„Über die Demokratie in Amerika“ von Alexis de Tocqueville ist fast 200 Jahre alt. Warum es sich lohnt, ausgerechnet dieses Standardwerk hervorzuholen, wenn man die Schwächen der heutigen Demokratien verstehen will.
Wir erleben tagtäglich am eigenen Leib: Täter und Opfer werden gerne vertauscht, kadavergehorsame Demokratiehüter inszenieren sich als Rebellen, und Wesen mit XY-Chromosomen sollen plötzlich menstruieren können. „Dat is jeck“ („Das ist verrückt“), sagt der Kölle. Das ist Demokratie, sagt Alexis de Tocqueville. Oder genauer formuliert, das sind seine Gefahren.
Deswegen lohnt sich allemal die wiederholte Lektüre von de Tocquevilles Klassiker „Über die Demokratie in Amerika“. Die Idee hierfür entwickelte sich während seiner Reise durch die Vereinigten Staaten im Jahre 1831. Vier Jahre später veröffentlichte er den ersten Band seines Werkes, 1840 kam der zweite Band heraus.
Das Ergebnis: Während Tocqueville in Band eins eine soziologische Analyse des amerikanischen Staates liefert – sowohl mit ihren positiven als auch negativen Aspekten –, bewegt er sich im zweiten Band auf eine abstrakte Ebene hinauf. Hier widmet er sich dem demokratischen System als solchem und weist auf seine universelle Problematik hin: dem stetigen Spannungsverhältnis zwischen Gleichheit und Freiheit, Staat und Individuum, Mehrheit und Minderheit. Beide Bände bieten somit eine messerscharfe Analyse der Demokratie als Staatsform, Gesellschaftsmodell und kulturellem Phänomen an. Sie sind Klassiker der politischen Analyse – mit stets bleibender Aktualität.
Die Geburt des paternalistischen Staates
So konstatiert de Tocqueville, dass die Demokratie gekommen sei, um zu bleiben. Daher sei die zentrale Frage, wie sie gestaltet werde. Denn: wenig Geschichtsbewusstsein plus niedrige Qualitäts-Bildung plus eine unglückliche Verbindung moralischer, ideologischer und liberaler Grundsätze führten zu sinkendem Talent und zweifelhafter Moral. Sowohl an der Spitze als auch in der Mitte der Gesellschaft. Oder wie es de Tocqueville auch bezeichnet: es handelt sich um die Konsequenz einer „Tyrannei der Mehrheit“.
Denn anders als unter monarchischer Herrschaft, wo die Macht auf wenige verteilt sei, drohe in der Demokratie eine Monopolisierung der Meinung, Selbstzensur und geistige Gleichschaltung. In der Folge würden die Machthabenden zu übermächtigen moralischen Instanzen, die Andersdenkende und Minderheiten unterdrückten. „In Amerika zielt die Mehrheit einen drohenden Kreis um das Denken. Innerhalb dieser Grenzen ist der Schriftsteller frei; aber wehe, wenn er sie zu überschreiten wagt!“
Das zeigt: Tocquevilles Diagnosen sind erstaunlich aktuell. Er skizziert die noch so jungen Vereinigten Staaten als eine Gesellschaft, in der Bürger aus freien Stücken die Verantwortung an den Staat abgeben und es sich in privaten Komfortzonen gutgehen lassen. Es ist die Geburt des paternalistischen Staats, die er beobachtet und die auch maßgeblich zu einer Vereinzelung jedes Einzelnen führe. Was aber vermutlich noch eher für eine Re-Lektüre de Tocquevilles spricht: Seine Gedanken und Beobachtungen erklären teils sehr gut aktuell gesellschaftliche Phänomene. Genderfluidität, Cancel Culture oder die mediale und intellektuelle Selbstzensur zum Beispiel.
Wer daher besser verstehen möchte, wie das Gleichgewicht zwischen Freiheit und Gleichheit, Individuum und Staat sowie Mehrheit und Minderheit funktioniert (oder scheitert), findet in „Über die Demokratie in Amerika“ die Antwort. Das macht so einiges in diesen verrückten Zeiten verständlicher, wo die rechte Hand nicht mehr weiß, wo die linke ist. Und es lässt die Köll’sche Frohnatur verkünden: „Et kütt wie et kütt, ein Hoch auf die Demokratie.“ („Es kommt, wie es kommt, ein Hoch auf die Demokratie.“)
Dr. phil. Deborah Ryszka, geb. 1989, Kind politischer Dissidenten aus Polen, interessierte sich zunächst für Philosophie und Soziologie, dann für Kunst und Literatur und studierte Psychologie. Später lehrte sie an verschiedenen Hochschulen und ist seit 2023 Vertretungsprofessorin für Psychologie an einer privaten Hochschule. Zudem schreibt sie regelmäßig Beiträge zu gesellschaftspolitischen Themen und bespricht Bücher.

„Where the press is free and every man able to read, all is safe.“ Das Zitat von Thomas Jefferson gilt immer noch.
Gleichheit kann es nur vor dem Gesetz geben, mehr Gerechtigkeit kann ein Staat nicht bieten. Er kann die unterschiedlichsten Menschen nicht gleich machen, sondern allenfalls gleich schwach und arm. Was wir im rot-grün sozialistischen Europa gerade live erleben.
Die Demokratie ist in allen westlichen Staaten in einer Krise. Auch in den USA. Die Demokratie in den USA hat aber, auch wenn man sicher vieles dort kritisieren kann, über 200 Jahre erstaunlich gut funktioniert. Die Zeit nach 1945 bis vielleicht 1990 oder 2000 war geradezu ein Glanzstück einer erfolgreichen demokratischen Regierungsform. Interessant wäre es, die Faktoren zu ermitteln, die für diesen Erfolg (von dem auch Deutschland enorm profitierte) verantwortlich waren.
Alexis de Tocquevilles Werk über die Demokratie in Amerika ist eines der besten Bücher, die ich je gelesen habe. Jedem, der die Verflachung der heutigen politischen Auseinandersetzung bedauert, kann dieses Buch nur wärmstens empfohlen werden. Leider trifft der Leser dieses Artikels schon am Ende des ersten Absatzes auf einen bemerkenswerten Grammatikfehler. Hier werden u.a. Fragen der öffentlichen Behandlung des Geschlechts zur Sprache gebracht, wonach die Autorin dann resümiert: „Das ist Demokratie, sagt Alexis de Tocqueville. Oder genauer formuliert, das sind seine Gefahren.“ Nein, Frau Dr. phil., das sind i h r e Gefahren.
Man darf bei diesem Thema noch einige andere Autoren dazunehmen , bei der grossen Skepsis der griechischen Philosophen beginnend bis zu H.H. Hoppe , Beniost und anderen. Es beginnt bereits bei den Vorstellungen und Wünschen, die allesamt mit dem Begriff verbunden werden, mit der Staatsform allein aber gar nichts zu tun haben, Freiheit z.b., und endet mit dem System , mit dem „ man“ die Staatsform praktisch realisieren will, oder auch nicht. Manche tun ja nur so, als ob und der „ Demos“ ist trotzdem oder gerade deshalb zufrieden. Gewisse „Chancen “bietet die sogenannte repraesentative Demokratie. Wenn „ man“ das einigermaßen geschickt macht und gut organisiert, qua Parteien z.b., die dann kolludieren, laesst sich da viel simulieren. Wichtig sind natuerlich die grossen Beduerfnisse der Untertanen , zu denen nicht, jedenfalls nicht in der Masse, die demokratische Teilhabe und Verantwortung gehört. Es bedarf schon eines ausgefeilten Systems mit diversen Elementen , verschiedenen Bedingungen und Voraussetzungen und einer ausgeprägten systemischen Absicherung , um das zu vermeiden, was gerade in Schland und Teilen des Wertewestens passiert.. „Gerade“ ist natuerlich nicht ganz richtig, denn der Prozess hat eine bekannte ( Vor)Geschichte und gewisse Ursachen, die sehr frueh gesetzt wurden. Immerhin setzt die Demokratie unter anderem einen Demos voraus , der mit einer Bevölkerung, d.h. hier zwecks Alimentation lebenden diversen Ethnien und ( tribalistisch / archaischen )Kulturen nicht zu realisieren ist. Die Antidemokraten des Kartells spielen nicht umsonst diese Karte der weiten und tiefen Heterogenität und die alten Griechen betonten nicht umsonst die Frage, wer waehlen und gewählt werden darf . Die unglaublich, bestenfalls naiven, Vorstellungen der meisten Michel vom dem, was man Demokratie nennt, hat natuerlich Ursachen. Im Grunde fehlt es in Schland an Allem, was fuer eine Demokratie und deren Bestand essentiell ist. Winzige Minderheiten reichen dazu nicht.
Die heutigen „Demokratien“ haben vor allem ein Problem: Es sind keine. Nicht nur in den USA.