Eugen Sorg, Gastautor / 29.06.2017 / 16:00 / Foto: Geolina 163 / 6 / Seite ausdrucken

„Lass sie krepieren!“

Von Eugen Sorg.

Vor zwei Wochen wurde der konservative amerikanische Kongressabgeordnete Steve Scalise Ziel eines Gewehrattentats. Täter war ein 66-jähriger Trump-Hasser und Bernie-Sanders-Anhänger. Scalise wurde von einer Kugel getroffen, überlebte aber, weil sich die für seine Sicherheit verantwortlichen Cops – zwei afroamerikanische Frauen – schützend vor ihn geworfen und den Angreifer erschossen hatten.

Kurz darauf postete der afroamerikanische Soziologieprofessor Johnny Eric Williams den auf Medium.com erschienenen Artikel «Let Them F*cking Die» («Lass sie krepieren») eines anonymen Autors auf Facebook. Der Artikel suggerierte, dass es falsch gewesen sei, das Leben des Abgeordneten Scalise zu retten, und führte eine Reihe weiterer Situationen auf, in denen es ebenfalls unangebracht sei, "ihnen" zu helfen. Mit "ihnen" waren die Weissen gemeint.

"Wenn du sie ertrinken siehst. Wenn du sie in einem brennenden Gebäude siehst. Wenn sie im Notfallraum verbluten. Wenn der Boden unter ihnen einbricht. Wenn sie im Park sind und die Waffen aufeinander richten: Mach nichts. Lass. Sie. Krepieren. Und lächle still dabei." Williams, Professor am Trinity College in Hartford, Connecticut, liess keinen Zweifel daran, dass er die Meinung des Autors teilte.

Diese Posts waren aber nicht bloss die singuläre Entgleisung eines Uni-Dozenten. Sie verweisen auf intellektuelle und moralische Verluderungen im gesamten akademischen Betrieb, auf einen neuen sich ausbreitenden Rassismus, einen schwarzen nun, aber dadurch nicht gescheiteren. Nicht nur in radikalen Zirkeln der black community, auch in progressiven weissen Kulturmilieus geniesst die aberwitzige Idee, die westliche Zivilisation sei ein einziger historischer Amoklauf weisser Männer gegen nicht weisse Völker, mittlerweile grosse Sympathien.

Er habe, schrieb Williams, die Nase voll von der «täglichen Gewalt der sogenannten Weissen» gegen Minderheiten, und es sei Zeit, «diese inhumanen Arschlöcher zu konfrontieren und die Sache zu beenden». Jeder weisse Professor, der vergleichbare Prosa über schwarze Mitbürger verbreitet hätte, wäre umgehend seines Amtes enthoben worden. Zu Recht. Johnny «Lass sie krepieren» Williams ist weiterhin Inhaber seines Lehrstuhls für Soziologie.

Zuerst erschienen in der Basler Zeitung

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Martin Landvoigt / 29.06.2017

Eine Sumpfblüte der Political Correctness - der doppelte Standard. Dem ist es wichtig, dass man Afro-Amerikaner sagt und nicht das N-Wort. Dass dürfen nur Afro-Amerikaner gebrauchen. Auch dummdreister Rassismus ist jenen erlaubt und zur Not der Meinungsfreiheit unterstellt, auch wenn sie nur die abgrundtiefe Hässlichkeit des Rassismusses offenbart, eine Entmenschlichung des Anderen.  Wo ist das Augenmaß geblieben, mit dem man Petitessen übergeht, aber Skandale nicht unter den Teppich kehrt?

Wilfried Cremer / 29.06.2017

Da sieht man mal, auf welches Niveau akademische Lehrstätten herabzusinken beginnen (auch im Hinblick auf den sogenannten Genderzwang). Man muss über neue Formen der Vermittlung von Bildung nachdenken.

Wolfgang Richter / 29.06.2017

Wer sich auf die Seite der selbst ernannten Moralhoheitler schlägt, kann sich offenbar unangefochten alles erlauben und bekommt auch noch Applaus dafür, sinnigerweise auch von den Kälbern, die sich in ihrer Einfältigkeit weigern, ihren vor ihnen stehenden, Messer wetzenden Metzger als genau diesen zur Kenntnis zu nehmen.

Ronald M. Hahn / 29.06.2017

In Afrika sind, wie wir wissen, alle Menschen lieb zueinander, und der Fakt, dass man dort seit der Entkolonialisierung nix, aber auch gar nix aufn Haufen kriegt, ‘ne aberwitzige Idee.

Frank Holdergrün / 29.06.2017

Es ist die letzte Sackgasse der meisten Soziologen, die sonst keinen Weg, kein Ziel, keine Strategie mehr aufweisen können. Ein irrer Amoklauf, ein Armutszeugnis, die ganze Leere einer Lehre kennzeichnend, deren totalitärer Wesenskern, der liebend gerechte Mensch,, diesem Bild in der Realität nicht entspricht.

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