Jeder weiß: Besserwisser nerven. Jeder auf seine eigene Weise. Doch was haben sie alle gemeinsam?
Geschenkt. Besserwisser mag keiner. Sie sind überheblich und eingebildet. Deswegen gilt auch hier: Achtung, geistiger Sicherheitsabstand. Doch sobald Besserwisser*innen anfangen die Welt zu retten und sich in das Leben anderer Leute einzumischen, dann werden sie einfach nur noch eins: unerträglich - wie der Fußpilz, der einfach nicht verschwinden möchte.
In seinem Buch, „Hauptsache Haltung. Von kleinkarierten Besserwissern im Strebergarten“, beschäftigt sich der Publizist, Hans-Dieter Rieveler, mit genau diesen Besserwisser*innen. Darunter versteht er all jene Linke, Grüne und Linksliberale, die sich zwar dem Kampf der Gerechtigkeit verschrieben haben – abstrakt, theoretisch, rhetorisch -, de facto aber nur für ihre eigenen Interessen einstehen. Skrupellos, zerstörerisch, egozentrisch.
Was diesen Zirkel der Besserwisser*innen kennzeichnet? (1) Die Überzeugung im Besitz der absoluten Wahrheit zu sein, (2) dass die Welt nur aus Opfer- und Tätergruppen bestehen würde und (3) dass mittels der Sprache die Welt verbessert werden könnte. Klingt abstrus, beschreibt aber pointiert die Grundüberzeugung dieser besserwissenden Weltverbesser*innen. Um das zu untermauern, bedient sich Rieveler mehrerer Themenbereiche.
Einmal verdeutlicht er, dass es sich bei diesen Besserwisser*innen ausschließlich um finanziell besser stehende Linke, Linksliberale und Grüne handele, die sich nur um sich selbst drehten. Deswegen interessierten sie sich nicht für die wirklich wichtigen Probleme in der Gesellschaft: wie zum Beispiel finanzielle Ungerechtigkeiten. Weiterhin interessierte es sie auch nicht die Bohne, dass ihr undurchdachter Aktivismus die Gesellschaft mehr und mehr spalte, und letztlich destabilisiere.
„Opferbingo“
Stattdessen glaubten diese Besserwisser*innen „mit Sprach- und Symbolpolitik die Realität in ihrem Sinne umgestalten zu können“. Einerseits nutzten sie hierbei eine Mischung aus Deutsch und Englisch - um sich als Mitglieder einer internationalen „community“ zu präsentieren. Andererseits spielten sie sich als Tugendwächter der Sprache auf. Indem sie maßlos genderten und politisch korrekt sprächen. Das zeige sich in Dutzenden von sinnentleerten Debatten, wie etwa diejenige, ob man überhaupt nunmehr vom „webmaster“ reden könnte. Der Begriff „Webmaster“ beinhalte nämlich den negativ konnotierten Begriff des „master“. Denn der versklave Menschen.
Ein weiteres, ähnlich wenig zielführendes, dafür aber genau so destruktives, Hobby der Besserwisser*innen sei die Identitätspolitik. Statt sich auf den wirklich diskriminierenden und universalistischen Faktor des sozio-ökonomischen Status bzw. der Klasse zu fokussieren, würden immer wieder neue Opfergruppen entdeckt und neu konstruiert. An den sozio-ökonomischen Zuständen oder Missständen änderte sich so absolut gar nichts.
Stattdessen träten Opfergruppen unsinnigerweise in Konkurrenz, was zu einem „Opferwettbewerb“ und „Opferbingo“ führe. Das ultimative Opfer hierbei? Die gut betuchte Frau. Ihr schlimmster Opponent? Der weiße Mann. Das gehe sogar so weit, dass das Mann-Sein als Erklärung für Straftaten von muslimischen Migranten genannt werde. Obwohl hier eindeutig der kulturelle Hintergrund ausschlaggebend gewesen war.
Der schwarze Peter
Doch wie Rieveler bereits früher richtigerweise erklärte: „Wenn die Fakten nicht zur Theorie passen, dann muss irgendetwas mit der Realität nicht stimmen“. Deswegen dächten sich die Besserwisser*innen Dutzende von Narrativen aus. Das Narrativ vom „alten, weißen Mann“ zum Beispiel. So könnten sie elegant die Fakten verdrängen, ihrem Gegner den schwarzen Peter zuschieben und sich moralisch überlegen fühlen.
Doch alles andere als moralisch überlegen, fühlt sich Rieveler. Statt wie die Besserwisser*innen zu moralisieren, beschreibt, erklärt und argumentiert er. Sachlich und um Objektivität bemüht. Das ganze untermauert er zusätzlich mit zahlreichen spannenden Beispielen, Umfrage- und Studienergebnissen.
Wer demnach ein kleines Psychogramm der aktivistischen und weltverbessernden Besserwisser*innen erhalten möchte, ist mit Rievelers „Hauptsache Haltung. Von kleinkarierten Besserwissern im Strebergarten“ bestens bedient. Die etwas über 220 Seiten verfliegen wie im Fluge. Und vom lästigen Nagelpilz ist hier auch kein einziger Millimeter die Spur.
Rieveler, Hans-Dieter (2025). „Hauptsache Haltung. Von kleinkarierten Besserwissern im Strebergarten“. Köln: Fiftyfifty.
Dr. phil. Deborah Ryszka, geb. 1989, Kind politischer Dissidenten aus Polen, interessierte sich zunächst für Philosophie und Soziologie, dann für Kunst und Literatur und studierte Psychologie. Später lehrte sie an verschiedenen Hochschulen und ist seit 2023 Vertretungsprofessorin für Psychologie an einer privaten Hochschule. Zudem schreibt sie regelmäßig Beiträge zu gesellschaftspolitischen Themen und bespricht Bücher.
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„Dieter Helbig / 16.02.2025
Wieso gendert die Autorin, und wieso dann nicht konsequent alles?“ – Also ich gendere nach Lust und Laune unddas meist im negativen Sinne. Ich hasse das Gendern aus verschiedenen Gründen. Meinem Gendern merkt man schnell an, dass ich es hasse bzw. ins Lächerliche ziehe. Außerdem bin ich fähig, jedes beliebige Wort:In zu gendern!
„Weiterhin interessierte es sie auch nicht die Bohne, dass ihr undurchdachter Aktivismus die Gesellschaft mehr und mehr spalte, und letztlich destabilisiere.“ – Mir kommt das vor wie ein altes Echo der auf Dauer gestellten Revolution um der Revolution willen.
Ein wichtiger Fakt fehlt noch: Diese linksgrünen Besserwisser*innen, leben direkt oder indirekt zu nahezu 100 Prozent auf Kosten derer, gegenüber denen sie sich anmaßen oktroyieren zu können, was diese zu tun, zu lassen und zu denken haben. Asozialer, ja perverser geht’s nicht. Man muss schon ein echter deutscher Köter sein, um sich das gefallen zu lassen.
Besserwisser finde ich äußerst nützlich. Wenn sie wirklich etwas oder sogar vieles besser wissen als ich, finde ich das einfach hervorragend und ich kenne übrigens äußerst sympathische Besserwisser und Klugscheißer. Nur Dummschwätzer, die gar nicht wissen, wovon sie eigentlich reden, die sind wirklich nervig. Und sie haben Konjunktur im Deutschland des 21. Jh.. Vor allem diejenigen, die ihre persönliche Ansicht für Allgemeingut halten, weil in allen Medien, die sie konsumieren, grundsätzlich das Gleiche steht und das schon seit anderthalb Jahrzehnten. Wie könnte es also anders sein. Man kann sie nicht einmal überzeugen, wenn man ihnen die Realität direkt unter die Nase hält oder sie ihnen auf der Straße begegnet. Dummschwätzer nerven. Wirklich.
Wieso gendert die Autorin, und wieso dann nicht konsequent alles?
Allen ist das alles schon längst bekannt. Nur wehrt sich keiner dagegen. Wen sollte man jetzt mehr verachten; die, die ihr Ding machen, oder die, die tatenlos zusehen?