Bei der UN-Vollversammlung 2018 warnte Donald Trump Deutschland vor Nord Stream 2. Die deutsche Delegation um Heiko Maas lachte höhnisch. Hochmut kommt eben vor dem Fall.
Es ist eine Binsenweisheit, dass sich in Krisen der Charakter zeigt. In der Politik kommt in Krisen außerdem die Fähigkeit der Regierenden, mit Konflikten umzugehen zum Vorschein. Die turbulenten 2010er Jahre – Griechenlandkrise, Eurokrise, Flüchtlingskrise – und die bislang noch rasanteren 2020er mit Coronakrise und dem Ukrainekrieg konfrontieren die Politik mit scheinbar immer größeren Herausforderungen, die jedoch immer schlechter bewältigt werden, sodass sich ein ungelöstes Problem auf das nächste stapelt. Kompetenz ist in Zeiten wie unseren absolut unerlässlich, und doch scheinen unsere Protagonisten auf dem politischen Parkett diesem Anspruch immer weniger gerecht zu werden.
Daher lohnt es sich, immer wieder auf diesen gefährlichen Missstand hinzuweisen, erst recht, wenn peinliche Beweise für die Kompetenz-Lücke unseres Politstabes vorliegen, die obendrein mit Hochmut und Selbstüberschätzung gepaart sind. So verhält es sich mit einem Video von der 73. UN-Vollversammlung, die am 18. September 2018 eröffnet wurde. Dort sagte Donald Trump in einer Rede: „Deutschland wird vollkommen abhängig von russischer Energie werden, wenn es nicht sofort seinen Kurs ändert.“ Der ehemalige US-Präsident zielte damit auf das deutsch-russische Gasprojekt Nord Stream 2 ab.
Die Reaktionen auf den Gesichtern der deutschen Delegation um den damaligen Außenminister Heiko Maas sind oscarreif: Höhnisches Lachen, Kopfschütteln und ungläubiges Stirnrunzeln, so als hätte Trump etwas unfassbar Komisches geäußert. Die Bild Zeitung präsentierte damals den fraglichen Video-Ausschnitt in einem Kurzbeitrag, der vor dem Hintergrund der aktuellen deutschen Gas-Misere plötzlich ein Dokument veritabler Dummheit geworden ist. Das Internet hält solche unsterblichen Momente immer mal wieder fest.
Am Rande der UN-Debatte hatte Maas die Vorwürfe Trumps zudem mit selten geistreichen Äußerungen zurückgewiesen: Die Bundesregierung werde „nicht müde werden“, dieser Kritik die „echten Fakten entgegenzusetzen“. Denn: Die Pipeline sei „kein politisches Projekt“, sondern in erster Linie ein wirtschaftliches. Dass dies im Kriegsfall niemand mehr interessiert, zeigt sich jetzt.
Denn mittlerweile hat Deutschland die Genehmigung der Inbetriebnahme von Nord Stream 2 angesichts des Ukrainekrieges vorläufig auf Eis gelegt. Als Reaktion darauf drohte Russland erstmals mit einem Gaslieferstopp durch Nord Stream 1. Dass dies besonders komisch wäre, würde es in die Tat umgesetzt, wage ich stark zu bezweifeln. Aber wie heißt es so schön: Wer zuletzt lacht …
Beitragsbild: Dominik Butzmann / re:publica - Future Affairs Berlin 2019 CC BY-SA 2.0 via Wikimedia Commons

In diesem Zusammenhang erwähnenswert: Helmut Schmidt im Bild-Interview zur Ukraine Politik 2014. Er warf der EU Größenwahn vor. Schmidt weiter: „“Ich halte nichts davon, einen dritten Weltkrieg herbeizureden, erst recht nicht von Forderungen nach mehr Geld für Rüstung der Nato. Aber die Gefahr, dass sich die Situation verschärft wie im August 1914, wächst von Tag zu Tag.„ Auch seine Warnhinweise wurden nicht ernst genommen.
Die Abhängigkeit von Rußland liegt aber nicht an der zusätzlichen Gastrasse, sondern an der „besoffenen“ sogenannten Energiewende. Ansonsten stimme ich Ihrer Einschätzung von Heiko Maas zu.
@ Johannes Schuster
Hallo !
Ich zitiere Sie: „ …Man braucht Inneneinblicke und diese sind mit Geruch – Dummheit und Verschlagenheit gepfeffert.“
Nun verschlagen ist auch Putin. Gibt es da eine gewisse Seelenverwandschaft zwischen ihm und deutschen Putin-Trolls ?
MfG
Werner Pfetzing
Naja, da ich gegenüber dem Maas MdB inzwischen eher Mitleid als Verachtung übrige habe, muss man zugestehen, dass es kein höhnisches Lachen war, sondern nur ein dümmlich-arrogantes Lächeln. Falls es allerdings stimmen sollte, dass das Handtuch im „Netz“ dafür gefeiert worden sei: Sollten Social-Media-Esel mich jemals feiern, würde ich mich in eine Einsiedelei zurückziehen und fortan schweigen.
Heiko Maas, der größte Staatsmann aller Zeiten und der gewiefteste Taktiker und Stratege der Welt.
Wenn Putin weg ist, dann werden wie froh sein an Nord Stream 2 – lassen wir es nicht verrotten. Gedankenexperiment: Der Westen leuchtet nicht, er ist so beschissen trist wie Росси́я сего́дня, also R. heute; Russland hingegen leuchtet, hat ein BIP von weit mehr als Italien heute, während hier im Westen vegetieren die Leute in Trübsal, wie der Moslem in seinen Sauställen – und alle wollen nach Russland, genau deswegen. Weil wir was rauben wollen, unseren Machtbereich vergrößern wollen, usw. Der Russe hat Angst, weil wir Atomwaffen haben, lässt sich erpressen – eine feine Idee, oder? Wir sagen den Russen: Warum wehrt ihr euch nicht, ihr Feiglinge. Gut, ihr wisst, dass wir „Iskander“-Raketen haben, die euch in wenigen Minuten den Garaus machen können – so wie Росси́я сего́дня von seiner Exklave nördliches Ost-Preussen aus, also von Kaliningrad aus. Und warum leuchtet ihr so unverschämt – klar, dass wir das haben wollen, ihr Dummköpfe. Russische. Ihr seid wie die dummen Weiber, die sich aufbrezeln und sich dann wundern, dass jeder mal drüber will – wie blöd ist DAS denn? Hoffentlich habe ich mich verständlich ausgedrückt.
Ich bin sehr weit davon entfernt, deutschen Politikern auch nur ein Mindesmaß an Intelligenz zuzusprechen. Darüber hinaus bin ich ein großer Trump-Fan. Aber nein, Nordstream 2 war noch nie das Problem, eher doch die Lösung. Die jetzt, natürlich, suspendiert wurde. Man kann „den Russen“ viel vorwerfen, aber sie haben immer alle Verträge erfüllt. Russische Rohstofftransporte rollten noch nach Westen, als die Wehrmacht am 22. Juni 1941 Operation Barbarossa initialisierte.