Eugen Sorg, Gastautor / 01.11.2017 / 10:36 / 3 / Seite ausdrucken

Kommt der große Guru vom Genfer See vor Gericht?

Von Eugen Sorg.

Nach Henda Ayari haben in den letzten Tagen noch zwei muslimische Französinnen Klagen gegen den einflussreichen islamistischen Prediger und Autor Tariq Ramadan eingereicht. Und weitere Frauen überlegten sich eine Anzeige. Die Vorwürfe gleichen sich. Ramadan habe sie «geschlagen» und «geohrfeigt», zitiert Le Monde eine der Klägerinnen, eine gehbehinderte Konvertitin, zu «Oral- und Analverkehr gezwungen», «je mehr ich schrie, desto mehr schlug er», an den «Haaren durchs Hotelzimmer geschleift» und in der Dusche «über sie uriniert».

Die dritte Klägerin gab zu Protokoll, Ramadan habe sie sexuell bedrängt und sexuelle Dienste mit der Drohung erpresst, «kompromittierende Bilder» von ihr zu veröffentlichen. Ist der «perverse Guru», wie das mutmassliche Vergewaltigungsopfer Henda Ayari den Schriftsteller bezeichnet hat, der grobe Harvey Weinstein des Islam?

Eine Verleumdungskampagne seiner «ewigen Feinde»

Ramadan hat Gegenklagen deponiert. Er stellt sich als Opfer einer Verleumdungskampagne seiner «ewigen Feinde» dar. Wer diese sind, verrät er nicht. Aber seine Anhänger auf den sozialen Medien werden konkreter. Die Anschuldigungen seien das Werk einer «internationalen zionistischen Verschwörung», verkünden diese, mit dem Ziel, das Ansehen des 55-jährigen Islamisten und des Islam zu beschmutzen.

Die Juden stecken hinter allen Übeln der Welt, den kleinen und den grossen, hinter den Revolutionen, den Weltkriegen, dem Atheismus, der Prostitution, dem Zerfall der Familie und dem Niedergang des osmanischen Kalifats. Dies war nicht nur die Auffassung der von Tariq Ramadan verehrten Hassan al-Banna und Sayyid Qutb, Ersterer sein Grossvater und Gründer der Muslimbruderschaft, Letzterer dessen wortgewaltiger und giftiger Theoretiker.

Ein paranoider Judenhass ist heute common sense in der gesamten islamo-arabischen Kultur, vom Schuhputzer in Saana bis zum Vorsteher der Al-Azhar-Universität und auch in Teilen der muslimischen Diaspora in Europa. Die ewige Versuchung: Man stilisiert sich zum Opfer und schiebt die Schuld am eigenen Versagen den anderen zu. Sollten sich weitere vergewaltigte Frauen melden und Tariq Ramadan einst von einem Gericht schuldig gesprochen werden, nichts wird seine Gemeinde anfechten. Für sie ist das Urteil längst gefällt: Der Jude ist schuld.

Zuerst erschienen in der Basler Zeitung

Siehe auch: Bruce Bawer über Tariq Ramadan

 

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Leserpost (3)
Karla Kuhn / 01.11.2017

“.....das Ansehen des 55-jährigen Islamisten und des Islam zu beschmutzen.” So ein Schwachsinn, wenn ein Deutscher solche Vergehen begeht, wird dann das “Ansehen”  des Christentums, bzw. der Kirchen beschmutzt ? (Dafür haben schon einige Pfarrer u. a. selber gesorgt)  ” Man stilisiert sich zum Opfer und schiebt die Schuld am eigenen Versagen den anderen zu. ”  Das ist ein alter Hut. So etwas machen diejenigen gerne, die zu feig sind ihre Schuld einzugestehen. Wenn er diese Vergehen begangen hat, muß er bestraft werden. Punkt.

Brigitte Miller / 01.11.2017

Sollten sich diese Übergriffe verifizieren: sie passen ganz genau zu diesem Mann, der ein Wolf im Schafspelz ist. Dass Muslime sich zum Opfer stilisieren hat System und wird leider von bestimmten Kreisen hier zu Lande kräftig unterstützt.

Christian Beilfuss / 01.11.2017

Allerdings hat sich die Bewertung eigener Taten gewandelt. Ist über Jahrhunderte die Vergewaltigung der Unterworfenen mit Stolz und zur Einheimsung großer persönlicher Ehre verkündet worden, so wird sie derzeit eher vor der Öffentlichkeit versteckt. Während osmanische Geschichtsbücher zum Beispiel heroisch davon künden, wie die feigen Christen, die sich in die Hagia Sophia geflüchtet haben, der gerechten Rache zugeführt werden oder wie Sultan Mehmed II. den minderjährigen Sohn des letzten oströmischen Kaisers höchstpersönlich vergewaltigt und dann köpft, werden solche Details heuzutage geflissentlich verschwiegen. Man wird in der Wlet eben inzwischen anders betrachtet als im Binnenverhältnis.

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