News-Redaktion / 05.12.2019 / 13:00 / 0 / Seite ausdrucken

Labour-Video über Minderheitenschutz lässt Juden weg

In einem Kampagnenvideo der britischen Labour-Partei, in dem es um Minderheitenschutz geht und die Vielfalt Großbritanniens zelebriert wird, werden die Juden einfach weggelassen. In dem rund einminütigen Clip würdigt die Labour Schattenministerin für Gleichstellung und Frauen, Dawn Butler, u.a. Menschen mit „Kopftuch, Turban oder Kreuz“, „Schwarze, Weiße und Asiaten“, Fahrendes Volk, Schwule, Heterosexuelle, Behinderte, Alte, Junge, Arbeiter und Sozialmieter. Nur die große jüdische Gemeinschaft des Landes war offenbar keine Erwähnung wert.

Das Video soll offenbar das kürzlich veröffentlichte „Rassen- und Glaubens-Manifest“ der Partei bewerben. Auch der Labour-Chef und Kandidat für das Amt des Premierministers, Jeremy Corbyn, hat es bereits in den sozialen Medien geteilt. In Großbritannien finden am 12. Dezember die Wahlen zum Unterhaus statt.

Laut Medien wie „Jewish News“ oder „The Jewish Chronicle“ ist die jüdische Gemeinschaft entsetzt über das Machwerk. Der Vorsitzende des „Jewish Leadership Council“, Jonathan Goldstein, habe es wie folgt kritisiert: „Absichtlich ein Video zu produzieren und zu bewerben, das im aktuellen gesellschaftlichen Klima über Minderheiten spricht und die jüdische Gemeinschaft nicht erwähnt, offenbart wirklich Labours blinden Fleck. Es zeigt, dass sie Antisemitismus und andere Formen von Rassismus nicht als gleichwertig betrachten. Man kann nur zu dem Schluss gelangen, dass das erschreckend ist.“ Auch der „Holocaust Educational Trust“ habe das Video kritisiert. Ein Sprecher der Labour-Partei habe allerdings darauf hingewiesen, dass die jüdische Gemeinschaft und Antisemitismus im Rassen- und Glaubens-Manifest durchaus erwähnt werden.

Labour ist seit einigen Monaten wegen des internen Umgangs mit antisemitischen Äußerungen unter Beschuss. Die britische staatliche Kommission für Gleichberechtigung und Menschenrechte (EHRC) untersucht seit März dieses Jahres, ob es Anhaltspunkte dafür gibt, dass die Partei „institutionell antisemitisch“ ist (Achgut.com berichtete). Eine solche Untersuchung einer politischen Partei wegen rechtswidriger Diskriminierung gab es in der britischen Geschichte bislang erst einmal. Sie richtete sich gegen die rechtsradikale British National Party (BNP).

Auch der britische Oberrabbiner Ephraim Mirvis ist alarmiert. Am 25. November mischte er sich in den laufenden Wahlkampf ein, mit dem Aufruf, Corbyn nicht zum Premierminister zu machen. Der Judenhass sei ein Gift, das von ganz oben gebilligt werde und sich in der Partei festgesetzt habe. Es folgte ein in den britischen Medien viel diskutiertes Fernsehinterview, in dem der Labour-Chef sich mehrfach weigerte, sich für seinen bisherigen Umgang mit dem Thema Antisemitismus zu entschuldigen (Achgut.com berichtete). Wenige Tage später tauchte schließlich ein Interview eines iranischen Fernsehsenders aus dem Jahr 2011 auf, in dem Corbyn das Existenzrecht Israels infrage stellt (Achgut.com berichtete).

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