Die akademischen Plagiat-Affären sind dabei, die deutsche Betrügerszene in Unruhe zu versetzen. Guttenberg, Stoibertochter, Koch-Mehrin, und jetzt auch noch Althusmann: Eine solche Häufung der Skandale ist Gift für eine Szene, die lieber in der Anonymität arbeitet. Vor allem, dass nun schon wieder ein Minister, und obendrein ein Kultusminister, als Träger eines nicht ganz astreinen Doktortitels genannt wird, verstört die akademische Unterwelt.
Es geht ja nicht nur ums Abschreiben. Es geht ums Schreiben überhaupt. Wenn die Produktionsweise von Doktorarbeiten derart ins grelle Licht gezerrt wird, berührt das auch die Gilde der Ghostwriter, die gegen ein angemessenes Entgelt Komplett-Doktorarbeiten für eine vielbeschäftigte Kundschaft erstellen. Der ganze Dienstleistungssektor der Full-Service-Fremdautoren kommt ins Gerede. Das bleibt nicht ohne Auswirkungen.
Die Zeiten, da man seine Doktorarbeit einfach dem preisgünstigsten Autor anvertraute, sind vorbei. Nur die Besten ihres Faches, so heißt es in der Szene, erhalten noch genügend Schreibaufträge, um sich davon ein auskömmliches Leben leisten zu können. Andere melden Auftragseinbrüche von fünfzig Prozent und mehr. Ein neues akademisches Prekariat ist im Entstehen. Das führt zu einer Verrohung der Sitten. Es soll schon vorgekommen sein, dass verzweifelte Autoren ohne Auftrag und auf Vorrat Doktorarbeiten geschrieben und zu Dumpingpreisen auf den Markt geworfen haben. Allerdings scheinen diese Versuche bisher zu scheitern. Das Misstrauen ist zu groß. Die Kundschaft wird immer kritischer. Die Furcht, am Ende ohne ordentliche Zitate, also quasi nackt da zu stehen, hält die meisten davon ab, Schnäppchen-Doktorarbeiten zu erstehen.
Die Preise für seriöse Auftragsarbeiten stoßen derweil durch die Decke. War früher eine Doktorarbeit mit garantiertem summa cum laude noch zum Preis von fünf gefälschten Pässen oder einem halben Adelstitel zu haben, so sind solche belastbaren Arbeiten heute bis zu fünfzig falsche Pässe oder zwei bis drei Adelstitel wert.
Die Lage hat sich inzwischen derart zugespitzt, dass manche Doktoranden ganz darauf verzichten, eine Arbeit in Auftrag zu geben und sich statt dessen für einen Adelstitel entscheiden. In einigen extremen Fällen sollen Doktoranden schon in aller Öffentlichkeit gesagt haben: „Bei diesen Preisen schreib ich meine Doktorarbeit lieber selber.“