Zum Jahreswechsel bekamen wohl die meisten gesetzlich Krankenversicherten einen unerfreulichen Brief von ihrer Krankenkasse. Bei der Techniker Krankenkasse hieß es beispielsweise, „als fortschrittliche Krankenkasse setzen wir uns für ein modernes Gesundheitswesen ein – zum Beispiel für dringend benötigte politische Reformen. Doch leider dauern die gesetzlichen Entscheidungen dafür zu lang oder sie bleiben aus. Darauf reagiert das Bundesministerium für Gesundheit erneut mit der Anhebung des amtlichen Zusatzbeitragssatzes.“ In einem Schreiben der Hanseatischen Krankenkasse HEK ist zu lesen: „Die angesichts ausbleibender politischer Reformen unvermindert steigenden Ausgaben und die aufgrund anhaltend schlechter konjunktureller Lage deutlich geringer wachsenden Einnahmen erzeugen automatische Druck auf die Beitragssätze.“
Die meisten Medien empfanden es als berichtenswert, dass die Krankenkassen gegenüber ihren Versicherten die Verantwortung der Regierung zuschoben. Zu den Ursachen, warum die Ausgaben stärker steigen als die Einnahmen, bleiben sie hingegen schmallippig. Viele deutsche Medien haben ein Erklärmuster gefunden, mit dem sie einen entscheidenden Kostenfaktor verschweigen. Im Focus wurde die angeblich wichtigste Ursache so beschrieben:
„Deutschlands Gesellschaft wird im Schnitt immer älter. Lebten 1991 noch rund 12 Millionen Senioren über 65 Jahren im Land, sind es heute schon 19 Millionen. Bis Mitte der 2030er Jahre wird eine weitere Million hinzukommen. Das führt zu zwei Problemen: Erstens gibt es wie auch in der Rentenversicherung zu wenig Beitragszahler, die diese Menge an Senioren finanzieren könnte. Entsprechend geht das nur, wenn jeder einzelne Beitragszahler mehr zahlt, die Beiträge also steigen. Zweitens werden nicht nur mehr Menschen älter, sondern ältere Menschen leben auch länger als früher. Je älter ein Mensch wird, desto häufiger braucht er aber medizinische Hilfe.“
Hinzu kommen laut diesem Artikel noch „teurere Therapien“, „höhere Personalkosten“ und „allgemeine Inflation“ als Ursachen für die Kostenexplosion infrage.
Tradition der Ignoranz
Vor allem sind aber offenbar die Alten schuld. Diese Tonlage regt mich schon länger auf. Bereits im letzten September titelte der MDR: „Alternde Bevölkerung verteuert Sozialstaat immer weiter“ und schaffte es tatsächlich in dem ganzen Artikel, eine Ursache konsequent zu übersehen, warum der Bürger nach dem „Herbst der Reformen“ noch mehr geschröpft werden soll. Diese Ursache wird auch jetzt in den meisten Medien wieder weitestgehend ignoriert.
Ich bin da immer wieder und immer noch völlig geplättet, wenn ich solche Artikel lese oder Beiträge höre. Ich bitte schon mal gleich um Verzeihung, da ich den Sozialstaat jetzt auch mit verteuere als Rentnerin. Genau, ich sollte wirklich noch einen Job annehmen und meinen Beitrag wieder leisten, dann hätte ich auch nicht so viel Zeit, solche Machwerke zu lesen. Herr Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, hatte vor einigen Monaten bekanntlich vorgeschlagen, dass ich noch ein soziales Jahr ableisten solle. Da kann ich ihm nur sagen: Mit mir nicht! 46 Arbeitsjahre lang habe ich genug eingezahlt, um mich jetzt auf meine alternde Haut zu legen. Sollte ich noch irgendwo irgendetwas leisten, lasse ich mir das auch ordentlich vergüten.
In dem Artikel ist nicht ein Wort davon zu lesen, wie viel uns die ganzen Messerstechereien kosten. Jeden Tag gibt es in unserem Lande Messerverletzungen, jeden Tag „Auseinandersetzungen von Gruppen junger Männer“, Vergewaltigungen, Gruppenvergewaltigungen, Femizide. Alle ziehen Leistungen des Gesundheitswesens, Rettungswesens, der Apotheken, psychische Behandlungen und was weiß ich noch nach sich. Kein einziges Wort davon. Die Mehrheit unserer „geschenkten Menschen“ (wie sie Katrin Göring-Eckardt einst nannte, obwohl sie sicher nie ein solches Geschenk angenommen hat) gehen bei uns auf unsere Kosten zum Allgemeinmediziner, Fachmediziner, erhalten Rollstühle, Rollatoren, Prothesen, Brillen usw. usf. und haben in den seltensten Fällen jemals einen Cent in unser Sozialsystem eingezahlt. Nichts davon wird erwähnt.
Herr Montgomery erzählte uns seinerzeit, „die Flüchtlinge sind übernormal gesunde Menschen“ (nachzulesen hier). Da hat er, der auch sonst schon mal Pech beim Denken hatte (z.B. als er über die „Tyrannei der Ungeimpften“ klagte), ausgeblendet, dass die quasi vorgeschickt wurden. Die ganzen Familiennachzüge, da kommen nicht nur (auch mal mehrere) Ehefrauen, Eltern und Schwiegereltern, sondern auch Großeltern. Da kommt dann doch größerer medizinischer Handlungsbedarf auf Deutschland zu. Und machen wir uns mal nichts vor, den Autochthonen kann gut erklärt werden, warum welche Leistung nicht mehr von der Kasse übernommen werden. Die verstehen das und – wenn sie es können – löhnen sie dann selbst. Wird das auch Leuten erklärt, die kein Wort deutsch sprechen? Auch dazu kein Wort.
Ganz sicher ist die Überalterung ein Problem, aber bei Weitem nicht unser größtes, das die Sozialsysteme belastet. Aber die Belastungen, die sich für Herrn Merz oder die Autoren solcher Artikel ergeben, soll natürlich wieder die einzahlende Bevölkerung stemmen und sich auf Einschnitte einstellen. Für Herrn Merz oder für Frau Bas ergeben sich keine Einschnitte. Wenn die beim Arzt anrufen lassen und Behandlung benötigen, wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht von Einschnitten oder nicht mehr möglicher Behandlung die Rede sein. Unsereins staunt hingegen immer mehr und immer wieder, was die Kasse schon jetzt nicht mehr bezahlt, obwohl vieles früher eine Selbstverständlichkeit war.
Beitragsbild: David Henry SouterCommons:Lizenzen für weitere Informationen., Ëffentlechen Domaine, via Wikimedia Commons
@ Arnold Balzer – „Demnach sind schon zuviele Ärzte nach CH und NO abgehauen.“ – Dafür werden „wir“ hierzulande in den Krankenhäusern zunehmend von Medizinern verarztet, die Migrationshintergrund haben. Noch auffälliger beim Pflegepersonal, je nach „Gegend“ und Klinik gefühlt 90 % MiHigrus, von EU über Asien und Hispano-Amerika nahezu der ganze Globus vertreten. Stellt sich für mich die Frage, was diesbezüglich Ausbildungsmäßig und „Arbeitswillig“ die letzten gut 20 Jahre im Lande gründlichst schef gelaufen ist. Und daß „wir“ vielen weniger „entwickelten“ Ländern ihr dort sicher auch benötigtes medizinisches Personal abwerben, hat für mich auch ziemlich „Geschmäckle“, eine Art Kolonialismus. Aber diesbezüglich gibts im sonst so aufgeregten Lande bei diesem Thema keinerlei schlechtes Gewissen, offenbar.
Das mag ja wohl ein Kostenfaktor sein, trifft aber nicht das grundsätzliche Problem, steigende Krankheitskosten und damit immer höhere Kassenbeiträge. Hierzu müssten folgende Punkte mal schonungslos betrachtet werden:
1. Der ursprüngliche Versicherungsgedanke ist völlig aus dem Ruder gelaufen. Der war einmal dazu gedacht, gemeinschaftlich für extrem teure Ereignisse finanziell einzustehen, welche ein einzelner in der Regel nicht leisten kann. Beispiel teure Operation, chronische lebenslange Krankheit. Heute finanzieren wir uns darüber hinaus, mit überbordendem bürokratischen Aufwand auch noch den jährlichen Schnupfen und die Fussmassage über Zwangsversicherungen.
2. Sogenannte Vorsorgeuntersuchungen. Da werden aus 98% gesunden Menschen Patienten gemacht.
3. Extrem teure Medizintechnik, welche von den Betreibern ausgelastet sein will und damit jeder Pickel und Leberfleck regelmässig abgesucht wird, sofern Mensch sich Vollkasko in das System begibt.
4. Versicherte, welche auch alle Optionen nutzen, wenn sie schon dafür bezahlen müssen.
Usw. …
Will man die Kassenbeiträge wirklich senken, müssen die Leistungen der Pflichtversicherung radikal zusammen gestrichen werden, auf das wirklich absolut notwendige. Alles darüber hinaus über Selbstbehalte oder freiwillige Zusatzversicherungen und dass Leute welche nie selbst Beiträge bezahlt haben, auch keine Leistungen erhalten, sollte sowieso selbstverständlich sein.
@Clara Hagen, „In dem Artikel [vom Focus] ist nicht ein Wort davon zu lesen, wie viel uns die ganzen Messerstechereien kosten.“ –
Ja. In Ihrem Text aber auch nicht.
Laut Focus: 326,9 Milliarden Euro gaben die Krankenkasse 2024 aus
Laut Statista: 9917 gefährliche und schwere Körperverletzungen in 2024
Bei sehr großzügig geschätzten Behandlungskosten von durchschnittlich 20.000 Euro pro Fall: Summe 2024: 0,2 Milliarden Euro. Das wären 0,06 Prozent.
Tja, da irritiert es schon sehr massivst, dass „über die wahre Ursache […] weiter eisern geschwiegen“ wird!
Bleibt vermutlich die Lösung, die in die europäischen Sozialsysteme Eingewanderten an die ukrainische Front zu schicken, zur Verteidigung Europas. 2 Fliegen mit 1 Klappe. Die Ukrainer würden sich über diese Geschenke für die vorderste Front sogar freuen und könnten den eigenen Blutzoll reduzieren. An die ukrainische Front können wir ja schlecht diejenigen schicken, die durch ihre Produktivität den hiesigen Sozial- und Asozialstaat am Laufen halten sollen. Wäre schlecht, ist aber dummdeutsch das Wahrscheinlichste.
Lediglich der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass es noch ein paar weitere Kostentreiber gibt, das System selbst, die Strukturen und die Anreizfaktoren. Immerhin tummeln sich hier neben den Abkassierten etliche Teilnehmer mit Gewinnerzielungs- bzw Gewinnoptimierungsabsicht. Unter anderem mit der Folge, dass Leistungen weniger nach medizinischer Sinnhaftigkeit oder Notwendigkeit, sondern nach ökonomischer Lukrativität erbracht werden, gerne doppelt und dreifach. Ein genauerer Blick auf die Pharmabranche könnte auch helfen. Man sieht, dass neben der essentiellen Frage vom Verhältnis Zahler zu migrantischen ( Aus)Nutzern noch weitere Mrd im System schlummern , die Liste ist natürlich noch deutlich länger, die es zu heben gälte. Leider hat die Politik , genauer die Polittäter, daran aus sattsam bekannten Gründen keinerlei Interesse. Abgewählt werden sie aber auch nicht. Über die Gründe könnten auch die Autoren auf Achgut aufklären. Immerhin gibt es ja eine Opposition. Nun denn.
Dieses Problem lässt sich doch einfach lösen!
Wir müssen nur noch mehr junge Migranten importieren, die dann die Pensionen der Alten zahlen.
Selbstverständlich müssen die Alten noch länger arbeiten und noch höher besteuert werden, um den jungen Migranten ihre Pensionen genannt Grundsicherung zu zahlen.
Um die daraus folgende Finanzierungslücke zu schließen brauchen wir noch mehr Migranten und die Alten müssen noch länger malochen.
Daraus folgt der progressive Übergang von der leistungslosen Pension in die schaffensfrohe Sklaverei.
Hochachtungsvoll
Univ.-Prof. Dr. Thomas Szabó
Lehrstuhl für Soziale Schneeballsysteme. Humbug-Universität zu Berlin
Große Merkel Ehrenmedaille für Verdienste gegen das Vaterland
Übrigens waren sie heute wieder in der Fußgängerzone vertreten, die aufrechten Rentnerinnen gegen Rechts. Als uns eine von denen von der Seite anquatschte konnte ich nur schwer dem Impuls widerstehen, ihr nicht in den selbstgerechten Allerwertesten zu treten.