Der Duisburger Oberbürgermeister Sören Link (SPD) hat eine für die Ruhrtriennale 2014 im Duisburger Lehmbruck Museum geplante Tunnelskulptur des Raumkünstlers Gregor Schneider verboten. Sie erinnert ihn zu sehr an die Loveparade.
Wie watscheln die Verwalter unseres Gemeinwesens am einfachsten und wirkungsvollsten in den politischen Schlamassel? Die folgende Anleitung soll dazu dienen, es künftigen Oberbürgermeistern von Duisburg und ähnlichen Aspiranten möglichst leicht zu machen. Also erste Regel: Sich möglichst lange um nichts kümmern! Ignoranz ist immer eine gute und solide Grundlage für Fehlentscheidungen. Konkret bedeutet das: von den katastrophenträchtigen Vorbereitungen zu einer Loveparade so wenig mitbekommen, daß man nach der Katastrophe sagen kann, man sei da gar nicht informiert gewesen. Oder von den Planungen des Museums, dessen Kuratoriumsvorsitzender man ist, so wenig mitbekommen, daß man kurz vor der Ausstellungseröffnung schreiben kann: „Ich bedaure ausdrücklich, daß meine Entscheidung am Ende eines Prozesses gefallen ist, in den von vielen Stellen Arbeit und Engagement investiert wurden“. Das klingt schon so, als ob sich der Verfasser für die „Entscheidung, die am Ende eines Prozesses gefallen ist“ nicht verantwortlich machen lassen möchte.
Doch schwurbelige Sätze sind das eine, ein ordentlicher politischer Schlamassel braucht noch etwas anderes. Daher lautet die zweite Regel: Unberechenbares Vorpreschen mit beliebigen Anordnungen – das stärkt jeden Zweifel an der eigenen Kompetenz! Ahnungslosigkeit und Entschlossenheit sollten dabei auf gleich hohem Niveau liegen. Wenn man schon einem renommierten Kunst-Institut wie dem Lehmbruck-Museum per Amtsautorität in die Speichen greift, dann am besten in selbstherrlichem Alleingang und ohne Rücksprache mit den Betroffenen und Beteiligten.
Und nun die dritte Regel: Entscheidungen immer mit Gefühlslagen begründen! Nicht nur die eigenen Gefühle (Formulierungsvorschlag: „Ich fühle mich nicht wohl damit“), sondern diejenigen einer unbestimmten Allgemeinheit heranziehen: „Duisburg ist noch nicht reif“. Gewiß, die Erinnerung an die tödliche Loveparade vor vier Jahren ist noch zu frisch für manches, und ein Oberbürgermeister soll sensibel sein für die Empfindlichkeiten seiner Bürger. Aber Gregor Schneider wollte keine neue Loveparade veranstalten noch die Opfer der letzten verhöhnen. Er hat ein sehr ernstes und eindringliches Kunstwerk geschaffen; seine ganze Karriere zeugt von künstlerischer Ernsthaftig- und Eindringlichkeit.
Der Duisburger OB hat kein Urteil, sondern Angst. Er wollte bloß das Nichtstun seines Vorgängers überkompensieren. Niemand soll ihm vorwerfen, die Loveparade, der er seine Wahl ins Amt verdankt, nicht mit äußerster Entschiedenheit zu betrauern. Er könnte aber auch verlangen, daß in Duisburger Buchhandlungen keine Krimis mehr verkauft werden, schließlich ist in der Stadt schon mal ein Mord passiert. Und gibt es nicht Musikstücke, die irgendwie an das Heulen von Luftschutzsirenen erinnern? Deren Aufführung sollte er natürlich auch verbieten, weil die älteren Duisburger noch nicht reif dafür sind.