Eine Arbeitsgruppe der oppositionellen britischen Labour Partei wird laut einem Bericht der „Times“ die Wiederherstellung der sogenannten „Klausel Vier“ (Clause Four) der Parteicharta aus dem Jahr 1917 prüfen. Der umstrittene Passus forderte die Kollektivierung der Produktionsmittel und wurde 1995 auf Vorschlag des damaligen Parteivorsitzenden und späteren Premierministers Tony Blair geändert.
Die ursprüngliche Formulierung lautete: „… um für die Arbeiter die Früchte ihrer körperlichen oder geistigen Arbeit zu sichern“, auf der Basis „des gemeinsamen Eigentums an den Produktions-, Verteilungs- und Tauschmitteln“. 1995 wurde daraus Unterstützung für: „… eine dynamische Wirtschaft, die dem Gemeinwohl dient, in der der Unternehmungsgeist des Marktes und die Härte des Wettbewerbs sich mit den Kräften der Partnerschaft und Kooperation vereinen, um den Wohlstand zu produzieren, den die Nation braucht“. Die Änderung markierte eine Wende in der Ausrichtung der Labour Partei, weg von marxistisch-sozialistischen Ideen und hin zur gemäßigten sogenannten Politik des „dritten Weges“.
Nach Angaben der „Times“ hatten Labour-Mitglieder aus dem schottischen Dundee im Vorfeld des Jahresparteitags, der vom 21. bis zum 25. September im Küstenort Brighton stattfinden soll, einen Antrag zur Wiederherstellung von Klausel Vier eingereicht. Die ursprüngliche Formulierung weise den Weg zu einer „sozialistischen Transformation der Gesellschaft“. Das Nationale Exekutivkomitee der Partei habe daraufhin beschlossen, die Arbeitsgruppe zu Klausel Vier einzurichten, und die Mitglieder gebeten, ihren Antrag zurückzuziehen. Ob dies geschehen wird oder ob der Parteitag am Wochenende entgegen der Wünsche der Parteiführung über den Antrag der Basis debattieren und abstimmen wird, sei zurzeit unklar.
Die Labour-Partei hat seit der Wahl ihres neuen Vorsitzenden Jeremy Corbyn im Jahr 2015 einen deutlichen Linksschwenk vollzogen. Das gefällt nicht allen Mitgliedern. Auch die aktuelle Debatte über Klausel Vier ist nach Angaben der „Times“ auf scharfe interne Kritik gestoßen. So habe der sozialdemokratische Bürgermeister von London, Sadiq Khan, den Passus als „unpassend“ bezeichnet, für eine Partei „die regieren will“. Die Klausel sei „bereits vor 25 Jahren überholt gewesen, ganz zu schweigen von 2019“.
