Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie schrieb 2016: „Wir haben etwas an der Energiewende gestrichen: Nachteile“. In seinem „Faktenblatt“ schrieb es:
Deutschland ist Vorreiter bei der Energiewende – weltweit. Auf dem Weg in eine saubere und sichere Zukunft ohne Atomenergie soll unsere Energieversorgung immer umweltfreundlicher werden. Zugleich muss sie aber bezahlbar und verlässlich bleiben. Auch die Wirtschaft profitiert von dem enormen Modernisierungsschub, den die Entwicklung innovativer Technologien im Bereich erneuerbarer Energien und Energieeffizienz auslösen“.
Dafür ist der Klimakanzlerin nichts zu teuer. Und ihr Kollege, der Herr Laschet (CDU), sagt dazu heiter: „Wir machen praktisch zwei Energiewenden auf einmal, den Ausstieg aus der Kernenergie und zweitens die CO2-Ziele erreichen“. Da frag ich mich: Wenn ich zwei Wenden auf einmal mache, fahre ich dann nicht weiter in der alten Richtung?
Das große Vorreiten darf dann schon mal eben gerne 25 Milliarden Euro an Steuergeld kosten – pro Jahr. Die Stromkunden und die Steuerzahler zahlen es ja fröhlich für die gute Sache, gern auch mal die höchsten Strompreise der Welt, zusammen mit Dänemark. Das Vorreiten hat sich bisher auf mindestens 150 Milliarden Euro aufsummiert. Und wenn es so weitergeht, kostet es bis 2050 eine Billion Euro. Das sagt kein geringerer, als der neue Superwirtschaftsminister Altmaier. Der kennt sich nämlich mit der Wirtschaft gut aus – er wurde schon des öfteren in einer Wirtschaft gesehen. Und was ist bei der deutschen Energiewende rumgekommen? Ich meine, so fürs Klima, für die Wirtschaft, für die Stromkunden?
Schlechter als Uruguay und Malaysia
Der Energiewende-Index betrachtet seit 2012 alle sechs Monate den Status der Energiewende in Deutschland entlang der drei Dimensionen des energiewirtschaftlichen Dreiecks: Klima- und Umweltschutz, Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit. Die aktuelle Entwicklung des Energiewende-Index zeigt: Nur fünf der 14 Kennzahlen werden in ihrer Zielerreichung als realistisch eingestuft: „Strom aus Erneuerbaren Energien“, „Arbeitsplätze in stromintensiven Industrien“, „Arbeitsplätze in erneuerbaren Energien“, „gesicherte Reservemarge“ sowie“ Ausfall der Stromversorgung“.
Für acht Indikatoren ist die Zielerreichung unrealistisch: „CO2-Ausstoß“, „Primärenergie- und Stromverbrauch“, „Kosten für Netzeingriffe“, „Haushalts- und Industriestrompreise“, „EEG-Umlage“ sowie „Ausbau Transportnetze“.
Doch es kommt noch dicker: International schneidet Deutschland beim Thema Energiewende noch schlechter ab, als beispielsweise Uruguay und Malaysia. Zu diesem Ergebnis kommt der neue globale Energiewende-Index (Energy Transition Index, ETI). McKinsey hat dafür in Zusammenarbeit mit dem WEF den Status der Energiewende in 114 Ländern anhand von 40 Indikatoren ermittelt. Das Ergebnis ist peinlich für diejenigen, die stets eine internationale Vorreiterrolle Deutschlands bei der Ökostrom-Transformation behauptet hatten, und niederschmetternd für jene, die das glaubten.
Im ETI-Gesamtranking belegt die Bundesrepublik Platz 16. Im europäischen Vergleich schneiden gleich elf Länder besser ab als Deutschland, darunter der weltweite Spitzenreiter Schweden, Norwegen, die Schweiz, Finnland, Dänemark, Österreich sowie Großbritannien und Frankreich.
Platz 110 von 114
Der Index zeigt: Deutschland steht vor größeren energiewirtschaftlichen Herausforderungen als viele andere Länder. Besonders deutlich wird dies mit Blick auf den Indikator „Struktur des Energiesystems“. Hier belegt Deutschland Platz 110 von 114. Das liegt vor allem an Deutschlands Abhängigkeit vom Kohlestrom: Dessen Anteil beträgt 42 Prozent – auch, weil er seit der Entscheidung zum Kernenergieausstieg einen hohen Beitrag zur Grundlastversorgung leistet. In der Kategorie „Umwelt- und Klimaschutz“ kommt Deutschland weltweit nur auf Platz 61 – hauptsächlich wegen seines hohen CO2-Ausstoßes.
Der Gipfel der Energiewende-Peinlichkeit wurde erreicht, als gerade bekannt wurde, dass kein Land der Welt im Jahre 2017 mehr CO2 eingespart hat als ausgerechnet der (laut Spiegel) größte Klimasünder USA mit ihrem eine Schwefelspur hinterlassenden Präsidenten Trump an der Spitze. Während im Vorreiter-Deutschland die CO2-Emissionen weiter anstiegen, gelang es den USA, Großbritannien, Japan und sogar Mexiko, ihren CO2 Ausstoß zu senken.
Erfolgreichster CO2-Sparer in absoluten Zahlen: die USA. Nach den Zahlen der IEA gelang es den Vereinigten Staaten, die CO2-Emissionen 2017 um 0,5 Prozent oder 25 Millionen Tonnen auf 4.810 Millionen Tonnen zu reduzieren. Damit verringern die USA ihre Emissionen schon im dritten Jahr in Folge.
Jetzt gibt es neben alternativen Fakten auch noch unliebsame Fakten. Leider hilft das aber wohl nicht gegen das Trump-Tourettesyndrom der meisten deutschen Journalisten. Schließlich haben die USA diesen Erfolg wohl mit dem Gottseibeiuns-Fracking erreicht.
Die Energiewende läuft für Deutschland so etwa wie der Europäische Songcontest. Vorletzter Platz – Kommentator Peter Urban rief: „Wir haben nichts falsch gemacht“ und Barbara Schöneberger meinte: „Levina hat doch so gut gesungen“, die ARD nannte das Elend „einen eleganten Auftritt“. Im Ergebnis waren sogar die rumänischen Jodler besser. Großzahler ARD (Startgebühr 400.000 Euro) sagte dazu offiziell: „Wir stellen uns dem Ergebnis und werden es analysieren“. Es sind die gleichen Worte wie 2013 (Platz 21), 2014 (Platz 18), 2015 (Letzter), 2016 (Letzter), 2017 (Vorletzter).
Was lehrt uns das? Ob Songcontest, Bundeswehr oder Energiewende: Aus Blamagen lernen? Das muss nicht sein.
Im Koalitionsvertrag heißt es zur Energiewende: „Der Anteil der Erneuerbaren Energien im Stromsektor soll von den jetzigen 38 Prozent bis zum Jahr 2030 auf einen Anteil von 65 Prozent steigen. Mit einer Energieeffizienzstrategie will die neue Regierung den Energieverbrauch bis zum Jahr 2050 halbieren“. Bitte, bleiben Sie ernst. Der Koalitionsvertrag passt zum Kernenergieausstieg, zum Kohleausstieg und nun zum Dieselausstieg. Nur – nach meinem bescheidenen Dafürhalten können solche weltfremden Ziele ausschließlich mit Gewalt erreicht werden.
„Großspurigkeit und Angst, das ist, nebenbei, die typisch deutsche Mischung. Ins Äußere gesprochen: Sentiment und Kaserne… Sie lieben Lieder und Munition, die Deutschen…“ (Uwe Tellkamp „Der Turm“)
Manfred Haferburg ist Autor des autobiografischen Romans „Wohn-Haft“ mit einem Vorwort von Wolf Biermann.
Beitragsbild: Capture Queen Flickr CC BY 2.0 via Wikimedia Commons

Lieber Herr Kollege Fortmann, als Professor für Winenergie müssen Sie so schreibdn, aber ich glaube, auch Sie haben das Speicherproblem - vermutlich - nicht gelöst. Auch bei Ihnen ist Wind- oder Sonenenergie noch stochastisch und ich wette, dass es die Regimes in Saudi-Arabien oder Iran nur peripher interessiert, ob Deutschland sich auf dem Weg der Deindustrialisierung befindet. Eine Bombe werden sie - so oder so - bauen. Herrn Haferburg mit seiner Erfahrung in dieser Art anzugehen, ist zumindest nicht seriös. Eine kleine Frage hätte ich: wenn nach Ihrer Berechnung pro Jahr 100 KKW in Betrieb gehen müssten, wie viele WKA würden wir dann weltweit aufstellen. Mal abgesehen davon, dass es - siehe oben - noch keine Speichertechnologie gibt. Und dass der deutsche Strompreis weltweit mit am höchsten ist, werden auch Sie nicht abstreiten können. Mit kollegialem Gruß Michael Scheffler PS: Im Internet redet man sich üblicherweise nicht mit Titeln an...
Der Unterschied zwischen einer Tragödie und einer Komödie? Wenn man Deutschland den Rücken kehrt, ist es nur eine Komödie.
Mit anderen Worten, die deutsche Energiewende wird vorsätzlich durch Propaganda der Politiker und Medien schön geredet, um nicht zu sagen die Steuerzahler und Strombezieher werden massiv belogen und zum Vorteil einiger weniger ausgenommen! Ein wichtiger Punkt ist im Artikel noch nicht aufgeführt, nämlich die Stabilisierung der Stromnetze. Pro Jahr müssen mehrere 100 Eingriffe in die Netze durchgeführt werden, um einen großen Blackout zu verhindern. Im Vergleich zu einer handvoll Eingriffen vor Beginn der Energiewende, zeigt die immer schlimmer werdende Situation die steigende Gefahr eines Kaskadeneffektes, der zu einem europaweiten, langanhaltenden Blackout führen kann. Die Folgen eines nur einwöchigen Stromausfalls sind gar nicht abzuschätzen. Erinnert sich noch jemand an die eindringliche Aufforderung durch den Bundesinnenminister für mindestens 14 Tage Notvorräte inklusive Wasser anzulegen? Ohne Strom kann kein Supermarkt etwas verkaufen, sofern sich die Geschäftsführung nicht auf Bargeld, Bleistift und Papier einlässt. Die Kühlungen funktionieren nicht mehr, auch der Kühlschrank zu Hause nicht, was insbesondere im Sommer sehr unangenehm wird. Aber auch der Nachschub der just-in-time anrollt, wird nicht mehr kommen, spätestens wenn die Tanks der LKWs leer sind, weil auch an den Tankstellen die Dieselpumpen nur mit Strom funktionieren. Kein Wasser kommt mehr aus den Leitungen, folglich funktionieren auch die Toiletten nicht mehr und so weiter und so fort. Deutschland ist in keinster Weise auf ein umfassenden, länger anhaltenden Stromausfall vorbereitet, egal wodurch ausgelöst. Die Polizei ist nicht mehr in der Lage zu kommunizieren, aber das macht nichts, denn die Bürger sind auch gar nicht mehr in der Lage die Polizei zu rufen. Die Unverantwortlichkeit der Verantwortlichen, um in den Medien positiv dazustehen und sich moralisch überhöhen zu können ist unglaublich!
Das passiert, wenn Leute Politik machen, die wahrscheinlich einen Schraubenzieher falsch herum in die Hand nehmen würden....
"Wenn ich zwei Wenden auf einmal mache, fahre ich dann nicht weiter in der alten Richtung?" Ein geübter Wendehals, davon gibt es offensichtlich viele, kann den Hals erst ein bisschen nach links und danach ein bisschen nach rechts drehen, so daß am Ende keiner sagen kann, er sei ein Wendehals. Herr Laschet scheint ja wirklich ein ausgesprochener Energieexperte zu sein, wurde ihm schon eine Gastproffesur an einer der großen Unis weltweit angeboten ?? Abgesehen davon kann mir keiner sagen, WIE Energie zu wenden ist, wie ein schmutziges Tischtuch, was man gewendet wieder verwenden kann ??
Deutschland hat eine seltsame Sucht in allem Vorbild zu sein. Die Bewunderung, vielleicht auch der Neid anderer Länder scheint wichtiger zu sein, als das objektive Ergebnis, das tragischerweise verfehlt wird. Dies gilt sowohl für die Energiewende als auch für die Flüchtligspolitik.
Die 150 Milliarden € sind doch nicht weg. Die haben nur Andere. Lobbyarbeit in der reinsten Form. Die "Beute" wird gerecht verteilt.