Gastautor / 12.12.2010 / 11:52 / 0 / Seite ausdrucken

Krieg der Knöpfe: Neoliberal, konservativ, rechtspopulistisch, neokonservativ

Baruch Haschem

An der Uni Münster gibt es, wie an jeder Uni, einen AStA. Im AStA der Uni Münster gibt es ein “Referat für Frieden und Internationales”. Der für Frieden und Internationales zuständige Referent im AStA der Uni Münster hat alle Hände voll zu tun (Nordkorea, Iran, Irak, Somalia, Kongo, Elfenbeinküste, Haiti, Zimbabwe), dennoch findet er die Zeit, sich um wirklich Wichtiges zu kümmern. Zum Beispiel einen Auftritt von Mathhias Küntzel im Club Courage. Nehmen Sie sich bitte 2 min Zeit und lesen Sie den “Offenen Brief an die Verantwortlichen des Club Courage”:

Werte BetreiberInnen des Club Courage,
Mit großer Verwunderung mussten wir feststellen, dass im Club Courage gegenwa?rtig eine ho?chst zweifelhafte Veranstaltungsreihe unter dem Titel „Nieder mit der islamischen Republik“1 stattfindet. In der Unteru?berschrift erwecken die VeranstalterInnen „et2c“ den Eindruck, es handele sich um eine kritische Auseinandersetzung mit dem iranischen Regime, was zu begru?ßen wa?re. Die eingeladenen ReferentInnen weisen jedoch in eine ganz andere Richtung.

Ein Referent im Zuge dieser Veranstaltungsreihe ist Matthias Ku?ntzel. Er soll am 9.12. im Club Courage zum „Atomprogramm des Iran“ referieren. Ku?ntzel ist nicht nur Autor des neoliberalen Leitmediums SPIEGEL Online2, sondern daru?ber hinaus Gastautor des Webblogs „Achse des Guten“- ein Zusammenschluss glu?hender Sarrazin-Anha?nger.

Unter dem Titel „Sarrazin hat einfach Recht“3 werden dort auf BILD-Zeitungs-Niveau die rassistischen Thesen Sarrazins gerechtfertigt, weil dieser „die Dinge beim Namen nennt“. Davon finden sich auf dieser Seite dutzende Artikel4. Auf der bekannten Nazi-Seite „politically incorrect“(pi) wird Ku?ntzel als Star5 im „Kampf gegen die Islamisierung Europas“ der neuen Rechten gefeiert – ohne dass Ku?ntzel sich wahrnehmbar von diesem braunen Beifall distanzierte. Ein Betriebsunfall der VeranstalterInnen, ein Fehler in der U?berpru?fung der ReferentInnen oder doch der Versuch, den antirassistischen Grundkonsens innerhalb der gesellschaftlichen Linken aufzuku?ndigen?

Leider haben wir erst jetzt erfahren, dass bereits zwei Veranstaltungen laut „et2c“-Webseite stattgefunden haben. Denn auch die Referenten der bereits stattgefundenen Veranstaltungen geben mindestens ebenso Grund zur Sorge.

Eingeladen wurde Thomas von der Osten-Sacken, welcher am 28.Oktober im Club Courage zu den iranischen Protesten vom Juni 2009 referierte. Thomas von der Osten-Sacken schrieb in der Vergangenheit Gastbeitra?ge in der konservativen Tageszeitung „Die Welt“ (Springer)6 Begeistert stellt Osten-Sacken eine Rede der Frontfrau der rechten Tea-Party-Bewegung Sarah Palin ins Netz mit dem Vermerk: „Weil die Dame so unglaublich Recht hat und ich jeden Satz mit einem Ausrufezeichen versehen mo?chte, sei ihre nicht-gehaltene Rede hier ganz wiedergegeben.“ 7
Osten-Sacken ist ebenfalls Gastautor der rechtspopulistischen Pro-Sarrazin-Seite „Achse des Guten“. 8 Und noch einen mindestens ebenso zweifelhaften Referenten brachte die „et2c“ an den Start, ohne dass sich zumindest nach Außen wahrnehmbarer Widerstand im Club Courage regte.

Andreas Bendl referierte am 11.11. im Club Courage zur angeblichen „rot-gru?nen Querfront“ innerhalb der „westlichen Linken“. Andreas Bendl ist Unterstu?tzer der neokonservativen „Stop the Bomb“-Kampagne9 im Bezug auf den Iran, welche im Internet kursiert. Unterstu?tzt wird diese Kampagne u.a. von ausgewiesenen Law-and-Order-PolitikerInnen, wie beispielsweise von der o?sterreichischen O?VP-Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel, die fu?r„Bettelverbote“10 und „fla?chendeckende Videou?berwachung“11 in O?sterreich eintritt. Unabha?ngig von der zweifelhaften Konstellation von vermeintlich links-liberalen bis ganz rechts Außen ist die Schlagrichtung dieser „Stop the Bomb-Kampagne“ eindeutig. Im Stile der US-Neokonservativen und ihren europa?ischen Ablegern leistet die Kampagne propagandistische Schu?tzenhilfe fu?r einen vorbereiteten Krieg gegen den Iran, worunter zu allererst die Bevo?lkerung leidet, welche sich zuletzt gegen das Regime wehrte. So als ha?tte es die hunderttausende zivile Tote im Irak nicht gegeben, wird hier bewusst oder unbewusst der amerikanischen und europa?ischen Ru?stungsindustrie in die Ha?nde gespielt.

Dass in Massenmedien und seitens des deutschen Establisments Stimmung zur Vorbereitung eines Angriffkrieges gegen den Iran gemacht wird, ist eine Sache. Dass Sarrazin in den Medien und in „ho?heren Kreisen“ hofiert wird ist ebenfalls nicht u?berraschend. Dass aber auch in vermeintlich linken Zusammenha?ngen wie dem Club Courage Mitglieder eines Pro- Sarrazin-Netzwerkes ein Forum bekommen, ist schockierend.

Wir fordern die Verantwortlichen des Club Courage auf, Mathias Ku?ntzel aus dem Pro- Sarrazin-Netzwerk „Achse des Guten“ auszuladen und eine Erkla?rung abzugeben. wie es zu den Einladungen kommen konnte. Die Grenze des Pluralismus wurde hier bei Weitem u?berschritten.

Hannes Draeger (Die Linke.SDS Mu?nster), Klaus Blo?dow (Parteilos/Medienassistent), Jusos Mu?nster, Edo Schmidt (Antmilitaristische Gruppe Mu?nster), Jonas Freienhofer (AStA- Referent fu?r Frieden&Internationales), Tim Fu?rup (Die Linke.SDS), Tobias Fabinger (FiKuS- Referent im AStA der Uni Mu?nster), DKP Kreisvorstand Mu?nster

Das ist doch große Klasse. Schönere Texte hat man seit der Auflösung des ZK der albanischen KP nicht mehr gelesen. Dass so eine Prosa jetzt aus Münster kommt, aus dem Referat für Frieden und Internationales des Allgemeinen Studentenausschusses, beweist vor allem, wie richtig es war, den Westfälischen Frieden in Münster zu unterzeichnen und nicht etwa in Neheim-Hüsten, wo es bis heute keine Uni, keinen AStA und kein Referat für Freden und Internationales gibt.

Was sonst noch in Münster los ist:
http://www.attac-netzwerk.de/ag-globalisierung-und-krieg/medien-information/2010-05-31-asta-muenster/?L=2

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