David Harnasch / 28.11.2011 / 18:48 / 0 / Seite ausdrucken

Leben im staatlich geföderten Ökokrematorium

Ich hatte Glück. Vor einigen Jahren benötigte ich einen Glaser, und wo er schon mal da war und der Schrecken über die letzte Strom- und Gasrechnung noch tief saß, erkundigte ich mich nach dem Preis moderner Fenster. Ich wohne klischeegerecht im Altbau und wenn es im Herbst stürmt, dann hängt der Vorhang schon mal im Winkel von 15 Grad in den Raum - wohlgemerkt bei geschlossenen Fenstern. Der Glaser hatte aber Berufsehre und vielleicht auch daher keinen Auftragsnotstand, weshalb er antwortete: “Machen sie das bloß nicht. Mit modernen, absolut dichten Fenstern ruinieren sie das Raumklima und ihnen schimmelt die Hütte weg. Und die wären derart teuer, dass Sie für den Gegenwert der Renovierungskosten noch locker dreißig Jahre den Aufpreis beim heizen finanzieren können.”

Bekanntlich muss ich über meine Stromrechnung verhindern, dass irgendwer sich Solarzellen leisten kann, bei dem sie sinnvoll wären (also Leute in armen, sonnigen Ländern ohne zentrales Leitungsnetz), weshalb es inzwischen nur noch 20 Jahre sein könnten. Dennoch blieb mir eine schwachsinnige Investition erspart, deren wertsteigerndes Potential vermutlich sowieso durch die großflächige Verschandelung der Nachbarschaft wieder aufgezehrt würde. Noch ist die Freiburger Wiehre ein ausgesprochen pittoreskes Altbauviertel, dessen ökologisch orientierte Einwohner zwar tapfer gegen Atome sind, aber dank der abgegriffenen Subventionskohle privat schon ein paar Kilowattstunden Ökostrom mehr finanzieren können. Die ersten vollversiegelten Häuser gibt es aber schon, und wenn die restlichen Fassaden in 20 Jahren alle aussehen, wie Lufschutzbunker dann war es das auch mit der bevorzugten Wohnlage.

Häuser die die Welt retten, verursachen aber nicht nur Augenkrebs, sondern haben noch zwei kleinere Kollateralnachteile: Im Brandfall kann man sie erstens wegen der Solardächer nicht löschen und zweitens kremieren sie ihre Bewohner dank der Zunder-Fassaden.

Hartgesottene Kohlensäurefeinde mögen das eine oder andere Todesopfer zur Verhinderung der Akopalütze in Kauf nehmen - ich gebe aber zu bedenken, dass so ein Großbrand eine wirklich schlimme CO2-Bilanz hat. Und das geht nun wirklich nicht.

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