Ich hatte schon im Vorhinein damit gerechnet, dass die Büchermesse „Seitenwechsel“ in Halle an der Saale etwas Besonderes würde. Denn wann gab es schon mal eine vergleichbare, offizielle Veranstaltung mit mehr oder weniger allen Vertretern, die im freiheitlichen, nicht-linken, konservativen Medien- und Verlagsspektrum Rang und Namen haben? Das entsprechende Framing als „rechte Buchmesse“ war so erwartbar wie bezeichnend, genauso wie das „Wir“-Festival, das mit wochenlangen „Gegenfestspielen“ aufwartete (indem man größtenteils ohnehin stattfindende Hallenser Veranstaltungen zu Programmpunkten gegen die Messe umdeklarierte, Achgut berichtete).
Ein paar Wochen vor der Messe hatte ich die Veranstalterin Susanne Dagen für meinen YouTube-Kanal interviewt und war einmal mehr von ihrer unerschütterlichen, aber besonnenen Entschlossenheit beeindruckt. Über ihren Umgang mit dem nach wie vor sehr schmalspurigen Mainstream sagte sie damals:
„Wir müssen diesen lauten Stimmen etwas entgegensetzen. Und mit entgegensetzen meine ich nicht dagegen, sondern einfach sichtbar sein. Und auf 3000 Quadratmetern Messehalle ist man sehr wohl sehr sichtbar (…) Und da muss man nicht lange rumheulen und da sind wir auch keine Opfer, sondern da muss man in die Aktion gehen und sagen: ‚Ich zeig euch schon, was ihr für rechts betitelt und was für mich eigentlich die Freiheit und das demokratische Grundmittel bedeutet.‘“
Ich war also auf ein Branchentreffen mit altbekannten Gesichtern eingestellt und hatte gehofft, dass die Besucher trotz vorangekündigten Antifa-Protestes sich nicht würden abschrecken lassen und dennoch eine angenehme Veranstaltung erfahren würden. Umso beeindruckter war ich dann, als ich die tatsächliche Messe erlebte: Mit so einer entspannten, positiven und, ja, wirklich familiären Atmosphäre hätte ich beim besten Willen nicht gerechnet.
Andrang und Buchverkäufe
Meine Kollegen und ich hatten zwei Tage lang an unserem Achgut-Stand buchstäblich alle Hände voll zu tun. Denn dass über 6.000 Besucher zur Hallenser Messe gepilgert waren, merkten wir sowohl am konstanten Andrang an unserem Messestand sowie an unseren Buchverkäufen. Vor allem unsere Neuerscheinung „Der Staatsverrat“ von Gunter Frank, Martina Binnig und Kay Klapproth rief riesiges Interesse hervor. Spätestens als die drei Autoren am Sonntagmittag zum Signieren höchstpersönlich an unserem Stand saßen, hatten wir das Gefühl, dass man uns ihr Buch förmlich aus den Händen reißt. Zuvor hatte Achgut-Herausgeber Dirk Maxeiner mit Gunter Frank über das am Samstag erschienene Buch ein Bühnengespräch geführt, ein Programmpunkt, der zur Überfüllung des entsprechenden Saals geführt hatte. Maxeiner sagte zur Einleitung: „Lieber Gunter, zwei Bücher wurden schon geklaut, das stimmt mich äußerst optimistisch.“ Und er modifizierte ein berühmtes Gandhi-Zitat: „Erst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich, dann klauen sie deine Bücher, und dann hast du gewonnen.“
Hoffnungsvoll stimmen uns auch die bisher erschienen Berichte und Interviews zum „Staatsverrat“: „Man kann dieses Buch nicht lesen, ohne dass sich im eigenen Kopf etwas verschiebt“, lobt Daniela Seidel auf Tichys Einblick. Milena Preradovic entlockte Gunter Frank für ihr YouTube-Talkformat „Punkt.Preradovic“ seine persönlichen Erfahrungen mit der Welt des Pharma-Lobbyismus. Und im Gespräch mit Sophia-Maria Antonulas von Transition News schilderte Kay Klapproth, „wie eng Politik, Wirtschaft und Medien inzwischen verflochten sind“.
Nicht weniger freute uns, dass auch unsere Kult-Autorin Vera Lengsfeld ihren bei uns erschienenen Bestseller „Ist mir egal. Wie Angela Merkel die CDU und Deutschland zerstört hat“ auf der Buchmesse vorstellte. Nach ihrem mit viel Applaus begleiteten Vortrag auf der Bühne pilgerten ebenfalls zahlreiche Besucher zur Signierstunde an die „Meet-&-Greet-Box“. Das nunmehr seit einem Jahr erhältliche Werk ist längst zum Dauerbrenner geworden und gehörte zu erfolgreichsten Achgut-Edition-Büchern auf der Messe.
Nichts so mächtig wie der persönliche Austausch
Mich persönlich bewegten jedoch am meisten die vielen Begegnungen mit unseren Lesern und Zuschauern am Stand. Meinen Kollegen geht es sicher ähnlich. Denn so seltsam es klingen mag: Der Beweis, dass tatsächlich echte Menschen lesen, hören und sehen, was wir täglich ins Netz stellen, ist ein wunderschönes und auch beruhigendes Gefühl. Denn trotz Zugriffszahlen und Kommentaren ist und bleibt unser Handwerk größtenteils ein einsames, das sich einer unmittelbaren Reaktion unserer Leser, Zuschauer, „Kunden“ – also Ihnen! – entzieht.
Daher möchte ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bei allen bedanken, die uns auf der Messe besucht haben, und uns mit motivierenden Worten ermuntert haben. Das tat wahnsinnig gut und hat uns darin bestätigt, dass das, was wir tun, einen Sinn hat. Trotz aller Hürden, Zweifel und Anfeindungen, mit denen wir im Tagesgeschäft umzugehen haben. Und allein deshalb war „Seitenwechsel“ ein voller Erfolg: In mitunter hässlichen Zeiten begegneten sich Aussteller und Besucher auf zutiefst menschliche Weise. Und bewiesen einmal mehr, dass angesichts größter Polarisierung und verhärteter Fronten nichts so mächtig ist wie der persönliche Austausch. Ich kann es kaum erwarten, wenn es in einem Jahr wieder heißt: „Alle nach Halle!“
Redaktioneller Hinweis: Der Beitrag wurde am 12. November 2025 aktualisiert.

Es war eine schöne Messe, nicht nur, weil es solch strahlende Erscheinungen wie Frau Stockmann oder solche Edeldandys wie Michael Klonovsky dort zu bewundern gab. Man konnte Entdeckungen ganz weit weg vom Politischen machen, wie z.B. den Verlag kopfundwelt, mit seiner Giacomo-Casanova-Obsession, meine persönliche Messe-Entdeckung, allein das war die weite Anfahrt schon wert. Freue mich schon auf die nächste hallenser Büchermesse.
@Thoralf Seifstein … geben Sie der Achse doch einfach mal Zeit, mit dem neuen Layout des eigenen Mediums Erfahrungswerte zu sammeln. Rom wurde auch nicht in einem Tag erbaut & wenn Sie 3 oder 4 Mio. Euro an die Achse überweisen, generieren sich auch Verbesserungen leichter. @Dirk Jungnickel … wir Leser sollten alle dafür beten & eingedenk sein, daß nach dieser extraordinären Belastung Frau Dagen gesundheitlich gut herauskommt. Die Reputation, das Prestige & die mediale Reichweite Frau Dagens wird dann gewachsen sein. Danach dürfte es auch schwieriger werden, Frau Dagen zu erpressen, wie das dieses Mal die JF praktizierte. Dann wird es im nächsten Jahr heißen, „Dieter, bist Du wieder dabei oder gehörst Du doch nur zum todgeweihten Establishment?“
Frau Stockmann, nur politisch Linksorientierte dürfen sich organisieren und vernetzen (*grins*). Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, als man erschrocken feststellte und fassungslos war, dass die tumben, lese- und schreibfaulen Rechten das freie Internet nutzen würden. Was habe ich damals geschmunzelt (ca. 2005/2006). Die politische Linke (bis in die CDU) ist der festen Überzeugung, sie sei intelligenter und gebildeter als alles andere. Deshalb wird im Mainstream auch von Neuen Rechten fabuliert, als ob nach 1945 alle intellektuell linksdemokratisch gleichgeschaltet gewesen seien und irgendwann die versteckten „Mein Kampf“-Bücher aus tiefen Obstkellern hervorgekramt und heimlich gelesen und verstanden wurden. Sicherlich waren bis ca. 2011 die ewiggestrigen Rechten öffentlich präsenter (u.a. NPD), die an verschimmelten Würsten der Vergangenheit lutschten (Teil davon in die AfD migriert). Doch im europäischen Ausland war die wählbare Rechte schon viel weiter und erfolgreicher, als in Deutschland. Die Demokratie könnte in Deutschland zum Fiasko werden, da Deutsche grundsätzlich in die Wiege gelegt bekommen, über das linke oder rechte Ziel hinaus zu pinkeln und sich vermeintliche Partner zu Feinden zu machen. Mal ehrlich, Frau Stockmann: was sollte auf einer Buchmesse anders sein, als im Buchladen? Problem sind immer die freiheitsverteidigenden Literaturfreunde in Verlagen und Öffentlichkeit, die diese oder jene Bücher verbrannt sehen möchten. Dass bei „Seitenwechsel“ in Halle keine brachialen Kriegstänze aufgeführt und archaisches Gebrüll mit Fäuste auf die Brust gekloppt wurde, ist doch selbstverständlich, schliesslich ist Halle/S. nicht Washington D.C.
Danke, Ulrike Stockmann, für eine Frau wie Susanne Dagen können niemals genug Lanzen gebrochen werden !
#Konstruktiv,… weil mir „meine“ Achse am Herzen liegt und neben Charakter auch das ‚Nivea‘ hochhält!
…das neue Layout zeugt von erheblich positivem Willen, Mühe und Einsatz! Aber zumindest auf dem phone ist es mindestens sehr unübersichtlich geworden! Ein Gewöhnungseffekt zur verschlimmbesserter Struktur kann relativ ausgeschlossen werden, vorher habe ich mich zu Tode gescrollt und vergessen, wo ich hin wollte! ggf. ist der Aufbau etc. auf Normal PC besser?
Ich verstehe und unterstütze das Ansinnen, sich von der gewohnten Grundstruktur und Farbgebung nicht völlig entfernen zu wollen, denke aber, daß trotzdem hier etwas nachjustiert werden könnte?! Vielleicht geht das, ohne den Wiedererkennungswert aufzugeben und ohne in die zu „simple-neumodische“ (aber von mir, DORT, trotzdem geschätzte) Optik wie Jouwatch oder PI zu driften? Man sehe mir nach, daß mir auch deswegen aktuell etwas das Kommentieren verleidet scheint…
Und draußen bleiben mussten die Irren mit ihrem Schwachsinnsspruch: „Kein Recht auf Nahtsie-Propaganda!“ Was für mich bereits gegen diverse Paragraphen verstößt…
Werte Frau Stockmann, es ist doch ganz einfach. Man fühlt sich im freien Austausch nicht mehr so alleine. Der Austausch erschafft Identität & Gemeinschaft auch mit Andersdenkenden.