Von niedlich keine Spur: Labubus sind die neuen Kuschelmonster für Erwachsene – und sehen aus, als würden sie Seelen zum Frühstück verspeisen. Wer braucht da noch Horrorfilme?
Bis vor Kurzem dachte ich, das Hässlichste auf deutschen Straßen sei ein Mullet – alias Vokuhila – in Kombination mit einem Schnauzer. Als würde ich ein 80er-Jahre-Fotoalbum meiner Eltern aufschlagen und habe mich mit Gewalt in die Vergangenheit katapultiert. Ich weiß, ich weiß… In den 80er Jahren war alles besser und die Welt ein besserer Ort. Aber das ist ein anderes Thema.
Der neue Champion in Sachen Geschmacks-Unsicherheit hat einen Namen, und er klingt wie ein Cartoon-Charakter auf Koks: Labubu. Und dieses Etwas hängt mittlerweile an unzähligen Schlüsselbünden erwachsener Menschen. Ich wiederhole: Erwachsener. Menschen.
Stellen Sie sich eine Mischung aus süßem Schlüsselanhänger und Horror-Emoji mit einem Ich-fresse-deine-Seele-Grinsen vor. Das Äquivalent zur Gartenzwerg-Sammlung mancher Leute – nur noch ein Ticken schärfer. Sogar die Tagesschau widmete diesen Geschöpfen einen Bericht:
„Entstanden ist die Idee zu den Labubus vor etwa zehn Jahren. Der Hongkonger Designer Kasing Lung schuf sie damals noch für seine Kinderbücher ,The Monsters‘, bei denen er von nordischen Mythen inspiriert wurde. Die Zusammenarbeit mit dem chinesischen Unternehmen Pop Mart machte sie 2019 dann berühmt. Das Konzept von Pop Mart: Spielzeugfiguren für Erwachsene.“
Erwachsene. Spielzeugfiguren. Ich sag's ja nur.
Das Prinzip von Schlüsselanhängern verstehe ich ja. Ohne hätte ich sowohl Wohnungs-als auch Büroschlüssel noch häufiger verlegt, als es ohnehin schon ständig passiert. Das Problem bei den Dingern ist allerdings, dass sie aussehen wie ein Dämon to go.
Ich finde schon Schutzengel mit Auto grenzwertig, aber diese puscheligen Wesen schlagen dem Fass den Boden aus. Und allein nachts nach Hause zu gehen, ist ohnehin unangenehm genug. Wenn ich dann noch den Schlüssel aus meiner Tasche im Halbdunklen rauskramen muss und dann starrt mich so ein Vieh mit Haifischzähnen an. Wer braucht da noch Horrorfilme? Das Allerschärfste daran: Ein Netflix-Abo für Horrorfilme wäre billiger – und weniger verstörend.
Wo bleibt der Exorzist?
Auf otto.de fand ich folgendes Exemplar für schlappe 499,99 Euro. Oder hier das Dreier-Set für gleich 1.499,99 Euro – vermutlich inklusive seelischer Schäden. Die Beschreibung von einem der kleinen Monster war besonders großartig: „Have a Seat Edition – Secret Labubu. Die subtile Schönheit des Alltags, eingefangen in einer entspannten Pose. Diese Secret-Figur strahlt eine besondere Ruhe und Tiefe aus – mit liebevoll gestalteten Accessoires und minimalistischer Eleganz.“
Hab ich schon Wahnvorstellungen? Wenn das Ding „Ruhe und Tiefe“ ausstrahlt, wie sieht es dann aus, wenn es Panik und Angstzustände auslöst? Ich will es gar nicht wissen, sonst muss noch ein Exorzist her!
Vor drei Wochen wurde übrigens in Berlin der erste Labubu-Store im Einkaufszentrum Alexa eröffnet. Wer zu viel Geld hat oder irgendjemand erschrecken will, wird hier fündig. Die Schlange zur Eröffnung war riesig und die Käufer erwachsene Menschen, die entweder zu viel Geld haben oder die Dinger noch teurer weiterkaufen wollen.
Mut zur Hässlichkeit! Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sage, aber: Da lob ich mir die Hutkollektion von Henryk M. Broder. Oder die Winkekatze vom Kollegen Peter Grimm. Schrullig kann man ertragen. Verstörend – eher nicht.
Marie Wiesner, Jahrgang 1999, arbeitet in der Redaktion der Achse des Guten.
Beitragsbild: Pop Mar Fair use, via Wikimedia Commons

Passend zur Jahreszeit. Eine Geschenkidee für Weihnachten, und sonst so. Just in time. Die Nanas waren gestern. Stimmt. Danke!
2,50 Euro bei temu. Und sieht genauso aus wie der vom Otto Versand. Wahrscheinlich aus der gleichen Fabrik. Man muss wirklich verrückt sein so viel Geld auszugeben für so ein hässliches Ding. Aber warum kommt das in der Tagesschau? Haben die nicht mal gesagt, sie würden nur über relevante Dinge berichten?
499,99 €, also 500 Ocken für so’n Scheiß? Was soll das? Dafür kann man für’n ganzen Monat Fressalien kaufen.
Es gab selten so ein hochpräzises Inatrument zur Messung der Weltdummheit.
Fazit: Wir sind verloren.
(2) Wünsche Ihnen einfach mehr Mut, der Häßlichkeit direkt ins Auge blicken zu können. Wenn Sie das aushalten können, bekommen Sie eine Ahnung davon, wie es häßlichen Menschen geht. Ohne Häßlichkeit gibt es auch keine Schönheit. In unserem dualen Universum bedingt sich beides.
Spiegelbild der Gesellschaft. Und die dürfen alle wählen gehen…
Werte Frau Wiesner, ich als Angehöriger Ihrer Elterngeneration, wußte gar nicht, daß es dieses Zeugs gibt. Wozu auch? Wenn ich mir die Masse „Erwachsener“ auf dem von Ihnen verlinkten gewerblichen Friedhof der Kuscheltiere zu Berlin anschaue, so gehören diese Erwachsenen alle Ihrer! Generation an. Bedenken Sie, das Hirn des Menschen ist erst mit 25 Jahren „ausgewachsen“ & erst ab ca. diesem Alter bildet sich der Mensch eine eigene Meinung. Ab jetzt bekommen Sie, Frau Wiesner, auch Falten der Weisheit im Gesicht & sonstwo. Die Unausweichlichkeit der Degeneration des Älterwerdens schenkt Ihnen dann auch mehr Gelassenheit bezüglich jeglicher Ausprägung von Stil-Epochen, dem schnöden Äußerlichen. Vokuhila war völlig unpraktisch. Schauen Sie Sich das Video „Too Shy“ von Kajagoogoo an, in den 80ern ein Riesen-Schlager. Damit diese Kackfrisuren einigermaßen gut aussahen, war der friseurtechnische Aufwand enorm, für nicht-schwule Männer ein grausames Unterfangen. Auch die schnittige Herrenfrisur aus den 20-50ern, außen kurz, das Deckhaar etwas länger, macht nur den Friseur reich, wenn die Frisur wirken soll. Weil ich eine faule Sau bin, trage ich mein Haar lang, wie der alte Jon Lord (+2012), & binde es in einem kurzem Zopf zusammen. Das sieht gar nicht wirklich gut aus, verleiht aber im Alter etwas Erhabenheit & ein Friseurbesuch alle 3 Monate reicht. Die Wikinger, wie auch die Asiaten, pfleg(t)en eine Drachenkultur. Bei uns kamen aber die Kultur-Vernichter aus dem Morgenland, welche die Drachen in die Anderwelt vertrieben. Manchmal kann man noch morgens auf feuchten Wiesen den „Atem eines Drachen“ sehen. Daß Sie davor Angst haben, ist kein Wunder. Habe mir Ihr schönes Autoren-Photo angesehen. Sie sehen, bis auf die Brille, aus, als wären Sie gestern aus einem viktorianischen Mädchenpensionat entlassen worden, wie ein weiblicher Darsteller direkt aus dem Australischen Film „Picknick am Valentinstag“ (1975), nicht von schlechten Eltern.