
Sehr geehrter Herr Dr. Petersen, Ihre Kritik ist dem Grunde nach von allen die noch mental zu erreichen sind, zu begrüßen. Menschen die sich weniger mit der Sache auseinandersetzen, sondern genüsslich mit diffusen Argumenten “streiten”, Menschen die die EU zu zerschlagen trachten und den Euro zum Teufel wünschen, diese Menschen werden Sie vermutlich mit Ihrer Kritik nicht erreichen. Menschen mit Vorurteilen, vom Populismus gepeitscht, vom Zeitgeist umschlungen, Menschen die mit Hohn und Spott bis hin zur persönlichen Verunglimpfung agitieren, sind resistent gegen Argumente, die ihr Bewusstsein entzaubert.
@Peterson: Werden Sie wieder objektiv. Sagen Sie, was Sie an Europa gut finden. Die Tatsache, dass Politiker alles über die Banden erzwingen können, was ihnen in ihrem Heimatland verwehrt wird? Die Normierung von Gurken, Obst, Beleuchtungskörpern, Duschköpfen, Seilbahnen, elektronischen Zigaretten, Bürgerverhalten? Oder etwa den Vertragsbruch zur Rettung einiger Staaten vor dem unausweichlichen Konkurs? Die horrenden Steuern für einen administrativen Wasserkopf? Den eklatanten Mangel an Bürgernähe?
Guter Kommentar, Herr Dr. Petersen. Und lässt einen trotzdem etwas ratlos zurück. Die meisten Kritiker der EU sind meinem Verständnis nach nicht fanatische Nationalisten, sondern, von einigen verrückten Ausnahmen abgesehen, durchaus Leute, die die europäische Integration sehr befürworten. Sie haben natürlich recht, dass es auch in Deutschland Probleme gibt - hier gibt es vor allem aber Wahlen, die eine Bedeuting haben. Da kann man mit der Richtung nicht einverstanden sein etc - und muss sich dann Mehrheiten suchen. In Europa ist das demokratische Prinzip ausgehebelt, elitäre Verwaltungsapparate und die Regierungsvertreter schalten und walten unter Vergewaltigung einstmals “heiliger” Europäischer Verträge (Maastricht) zum Nachteil Europas. Da wird etwas Kritik erlaubt sein müssen - die ja nicht extrem nationlistisch ist, sondern im Gegenteil Effizienz und Wohlstandssteigerung für ganz Europa im Auge hat. In diesem Sinne sind (fast) alle “gute” Europäer. Grüße
“Aber wer pauschal die EU und den Euro als komplette Fehlkonstruktion verunglimpft, sollte einen besseren Gegenvorschlag in Reserve haben.” Nein, das sollte und muß man nicht.
Hallo, Herr Dr. Petersen ! Das ist ja mal ein ungewöhnlicher Beitrag in der ansonsten eu-skeptischen “Achse….”. Leider kann ich Ihren Ausführungen nicht zustimmen. Es steht für mich fest, dass es allen europäischen Ländern -auch Deutschland- in der Euro-Zone vor Abgabe ihrer alten nationalen Währung finanziell, sozial und wirtschaftlich besser ging. Und das ist für mich der ausschlaggebende Punkt. Und wegen der sozialen Verwerfungen (extrem große Armut, hohe Jugendarbeitslosigkeit) vor allen Dingen in den südeuropäischen Ländern ist zumindest der soziale Frieden gefährdeter, als wie damals, als es nur die EU gab. Eine Rückkehr zum Status quo ante wäre jedenfalls friedenssichernder als wie der derzeit frustrierende und latent explosive Zustand. Noch eine Frage zum Abschluss: Warum wollen wirtschaftlich gesunde Länder wie Norwegen und die Schweiz noch nicht einmal in die EU ? Mit freundlichen Grüssen ! Werner Pfetzing
Gut gesprochen. Eine Bemerkung zu den “besseren Gegenvorschlägen” sei erlaubt: der Status Quo ist zunächst einmal wie er ist, und in der Summe ist er brauchbar. Jede Veränderung oder Entwicklungsinitiative muss einen nachvollziehbaren erwarteten Nutzen haben. Das gilt für Forderungen nach Auflösung des Euro oder der EU. Genauso gilt es aber auch jederzeit für Erweiterungen der EU-Kompetenzen, “Rettungsschirme” oder eine zerbrüsselte “immer weitergehende Integration” à la Juncker, die gerne als alternativlos dargestellt wird. Das ist sie keineswegs, deswegen heisst die Devise nicht “weitermachen bis ein besserer Vorschlag da ist” sondern “erst weitermachen, wenn verständlich ist wie genau die weitere Integration für Verbesserungen sorgt”. Fair?
Es gab schon viele historische Aufgaben, die es angeblich wert gewesen wären, dafür zu kämpfen. Zuletzt war dies das tausendjährige Reich. Und wie wir wissen, kämpften viele Deutsche noch verbissen dafür, als der Untergang bereits besiegelt war. Bei der EU von einem demokratischen Zusammenschluss zu sprechen, ist sicherlich ebenfalls diskussionswürdig. Der gemeinsame Wirtschaftsraum war eine gute Idee. Die gemeinsame Währung der ursprünglichen Mitglieder war aus meiner Sicht ebenfalls eine gute Idee. Alles was danach kam, war zum Scheitern verurteilt. Es ist eine Illusion zu glauben, man könne die Europäischen Staaten politisch eng zusammenbinden. Dazu sind die Länder und ihre Kulturen einfach zu verschieden. Sinnlose Verordnungen, die von der EU am laufenden Band raus gegeben werden, interessieren Italiener und Spanier kaum. Die zucken mit den Schultern und rauchen ihre Zigarette weiter in der Kneipe. Ob der Grieche bereits großflächig Probeentnahmeventile zur Legionellenprüfung installiert hat? In Deutschland schlägt der Bürger jedoch die Hacken zusammen und führt jede Verordnung penibelst aus. Der Wunsch vieler Deutscher, in einer Europäischen Union aufzugehen, also sozusagen zu verschwinden, wird von den restlichen Ländern sowieso nicht geteilt. Und wie wir mittlerweile wissen, ist der GröFaZ der EU und ehemalige Buchhändler, Martin Schulz, hauptsächlich darauf bedacht, seine Einnahmen zu maximieren. Ich denke, der Traum EU ist ausgeträumt. Das bedeutet natürlich nicht, dass die Politik ihn bis zum Untergang weiterverfolgen wird.
Richtig an Ihrem Artikel ist die Bemerkung, daß es auch in Deutschland Probleme gibt. Und diese werden nach dem morgigen Freitag, der uns und unsere Kinder mit dem Rentenpaket teuer zu stehen kommen wird, sicherlich nicht weniger werden. Der entscheidende Unterschied besteht jedoch darin, daß Kritiker der hiesigen Politik nicht sofort als Vaterlandsverräter, Wirrköpfe, Rechtspopulisten und und und abgestempelt werden. Stimmt das - auch in Ihrem Artikel nicht fehlende - gebetsmühlenartig wiederholte Mantra “Europa gleich Frieden, ohne Europa kein Frieden” denn wirklich? Piep, Du bist raus, solche Fragen stellen nur Europafeinde, Rechtspopulisten und Nationalisten! Und Sie, werter Herr Dr. Petersen, arbeiten doch ebenfalls nach genau diesem Prinzip, mit dem jeder Hinterfragende entweder in die rechte Ecke gestellt oder aber als nicht ganz zurechnungsfähig lächerlich gemacht werden soll. Sicher, Sie gestehen zu, man könne sich aufregen und Reformen anmahnen. Nur leider haben Sie von den EU-Beschimpfern - allein Ihre Wortwahl ist abenteuerlich - noch keinen einzigen gehört, den Sie ernst nehmen können, so ein Pech aber auch. Sie können das natürlich halten, wie Sie möchten. Ein bißchen blöd ist jedoch, daß Sie die Menschen so genau den Leuten geradezu in die Arme treiben, die Sie zu bekämpfen vorgeben. Ich teile bei weitem nicht alle Argumente der von Ihnen so bezeichneten EU-Beschimpfer. Aber auseinandersetzen kann man sich doch wenigstens einmal mit ihren Meinungen.
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