Thilo Schneider / 09.05.2021 / 12:00 / Foto: Martin Kraft / 20 / Seite ausdrucken

Kraft durch Franziska

Vergessen Sie CO2-Zertifikate, Lockdowns, mehr Lockdowns und noch mehr Lockdowns, Feld-, Wald- und Wiesensterben, Bienensterben, Sterbensterben, Pferdebremse, Mietpreisbremse und Schuldendeckel und umgekehrt, Vogelschredderanlagen, Steuerbelastungen und Grundrechtsverluste, denn – es gibt Hoffnung und gute Nachrichten!

Franziska Giffey, ihres „ruhenden Doktortitels Vorzeichen“ amtierende Mimiministernde des „BMFSFJ“ (kürzt sich wirklich so ab, ich kann nix dafür!), also des „Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen, Jugend und Gedöns“ (Gerhard Schröder), hat eine ganz tolle und neuartige Idee. Die „KdF – Kraft durch Franziska.“ Konkret: „Familien mit geringem Einkommen sollen die Möglichkeit bekommen, einen kostengünstigen einwöchigen Erholungsaufenthalt in den gemeinnützigen Familienferienstätten zu erhalten. Wir werden diese Angebote mit bis zu 90% aus Bundesmitteln fördern." Hashtag #Aufholpaket. So steht es auf Twitter. Kein Witz. Keine Pointe. Ich habe mir das DIESMAL nicht ausgedacht. Die Werktätigen der DÖR, der „Deutschen Ökologischen Republik“, danken der Partei.

Ungeahnte Möglichkeiten eröffnen sich jetzt: Prora könnte nach 90 Jahren Baustopp endlich fertiggestellt werden (nehmt DAS, Berliner Flughafenfreunde!), um die Massen des geringverdienenden Proletariats (nur aus Deutschland – oder mal wieder weltweit?) aufzunehmen. Somit könnten die Wartezeiten, ebenso wie die Bürger, ganz kurz und klein gehalten werden. SPD-nahe Hoteliers und Campingplatzbesitzer könnten endlich gemeinsam mit den Werktätigen aus dem unerschöpflichen Füllhorn des Staates einen ganz tiefen Schluck nehmen und endlich der Sozialistischen Einheitsbreipartei Deutschlands die Dankbarkeit zeigen, die ihr schon lange zusteht!

Gut, derzeit darf nach Mecklenburg-Vorpommern sowieso niemand hinein, jedenfalls nicht mit Kindern (aber Hund geht), und falls doch, findet er dort gut geschlossene Hotels und abgesperrte Campingplätze und muss gleich wieder heim. „Schwerin sehen und sterben“. Aber vielleicht lässt sich ja die „Wilhelm Gustloff“ wieder heben und ökologisch nachhaltig wieder aufbauen? Immerhin ein Bullauge ist ja schon wieder oben und so könnten die verdienten Mitarbeiter der SPDÖR und ihre Wählerdoppelpunktinnen eine einwöchige Kreuzfahrt auf Kosten des BMFSFDJ von der Zonengrenze bis nach Gdansk machen? Und wenn Corona ausbricht, dann ließe sich die Lage sauber und schnell mit russischen Torpedos bereinigen.

Der Vorschlag folgt der stringenten Linie der geistigen Ressourcenschonung

Was wären das auch für rauschende Ballnächte: Ordensverleihungen an die „Verdienten Helddoppelpunktinnen des antifaschistischen Widerstands“ oder für die Bewohnerdoppelpunktinnen „queerfeministischer Wohnprojekte“ für das engagierte Sammeln sekundärer Rohstoffe und deren thermische Verwertung, vielleicht auch das gemeinsame Angeln nach in Seenot geratenen Ex-Bundespräsidenten und deren Verbringung nach Kaliningrad als nächstem sicheren Hafen… Hach, ich komme ins Schwärmen. Entschuldigung.

Ich will aber nicht spotten: Der Vorschlag der Dingsbundesministerin folgt der stringenten Linie der geistigen Ressourcenschonung, was bei der SPD sowieso Sinn macht, und man muss das Rad der Geschichte ja nicht dreimal erfinden, wenn es schon zweimal da war. Zurückdrehen genügt völlig!

Vielverdiener und Regierungskritiker könnten in einem nächsten Schritt vielleicht auch von SPD-Programmen profitieren und ebenfalls „zur Klärung eines Sachverhalts“ einen einwöchigen, kostengünstigen Urlaub in so wunderbaren Orten wie Hohenschönhausen oder, für Feiern für unverdiente Genossinnenden, Hoheneck. Wunderbare Freizeitgestaltungen hätten diese Ferienlager wie „gemeinschaftliches Workout in der Waldverwertung und im Infrastrukturbau“ oder „Social Coaching“ in irgendwelchen „Freizeit- und Fitnesscentern“ in den Kellern der entsprechenden Orte – es kommt doch nur darauf an, welchen Namen man dem Wiederfindelkind gibt und der Applaus der friedliebenden Völker der DÖR wäre auf mindestens zwölf, bestenfalls 40 Jahre sicher! Buchungen ab sofort und ohne sozialunverträgliche Wartezeit (die Buchung, nicht die Reise!) unter www.spd-reiseservice.de. Kein Wunder, dass Karsten, was der Mann von der Franziska ist, durch Abwesenheit in seinem Job glänzte und mit Reisekosten, Nebentätigkeiten und Dienstzeiten durcheinanderkam. Der hat das vorbereitet. Und trotzdem wurde „seine Arbeit nicht wertgeschätzt“.     

Ich als Hobbypolitiker hätte ja noch einen anderen, allerdings sehr absurden und menschenverachtenden Vorschlag: Wir sparen den Geringverdienern einfach Steuern und diese dämliche CO2-Abgabe, denn dann haben die mehr in der Tasche und entscheiden selbstständig und eigenverantwortlich, wofür sie das ausgeben möchten. Mallorca sollte drin sein, wenn Mecklenburg-Vorpommern schon draußen ist und dann haben nicht nur wir, sondern auch die Spanier etwas davon. Aber was weiß ich schon? Ich bin weder Arzt noch Doktor. Wie Frau Franziska Giffey.

(Weitere Urlaubsideen des Autors unter www.politticker.de

 

Von Thilo Schneider ist in der Achgut-Edition erschienen: The Dark Side of the Mittelschicht, Achgut-Edition, 224 Seiten, 22 Euro.

Foto: Martin Kraft CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

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Reinmar von Bielau / 09.05.2021

Die Eigenverantwortlichkeit des Individuums wird immer mehr zum absoluten Fremdwort für die Sozialdemokraten in Deutschland. Man weiß in der SPD eben besser, was gut für die Unterschicht ist. Nachdem man ihr Hartz4 angetan hat, kommt jetzt dies. Was für eine Hoffart!

Bernd Eck / 09.05.2021

Im richtigen Arbeitsleben würde so eine Person hinter vorgehaltener Hand als dumme Kuh bezeichnet.  Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Aber halt, doch. Es gibt da noch so eine grün-gehypte Kanzler-Kandidatin, deren Studiengang sehr viele Merkwürdigkeiten ausweist mit keinem richtigen Abschluss. Was die verbalen Ausfälle wie bei Giffey durchaus einen Erklärungsansatz bietet.

Emmanuel Precht / 09.05.2021

Wer schafft es eigentlich Frau (nodoc) Griffeys “säuselpiepsen” länger als 30 Sekunden zuzuhören? Also ich nicht! Wohlan…

Jörg Krüger / 09.05.2021

Sehr geehrter Herr Thilo Schneider, schön Tränen gelacht vielen Dank dafür.

A.Schuster / 09.05.2021

@ Christa Born, wie wäre es mit dem “Besten” aus allem.  Die Wiederbelebung des VEB Kombinat Sekundär-Rohstofferfassung plant Umwelt-Svenja bereits. Dienstleistungskombinat und Wohnungsbaukombinat samt Wohnungszuweisung nach Nase gingen auch wieder. Fehlt noch “Fliege roter Schmetteling. Und in Anlehnung an noch frührer das Elternkreuz sowie Bund Bunter Mädel*innen,

A.Schuster / 09.05.2021

Ich frage mich, welcher großer Krieg (mit allem was dazugehört) in Planung ist. Offenbar muss wieder einmal für Ruhe und Stillhalten an der Heimatfront gesorgt werden. Das alles wird mir immer unheimlicher.

Petra Wilhelmi / 09.05.2021

Oh nein, das ist zu viel. Ich lese heute schon den 3. Artikel bei meiner Rundlese der alternativen Medien, bei der ich mir denke, dass das alles gar nicht wirklich sein kann. Ich sitze nur noch mit offenem Mund da und kann nicht mehr die “tollen” Ideen, die aus dem Irrenhaus zu stammen scheinen, verkraften. Worte finde ich dafür nicht mehr. Es scheint, dass das 1000-jährige Reich doch weiter fortlebt und nicht untergegangen ist.

Sirius Bellt / 09.05.2021

Ich bin mit dem Projekt von Franziska Giffey einverstanden, allerdings nur, wenn sie sich zeitgleich auch für eine Bastei für ausrangierte Politiker stark macht.

Bechlenberg Archi W. / 09.05.2021

Beim Anblick von Frau Giffey wabert immer der Geruch von billiger Kernseife aus der VEB Fettchemie Karl-Marx-Stadt durch meine Nase, verwoben mit lavendulingetrübtem Achselschweiß, einem Schuss Ersatzzichorien-Kaffeeersatz mit einer Kopfnote aus simmernder Graupensuppe und naturidentischen Fettaugen. Und an der Kittelschürze prangt ein rotgoldener Anstecker “Verdiente Herbergsmutter des Volkes”.

Peter Michaelsen / 09.05.2021

Schade, ein wirklich dümmlicher Artikel. Diese etwas tumbe Ministerin ist bauernschlau. Sie verkauft Dinge von woanders als großartige eigene Idee. Dem ist nicht so. In der Schweiz oder Dänemark haben Ferieneinrichtungen für weniger wohlhabende Familien eine lange Tradition. Und der Urlaub auf Balkonien wird künftig für immer mehr Menschen in Deutschland bei der Grünen Kostenlawine zum sommerlichen Normalzustand. Die Kosten für einen netten Sommerurlaub sind schon in den letzten Jahren stark angestiegen. Und mit dem Kampf gegen Ryanair und Easyjet werden auch Studenten weniger von der Welt sehen. Dann werden noch mehr und mehr kleinkarierte Menschen unser Land bevölkern und Unsinn wie hier schreiben.

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