Das Streben nach einer Gesellschaft, in der allen Menschen Gerechtigkeit widerfährt, ist edel, und es kann auf das Gemüt entlastend wirken. Darum hat der Marxismus bei heute so begeisterte Anhänger - trotz seines vielfältigen Scheiterns an der Wirklichkeit. Beginnen wir mit einer sehr anschaulichen Ungerechtigkeit, die aktuell durch die Medien ging: Nach dem jüngsten World Wealth Report der Boston Consulting besitzen 5.000 Superreiche mehr als ein Viertel des Finanzvermögens in Deutschland, 700.000 Multimillionäre besitzen zusammen rd. 53 Prozent des Finanzvermögens. Der größte Teil der Deutschen hat dagegen kein nennenswertes Finanzvermögen. Historisch gesehen ist jedwedes Vermögen vergangenes Einkommen, das erspart, also nicht konsumiert wurde, oder es ist ererbt. Aber ist das nicht ungerecht? Der eine hatte das Glück wohlhabender Eltern und wird so ein glücklicher Erbe. Der andere ist bei der Lotterie leer ausgegangen und muss sich sein Vermögen selbst erarbeiten.
Das kann man so sehen. Aber andere Ungerechtigkeiten der Lebenslotterie sind noch viel schwerwiegender: Schönheit, Intelligenz, seelische Robustheit und Tatkraft sind großenteils erblich. Auch unsere Eltern konnten wir uns nicht aussuchen, ebenso wenig wie das Land und die Zeit, in der wir geboren wurden. Natürlich kann ein moderner Staat eingreifen, um die Ungerechtigkeit der individuellen Ausgangslage abzumildern. Aber wenn er dabei übertreibt, schafft er dabei neue Ungerechtigkeiten und negative Konsequenzen, die möglicherweise noch viel schlimmer sind als die Ungleichheit bei Einkommen und Vermögen.
Außerdem gibt es nicht nur eine Gerechtigkeit gegenüber den Besitzlosen, sondern auch eine gegenüber den Besitzenden: 10 Prozent der Einkommensteuerzahler erbringen 55 Prozent des Aufkommens, die untere Hälfte der Einkommensteuerpflichtigen trägt dagegen nur 6,5 Prozent zum Aufkommen bei. Zur Gerechtigkeit gegenüber den Besitzenden gehört: Wer sein versteuertes Einkommen spart oder investiert, statt es zu konsumieren, sollte es nach seinem Belieben verwenden können, dazu gehört auch die Freiheit, es zu vererben oder zu verschenken, ohne dass der Staat erneut zulangt. Zahlreiche Erben oder Beschenkte sorgen schon durch ihr eigenes Konsumverhalten oder durch wirtschaftliche Fehlentscheidungen dafür, dass sich Vermögen nicht unbegrenzt weiter konzentriert. Wo aber vorausschauende Familien ihre Vermögen über Generationen zusammenhalten, ist dies auch gesellschaftlich nicht schädlich, sondern eher ein Kitt für die Gesellschaft insgesamt
An der Grenze der Umverteilung
Beim politisch verträglichen Ausmaß der Umverteilung gibt es zwar keinen objektiven Gerechtigkeitsmaßstab, aber es gibt Gebote der praktischen Vernunft. Das Gemeinwesen muss nämlich auch funktionieren, und in diesem Punkt hat die Umverteilung in Deutschland das Land und seine Wirtschaft bereits an Grenzen geführt:
- Die Belastung der Arbeitnehmereinkommen mit Steuern und Sozialabgaben liegt in Deutschland europaweit neben Belgien an der Spitze. Wer z.B. als Arzt oder Krankenschwester in Zürich statt in Konstanz arbeitet, verdient nicht nur brutto besser, es bleibt auch deutlich mehr netto vom brutto.
- Auch die Unternehmensteuerbelastung in Deutschland ist im internationalen Vergleich an den obere Rand gewandert. Wer in Deutschland produziert, hat nicht nur höhere Arbeitskosten, er hat auch eine höhere Belastung des Unternehmensgewinns. Folgerichtig sinkt der Zustrom von ausländischen Investitionen, und industrielle Produktion wandert aus Deutschland ab.
Viele wollen der ungleichen Vermögensverteilung mit höheren Erbschaftsteuern oder einer Vermögensteuer zu Leibe rücken. Dem können die Superreichen oder auch der wohlhabende Mittelstand leicht begegnen, indem sie Deutschland verlassen, und viele tun das bereits seit Jahrzehnten. Ob das dem Wirtschaftswachstum in Deutschland und den breiten Arbeitnehmerschichten nützt? Das Gegenteil ist wohl der Fall. Es ist unwahrscheinlich, dass damit die Vermögensverteilung gleicher wird, aber ziemlich sicher, dass sich damit die Stagnation in Deutschland weiter verfestigt und damit indirekt auch der Massenwohlstand gefährdet wird. Der Staat sollte sich darauf konzentrieren, durch ein leistungsorientiertes Bildungssystem den Tüchtigen aus allen Schichten in jeder Generation neue Chancen zu eröffnen. Tut er dies mit Erfolg, dann kann er die Verteilung der Vermögen getrost dem Spiel der freien Kräfte überlassen.
Dieser Beitrag erschien zuerst in der Weltwoche.
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PS: Daß die Mehrheit der Deutschen über kein nennenswertes Finanzvermögen verfügt ist nicht zuletzt einer mangelnden Finanzkultur sowie staatlich amplifizierten Fehlanreizen zu verdanken; von der lebenslänglichen fiskalischen Ausplünderung durch den monströsen Parteien/Behörden/NGO-Komplex über ein komplett verantwortungsloses Rentensystem bis zur Unkultur des Sparbuchs, welches letztere zudem einem schwachbrüstigen und rückständigen deutschen Bankensektor über Jahrzehnte bequemen und billigen Zugriff auf das Geld deutscher Kleinsparer verschafft hat.
Die Fiktion der ´Verteilungsgerechtigkeit´ ist doch nur eine neue ´Erzählung´ der allseits bekannten Märchenonkel und -tanten, um die durch seine ruinöse Wirtschaftspolitik versiegenden Finanzierungsquellen sowie die allgemeine Machtbasis des Parteien/Behörden/NGO-Komplexes noch weiter auszubauen. Jeder Idiot kann sich doch ausrechnen wie selbst bei einer vollständigen Enteignung sämtlicher deutscher Milliardäre und Multimillionäre mit anschließender ´Gleichverteilung´ pro Habenichts-Nase bestenfalls eine Einmalzahlung von ein paar tausend Euro rauskommt. Realiter kriegen die Habenichtse natürlich gar nichts und die Umverteilungsknete landet genau dort, wo auch sämtliche Steuern, Abgaben und Beiträge landen welche selbst der deutsche Geringstverdiener zahlt: beim allesfressenden deutschen Parteien/Behörden/NGO-Komplex. Es kann nicht darum gehen, diesen Moloch mit irgendwelchen neuen Steuern noch weiter aufzublähen, ganz egal wie diese propagandistisch ´erzählt´ werden. Es ist im Gegenteil genau dieser Moloch, der mit umfassenden Steuerstreichungen und -senkungen auf ein Bruchteil seines derzeitigen Umfangs reduziert werden müsste, um Bürger und Unternehmen zu entlasten, das Erfolgsmodell kapitalistische Marktwirtschaft wieder zum Laufen zu bringen, mehr Jobs und breiteren Wohlstand zu schaffen.
Die große Inszenierung die „Reichen“ müssen [sic] abgeben, wird wieder einmal in sich zusammenfallen. Steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten, Steuerflucht, Gründung von Stiftungen etc. Was bleibt dem Finanzminister: „Nehmt es von den Armen die sind zahlreicher.“ Übrigens, nur wenn der Staat den Unternehmern, Investoren usw. Möglichkeiten schafft, Profit zu generieren, hat auch der Staat (also alle) etwas. Schwarze Schafe gibt es überall. Nicht vergessen, in der Zeit als Unternehmen in Deutschland noch richtig Geld verdient haben, entstanden die Wohnviertel Krupp, Siemens, Bosch, Mercedes, Schwartzkopff. Wohnviertel in denen heute noch Menschen gut wohnen. Während 30 Jahre alte Brücken in sich zusammenfallen.
Thilo Sarrazin schreibt ökonomische Vernunft, während einander bedingende Phasen guter und schlechter Zeiten die Politik steuern, und nicht etwa anders herum die Politik geschichtliche Entwicklungen dominiert.
Auf Deutschland bezogen führte der wirtschaftliche Aufstieg des Kaiserreichs in den Ersten Weltkrieg, dessen Nachspiel in Kombination mit einer Weltwirtschaftskrise die Nazis an die Macht brachte und zur Katastrophe des Zweiten Weltkriegs führte. Das für Deutschland außerordentlich schlechte Ergebnis des Zweiten Weltkriegs ermöglichte den Nachkriegsboom, der ein Sozialsystem ins Leben rief, welches nun wiederum unser Verderben sicherstellt.
Keine dieser Entwicklungen war von Politikern beabsichtigt. Die Nazis beispielsweise haben sich ihr Tausendjähriges Reich ganz anders vorgestellt. Und was uns zu Multikulti, dem Euro und der Energiewende versprochen wurde, spiegelt sich ebenso wenig in der Realität.
Jetzt wird der Zeitgeist mit einem neuen Sozialismus in die Mangelwirtschaft führen und die Politik schaut zu. So kann Merz nur traurig gucken, wenn er nach seinen Erfolgen gefragt wird. Der Zyklus ist gegen ihn, kann man nichts machen.
Der Neider sieht den Rosengarten,
er sieht nicht , den großen Spaten !
Survival of the fittest vs. Nächstenliebe. Ein ewiger Kompromiss.
Merkwürdigerweiser übersieht der Autor Sarrazin immer die Beamten und vor allem deren Kosten für das Gemeinwesen. Wir haben die höchsten Sozialabgaben der Welt, stimmt sicher, aber wir haben eben auch den teuersten und ineffizientesten Beamtenapparat der Welt. 55% aller deutschen Beamten sind im Bildungsbereich tätig. Dass daraus eines der schlechtesten Bildungssysteme der Welt resultiert, versteht sich dabei fast von selbst. Genau da gehört die Kettensäge angesetzt. Nicht beim Bildungssystem. Beim Beamtenstatus für Lehrer.