
Wenn man Menschen 40 Jahre lang erzählt, wie gefährlich Kernenergie ist, dann ist der Erfolg eindeutig. Die in dem Artikel gemachten Analysen, so richtig sie erscheinen mögen, erübrigen sich dann. Gleiches gilt für Gentechnik, Klimawandel, Energiewende, Islam ist Frieden,... Nein, meine Antwort ist ebenso schlicht wie unwissenschaftlich: Die Medien erziehen zum gewünschten Denken.
Nachtrag: Werter Herr Walter, ich vergaß zu fragen, was ist das eigentlich noch für ein Journalismus den Sie in den “meinungsmachenden” Medien verorten, wenn die Meinungen und Informationen in der Mehrzahl artig von DPA und AFP abgeholt werden? Nein, nein - bitte überdenken und überarbeiten Sie Ihren Beitrag neu! Herr Petersen sollte das auch tun. Schauen Sie mal über den Tellerrand hinaus.
Werter Herr Walter, sie unterstellen dem Zeitungskonsumenten, daß dieser seine Meinung in selbiger bestätigt sieht, und dehalb das lesen will und das Print eben deshalb konsumiert. Das sehen ich differenzierter. Sollte man sich seriöserweise, wenn man schon über “Meinungsbildung” redet, nicht das komplexe System derselben dabei sehen? Parallel zu den etablierten Printmedien existieren ja auch noch die Funkmedien und ja auch noch der Bildungskomplex. Ja selbst kleinste Kreis- und kommunale Blätter mit hohem Werbe- und Anzeigenteil tröten in das Horn der Systemmedien und der politischen Anführer. Nach Ihrer These wollen ja die Nutzer der Systemmedien belogen und betrogen werden - das ist infam, da sie diese damit als dumm abqualifizieren.
Lieber Herr Walther, vielen Dank für Ihre Antwort. Es lag mir auch fern, Sie persönlich anzugreifen. Ich hatte nur den Eindruck, dass beim Leser eine Vorstellung zurückbleiben könnte, die einfach falsch ist. Dass die Zeitungen sich allein schon aus Selbsterhaltungstrieb auf Ihre Leser einstellen müssen, bestreite ich natürlich nicht. Insofern bin ich mit meinem Beitrag vielleicht etwas über das Ziel hinausgeschossen. Beste Grüße Thomas
Ihre Erläuterungen zum Thema ‘Meinungsbeeinflussung durch Medien’, dass die Haltung der Bevölkerung nach einer bestimmten Medienbotschaft vorhersagbar wird, erklären aber nicht die entsprechenden Verhältnisse in der DDR, bzw. dem Ostblock. Hier wurde die Manipulation der öffentlichen Meinung bewußt betrieben um alle “bei der Stange zu halten”. Das hat jedoch nicht funktioniert. Ein großer Teil blieb von der Meinungsmache, z.B. des “Schwarzen Kanals” von Schnitzler völlig unbeeindruckt. Ich denke hier spielt das psychologische Phänomen der Reaktanz ein wichtige Rolle. Sehen Menschen ihre Handlungs-, Verhaltensmöglichkeiten eingeschränkt kommt es zu unbewußten Versuchen, diese wiederherzustellen. D.h. werden bei bestimmten Themen bestimmte Haltungen vorgegeben, z.B. durch die Medien, werden andere Haltungen/Meinungen automatisch mindestens unerwünscht, oder sogar verboten. Dies engt den Spielraum der freien Meinungsbildung ein. Daher versuchen Menschen, nach dem Motto “nun erst recht”, sich diese Freiräume wieder zurück zu erobern. Und ich denke, man kann dies am Beispiel der DDR gut beobachten. Allerdings waren hier auch alle Medien vollständig gleichgeschaltet, es gab keine Abweichung von der vorgegebenen Linie. Vielleicht erklärt dies, warum es bei uns nicht zum massenhaften reaktantem Verhalten kommt. Unsere Medien sind möglicherweise nicht so gleichgeschaltet, wie in totalitären Regimen. Ich habe also als Mediennutzer die Wahl, d.h. kann meine Entscheidungsfreiheit wieder herstellen. Ich habe dies auch bewußt getan, denn ich halte es immer für problematisch, wenn die Mehrheit der Journalisten nur noch einer Meinungsrichtung angehören (70% der Journalisten verorten sich im links-grünen Lager). Natürlich beeinflussen Informationen aus der Umwelt unsere Bewertungen, aber sie tun es in jeder Richtung. Bedenklich wird es erst, wenn es nur noch eine Mainstreamrichtung gibt. Daher halte ich es für bedenklich, wenn die Mehrzahl der Journalisten nur noch einem Lager angehören. Hier würde ich mir mehr Pluralität wünschen. Im freien Markt ist das womöglich schwer durchsetzbar, wg. der Wechselwirkung zwischen Angebot und Nachfrage, aber die ÖR haben diese Entschuldigung nicht. Sie könnten durchaus für eine größere Vielfalt der Meinungen sorgen.
Als Kommunikationsdesigner würde ich Ihnen beipflichten, bisher jedenfalls. Wir erleben aber derzeit eine Paradigmenwechsel. Eine für die Presse fatale Abwärtsspirale. Das Informationsbedürfnis entwickelt sich immer selbstbestimmter. Der moderne Mensch ist durch sämtliche digitale Medienmöglichkeiten schon lange nicht mehr auf Zeitungen angewiesen, die ihm nur noch Informationen liefern die er schon kennt. Was bleibt ist das Haptische und die Lust, erworbene Informationen zu vergleichen, mit dem teilweise verbissen geführtem Versuch Meinung zu machen. Dieser Trend schlägt sich nieder, in krampfhaft am eigenen Weltbild festhaltenden redaktionellen Beiträgen, denen eine Vielzahl von Kommentaren diametral entgegen stehen. Dabei relativiert sich links und rechts immer mehr den das Screening sämtlicher namhaften Zeitungen der Republik zeigt, das die Beiträge sich nicht mehr sonderlich unterscheiden. Das ergibt sich auch daraus, dass 80% aller Journalisten zwar eine ähnliche, aber dennoch andere Meinung haben als 80% der Leser. Warum sonst ist der Exodus der früher wichtigen kulturellen Institution Zeitung bei der Veröffentlichung der Quartalszahlen kontinuierlich dokumentiert? Grüsse Hans J. Fornoff
Danke. Und darum lese ich bzw. nutze ich kaum die Medien und fahre aus diesem Grund selbst vor Ort und recherchiere selbst, wie z. b., in der Ukraine. Glauben Sie nicht. Stimmt. Das ist ja das Problem. Und so gilt auch heute noch der Spruch meiner geliebten Großmutter, die zwei Weltkriege erdulden musste: “Papier ist geduldig.”
Hallo Herr Petersen, vielen Dank für die ausführliche und interessante Antwort. Ich würde nur gerne dazu bemerken, daß der Titel nicht von mir stammt. Im Text selbst wird eine solche These nicht vertreten. Der originale Titel war auch verhaltener: “Zeitungen und ihre Leser - die Henne und das Ei”. Im Wesentlichen geht es um die Frage, ob die Eigentümer der Zeitungen eine politische Linie ihren Lesern eintrichtern (eher nein) oder umgekehrt, die Leser durch ihre Nachfrage bestimmen, was sie als politische Linie bekommen (eher ja). Das letztere schließt sich nicht damit aus, sondern bedeutet gerade, daß die Leser sich die Zeitungen suchen, die zu ihnen passen. Eine Zeitung ist dabei nicht ein fixes Produkt, sondern nachgefragt wird die Meinungsbildung im Rahmen einer politischen Grundausrichtung. Insofern würde ich auch nicht bezweifeln, daß gerade bei neu auftauchenden Sachverhalten Meinungen gebildet werden. Viele Grüße Hansjörg.
Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.