenten nur noch 1a-Ware, da auch kleinste „Verunreinigungen“ zur Vernichtung ganzer Chargen führen. So kann ein einziger Apfel mit einer Stoßecke, wie sie auch beim „Fallobst“ (das früher zu Hause für den Saft verwendet wurde) vorkommt, durch diese „Verletzung“ zu einer nachweisbaren Keinbelastung des Saftes führen. Ob dieses Produkt wirklich gesundheitsschädlich ist oder geschmachlich beeinträchtigt, hat keine Bedeutung. Auffällig ist doch, dass bei Nahrungsmitteltests häufig gerade die Bio-Produkte wegen zu hoher Keimbelastung durchfallen. So könnte man durch andere Prüfverfahren und größere Toleranzen schon ganz einfach eine ganze Menge Lebensmittel retten. Auch der Verbraucher würde wieder lernen, dass man vieles einfach reinigen oder mit dem Messer zurichten kann, ohne sich zu „vergiften“ und so auch seinen Geldbeutel schonen kann.
@ Dr. Freund Da muss ich Sie auch gegen Frau Wahl in Schutz nehmen. Ihre Schilderung hat nichts mit 1945 zu tun, da ging es nochmal anders zu. Ich habe auch mindestens einen Vertreter dieser Spezies in der Familie: was einmal auf dem Tisch war, kommt nicht wieder in den Kühlschrank zurück, sondern in die Tonne. Und damit ist nicht zwangsläufig die braune gemeint. Und zu den anderen Lebensumständen muss ich Ihnen da auch Recht geben. Wir haben uns manchmal gefragt, wie in dem Haus, das meine Eltern für uns fünf gekauft und hergerichtet haben, vorher mal vier Familien gewohnt haben. Ich will nicht unbedingt wieder dahin zurück, aber kaufen Sie doch heute mal eine bezahlbare Hütte für zwei Personen plus ein Arbeits-/Gästezimmer. Verkauft wird überwiegend nicht weil zu klein, sondern weil nach dem Auszug der Kinder zu groß. Und Oma und Opa bekommen hier nicht ein Zimmer, sondern sie machen mit ihrem Caravan eine Weltreise (sagt das Fernsehen). Früher war nicht alles besser, heute aber auch nicht.
@Dr. Freund / 29.03.2022 – „Ich hatte den Vorteil, dass ich die Herkunft des Essens vor Augen hatte, Fleisch, Milch,Obst , Gemüse, Getreide…. Da geht man anders mit den Resourcen um.Verschwendung ist Sünde, muss mir keiner erklären.“ --- Meine Großeltern hatten beide Kriege erlebt. Die haben nie irgendwas verschwendet. Fast alles was sie taten, war effizient und ressourcenschonend. Die wussten, was Hunger und Not bedeuten. Sehr viele europäische Leute hatten oder haben kriegserfahrene Vorfahren, deren Erfahrungen die Familien geprägt haben. Die Grünen haben sich auch hier durch penetrantes Lügen einen Platz gesichert, indem sie uns seit über 40 Jahren vorwerfen, dass wir nicht ressourcenschonend seien.
Offensichtlich gibts bei Einigen große Mißverständnisse. Der Export von landwirtschaftlichen Erzeugnissen ist kein Wegwerfen auf den Müll. Deutschland exportiert jede Menge Agrarprodukte. Und es wird auch nicht alles aus der Landwirtschaft für den menschlichen Verzehr produziert. Die Landwirtschaft liefert jede Menge Rohstoffe. Diese angeblichen 40% auf den Müll sollen die Menschen aufhetzen, ihnen ein schlechtes Gewissen machen. Wenn man sich dagegen anschaut, was die Leute an Industrieprodukten wegschmeißen, ist immer noch eine Achtung vor Lebensmitteln sichtbar.
Ich bin selbst in der Landwirtschaft, wir haben seit 2004 Extensivierung in der Vieh-Haltung, haben das aber mit der Pacht eines neuen Hofs aufgegeben zugunsten einer optimierten Weidehaltung. Mutterkuh-Haltung mit Milch und eigener Futterproduktion. Am Ende des Jahres haben wir eine bessere Bilanz als meine Eltern mit ihrer intensiv Landwirtschaft. Auf 10 Jahre gerechnet ist unser Ertrag nur zwischen 25 bis 35% geringer, bei niedrigerem Aufwand und geringeren Kosten. Wir sind nicht mehr Bio- Zertifiziert weil uns die Kosten für den Verband zu hoch sind.
Mit entsprechender Pflanzenauswahl, anpassen an die sich verändernden Klimaverhältnisse und ein paar Abstrichen an die Bio-Anforderungen, kann jeder Hof gute Erträge erreichen und der Umwelt noch einen Gefallen tun.
Das Problem ist allerdings ein ganz anderes, weder gibt es noch genügend Zwei-Nutzungs – Rassen (z.B. Hühnerrassen oder Rinderrassen), noch sind entsprechende Pflanzen für den gewerblichen Anbau zugelassen. Die EU hat das so stark reglementiert das alte Pflanzensorten, die viel weniger anspruchsvoll an das Wetter sind, weniger Pflanzenschutzmittel brauchen und mittlere bis gute Erträge bringen nicht zugelassen sind.
Dagegen Hybrid Pflanzen die zwar Spitzenerträge bringen aber teilweise enormen Einsatz an Düngemitteln und Pflanzenschutz brauchen. Denn wenn die eine Anfälligkeit weggezüchtet wurde, kam eine andere dazu. Vor allem ist es eine Katastrophe für den Anbau von Nahrungsmitteln in Deutschland, wir haben ausreichend Flächen und gute Böden,wir haben engagierte Bauern, aber wer nicht Bio ist kriegt kaum mehr für seine Produkte, auch wenn sie verantwortungsbewusst produziert werden. Somit bleibt den meisten nur die Massenhaltung und der Anbau von Klima und Bodenfremden Produkten. Deutschland ist z.B. nur in kleinen Gebieten tatsächlich für Weizenanbau geeignet, eigentliche Pflanzen sind Hafer, Roggen und Gerste.
Und so weiter…Planwirtschaft hätte nicht schlimmer sein können.
@ Alfons Hagenau – Zitat: „Wenn man regional und frisch kaufen will, muß auf kleinere Läden oder Wochemärkte ausweichen. Absurderweise ist das regionale Obst und Gemüse nicht einmal teurer!“ – Das ist keinesfalls „absurd“, sondern allein der Tatsache geschuldet, dass dort entweder die Landwirte selbst, oder kleine Einzelhändler die Waren anbieten, die direkt in der Umgebung einkaufen. Es gibt keinen Großhandel dazwischen, und die Transportkosten sind ebenfalls niedrig.