
Sehr geehrter Herr Dr. Petersen, wenn Sie Antworten auf Verhaltensmuster zur Erklärung dessen suchen, was Sie in Ihrem Aufsatz umreißen, dann empfehle ich: “Offene Systeme, rollentheoretischer Ansatz. The Social Psychology of Organizations by Daniel Katz, Robert L. Kahn. Sowie die Rationalitätstheorie von Argyris. Also die Theorie organisierenden Handelns.” Obwohl schon in den Siebziger Jahren erschienen, haben diese Ansätze, die weitestgehend auf der Grundlage empirischer Forschungsergebnisse entwickelt wurden, nichts an überzeugendem begrifflichem Inhalt eingebüßt. In diesem Zusammenhang darf ich eine Anekdote von Katz, Mensch jüdischen Glaubens, über einen Kollegen, ebenfalls jüdischen Glaubens, wiedergeben. Dieser Kollege hatte Verhaltensmuster mit geschlechtsspezifischen Eigenheiten, die sich über die Jahrtausende entwickelt haben sollen, zurückgeführt. Auf die Frage von Katz an den Kollegen, ob er dabei auch untersucht habe, ob Zitronenfalter ein Beruf sei, beschloss der Kollege, Historiker zu werden:-) (Katz habe ich während eines Stipendiats in den USA noch erleben können)
Unter der Überschrift “Philosophie der Politik” schrieb Oswald Spengler 1924: „Was ist Wahrheit? Für die Menge das, was man ständig liest und hört. Mag ein armer Tropf irgendwo sitzen und Gründe sammeln, um “die Wahrheit” festzustellen - es bleibt seine Wahrheit. Die andre, die öffentliche des Augenblicks, auf die es in der Tatsachenwelt der Wirkung und Erfolge allein an-kommt, ist heute ein Produkt der Presse. Was sie will, ist wahr. Ihre Befehlshaber erzeugen, verwandeln, vertauschen Wahrheiten. Drei Wochen Pressearbeit, und alle Welt hat die Wahrheit erkannt.” Da in den Massenmedien auch heute - wie oben erwähnt - immer das gleiche zu lesen ist, stimmt die Feststellung Spenglers noch immer.
Die Meinungen, bzw. Vorurteile, die auch hier im achgut-Forum zum Thema Putin und Ukraine niedergeschrieben werden, haben doch auch eine lange Vorgeschichte, wie z.B. Stalins Kampf gegen die Kulaken, die Zwangskollektivierung und den Hitler - Stalin Pakt mit den Geheimabkommen, die in der DDR und auch in der alten Bundesrepublik von interesssierter Seite entweder verschwiegen oder verherrlicht wurden. In der SPD gab es immer Neutralisten im Sinne Schumachers, die gerne auf Stalins “Wiedervereinigungsangebot” hereingefallen wären und immer die USA, bzw. den Westen und der NATO den “Kalten Krieg” in die Schuhe schieben wollten. Der Untergang der SU, der WP und des RGW war für Linksintellektuelle, Gewerkschaftsfunktionäre und rot-grüne Parteigänger im Westen und Parteifunktionäre im Osten, nie die Folge politischer und ökonomischer Inkompetenz, Korruption und und allgemeinen Niedergangs, sondern immer eine Folge westlicher Überlegenheit, die von der Linken als Agression dargestellt wurde, ohne zu fragen was und wie der Westen etwas besser macht. Solche Fragen hätten ja die eigene Ideologie in Frage gestellt. In den 90er Jahren waren es Linksintellektuelle, die die EU zum Modell gegen die USA ausbauen wollten. Gewerkschaftsfunktionäre und im Schlepptau die Medien wehrten sich vehement gegen “amerikanische Verhältnisse” und verliehen somit dem Antiamerikanismus der Kryptokommunisten und des SDS der sechziger Jahre offizielle Weihen. Der schon sein dem 19. Jhd. latente Antiamerikanismus, sowie der als Antizionismus verbrämte Antisemitismus erreichten nach dem 11.09.2001 einen neuen Höhepunkt, den auch ein Snowden nicht toppen konnte, obwohl es noch immer krampfhaft versucht wird. Es gibt in der Bundesrepublik Presseerzeugisse und Medien die schon vor G. Schröder Putin, den ehemaligen KGB-Offizier, für einen “lupenreinen Demokraten” hielten und ihn propagandistisch assistierten. Einige Zeitungen, wie z.B. die FAZ kämpfen mit einigen Artikeln und Kommentaren vergeblich gegen die Geister und Trolle die sie riefen. Es sind dieselben, die im noch im September 1989 an die Ewigkeit der Mauer in Berlin und ein gespaltenes Europa glaubten und das Marode am Kommunismus ignorierten.
Also ich glaube schon, dass dauernde Wiederholungen ihre Wirkung tun, nicht nur in der Psychologie. Und unsere Massenmedien heutzutage sind ja nichts anderes als gleichgeschaltete Wiederholungsmaschinen. Wenn man mal die einschlägigen Online-Zeitungen anklickt, von welt, faz, über spon, focus bis zu bild, dann steht doch überall dasselbe drin. Man muss schon artig klicken, wenn man auf interessante Unterschiede stoßen möchte. Auch die Printmedien nähern sich an (aneinander und natürlich an die Onlinemedien), vom Fernsehen ganz zu schweigen. Manchmal kommt’s mir vor, als hätte jemand den Volksempfänger mit vielen Programmen erfunden, auf denen überall dasselbe läuft oder geschrieben steht. Das kann gar nicht ohne Wirkung sein, die Frage ist nur, wie groß sie ist, und was noch eine Wirkung auf die Meinungsbildung der Menschen hat.
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