Es ist, wie es ist: Ein Leben ohne Donald ist für die nächsten Jahre unmöglich, auch wenn es mancher für sinnvoll hielte.
Die Amerikaner sind zweigeteilt – in Fans und Verzweifelte. Als Nicht-Amerikaner und Journalist im Rentenalter beobachte ich Donald Trump seit Jahren gelassen aus der Ferne wie ein birdwatcher mit Fernglas. Als Fernglas dient das Internet, das es immer wieder ermöglicht, Trump live und herangezoomt zu erleben, ohne dass man auf die Interpretationen der medialen Kollegen angewiesen ist
Also, mein Typ ist er auch bei ungefilterter Beobachtung nicht. Ich hab's halt gerne ein bisschen eleganter und eine Spur kultivierter. Aber das ist den Amerikanern völlig wurscht. Donald Trump gibt sich nun mal als das, was die Demokraten einmal waren, ehe sie woke wurden: als Kumpel der Arbeiter. Damit spricht er so vielen dort drüben aus der Seele, dass Kamala Harris, die bevorzugte Kandidatin des deutschen politischen Establishments, sang- und klanglos einpacken konnte. Und mit ihr auf womöglich lange Zeit die allzu verkopft gewordenen Demokraten. Und jetzt müssen diesseits des Atlantiks die Damen und Herren, die in der binären Tagesschau nicht mehr erwähnt werden dürfen, sehen, wie sie mit diesem amerikanischen Urviech zurecht kommen.
Wenn man ihn nur klar eintüten könnte. Politisch – wenn auch nicht optisch – ist er für uns am ehesten als eine seelenverwandte Variante zu Sahra Wagenknecht zu beschreiben: Er ist mehrdeutig rechtslinks, während Sahra Wagenknecht mehrdeutig linksrechts ist. Sprachlich hebt er sich – zugegeben – deutlich von ihr ab. Am liebsten quasselt er einfach drauflos. Er selber nennt das „the weave“. Er „webt“ seine Sätze, kommt – wie man im Ruhrgebiet sagt – von Hölzken auf Stöcksken, findet aber immer zu seinen Grundaussagen zurück. Und die sind nun mal so populär, dass den feineren Demokraten das Hören und Sehen vergeht.
Friedensapostel aus buchhalterischen Gründen?
Nummer eins: Raus mit den Illegalen. Nummer zwei: Knallharte Zölle gegen all die Länder, die Amerikas Großzügigkeit ausnutzen. Nummer drei: Schluss mit den sauteuren Kriegen in Europa und Nahost.
Also ein Friedensapostel, wenn auch aus buchhalterischen Gründen? Ein klassischer Isolationist und Protektionist, was vor langer Zeit ja mal ein weltanschauliches Markenzeichen der Demokraten war? Oder vielleicht doch nicht? Ist er eher ein Imperialist, wenn er sich Panama und Grönland ins amerikanische Großreich einverleiben will? So wie William McKinley sich Ende des 19. Jahrhunderts Puerto Rico und Hawaii gegriffen hat? Oder ist er beides, wenn er Kanada mit Strafzöllen belegen und gleichzeitig als 51. Bundesstaat an die USA anschließen will? Oder scherzt er nur, wie seine Anhänger sagen?
Die Sache mit Trump ist, dass keiner weiß, was er tun und was er lassen wird. Im Augenblick tut er so, als wäre er schon Präsident. Da er es aber noch nicht ist, kann er auf den Putz hauen nach Herzenslust. Was aber wird er tun, wenn er für den Putz, auf den er haut, tatsächlich verantwortlich ist, wenn er also am 20. Januar ins Weiße Haus einzieht?
Er ist freier als bei seiner ersten Amtszeit, weil ihm Senat und Repräsentantenhaus gehorchen. Aber so frei, wie es scheint, ist er auch wieder nicht. Schon gibt es Zoff zwischen seinem Lieblingsberater Elon Musk und den Hardcore-Maga-Republikanern. Und das ausgerechnet im zentralen Thema des Wahlkampfes: Einwanderung und Massenabschiebung. Maga will die Grenzen dichtmachen, basta. Musk will sie für Fachkräfte weit offen halten, weil er und seine Tech-Milliardärs-Kollegen solche Leute aus aller Welt brauchen, egal ob pink, hellbraun oder dunkelbraun.
Unzureichend auf den Tsunami Trump eingestellt
Eine vertrackte Sache. Sie lässt sich nicht nach Trumps klassischer Methode lösen, die er als „Art of the Deal“ beschrieben hat. Verhandeln aus einer Position der Stärke. Anders gesagt: Ordentlich lospoltern, den Verhandlungsgegner erschrecken und dann ein Abkommen erzielen, das ihm, also seinem Amerika, mehr bringt als dem Gegner, der nach Abschluss des „Deals“ wieder ein Partner wird.
Hierzulande hofft man, dass es auch zwischen Trumps Amerika und Deutschland so ähnlich ablaufen wird. Wobei unsere Leute es ihm leicht machen, weil sie sich nur unwillig und also unzureichend auf den Tsunami namens Trump eingestellt haben. Immerhin wird in Sachen Rüstung mehr getan. Offenbar will man, weil der amerikanische Übervater droht, das Taschengeld zu kürzen, politisch erwachsen werden und militärisch weniger schnorren. Was nicht nur Trump fordert, sondern was alle seine Vorgänger im Weißen Haus gefordert haben. Der Unterschied: Der knallharte Trump wird ernster genommen, so gering man seine unfeine Art schätzt. Oder gerade deswegen.
Der Elefant in diesem politischen Raum ist natürlich die Ukraine. Trump wird den Krieg dort beenden, ungeachtet europäischer Solidaritätsbekundungen. Er kann Selenskyj mit Entzug von Geld und Freundschaft drohen. Und so zeigen, dass die europäischen Freunde der Ukraine vergleichsweise kleiderlos dastehen. In der Pariser Notre-Dame hat er den Ukrainer schon ein bisschen angewärmt. Und da Selenskyj als gelernter Oligarch auch zu verhandeln versteht, wird daraus schon etwas werden.
Allerdings muss Trump gleichzeitig einem möglicherweise widerspenstigen Putin mit einem Orkan an Sanktionen und Unterstützung für Selenskyj drohen, was das angeschlagene Russland vollends in die Knie zwingen könnte. Früher oder später wird es einen Deal geben, der beiden nicht recht schmecken wird, der aber erst einmal etwas Ruhe bringt und den Amerikanern eine Menge Geld spart. Uns als Nutznießer auch. Und dann? Europa, übernehmen Sie!
Die Unberechenbarkeit ist eine seiner Waffen
Auch auf dem anderen Kriegsschauplatz in Nahost wird Trump ernster genommen als Biden und andere Vorgänger. Und sei es nur, weil keiner ihn berechnen kann. Jedenfalls will Trump die Saudis näher an Israel heranschieben und die Iraner noch mehr vereinsamen. Man sollte nicht vergessen, dass Trump während seiner ersten Amtszeit einiges erreicht und sich getraut hat, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, indem er seine Botschaft dorthin verlegt hat. Der Mann hat Chuzpe. Man kann und muss hoffen, dass er in Nahost mehr aufräumt, als er Porzellan zerschlägt. Was ja auch passieren kann, denn er hat nun mal etwas von einem Elefanten.
Und da ist noch der Handelskrieg, den Trump an vielen Fronten angedroht hat, von Mexiko über Kanada und Europa bis nach China. Auch hier ist die Hoffnung, dass Trump den Putz, auf den er haut, nicht ganz von der Mauer fallen lassen will. Sondern dass er nur die Nachbarn erschrecken will, um sie weichzuklopfen.
Wie weit diese Hoffnung trägt, ist eine andere Frage. Die Welt verändert sich. Es ist denkbar, dass Trump die eigenen Kräfte, genauer: die Macht des heutigen Amerika, überschätzt und die der neuen Giganten unterschätzt. Die flott wachsende BRICS-Formation hat zwar viele kränkelnde Mitglieder, und selbst China schwächelt im Inneren. Aber die Macht des Dollars ist als politische Waffe nicht mehr so unumstritten, wie sie es einmal war. Dedollarisierung ist nicht nur eine Modeerscheinung. Und ein rotes Tuch für Trump.
Überhaupt: Keiner weiß wirklich, wie weit Trump was und wo treiben wird. Das Irrlichtern ist eines seiner Markenzeichen, die Unberechenbarkeit eine seiner Waffen. Und da auch der Rest der Welt irrlichtert und schwerer berechenbar ist, herrscht zu Recht eine allgemeine, weltweite Ungewissheit, Unruhe, bis hin zur German Angst.
Gewiss ist nur eines: Deutschland und Europa spielen in diesem neuen weltweiten Spiel keine Hauptrolle mehr. Wenn wir uns anstrengen, können wir allenfalls auf einen Oskar für die beste Nebenrolle hoffen.
Rainer Bonhorst, geboren 1942 in Nürnberg, arbeitete als Korrespondent der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) in London und Washington. Von 1994 bis 2009 war er Chefredakteur der Augsburger Allgemeinen-Zeitung.

Wer von uns die Faust in die Höhe recken und „Fight“! Fight! Fight!„ rufen würde, nach dem ihm gerade das halbe Ohr weggeballert wurde, der werfe den ersten Stein… mehr kann ich zu diesem Unsinn nicht sagen.
Ich weis seit mehr als zwanzig Jahren, dass ein Leben ohne Deutschland möglich ist.und das ist gut so.
@ T. Schneegaß – „wenn an den internationalen, rotgrünen Faschismus, der sich “Werte-Westen„ nennt,“ – Als erstes folgt relativ zeitnah auf den 20. Januar der Austritt der USA aus der WHO und dem „Pariser Klimaabkommen“ (nachdem die US-Großbanken bereits seit Wochen als Reaktion auf Trumps Wahl aus „Energiewendeprojekten“ ausgestiegen sind, die EU dann auf sich allein gestellt den C02freien Weltklimaretter geben darf, mit Volldampf vor die „Brandmauer“).
@ Tommaso Targi – „Nicht rundgelutscht, glatt und opportunistisch rückgratlos, sondern geradeheraus, hemdsärmelig, mit dem Herz auf dem rechten Fleck“ – So wie es hierzulande früher mal üblich war, sich „klardeutsch“ zu unterhalten, womit dann auch die Fronten geklärt waren. Danach wußte jeder, woran er mit dem anderen ist, trank mit ihm sodann ein Bier oder ging ihm aus dem Weg. Und Verträge galten auch mündlich und ggf. mit Handschlag besiegelt. Heute wird verklausuliert rumgelabert, so daß am Ende jeder alles aus dem Geschwurbel raus lesen kann. Und selbst schriftliche Verträge, wie zB 2+4 zur deutschen Einigung haben bezüglich der neuen NATO-Dienststelle in Rostock nicht mal den Wert des Papiers, auf das sie gedruckt sind. Da lob ich mir Leute vom Schlage Trump oder auch Putin, im Vergleich zB zu Merkel-Hollande und Minsk2.
„Gewiss ist nur eines: Deutschland und Europa spielen in diesem neuen weltweiten Spiel keine Hauptrolle mehr. Wenn wir uns anstrengen, können wir allenfalls auf einen Oskar für die beste Nebenrolle hoffen.“ – Der Oscar ist „uns“ so was von sicher, für die Übernahme sämtlicher Kosten für die „Restaurierung“ der nach US-Rückzug hinterlassenen Ruinen in zB Ost-Europa oder auch Gaza. Der Dank der Welt ist uns sicher gewiss, solange hier noch Schecks abzugreifen sind. Und wie der jüngste Auftritt bei den neuen syrischen Machthabern gezeigt hat, brauchts für die Schecküberreichung (hier: ich glaube 60 Millionen Euronen) noch nicht einmal händischen Kontakt. Bleibt die Frage, wozu die C02-belastete Flugreise dorthin am Ende gut war, außer sich grandios infolge Nichtbeachtung regionaler Eigenheiten (das von Personen, die angeblich der Achtung anderer kultureller Werte höchste Priorität einräumen, wobei die „feministische Außenpolitik“ in Anbetracht auf das Wirken dieser Regenten in Idlib eher keine Rolle gespielt haben dürfte. Ob dieserhalb analog zu den stetigen Forderungen an China, die Menschenrechte einzuhalten, auf das Recht der Frauen hingewiesen wurde, ihren Kopf unbeschädigt und funktionsfähig auf dem Hals zu behalten?) zu blamieren.
Das Establishment ist in Panik, schon mal ein gutes Zeichen. Traue Trump eine Menge zu und schöpfe wieder Hoffnung. NB: Was finden Sie denn an Sahra mit dem h an der falschen Stelle (der jüdische Name heißt Sarah) mehrdeutig? Das BSW ist eine handverlesene Kaderpartei mit sehr wenigen Mitgliedern und aus den Wolken gefallenen Millionenspenden, die diese eingefleischte Stalinistin (Chefin der „Kommunistischen Plattform“ linksaußen von der SED) sozusagen aus dem Boden gestampft hat. Ihr starres Gesicht ohne jedes Minenspiel mit der immer gleichen Schminke von rotbraunen Bäckchen und hochgezogenen Augenbrauen verrät doch, daß hier eine Art Apparat funktioniert (das wird die KI vielleicht bald noch ein bißchen liebenswürdiger können).
Konnte den Artikel nicht zu Ende lesen. Trump bashing vom Feinsten. Wiederholung aller falschen Klischees. Trumps Erfolge innen und außenpolitisch werden geflissentlich ignoriert. An den Taten und Ergebnissen soll die Politik gemessen werden. Der Autor hat nichts verstanden, weiß nicht wie Demokratie funktioniert und bevorzugt diktatorische Regime ohne Meinungsdifferenz – er bevorzugt auch „unsere“ Demokratie. Streit um die beste Lösung sind ihm zuwider. Er wählt sicherlich auch links wie CDUCSUFDPGRÜNELINKEBSW.