Schon die Vorgeschichte spottet jeder Beschreibung. Zehn Monate Wartezeit nach Ablauf der Aufenthaltserlaubnis. Ein Zustand, den man uns seit den Corona-Jahren als „normal“ verkauft, der es aber vor 2020 nie war. Was man aber absolut nicht mehr schlucken kann, ist die logikfreie Kälte, die einem hinter den Schreibtischen entgegenschlägt.
Meine Frau, Diplom-Betriebswirtin für Tourismus, perfekt integriert, scheiterte bei der unbefristeten Aufenthaltserlaubnis an exakt zwei Punkten, die ihr zum B1-Sprach-Zertifikat fehlten. Warum? Weil die faktische Amtssprache im Klassenzimmer ihres Deutschkurses Arabisch war. 22 Personen saßen dort, 20 davon sprachen Arabisch. Am Ende bestanden genau drei Teilnehmer – zwei davon verheiratet mit einem Deutschen und ein Dritter, der nur die Absicht hatte, in Deutschland Deutsch zu lernen, um dann nach Argentinien zurückzukehren. Hätte der Kurs länger gedauert, hätte meine Frau wohl eher Arabisch-A1 gelernt. Eigentlich vorausschauend, wenn man bedenkt, dass in manchen politischen Kreisen schon laut darüber nachgedacht wird, Arabisch an Schulen einzuführen, damit Schüler ihre Arbeiten nicht mehr auf Deutsch schreiben müssen.
Ein eiskaltes bürokratisches Ultimatum
Als der Vulkan in mir die ersten Rauchzeichen gab und meine Frau verzweifelt meinen Arm drückte, fragte ich die Beamtin nach dem Ermessensspielraum. Zumal der Test „Leben in Deutschland“ längst bestanden war. Die Quittung: Ein eiskaltes bürokratisches Ultimatum. Entweder den Antrag auf unbefristetes Aufenthaltsrecht sofort zurückziehen oder eine kostenpflichtige Ablehnung kassieren. Es klang brutal, fast so, als mache es der Dame Spaß.
Ich hielt es nicht mehr aus und hielt ihr die Realität vor Augen: Ich habe in meinem Leben als Erziehungsbeistand Analphabeten begleitet, die ihre Einbürgerungsurkunde mit einem Kreuz unterzeichneten. Ohne ein Wort Deutsch, von B1 ganz zu schweigen. Das funktioniert im besten Deutschland aller Zeiten reibungslos. Aber eine Frau, deren Ehemann und Sohn Deutsche sind, die absolut assimiliert ist und für Demokratie und Grundgesetz kämpft, wird wegen zwei Punkten schikaniert. „Gehen Sie zur Einbürgerung, nicht unsere Abteilung“, lautete die eiskalte Abfertigung.
Zuletzt wollte man noch Mietbescheinigungen und Gehaltsnachweise von mir. Wofür? Ich bin Deutscher, unser Sohn ist Deutscher. Man kann meine Frau nicht ausweisen. Diese bürokratische Schikane dient keinem staatlichen Zweck – sie dient nur der Zermürbung. Eine Kollegin mit Migrationshintergrund lächelte im Hintergrund verständnisvoll vor sich hin. Sie wusste genau, was hier abläuft.
In vier Wochen bekommt meine Frau den Ausweis, aber die Frist läuft erst ab Lieferung der fehlenden Unterlagen, die eigentlich nicht fehlen, aber die Bürokratie komplettieren. Wenn mir eines Tages etwas passiert und mein Körper diesen Irrsinn nicht mehr mitmacht, wissen Sie Bescheid: Ich bin an einer deutschen Formalität krepiert.

Herr Dener, machen wir uns nichts vor. In den Amtsstuben sitzen noch dieselben Vögel wie vor 85 Jahren, die damals mit stolz geschwellter Brust eine Frau deportieren ließen, deren 3 Söhne für Kaiser, Volk und Vaterland an der Front gefallen waren. Selbst schuld, wenn zum B1-Ariernachweis 2 Punkte fehlen. Einen strammen Gruselmusel würde man durchwinken, nicht aus Menschlichkeit, sondern weil es gerade opportun ist. Arschgeigen gibt es natürlich überall auf der Welt, aber diese Diskrepanz zwischen dem unterschwellig dominanten Primatenstammhirn und dem hochmoralisch- protestantisch gedrillten Neokortex ist hierzulande besonders hoch und sorgt regelmäßig für deutsche Verrücktheiten. Ich durfte so etwas mal in einem völlig anderen Zusammenhang (Fachkundebescheinigung als Grundlage der Röntgenerlaubnis) durchfechten. Gefordert war 1 Jahr Berufserfahrung, ich hatte 30 und wurde mit immer neuen Kleinigkeiten traktiert (Zeugnisse von längst verstorbenen Chefärzten). Meine Bitte um Beachtung der Verhältnismäßigkeit sorgte für blanke Entrüstung. Wie ich es wagen könne, um Verwässerung ihrer Sorgfalt nachzusuchen, sie retten doch schließlich die Welt, diese … Weiber.
Sie kennen doch Kafkas berühmte Parabel „Vor dem Gesetz“, die oft fälschlicherweise als „Die Tür“ oder „Der Türhüter“ bezeichnet wird – die wird gerade flächendeckend in Deutschland aufgeführt, doch keine Sorge, das geht vorüber, das mit Deutschland, oder?
Wenn man sich mal vor Augen führt, was so alles in der BRD – völlig überflüssigerweise -herumwimmelt. Und das, wahlweise zum Verdruß oder zur Erheiterung, in Teilen sogar mit Deurschem Ausweis. Und dann muss man solche Erfahrungen machen.. Mein Verständnis haben Sie.
Womöglich arbeitet Ihre Frau hier noch und zahlt Steuern? Und Sozialbeiträge?
Ganz schnell abstellen!
Das kann ich wirklich jedem nur empfehlen: hört, soweit möglich, auf zu arbeiten oder reduziert so weit, bis ihr keine Steuern mehr zahlt. Man muß diesem System Geld entziehen, dann geht’s schneller zu Ende.