Und wieder eine neue Klima-Wortschöpfung: „Klimaschutzdeiche“. Früher hießen sie „Landesschutzdeiche“. Nun schützen die Deiche an der Nordsee nicht nur das Hinterland, sondern auch das Klima – oder gar vor dem Klima? Darauf muss man erst einmal kommen. Zeitgeistiger Wortschöpfer ist wieder einmal der Umweltminister in Niedersachsen, Olaf Lies (SPD), der auch schon die Begriff „Klimaschutz ist Artenschutz“ erfunden hatte und damit bis zum Bundesrat für mehr Windkraftanlagen im Lande hausieren- und umging.
Nur sind Windkraftanlagen nicht nur tödlich für hunderttausende Fledermäuse im Jahr, sie schreddern auch Vögel vom Kranich über den Storch bis hin zu Eulen und Greifvögeln. Dort wo an der Küste riesige Windparks hinter den Deichen entstanden, müssen nun die Zugvögel des Wattenmeeres allein durch den Scheucheffekt der Riesenpropeller auf ihre Rast- und Hochwasserfluchtplätze verzichten. Und auf dem Meer können sich Schweinswale nicht die Ohren oder die Ortungsorgane zuhalten, wenn mit mehr als 160 Dezibel Fundamente der Offshore-Anlagen in den Boden gerammt werden; das ist lauter als ein startender Düsenjet in unmittelbarer Nähe.
Zurück zu den „Klimaschutzdeichen“: Laut „Gesetz über die Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ zahlt der Bund den Ländern 70 Prozent der Mittel für „Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit an den Küsten der Nord- und Ostsee sowie an den fließenden oberirdischen Gewässern im Tidegebiet gegen Sturmfluten (Küstenschutz)“. Von „Klimaschutzdeichen“ steht nichts im Gesetz. Am 29. Juni malte Olaf Lies in Aurich mal wieder den Klimateufel an die Wand, dpa berichtete anlässlich der Vorstellung des Jahresberichts 2020/2021 des Niedersächischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) so: „Küstenschutz reagiert auf Klimawandel: höhere Deiche geplant..."
Angstszenarien wirken immer
Und weiter: „Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) hat angesichts der dramatischen Folgen des Klimawandels zum Handeln beim Klimaschutz aufgerufen“. Die ihm unterstellten NLWKN-Mitarbeiter wiesen darauf hin, dass die Deicherhöhungen allerdings auch zwischen 10 und 20 Prozent mehr kosten würden. Minister Lies forderte vom den Bund, mehr Geld bereitzustellen: "Wir werden mehr Geld für den Küstenschutz brauchen." 2021 stünden Mittel in Höhe von 61,6 Millionen Euro von Bund und Ländern bereit. Künftig benötige man aber laut Lies mindestens 100 Millionen Euro jährlich, etwa um Deiche auszubauen, zu unterhalten und auch um ausreichend Planungskapazitäten dafür vorzuhalten. So weit, so normal.
Diese Forderungen nach mehr Küstenschutzmitteln werden unabhängig von Partei und Person alle paar Jahre wieder erhoben, um das Staatssäckel des Bundeslandes Niedersachsen beim Küstenschutz zu entlasten. Neu sind nur die „Klimaschutzdeiche“, die der uninformierten Leserschaft suggerieren sollen, die Küstenanwohner stünden kurz vor dem Ertrinkungstod; Angstszenarien wirken immer. Die Lokalzeitungen berichteten dramatischer:
„Wesentlicher Bestandteil dieser neuen Strategie ist der Niedersächsische Klimadeich, der zukünftige Generationen hinter den Deichen vor Überflutungen durch den steigenden Meeresspiegel schützen soll. [...] Für den Küstenschutz besonders relevant seien Projektionen des zukünftigen mittleren Meeresspiegelanstiegs bis zum Ende des Jahrhunderts. Die Bandbreite betrage im pessimistischsten Szenario 61 bis 110 Zentimeter, verbunden mit einer Fortsetzung des Meeresspiegelanstiegs weit über das Jahr 2100 hinaus“ sekundierte der NLWKN-Mitarbeiter Prof. Frank Thorenz, Leiter der Betriebsstelle in Norden, Ostfriesland, dem ihm vorgesetzten Minister: „Wir befürchten für die zweite Hälfte des Jahrhunderts erhebliche Auswirkungen. Und eine Generation, die schon da ist, wird es erleben“, ergänzte Lies. Sie beriefen sich auf den „Weltklimarat“, das Intergovernnmental Panel on Climate Change (IPCC), das für seine politisch-alarmistischen Klima-Szenarien bekannt ist – immer wieder gerne genommen. Zur Erinnerung: „Klima“ bezeichnet nichts anderes als den statistischen Wert von 30 Jahren Wetteraufzeichnung für eine bestimmte Region, sagt die World Meteorological Organization (WMO).
Kontinuierlicher Anstieg seit der letzten Kaltzeit
Was nicht berichtet wurde, ist, dass der Meeresspiegel seit ca. 12.000 Jahren nach dem Ende der Weichsel-Kaltzeit kontinuierlich ansteigt, mal mehr, mal weniger, Transgression und Regression heißen die Fachbegriffes des postglazialen Meeresspiegelanstiegs. Am Ende der Kaltzeit lag der Nordsee-Meeresspiegel bis zu 120 Meter tiefer als heute. Die damaligen Jäger- und Sammlerkulturen, die auf dem heutigen Meeresgrund lebten, konnten zu Fuß auf die heutigen Britischen Inseln gelangen. Der steigende Meeresspiegel zwang Jahrtausende später die sesshaften Siedler zum Warften- oder Wurtenbau. Auf diesen künstlichen Erdhügeln konnte einigermaßen sicher vor Sturmfluten gesiedelt werden. Das ist eigentlich Schulstoff, der früher schon ab der vierten Klasse in der Grundschule unterrichtet wurde.
Schon der römische Geschichtsschreiber Tacitus beschrieb in seinem Werk „Germania“ diese Erdhügel. Im Mittelalter, ab dem 11. Jahrhundert, wurde an der Küste begonnen, die Siedlungsbereiche mit Deichen zu schützen, im Lauf der Jahrhunderte entstand so eine geschlossene Deichlinie an der Nordseeküste. Bis heute mussten die Deichhöhen mit einem Sicherheitszuschlag ständig angepasst werden, also schon Jahrhunderte vor dem alarmistischen Umweltminister Olaf Lies, der nun die wohlfeile Klimakarte zog, um zusätzliche Finanzmittel vom Bund lockerzumachen. In früheren Jahrhunderten mussten die landbesitzenden Küstenanwohner selbst mit zu Schaufeln, Spaten und Schubkarren greifen, um die Deichhöhen dem ständigen „säkularen“ (auf das Jahrhundert bezogen) Meeresspiegelanstieg anzupassen. „Well will nicht dieken, de mutt wieken“ – „Wer nicht beim Deichbau helfen will, muss seine Ländereien verlassen“, hieß es damals auf niederdeutsch. Sturmfluten mit verheerenden Schäden und abertausenden Toten sorgten in der Folge für eine immer bessere Deich-Infrastruktur.
Durch schweres technisches Gerät wurde der Deichbau wesentlich erleichert. In den letzten Jahrzehnten wurden bis in die späten 1980er von ehemals 329 Quadratkilometern Salzwiesen seewärts vor den Deichen 216 Quadratkilometer in den Wattenmeer-Anrainerstaaten für die landwirtschaftliche Nutzung vorgedeicht (Quelle: Report to the Sixth Trilateral Government Conference on the Protection of the Wadden Sea, Esbjerg, 1991). Dadurch entfielen nicht nur große Brut-, Rast- oder Nahrungsareale der Küstenvögel, sondern auch große Flut-Retentionsräume zur Abmilderungen von Sturmflut-Hochwasserspitzen auf die Deiche. Der Rest der Salzwiesen gehört heute in Deutschland zum Nationalpark Wattenmeer und "Weltnaturerbe". Durch die nun geplanten Deicherhöhungen sollen auch die Außenbermen weiter in die geschützten Salzwiesen hinein erweitert werden, die Salzwiesen werden also weiter schrumpfen.
Der „säkulare Anstieg“
Heute gehen die Küstenschützer von einem säkularen Meeresspiegelanstieg von ca. 26 Zentimetern im Jahrhundert auf. Das berichtete der erwähnte Prof. Frank Thorenz vom NLWKN noch 2018 anlässlich des Besuches einer „grünen“ Bundestagsabgeordneten auf der Insel Langeoog. Zitat:
„Thorenz teilte mit, dass eine signifikante Häufung von Stürmen durch den Klimawandel nicht festzustellen sei, allerdings ist das mittlere Tidehochwasser um 26 Zentimeter gestiegen mit Auswirkungen auf Dünen und Deiche, die Inseln und Küste sichern.“
Der Zeitungsbericht unterschlug allerdings, dass es sich bei den genannten „26 Zentimetern“ um den Zeitraum eines Jahrhunderts gehandelt hatte, also 2,6 Millimeter säkularer Anstieg im Jahr.
Zu ganz anderen Zahlen als der Blick in die politisch motivierte Szenarien-Glaskugel kommt die Universität Siegen im Juli 2013. Zitiert wird aus der Doktorarbeit von Thomas Wahl im Bereich Küsteningenieurwesen:
„Er fand anhand der erhobenen Daten heraus, dass der Meeresspiegel in diesem Bereich um ca. 1,7 mm pro Jahr im letzten Jahrhundert angestiegen ist.“
Prof. Dr. Jensen, Leiter des Forschungsinstituts Wasser und Umwelt (fwu) im Department Bauingenieurwesen an der Universität Siegen, weiter: „Das steht in gutem Kontext zum globalen mittleren Meeresspiegelanstieg. Die Ergebnisse – von Siegen aus koordiniert – lassen einerseits aufatmen, geben andererseits aber keine Grundlage für gänzliche Entwarnung. Jensen: ‚Es gibt ein relativ konstantes Anstiegsverhalten des Mittleren Meeresspiegels seit Beginn des 20. Jahrhunderts, aber keinen außergewöhnlichen Anstieg in den letzten Jahrzehnten, den wir direkt dem Klimawandel zuschreiben könnten.‘ Die globalen Werte passten auch zur Nordsee, es gebe aber regionale Besonderheiten. Jensen: ‚Diese Ergebnisse geben uns eine gewisse Planungssicherheit für den Küstenschutz im Allgemeinen.‘“
Keine Anzeichen für einen beschleunigten Anstieg
Der säkulare Anstieg hat sich im letzten Jahrhundert also deutlich verlangsamt, es gibt keine Hinweise auf einen beschleunigten Meeresspiegelanstieg, mit dem wir fast täglich aus den Medien zugeschwätzt und im Panikmodus gehalten werden. Die Pegel von Norderney und Cuxhaven geben das nicht her.
Nun schützen aber nach der Diktion von Umweltminister Lies die Seedeiche auch noch vor dem Wetter und in der Folge vor dem statistischen Wert des Klimas. Sie schützen nicht nur das Hinterland vor Sturmfluten, sondern nun auch noch vor dem Wetter im Frühling, Sommer, Herbst und Winter, vor Regen, Hagel und Schnee. Seriöse Pegeldaten und Messreihen einer Küstenschutzbehörde werden nicht genannt, heute muss es eben das schreckliche „Klima“ mit Horror-Szenarien sein, damit Berlin die Mittel für den Küstenschutz erhöht. Klimakatastrophenminister Olaf Lies sei Dank...
Beitragsbild: Creative Commons CC0 Pixabay
Nachtrag: 100 Millionen sind auf den ersten Blick viel Geld. Aber auch nur auf den ersten Blick. Ein Kilometer Deich kostet so viel wie die gleiche Strecke Autobahn. Etwa 4,5 Millionen. Die deutsche Nordseeküste hat eine Länge von etwa 1300 Kilometern. Davon kann man ca 100 km für die Inselküsten abziehen, die nicht eingedeicht werden können oder müssen. Es bleiben immer noch 1200 km und da sind dann 100 Millionen eher vergleichbar mit dem Tropfen auf den heißen Stein.
Das Deiche immer in Stand gehalten und teilweise auch erhöht werden müssen, ist eine Binsenweisheit für jeden, der – wie ich – in Sichtweite der Nordsee und im Schutz eines solchen Bauwerks aufgewachsen ist. Wer dies nicht tut, zahlt dafür früher oder später den Preis (Niederlande 1953 mit 2800 Toten, Hamburg 1962 mit 340 Toten). Wenn dafür Urlauber auf ihre Erholung verzichten müssen oder eine Salzwiese geopfert wird? Ehrlich gesagt: So what! So ein Gewäsch können nur Leute von sich geben, die nie eine Sturmflut erlebt haben, nie auf der Deichkrone standen und knapp einen Meter unter sich den blanken Hans wüten sahen.
Küstenschutz rettet Leben. Diese Lektion haben die Holländer, deren Land zu großen Teilen unter dem Meeresspiegel liegt, und etwas später auch wir Deutsche lernen müssen. Sturmfluten wie die von 1953 und 1962 haben wir in den darauffolgenden Jahren immer wieder erlebt. Mit zum Teil noch höhreren Pegelständen. Es sind nur deshalb keine Menschen zu Schaden gekommen, weil die Deiche höher und sicherer gebaut wurden. Liefe heute eine Zweite Julianenflut auf, taugte sie allenfalls als Kuriosum für den Wetterbericht. Aber nur weil der Küstenschutz seitdem verbessert und Deiche erhöht wurden. Es wird durch die Verkettung unglücklicher Begleitumstände immer eine Flut geben, die alle vorherigen in den Schatten stellt. Sollen die Deiche halten und Menschenleben retten, muss man vorbereitet sein. Dafür muss man allerdings nicht einen angeblichen Klimawandel bemühen, wie Herr Lies es tut. Seine Panikmache schadet eher denen, die sich ernsthaft für Küstenschutz einsetzten, als ihnen zu helfen.
„De nich will dieken, mutt wieken“, sagt man in meiner Heimat (Ihre „Übersetzung“ ins Hochdeutsche, Herr Knake, ist, mit Verlaub gesagt, ganz ganz grauenhaft). Das gilt Klimawandel hin oder her.
Momentan gerade mit der Lektüre des neuen Werkes von Vahrenholt/Lüning „Unerwünschte Wahrheiten“ befaßt, wünschte ich mir einmal mehr, irgendjemand würde endlich „Mentcaps“ erfinden – kleine Pillen, welche die Aufnahme geballten Wissen mühelos durch bloßes Schlucken ermöglichen. Diese – mir durch eine Science Fiction-Heftreihe der Sechziger bekannt gewordene ‚Erfindung‘ – würde es selbst vollverblödeten Politikern, Medienschaffenden und Grün/Linken ermöglichen, sich mühelosen Zugang zu Wahrheiten zu verschaffen, die sich sonst erst durch jahrelanges, aufreibendes Studium erschließen würden. Dummes Gerede von meterhoch steigenden Ozeanpegeln innerhalb eines Jahrhunderts wären damit quasi automatisch ‚vom Tisch’. Gerade dabei, könnte man bei der Gelegenheit auch gleich fundamentale Erkenntnisse zur Infektiologie, zur Epidemiologie und zur ernsthaften Migrationsforschung mit verabreichen.
„Wir befürchten für die zweite Hälfte des Jahrhunderts erhebliche Auswirkungen“ ??. Wieso dass denn ? Bis dahin lebt doch von eurer Sorte keiner mehr ! Und in 10 Jahren ist obendrein hier doch alles zappenduster wg., Klimatod, oder jetzt doch nicht ?. Alles ist durch die Erderwärmung verbrannt , und ihr Mongo`s wollt Geld für Klimaschutzdeiche ?? Ernsthaft, echt jetzt ?
Herr Lies sollte sich auch unbedingt vor Ort auf den Fidschis über den Anstieg des Meeresspiegels informieren. So, wie es Frau Roth tat. Badehose nicht vergessen.
P.S.: Niedersachsen braucht wohl Geld zur Versorgung von Flüchtlingen.
Der schuldige Bösewicht heißt Mond und es ist klar, dass Kraftwerke, die die zerstörerische Energie der Tieden in Strom umwandeln würden, gleich zwei Probleme auf einen Streich beseitigen. Hat die Regierung da mal was unternommen, wahrscheinlich nicht? Die Unterschiede beim Anstieg der Meereshöhen ergeben sich eventuell aus der Berücksichtigung der postglazialen Anhebung der nördlichen Landmassen. Ob das die Inseln und den Meeresboden mit betrifft, ist aber fraglich. Wenn es einen kontinuierlichen Anstieg des Meeresspiegels gäbe oder gibt, dann betrifft das wegen der zentrifugalen Kräfte vor allem die äquatornahen Küsten, weniger die nördlichen. Was letztere zu fürchten hätten, ist eine Eiszeit. Sicher ist aber, dass eine globale Erwärmung der Weltmeere überall dort, wo deren Temperatur unter 4° liegt zu einer Volumenminderung führt, das gilt besonders auch für schwimmende Eismassen (siehe auch das berühmte Experiment im Cocktailglas). Hier existiert also tatsächlich ein Kipppunkt! Aber bis dahin sollte noch reichlich Luft sein.
Da haben Sie vollkommen recht, Herr Knake. Die Klimahysterie nimmt langsam panische Formen an. Es gab schon immer Sturmfluten, Hochwasser durch Starkregen, Schlammlawinen. Aber neuerdings gibt es sogar einen Panikbericht, wie neulich in der Tagesschau: Gewitter und Starkregen. Im Bild Feuerwehrleute, die einen umgestürzten Baum zersägten. O-Ton: „Feuerwehrleute stehen bis zu den Waden im Wasser“. Im Bild Feuerwehrleute, die in einer Pfütze, noch nicht einmal 10 cm hoch, standen und sägten. Ein Schwenk der Kamera (versehentlich, nehme ich an) nach nebenan zeigte ganz normal fließenden Verkehr. Durch solche Panikmache wird das ganze Klimatheater ad absurdum geführt. Und wenn man die Billionen von Euro, die man für angeblichen Klimaschutz hierzulande verballert hat, für vernünftige Maßnahmen ausgegeben hätte, sich an Wetter und Klima anzupassen (Deiche, Bewässerungsanlagen, Stauseen etc.), dann hätten wir halb so viel ausgegeben und doppelt so viel erreicht.